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Jüdische Zeitung · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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"jüdische Zeitung Redaktion, Administration und Inseratenauf nähme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Telephon 12.299. Sprechstunden täglich von 11—12 Dhr vormittags nnd 4—5 Dhr nachmittags. Manuskripte werden nicht zurückgestellt. Erscheint jedeij Freitag. Verkaufsstellen in WIEN: Administratiop, IX., Liechtensteinstr. 11, Zeitungsbureau Goldschmiedt, I., Wollzeile 11. Einzelne Nummern ^0 Heller. Vertretungen in der provinz: In Brünn: Zeitungsbureau, Ferdinandsgasse. — ln Prag: Zeitungsverschleiß Wlczek, Graben.33.. — Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Abonnementspreise: ln Oesterreich - Ungarn: Ganzjähr. K 10*— halbjähr. K 5'—, vierteljähr. K J- In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10*— halbjähr. Mk. 5'—, vierteljähr. Mk. 3 — lmübrigen Ausland1 ganzj. Frcs. 15*— In Lemberg: Karl Buch stab. Nr. 19. Wien, Freitag den 7, Mai 1909. I III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Verunglückte Judenretterei. Ein jüdischnationaler Protest im Parlamente. Die Krise in Ungarn. Tempel oder Rathaus? Wo findet der Zionistenkongreß statt? Parlamentarisches. Brief aus Budapest. Personalnachricht. Gedicht von Beda. Feuilleton: Erwerbsaussichten in Palästina. Aus dem jüdischen Leben. Parteinachrichten. Palästina. Vereinsnachrichten. Ueberläufer. Jüdifche Volksgenoffen! Der „Jüdische Nationalverein in Oesterreich“, weleher ein Sammelpunkt volkstreuer Juden ist, fordert hiermit alle modern-jüdiseh und modern - derhbkratiseh gesinnten Volksgenossen in ganz Oesterreieh zum Beitritt auf. Jahresbeitrag 4 Kronen. Beitrittserklärungen sind zu richten an das Sekretariat Wien IX., Liechtensteinstraße 11. Die „Jüdische Zeitung“ kostet: vierteljährlich . . . K 3.— halbjährlich .... „ 5.— für 1 Jahr . , . . . „ 10.— Es ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen die „Jüdische Zeitung“ zu abonnieren und für ihre Verbreitung unablässig tätig zu sein. Adressen von Personen, an die mit Aussicht auf Erfolg Probenummern gesendet werden können, sind stets erwünscht. An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Ueberweisung der rückständigen Beträge, da sonst eine Unterbrechung in der Zusendung der „Jüdischen Zeitung“ eintreten müßte. Die Verwaltung der „Jüdischen Zeitung“, Gesellsch. m. b. H. Verunglückte Judenrettereir Eine gesunde Idee ist verstockten Spießern in die Hände geraten, und sie haben solange debattiert, reformiert und formuliert, solange an dej: gesunden Idee herumgezerrt und herumgepuetscht, bis sie ihre schöne Seele aushauchte. Der „große“ Judentag, am 4. Mai, voji welchem sich unverbesserliche Naivlinge so großes versprachen, artete in eine Jdägliche Killehkomödie aus. Eine Gemeindesitzung im Krähwinkel kann nicht unwürdiger verlaufen. Die Herren, welche es unternommen haben, das „gesamte“ österreichische Judentum zu „organisieren“, begannen damit, daß sie Delegiertenmandate ganz willkürlich schufen und anullierten, bis glückljch ein Konventikel zusammengebracht war, dessen Mehrheit sich vom Vorsitzenden, dem Wiener Kultuspräsidenten Dr. Stern, untertänigst schuhriegeln und begrobsen ließ. Fast alle Proteste der anwesenden Zionisten, die sich verzweifelt bemühten, die ärgsten Mißstände abzustellen und einen würdigeren Zug in die Sache zu bringen, fielen unter den Tisch. Man kann sich weitläufige Schilderungen ersparen, ein Vorfall charakterisiert ausreichend: Im Verlaufe der Verhandlungen wurde dem Vorsitzenden Dr. Stern und dem Referenten Dr. Sonnenschein aus Troppau unter der ungewohnten Maske des solidarisch fühlenden Juden unerträglich heiß. Sie ließen sie unvermittelt fallen und rückten mit dem Anträge heraus, man möge von der geplanten jüdisch-österreichischen „Gesamtorganisation“ die galizischen Erwerbsaussichten in Palästina. In der Landwirtschaft. In der Landwirtschaft können noch sehr viele Juden ihr Unterkommen finden. Je nach dem Vermögen, dem Alter und dem Familienstand (verheiratet oder unverheiratet) ergeben sich folgende Möglichkeiten: 1. Leute ohne Vermögen können als Arbeiter Beschäftigung erhalten, entweder in den Pflanzungskolonien in Judäa oder in den Ackerbaukolonien in Galiläa. Anfangs werden die Arbeiter nur tageweise beschäftigt, später können sie auch monateweise angestellt werden. Da die Arbeit ziemlich schwer ist, eignen sich nur junge, kräftige Leute dazu. Die tägliche Arbeitszeit beträgt acht Stunden. Als Lohn erhält der Arbeiter im Anfänge ungefähr Frs. 1.25 (K 1.20, 50 Kopeken) pro Tag; geübten Arbeitern wird später bis zu 2 Frs. (K 1.90, 80 Kopeken) gezahlt. Bei 25 Arbeitstagen im Monat verdient also der Arbeiter im An- Juden, also zirka 80 Prozent der österreichischen Judenschaft ausschließen! Das ging allerdings auch vielen servilen Delegierten über die Hutschnur und der famose Antrag fiel durch. Selbstverständlich hub im Anschlüsse an den Antrag das usuelle Geschimpfe über die Rückständigkeit der Galizianer an. Ein Herr Pollak aus Bielitz wirkte als redegewaltiger „westlicher“ Kulturträger besonders possierlich. Daß schließlich auch Leute auftraten, welche kategorisch verlangten, es möge der „deutschfreiheitliche“(!) Geist in der Versammlung zum Ausdruck gelangen und andere wieder gegen die „Vergewaltigung“ der tschechischen Sprache protestierten, ist fast selbstverständlich. Die Idee, eine gesetzliche Organisation der österreichischen Judenschaft zu schaffen, ist ein Kind des jüdischnationalen Gedankens. Sie ist gesund und wird fortbestehen. Der unglückliche Verlauf .der bisherigen Aktionen hat lediglich bewiesen, daß kleinliche Khillemacher, assimilatorische Protzen außer Stande sind, diese Idee zu tragen und zu fördern. Der von dieser Seite produzierte Entwurf ist ein engherziges reaktionäres Machwerk, eine Blamage, die Karrikatur einer Organisation, die keine Lebenskraft in sich birgt. Es steht schon heute fest, daß dieser Entwurf nie und nimmer Gesetzeskraft erlangen kann. Nur eine volkstümliche, von nationalem Geist erfüllte Organisation kann Ersprießliches zutage fördern. Wenn einmal das jüdische Volk in Oesterreich von der Notwendigkeit der Reichsorganisation überzeugt sein wird, wird sie auch zustande kommen. Die Bei ratungen rückständiger, volksfeindlicher, in fange 32 Frs., später bis zu 50 Frs. Dieser Arbeitslohn reicht zum Unterhalt für eine Familie nicht aus, denn eine Familie von Mann, Frau und zwei Kindern braucht zum Unterhalte 75 Frs. monatlich, nämlich 15 Frs. für Wohnungsmiete und 60 Frs. für Nahrungsmittel; ein unverheirateter Arbeiter kann jedoch mit dem Lohn auskommen, da der Lebensunterhalt eines unverheirateten Arbeiters sich mit 40 Frs., im Notfälle auch etwas billiger bestreiten läßt. Es ist wünschenswert, daß der Einwanderer wenigstens 100—200 Frs. mitbringt, damit er für die erste Zeit, wo er noch wenig verdient und zeitweilig ohne Arbeit ist, einen Reservefonds hat. Arbeiter, welche einige Jahre in der Landwirtschaft in Palästina tätig gewesen sind und sich als tüchtig bewährt haben, haben Aussicht von einer jüdischen Kolonisationsgesellschaft als Pächter oder Kolonisten angesiedelt zu werden und so zur Selbständigkeit zu gelangen. II. Leute mit einigen Tausend Francs Vermögen können ebenfalls nur als Arbeiter ihre Existenz finden. Sie haben jedoch die Möglichkeit, auch ihre Familien mitzubringen, denn Frau und Kinder können in folgender Weise mitverdienen:

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