Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 15 (9.4.1909)
- Date
- 1909-04-09
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 15 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Wohnung dürfte noch vor Pessach fertig werden. Es wird auch beabsichtigt, eine gArbeiterküche zu gründen. * * * Stand der Kolonie in Moza. Die vor 15 Jahren begründete Kolonie Moza jiegt ungefähr eine Stunde von Jerusalem entfernt. Sie produziert ausgezeichneten Wein und könnte infolge der Nähe Jerusalems auch durch Gemüsebau, Milchwirtschaft und Geflügelzucht gute Einnahmen haben. Trotzdem ist die Lage der Kolonisten recht mißlich, weil es ihnen an jedem Kapital fehlt. Die gesamte Bodenfläche der Kolonie beträgt 635 Dunam, die sich auf 24 Familien mit 112 Seelen (darunter 17 eigentliche Kolonistenfamilien) verteilen. Die gesamte Kolonie mit ihren Pflanzungen repräsentiert einen Wert von ca. 250.000 Frcs. Es gibt in Moza an 60.000 Weinetöcke, über 1200 Oelbäume und 600 sonstige Fruchtbäume. Die gesamten Schulden der Kolonie betragen ca. 50.000 Frcs. Es gibt 13 Familien mit einem jährlichen Einkommen von nur 200 Frcs. * * * Sichroit-Jakob. Auch aus unserer Kolonie kann man über eine erfreuliche Zunahme der jüdischen Arbeiter (ihre Zahl beträgt bereits ca. 30) und ein recht gutes Verhältnis zwischen Kolonisten und Arbeitern berichten. Es ist zu erwarten, daß gerade auch das Leben unserer Kolonie, deren Jugend in so großer Zahl das Land zu verlassen pflegte, auf die jungen Arbeiter günstig einwirken wird. * * * Ekron. Gegeu S000 Dunam (der größte Teil des anbaufähigen Bodens) ist mit Winterfrucht, und zwar meistens mit Gerste und Viehfutter besät. Nur ■etwa 4000 Dunam sind für die Sommersaat reserviert worden. 2000 Dunam könnten wir in der Nachbarschaft zum Preise von 1 Frc. pro Dunam pachten. Diese Pacht wäre für uns besonders wichtig, da wir auf diesem Boden Weidenplätze für unser Vieh hätten. Unsere Kolonie sieht besorgt dem Herbst entgegen, da dann der,Termin kommt, an dem die Kolonie alte Schulden in ziemlicher Höhe zu zahlen haben wird. Zum Glück sind die Aussichten für die neue Ernte gut und so wird hoffentlich vielen Kolonisten, trotzdem sie große Schulden haben, die Abzahlung möglich sein. Für viele aber wird es ein äußerst kritischer Moment sein, und es läßt sich nicht voraussehen, ob es ihnen gelingen wird, denselben zu ■überwinden. Aufruf! Werte Gesinnungsgenossen! Die neuen Nationalfondsmarken, die bereits allseitig mit Spannung erwartet wurden, sind erschienen und haben die an sie gekuüpften Erwartungen nicht enttäuscht. Die neuen Marken, die unseren sei. Führer Dr. Herzl an der Rheinbrücke zu Basel nach Zion ausblickend darstellen, repräsentieren sich sowohl in Bezug auf künstlerische Ausführung, als auch auf praktische Ausstattung sehr gut. Sie haben das Format der österr. Jubiläumsmarken und sind gut gummiert und perforiert. Die Herzlmarken werden bei einiger Agitation sicherlich in allen jüdischen Gesellschaftsschichten rasch beliebt werden. Sie sind in kleinen Heften ä 20 Stück zum Preise von 2 K bei uns und in folgenden Verkaufsstellen zu haben: Böhmen: Volks-Vorschußkassa, Prag. Galizien : Meier Henisch, Stanislau. Markus W. Bard, Tarnopol. Hersch Rosenbaum, Zloczow. Mähren: Leo Krieger, Mährisch- Ostrau. A. Sträußler, Ungarisch- Hradisch. Schlesien: Josef Statter, Teschen. Bei brieflichen Bestellungen ist der Kaufpreie zuzüglich Porto einzusenden. Die alten Marken sind gleichfalls in Hefte gebunden, zum alten Preis von 2 h per Stück erhältlich. Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds: Wien, IX., Türkenstraße 9. Ortschaftsweise Statistik der Nationalfonds- und Oelbaumspenden pro 1908 aus dem Distrikt Innerösterreich. Der Distrikt Innerösterreich umfaßt ein weites, aber mit Ausnahme von Wien nur spärlich von Juden bewohntes Gebiet. Es ist daher begreiflich, daß der Hauptanteil an seinem Jahresertrage von 7900 K Wien zufällt, das über 6200 K aufgebracht hat. (Hiebei sind ca. 400 K, die in der Distriktssumme mitenthalten sind und in den Wochenausweisen „Wien“ zugewiesen waren, nicht mitgezählt, da diese 400 K aus den fremder Landessammelstellen, besonders aus Ungarn und Kroation, Bosnien, nach Wien eingesandt waren). Doch im Gegensatz zu den früheren Jahren beginnen auch schon aus größeren und kleineren Landstädten Beiträge zu fließen, welche im Verhältnis zur Zahl der Juden jener Orte recht anerkennenswert zu nennen sind — ein erfreuliches Zeichen erwachenden jüdischen Nationalgefühls! Im ganzen sind 30 beitragende Orte zu nennen, unter denen nachfolgende einen Jahresbeitrag von mehr als 20 K ablieferten (die Namen der N.-F.- Kommissäre sind in Klammer beigesetzt): Kronen 1. Wien (Dr. Leop. Meisel) .... 6227 2. Graz (E. Rosenberger).295 3. Innsbruck (Dr. J. Sagher) .... 182 4. Triest (Dr. Siegm. Fuchs) .... 134 5. Leoben (Ludw. Röhr).104 6. Laibach (Herrn. Landskroner) . . 101 7. Meran. 89 8. Krems (Otto Auspitz). 69 9. Linz. 42 10. Mödling (Benno Moses). 33 11. Ischl. 31 12. Gmunden .. 27 13. Wiener-Neustadt ........ 25 14. Alland.•. 23 Weniger als 20 K jährlich sandten ein: Amstetten, Baden (1), Bludenz, Deutsch-Wagram, Gänserndorf, Hainburg, Kaltenleutgeben. Klosterneuburg, Langau, Langenlois, Langenwang, Liesing, Murau, Neunkirchen, Waidhofen a. d. Thaya, Weidling, Wels. Das Erträgnis ließe sich natürlich noch vielfach steigern. Zunächst in Wien selbst; nach der Zahl und Wohlhabenheit seiner Judenschaft sollte Wien bedeutend mehr leisten. Kein Heller floß ein aus den drei Kronländern Kärnten, Salzburg und Dalmatien, ferner aus folgenden größeren Orten der übrigen Kronländer: Bozen, Enns, Gleichenberg, Görz(l), Horn, Korneuburg, Meran, Mistelbach, Oberhollabrunn, St. Pölten, Steyr, Stockerau, Tulln, Vöslau (!). Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Oesterreich. An die N.-F.-Kommissäre Galiziens. Im Aufträge des N.-F.-Hauptbureaus in Köln berufen wir im Anschluß an den galizischen Parteitag, der am 18. und 19. April in Lemberg stattfindet, dahin für Sonntag den 18. April (die näheren Daten über Ort und Zeit werden noch durch die Parteipresse bekanntgegeben) eine Tagung sämtlicher N.-F.-K ommissäre Galiziens ein und entsenden zu dieser Tagung unseren Obmann Dr. Egon Zweig. Die Tagesordnung ist: 1. Tätigkeitsbericht der österreichischen Sammelstelle und der vier Distriktskommissäre. 2. Allfälliges. Im Interesse der direkten Fühlungnahme und Aussprache aller am Fortschritt der N.-F.-Arbeit beteiligten Faktoren, ist ein zahlreicher Besuch dieser Tagung höchst erwünscht. Die N.-F.-Kommissäre, welche diese Tagung besuchen werden, wollen uns dies vorher anzeigen. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß Die österr. Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds. Wien, IX., Türkenstraße 9. Oskar Marmorek. Nach Schluß des Blattes erhalten wir die erschütternde Nachricht, daß Baurat Oskar Marmorek Dienstag abends auf dem Grabe seines Vaters Selbstmord begangen hat. Baurat Marmorek wurde am 9. April 1863 in Skala geboren, studierte in Wien und Paris und war als Architekt allgemein geschätzt. Für die zionistische Partei bedeutet sein Tod einen großen Verlust. Oskar Marmorek war einer der intimsten Parteigenossen unseres verewigten Führers Dr. Herzl. Als langjähriges Mitglied des engeren Aktionskomitees entfaltetete Marmorek im Dienste des Zionismus eine intensive Tätigkeit. Auf den Kongressen spielte er als Berichterstatter des Aktionskomitees eine bedeutende Rolle. Auch sonst unterzog er sich willig den schwierigsten Parteiarbeiten. Als Organisator der Partei hat er, in beständigem Kontakte mit Dr. Herzl stehend, Unvergängliches geleistet. Aber auch als Agitator hat er sich um die zionistische Bewegung außerordentliche Verdienste erworben. Die zionistische Partei wird ihm ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. (Zionistischer Zentralverein in Wien.) Dienstag den 13. d. M., sowie die folgenden Dienstage finden im Vereinslokale, IX., Türkenstraße 9, Schekelabende statt. Alle zionistischen Korporationen und Vereine haben gemäß Beschluß der letzten D. K. Sitzung ihre Obmänner behufs Konstituierung des Organisationskomitees zu entsenden. Auch sämtliche Inhaber von Schekelblocks wollen sich einfinden. Beginn präzise 8 Uhr abends. Wien. (P o a 1 e-Z i o n.) Samstag den 9. d. M. öffentliche Vereinsversnmmlung im Vere:nslokale XX., Mathildenplatz 7. Tagesordnung: l. „Der neunte Kongreß“, Referent: Kaplansky. 2. „Das jüdische Proletariat und die Paiästinafragen“, Refrent: Genossin W e i ß m a n n aus Palästina. Beginn V-- 8 Uhr abends. Gesinnungsgenossen erscheint zahlreich! Wien. (Lese- und Redehalie jüdischer Hochschüler.) Im Interesse der von allen Seiten propagierten Sportförderung hat die Rede- und Lesehalle Sportsektionen gegründet und bittet alle jene, die sieh für Tennis- oder Fußballspiel interessieren, ihre Anmeldung (IX., Hörigasse Nr. 11) baldigst bekanntzugeben. Wien. (Jüdisch-akademischer Juri s t e n v e r e i n.) Der Jüdische Juristenverein veranstaltet im Sommersemester Vorbereitungskurse zur rechtshistorischen und judizieiien Staatsprüfung (Julitermin) und lädt alle jüdischen Juristen zur Teilnahme an denselben ein. Den Mitgliedern stehen auch Lernbeheife und eine Bibliothek zur Verfügung. Anmeldungen und Auskünfte beim Obmann jur. Max Gold, I., Universität. Berichte. Budapest. Den Anfeindungen ungeachtet schreitet in Ungarn die Bewegung vorwärts. Am 21. v. M. wurde in Kismarton (Eisenstadt) eine große Agitationsversammlung abgehalten, welcher der Bürgermeister der autonomen jüdischen Gemeinde, Herr Breuer präsidierte. Nach den Reden der Herren Lebowitsch und Ing. B e r e g i (Bu-