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Jüdische Zeitung · 1909-04-02 · 14 (2.4.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 14 Alliance für die körperliche und geistige Fortentwicklung ihrer Jugend. Das. zionistische Gespenst genügt, um ihre Kulturmission in Barbarei zu verwandeln. * * * Das neue Judengesetz in Finnland. Helsingfors. Die Kommission, die im Mai 1907 mit der Ausarbeitung eines Gesetzentwurfes über das Wohnrecht der Juden in Finnland beauftragt worden war, hat in diesen Tagen ihre Arbeiten vollendet. Der Entwurf zerfällt in drei Teile: 1. Das Recht der Juden, in das finnländische Staatsbürgerrecht aufgenommen zu werden. .2. Das Wohnrecht der Juden iu Finnland. 3. Verschiedene Ergänzungsbestimmungen. Nach den neuen Bestimmungen müssen, falls sie Gesetz werden sollten, alle Juden, die in Finnland wohnen und die Absicht haben, länger als drei Monate dort zu bleiben, beim Gouverneur um eine Erlaubnis dazu einkommen. Der Gouverneur hat das Recht, eine Aufenthalserlaubnis bis zu sechs Monaten zu erteilen. Für eine längere Aufenthaltsbewilligung bedarf es der Zustimmung derjenigen Gemeinde bezw. Polizeibehörde, in deren Bezirk der betreffende Jude wohnt Auch in diesem Falle aber kann die Erlaubnis stets nur für höchstens ein Jahr; gelten. Diejenigen Juden, die nicht finnländische Staatsbürger sind, können nur in den Städten eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Eigenartige Freiheitsbegriffe sind es in der Tat, die die mit soviel lärmendem Getue um ihre Freiheit ringenden Finnländer für andere zur Anwendung bringen. Wie wärfs wohl, wenn einmal in einem anderen Lande die Herren Finnländer so behandelt würden? * * * Anständige Russen werden verlangt.' Petersburg. Der Rat des Verbandes der echtrussischen Leute hat ein Zirkular an alle Abteilungen erlassen, in dem gesagt wird, die Vorstände der lokalen Gruppen sollten bei der Begründung der Kampfabteilungen mit besonderer Vorsicht Vorgehen. Man solle nur Mitglieder aus den besseren und gebildeteren Kreisen heranziehen, da sich bis jetzt an den Kampfabteilungen meistens nur solche Personen beteiligt hätten, die den Namen des Verbandes diskreditierten. — Man kann dem Verband zu der endlichen Erkenntnis über die Qualität der Mehrzahl seiner Mitglieder nur Glück wünschen und wird es dann freilich sehr bedauern müssen, daß wahrscheinlich aus besseren und gebildeteren Kreisen, an die der Verband sich jetzt wendet, der Zulauf auch nicht so unbeträchtlich sein wird. * . * Die unzufriedene Regierung. Petersburg. Die russische Regierung scheint mit den neuesten Treibereien der echt-russischen Verbändler doch nicht ganz zufrieden zu sein. Es ist nämlich ein Zirkular an die Gouverneure versandt worden, in dem die Regierung ihnen anempfiehlt, gegen die Zeitungen des Verbandes, die für Judenpogrome und für „Selbstgerichte“ gegen die Revolutionäre agitieren, Maßnahmen zu ergreifen. — Nur schade, daß die weise Regierung nicht schon früher zu der Erkenntnis gekommen ist, welches in Wahrheit staatsgefährliche Treiben sie unter ihren Schutz stellte, als sie den Verband der echt-russischen Leute zu begünstigen anfing. Wer weiß, ob nicht auch dieses Zirkular, das nach besserer Erkenntnis aussieht, nur das Produkt irgend eines naiven oder liberalen Geheimrats ist, der auf die Reklamationen der Verbändler hin womöglich noch gerüffelt wird. * * * Behandlung amerikanischer Juden in Rußland vor dem Kongreß. New York. Die Barbarei der russischen Judengesetzgebung macht bekanntlich von den unter dem Schutze ausländischer Pässe reisenden fremden Juden nicht Halt, sondern unterwirft auch sie besonders sohimpflichen Bestimmungen betreffs der Dauer des Aufenthaltsrechts. Diese unterschiedliche Behandlung ihrer Bürger muß von einer Regierung, die im Inlande ihren Bürgern vollkommene Gleichberechtigung gewährt, als gröblicher Schimpf empfunden werden, und die Behandlung dieser Frage der „äußeren“ Judenpolitik ist ein feiner Barometer für die mehr oder weniger freiheitliche innere Verwaliung der einzelnen Länder. Am entschiedensten hat von jeher die amerikanische Regierung, deren energische Vorstelligen aus den Jahren 1902, 1904 und 1908 erfolglos geblieben sind, in dieser Frage ihren Standpunkt vertreten. Nunmehr hat der Kongreß eine recht entschiedene Resolution seines Mitgliedes Goldfolge angenommen, deren Forderung sich die russische Regierung kaum wird verschließen können. Sollte, wie zu erwarten ist, das Vorgehen der Amerikaner von Erfolg sein, so bleibt immer noch abzuwarten, ob die anderen Regierungen sich wohl oder übel zu den gleichen Schritten entschließen werden. Bekanntlich hat die deutsche Regierung erst kürzlich ein bezügliches Ersuchen abgelehnt. Parteinachrichten. Sederabendi Das innerösterr. Distriktskomitee veranstaltet im Einvernehmen,mit sämtlichen jüdischakademischen Korporationen am 2. Pessachabend (6. . April) in M. GUTS Restauration einen gemeinschaftlichen Seder. Anmeldungen werden bis spätestens Montag, den 5. April; vormittags an das Distriktskomitee (IX. Türkeristr. 9) erbeten. — Der Preis eines Kouverts beträgt K 3.— An die Landesorganisationen und Föderationen! Das Aktionskomitee richtet an alle Landesorganisationen und Föderationen die dringende Aufforderung, unverzüglich mit der Schekel Sammlung zu beginnen. Die Arbeit muß jetzt allerorten mit dem größten Eifer aufgenommen werden. Den Vereinen und Vertrauensleuten sind sofort die entsprechenden Instruktionen zu erteilen. Zeit und Ort des Kongresses sind noch nicht bestimmt. Sobald jedoch das E. A. C. dazu in der Lage sein wird, wird es in kürzester Frist bekannt gegeben, wann und wo der Kongreß stattfinden wird. Schon heute machen wir indessen darauf aufmerksam, daß gemäß den Bestimmungen unseres Organisationsstatuts sämtliche Wahlen mindestens vier Wochen vor dem Kongreß abgeschlossen sein müssen. Wahlberechtigt sind nach unserem Statut nur diejenigen Gruppen, d i e rechtzeitig den erforderlichen Schekelbetrag voll an das engere Aktionskomitee abgeführt haben. Nachdrücklich betonen wir, daß die Bedeutung und die Würde des Kongresses es dem Aktionskomitee zur dringenden Pflicht machen, auf der strikten Beobachtung dieser Bestimmungen mit der größten Strenge zu bestehen. Ohne Ausnahme werden nur solche Mandate für gültig erklärt werden, deren Wahlen nach den oben erwähnten Bestimmungen spätestens vier Wochen vor dem Kongreß auf Grund von je 200 voll an das E. A. C. abgeführten Schekeln vorgenommen sind. Es erwächst also den Landesorganisationeu und Föderationen, den Vereinen und Vertrauensleuten die dringliche Aufgabe unverzüglich und mit aller Kraft an die Schekelsammlung zu schreiten, damit die Wahlen nachher richtig und ordnungsgemäß vorgencmmen werden können. Nur auf diese Weise wird es ihnen möglich sein, den Kongreß in der Weise und dem Umfange zu beschicken, wie es ihrem Willen und ihrer Bedeutung entspricht. Köln, 23. März 1909 1. Nissan 5669 Das Aktionskomitee David Wolffsohn, Präsident. * * * Abituriententag 1909. Die akad. Verbindung „Kadimah“ gibt hiemit allen Freunden und Gesinnungsgenossen bekannt, daß sie am 2. Oktober 1909 im „Hotel Post“ einen großen Abituriententag für Westösterreich veranstaltet. Im Interesse des agitatorischen Unternehmens ersucht die „Kadimah“ alle jene, denen Namen von diesjährigen I Abiturienten bekannt sind, samt Adressen, an das Veibindungslokal, IX., Porzellangasse 36, mitteilen zu wollen. Im Voraus bestens dankend zeichnen I. A. d. A, C. Cand. ing. Emil Kugel dz. x Cand. ing. Michael Hochwald dz. xxx Prager Glossen. (Von unserem Korrespondenten.) Eine Ausstellung. Die Prager liberale Studentenschaft (das heißt die „israelitischen“ Akademiker) kann sich, wie bekannt, zur Zeit nicht einmal passiv an den Prügeleien auf dem Wenzelsplatz beteiligen, da man auf ihre Assistenz verzichtet hat, darob kränkt sie sich über die Maßen. Da aber der israelitische Tätigkeitsdrang sehr groß ist, sucht er einen Ausweg. Was tut der Bauer, wenn er sich bei Kirchweihfesten und Wirfshauskongressen nicht ausleben kann? Er veranstaltet — und das ist. nur zu loben — eine Mastviehausstellung oder eine Ausstellung landwirtschaftlicher Geräte. Und was tun die Prager Israeliten, wenn ihnen Wotan nicht beisteht und sie nicht akademisch-technisch von den Tschechen geliebkost werden? Sie veranstalten auch eine Ausstellung,' aber nicht von Ochsen und Pflügen, sondern von „deutschiiationalen Schutzverein'sgegenständen.“ Das ist eine Tat, die ihnen den Dank des deutschen Volkes sichern Würde, wenn nicht unglücklicherweise die antisemitische „Germania“ diesen Ausstellungsgedanken bereits früher ausgeführt hätte. Die „Lese- und Redehalle der deutschen Studenten“ (99 Prozent Juden) kündigt ihre Ausstellung* als „Erste dieser Art“ an und schmettert den Prioritätsanspruch der Antisemiten in vernichtender Weise mit dem Argument nieder, die antisemitische Ausstellung sei nicht in der Presse angezeigt (das heißt wohl im „Prager Tagblatt“) und daher für die Oeffentlichkeit nicht vorhanden gewesen. Jetzt sind die Antisemiten geschlagen und die Israeliten freuen sich ihres Sieges. Und ihre Ausstellung freut das ganze deutsche Volk. Ausgestellt sollen nach den Reklameberichten „Osterkarten des deutschen Schulvereines“ usw. werden. Die Israeliten haben recht, den Schulverein zu unterstützen, der ja die Tendenz des „Juden hinaus!“ nicht schlecht vertritt. Und so wird die „Ausstellung“ während der Pessachfeiertage wohl großen Zulauf haben, Vielleicht könnte man eine Mazzosausstellung angliedern, um das Interesse noch zu steigern? * * * Eine Ausschreibung. Die Vergebung der Supplentenstellen an den Mittelschulen ist unseres Wissens eine amtliche Angelegenheit. Es wäre gut, wenn sich unsere politischen Vertretungen einmal um den Reichenberger Gymnasialdirektor kümmern würden, der seine Stellung als Vertrauensposten für antisemitische Vereine aufzufassen scheint. Der „Prager deutsche Philosophenverein“ ist bekanntlich rein arisch-antisemitisch. Ob er eine wissenschaftliche Tätigkeit entfaltet, wissen wir nicht. Möglich. Jedenfalls aber vermittelt er an seine Mitglieder Stellen als Hauslehrer und hält wahrscheinlich erledigte Supplementenstelien in Evidenz. Sein „schwarzes Brett“ im Klementinum in Prag ziert folgende Ankündigung: „Im Reichenberger Gymnasium ist eine Supplentenstelle für klassische Philologen zu besetzen. Nur deutsche Bewerber mögen sich beim Obmann des Vereines melden.“ Nun, daran wäre ja nichts, aber dann heißt es weiter: „Der Posten ist noch nicht ausgeschrieben!“ Das heißt also, daß der antisemitische Verein von der Gymnasialdirektion benachrichtigt wird, daß eine noch nicht ausgeschriebene Supplentenstelle zu besetzen ist. Wozu dann die Komödie der öffentlichen Ausschreibungen? Aber vielleicht könnte man den Reichenberger Gymnasialdirektor um Auskunft ersuchen, was er unter der Pflicht des Amtsgeheimnisses eigentlich versteht, und ob er es nicht für nötig hält, wenigstens formell mit der „Vergebung“ der Supplentenstellen zu warten, bis sie frei und auageschrieben sind. Solche Vorfälle sind symptomatisch. Man sollte sich von jüdischer Seitenicht alles gefallen lassen, sonst: verdient man eine solche Behandlung. . Elha.;

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