Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1909-04-09 · 15 (9.4.1909) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
15 (9.4.1909)
Date
1909-04-09
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2438141-2438220-2438235--1128-2440697
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 15 dapest) wurde ein zionistischer Bürger- und ein Jugendverein gegründet. — In Bad P ö s t y e n (Pistyan) sprachen am 28. d. die Herren Dr. D ö m e n y und Lebowitsch (Budapest) mit großem Erfolg. Der bereits vor einem Monat gegründete Verein arbeitet mit allen Kräften. — Unter den Neugründungen ist noch zu erwähnen:der zionistischeBürgerverein in Budapest, VIII.Bezirk, dieMisrachiruppe in Szatmär und der Jugendverein in ozsony. — Für die Ende Mai abzuhaltende Landeskonferenz zeigt sich überall reges Interesse. Aus diesem Anlasse wird in den Räumen der Konferenz eine Kollektion von Bezalel-Arbeiten veranstaltet. B. Prag. (Jüdische Volks-Vorschußkassa in Prag.) Am 25. März 1909 fand die Generalversammlung der Volksvorschußkassa in Prag statt. Der Präses, Herr Apotheker Max Fant a eröffnete die Generalversammlung. Den Geschäftsbericht, welchen Herr Direktor Karl Resek erstattete, genehmigte die Generalversammlung einhellig unter lautem Beifall. Der von Herrn J. W ertheimer verlesene Kassabericht wurde ebenfalls zur Kenntnis genommen. Namens der Revisoren berichtete Herr Ignaz Porges, daß bei den im ab-, gelaufenen Geschäftsjahre vorgenommenen 13 Revisionen der Buchhaltung, der Kassa, der Kassabelege, des Wechselportefeuilles, der Depots und der Schlußrechnungen stets alles in bester Ordnung vorgefunden wurde, weswegen er den Antrag stellte, dem Ausschüsse und den Zensoren für ihre Mühewaltung den Dank abzustatten und das Absolutorium zu erteilen. Dies geschah mit Stimmeneinhelligkeit. Herr Direktor Resek beantragte, nachdem die Anteile bereits mit 47® verzinst wurden, von dem hernach noch verbleibenden Reingewinn von Kronen 4068‘22 laut § 75 der Statuten 307® dem Reservefond, 107® den Ausschußmitgliedern, 57® den Funktionären, 57» den Revisoren, 20°, o dem Jüdischen Volksverein in Prag, 57» dem Pensionsfonde für die Beamten und Angestellten der Anstalt zuzuweisen und die restlichen 257® dem zu errichtenden Spezialreservefonds für Verluste aus dem Hypothekargeschäfte zuzuwenden; dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Hierauf wurde zu den Wahlen geschritten. Die Skrutatoren gaben bekannt, daß im ganzen 136 gütige Stimmen abgebeben wurden und daß folgende Herren gewählt erscheinen: Als Ausschußmitglieder die Herren: Dr. Gustav Kuh, Karl Resek, J. Wertheimer. Als Ersatzmänner die Herren: Anton Glaser, Dr. Moritz Stein, Moritz Weltsch. Als Revisoren die Herren: Ignaz Porges, Markus Fischl, Max Wollner. Nach Bekanntgabe des Wahlresultates wurde die Versammlung geschlossen. — Der neugewählte Ausschuß konstituierte sich am 29. März wie folgt: Mag. Pharm. Max Fanta, em. Apotheker in Prag, Präsident, JUDr. Eduard Kraus, Advokat in Prag, Vizepräsident, Karl Resek, Kaufmann in Weinberge, Direktor. Ferner wurden bestellt: zum Kassarevisor Herr J. Frank, Kaufmann in Prag; zum Rechnungsrevisor Herr Siegmund Hahn, Kaufmann in Prag und zum Kontrollor: Herr J. Wertheimer, Prof, in Prag. Gablonz a. W. Der Verein „Theodor Herzl“, der erst kurze Zeit besteht, zeigt in jeder Beziehung, daß die Gablonzer Judenschaft genug jüdisch und fortschrittlich ist, um den modernen Judenproblemen das intensivste Interesse entgegenzubringen. Das zeigte sich bei der letzten Veranstaltung vom 27. März, bei der Herr J. U. C. Leo Herrmann (Bar Kochba, Prag) auf Grund der Wiener Hochschulkurse über das „Reale Palästina“sprach. In fesselnder und sachlicher Weise legte er dar, warum eine vernünftige Emigrationspolitik nur Palästina als Land unseres Strebens fordere, wie nichtig alle aus der klimatischen Verschiedenheit Palästinas entstandenen Befürchtungen seien, und wie Landwirtschaft und industrielle Betätigung bewiesenermaßen der größten Zukunft entgegengehen, besonders wenn eine Verbindung beider die Juden der Scholle zuführe. Herr Herrmann illustrierte dann seinen Vortrag durch Vorführung einer Reihe von schönen Palästina-Lichtbildern, die ad oculus demonstrierten, daß Palästina nicht nur das Land unserer Träume, sondern auch unserer Gegenwart und nächsten Zukunft sei. Der Abend wird das Palästinainteresse nicht mehr einschlafen lassen. Krakau. Am 28. v. M. hielt der hiesige jüdische Turnverein sein Schauturnen ab. Trotz vieler Schwierigkeiten, hat es der Verein verstanden, sich lebenskräftig zu entwickeln und die Sympathien der Bevölkerung zu erwerben. Der Obmann des Vereines, Herr Dr. L. Landau, hielt eine Ansprache. Hierauf führten bei den Klängen der Musik 52 Turner exakte Freiübungen auf, die wohlverdienten Beifall ernteten. Auch die Damenriege zeigte, daß der Verein auch in dieser Richtung sein Bestes getan hat. Das nachfolgende Geräteturnen, sowohl der männlichen als auch der weiblichen Turner zeugte von den Fortschritten, den der'Verein während seines erst zweijährigen Bestandes bei seinen, meistens aus Anfängern bestehenden Mitgliedern, gemacht hat. Reicher Beifall lohnte die Ausführenden. Den Schluß bildeten Pyramiden. Den Erfolg des Abends bildete ein materieller Gewinn und mehrere Neuanmeldungen. Ing. Leo Schneider. Kolomea. (Dr. Kadisch. — Madam Pevsner.) Am 13. und 15. März 1. J. hielt bei uns Herr Dr. Hermann Kadisch aus Wien zwei Vorträge über „Dasjudcntum und dieNationalitätenfrage in Oesterreich“ und „Jungjüdische Aufgaben“ vor einem zahlreichen Publikum. Unter den Anwesenden befand sich auch der Reichsratsabgeordnete Dr. T r y 1 o w s k i. Die Ausführungen wurden überaus beifällig aufgenommen. Zwei Wochen später hatten wir das Vergnügen, die berühmte Volksrednerin und Propagandistin für den „Be za lei“ in unserer Stadt zu empfangen, wo sie drei Vorträge hielt und einige Mitglieder für den „Bezalel“ gewann. Frau Pewsner sprach am 24. d. abends über „G o 1 u s und Palästina“. Freitag den 26. abends im Poale-Zion-Vereine über „D i e Strömungen unter den jüdischen Arbeitem“ und Samstag den 27. abends über „D i e BedeutungdertürkischenKonstitution für den Zionismus.“ Der Erfolg ihrer Vorträge ist ein imenser und wird hoffentlich auch anhalten. Suczawa. (Vortragszyklus des Vereines „Theodor Herz 1.“) Am 14. v. M. sprach Herr Dr. Mayer Ebner über „Judaea und die jüdische Diaspora im Zeitalter der Herodianer“. Der Vortrag stellt eine Synthese, der einschlägigen Literatur über das kulturgeschichtlich so interessante Zeitalter der Herodianer dar. Wenn auch der Vortragende das bloß Sagenhafte jener Epoche von dem wirklich Historischen zu wenig schied, so gewährte er dennoch einen tiefen Einblick in das Leben und Treiben der Juden jener Zeit, in den Kulturkampf zwischen Hellenismus und Judentum und in das tragische Familienleben der letzten Hosmonaeer und Herodes des Großen. Die interessanten Vergleiche zwischen Vorgängen und Zuständen jener Zeit und den heutigen, bildeten die gute Würze des Vortrages. Das sehr zahlreich erschienene Publikum zollte Herrn Dr. Ebner wohlverdienten Beifall. — Am 21. d. M. las Herr Doktor med. Max Wurzel über „Entwicklungslehre und Judetum.“ Vom biogenetischen Grundsatz: Die Onthogenie ist eine Rekapitulation der Philogenie ausgehend, schilderte der Vortragende die Entwicklung in der organischen Welt von den niedersten zoogenen Organismen bis zum höchsten sozialen Wirbeltier, dem Menschen,, und seiner höchstentwickelten Gemeinschaft, dem Staate. Im zweiten Teile des Vortrages suchte der Vortragende den Nachweis zu liefern, daß schon im Altertume und dann im nachtalmudischen Mittelalter darwinistische und monistische Ideen wohlbekannt und gepflegt waren. Während aber alle dies heimlich und hinter Symbolen versteckt taten, hat als erster den Monismus mit größter Klarheit und Ueberzeugungskratt in die Welt hinausposaunt: Baruch Spinoza. In neuerer Zeit haben dann Juden vor allen den großen Entwicklungsgedanken und den daraus resultierenden ethischen Idealismns mit wahrer Begeisterung aufgenommen. Redner schließt mit einem Apell an die jüdische Jugend, im Sinne der Entwicklungsidee Aufklärung indasVolk zu tragen, gegen alles unschöne und uns Schädigende frei aufzutreten, damit das jüdische Volk ein Herren volk in des Wortes edelster Bedeutung werde. M. Teich. Czernowitz. (Vortragszyklus der „Zephira“.) Wie im Vorjahre veranstaltete die jüd. nat. ak. Verbindung „Zephir a“ auch heuer einen Zyklus populärwissenschaftlicher Vorträge über Probleme aus der jüdischen Geschichte und dem jüdischen Leben. Es sprachen Reichsratsabgeordneter Dr. Strauch er über „Die nationale Idee“, Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler über „Fanatismus und Begeisterung“, Univ.-Prof. Dr. Leo Kellner über „Benjamin Disraeli“, Dr. Nathan Birnbaum über „Pro p he tentum“, Oberrabbiner Dr. Rosenfeld über „Michael Sachs und seine Zeit“, Präsident der Advokatenkammer Dr. Heinrich K i e s I e r über „Junges und altes Judentum“, Prof. A. Heumann über „Moderne jüdische Geschichtsforschung,Professor Winkler über „Geologisches in der Sintflut“, Prof. Dr. Spitzer (Radautz) über „Theodor Gomperz“ und Dr. Severin Gottlieb (Krakau) über „Das jüdische Problem in der modernen Kunst“ (mit Lichtbildern). Die Vortragenden verstanden es, ihre Themen überaus interessant zu behandeln und waren die Vorträge, welche im Festsaale des jüdischen Nationalhauses abgehalten wurden, immer von 400— 500 Personen besucht. Dieser Erfolg beweist, daß die Verbindung den richtigen Weg gefunden, das jüdische Publikum, besonders die Intelligenz für Fragen des jüdischen Lebens zu interessieren. Für den nächstjährigen Zykfus sind bereits hervorragende Persönlichkeiten gewonnen. Solka. (Purimfest.) Der hiesige jüdisch-nationale Verein Theodor Herzl veranstaltete Sonntag den 14. v. M. in dem von Herrn Rapaport geschmackvoll dekorierten Vereinssaale einen Purimfestabend, welcher glänzend ausgefallen ist. Nach der Eröffnung und Begrüßung durch den Vereinsobmann Herrn Efr. Rath hielt j u r. Herr Bernfeld (Hasmonea) eine glänzende Festrede, welche großen Beifall erntete. Sodann sprach Herr Rabbiner Besceher über die Bedeutung des Purims in traditioneller und nationaler Beziehung und der Leiter der hiesigen hebräischen Schule Herr Schöhner. Obmann Herr Rath schloß mit einem kurzen aber kernigen Schlußwort, in welchem er darauf hinwies, daß der Zionismus nicht eine Partei im Judentum ist, daß in demselben vielmehr alle Regungen und Strömungen der jüdischen Seele, welche zur Volkseinheit führen. Im nicht offiziellen Teile deklamierte noch in trefflicher Weise Herr T u c h f e 1 d und Herr Dr. Harth Ghettolieder von Rosenfeld und Schülern Aleichem. Herr jur. Lapaj o w k e r (Chermonia) toastierte sodann auf den Vereinsobmann und auf die ausgezeichnete Vereinsleitung. Raudnitz a. E. Am 25. März veranstaltete der hiesige Zionsverein nach langer Zeit wieder eine Veranstaltung, der hoffentlich in nicht zu ferner Zeit weitere folgen werden. Herr jur. AngeloGoldstein (Bar Kochba, Prag) hielt einen instruktiven Vortrag über die wirtschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten in Palästina, wie sie nach dem neuesten Stand der Palästinakenntnis sich darstellen. Lebhafter Beifall bewies das Interesse, das die Rede fand. Gleich lehrreich waren die hierauf von Herrn jur. Ernst Koref (Bar Kochba, Prag) vorgeführten Palästinalichtbilder. Mittwoch den 14. d. M., halb 8 Uhr abends, findet im Kongreßbureau, IX. Bez., Türkenstraße 9, eine große statt. TAGESORDNUNG: Frau S. Weismann aus Palästina: Wir und Palästina. Herr Dr. O. Abeies und Herr Sal. Kaplan s k i: Probleme und Aufgaben des. bevorstehenden IX. Kongresses. Zionisten, erscheint zahlreich. Bücher und Zeitschriften. Israels Kunst- und Geistesleben in Wort und Bild zu Anfang des XX. Jahrhunderts (Ssefer hasikoron la’jhudim). Ein Wiener Verlag bereitet die Herausgabe eines großen biographischen Lexikons unter Mitwirkung bedeutender hebräischer und jüdischer Schriftsteller vor. Anfangs April wird die erste Lieferung des Werkes erscheinen. Es wird die Biographien und Bilder jüdisch-österreichischer Politiker und politischer Schriftsteller enthalten. Das Werk wird zweisprachig (heb räisch und deutsch) sein. Aus dem Prospekte entnehmen wir folgende Sätze, welche über die Tendenz, und den Zweck des Werkes Aufschluß geben: „Das Werk soll eine Galerie der bedeutendsten Persönlichkeiten Israels unserer Tage, sowohl auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Theologie, wie auf dem der Kunst, der Politik und des öffentlichen Lebens werden. (In Wort und Bild.) Jeder jüdische Volksgenosse, der in seinem Berufe Hervorragendes, geleistet hat, soll in dem Werke Platz finden. Viele Worte über den kulturellen und pädagogischen Wert des Buches glauben wir nicht machen zu sollen. Nur auf den historischen Wert des Werkes wollen wir hinweisen: Wir wollen das Buch zu einem Sammelwerk für den nächsten Historiker unseres Volkes gestalten. Der Fehler ähnlicher bisher erschienener Bücher, war der, daß man wähl- und planlos Bilder und Biographien sammelte, um einen stattlichen Band zusammenzubringen. Nicht das Judentum als solches, sondern seine Kulturarbeit in den einzelnen. Ländern ist von Wert. Nicht nach außen soll es wirken, auf andere Völker, wie das stets die Absicht solcher Bücher war. Ein Spiegel unseres, eigenen Volkes soll es werden und darum ist es wichtig, die Großen unseres Volkes nach Ländern zu ordnen und so die große Heerschau des ganzen Volkes abzuhalten. In ihrem kulturellen und geistigen Zusammenleben müssen die Juden aufgenommen werden, wenn ihre geistige Kraft und ihr Anteil an der allgemeinen Kulturarbeit veranschaulicht werden soll. Darum ist es von untergeordneter Bedeutung, welche hervorragende Männer das Judentum in den verschiedenen Völkern besitzt, dagegen von größtem Wert, wie groß sein Anteil an dem Schaffen der einzelnen Völker ist.. Die kulturelle Buntfärbigkeit bezeichnet den Fortschritt der jüdischen Kultur, diese Verschiedenheit in den einzelnen Abtönungen, die im Judentum zu einem Ganzen verschmelzen, festzuhalten, ist die Aufgabe unseres Werkes. Die Großen unseres Volkes in den einzelnen Ländern werden dann in den. Büchern des Werkes zur geistigen und kulturellen Heerführern des Judentums werden. Mit einem Worte: Das Werk wird nicht eine lose Aufzählung besonderer Sehenswürdigkeiten bieten, sondern es soll ein getreues Spiegelbild der sozialen Struktur der gesamten heutigen Judenschaft sein. Mit diesem Programm treten wir an die Herausgabe des Werkes und bitten um die gütige Unterstützung.“ Soeben erschienen: A. BÖHM „Zionistische Palästinaarbeit“... Preis 30 Heller. Wien IX., Liechtensteinstraße 11..

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.