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Jüdische Zeitung · 1909-04-02 · 14 (2.4.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Nr 14 Zur Lage in Bosnien. Von Dr. K. I. Durch die Annexion von Bosnien- Herzegowina sind diese Länder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt und ein Verständnis für die politische Situation daselbst bildet die Voraussetzung für eine richtige jüdische Politik in dieser Frage. Was die Annexion selbst betrifft, so hat sie nur bei einem Teile der Serben Gegner gefunden, während der andere Teil sich schließlich mit ihr abfindet, allerdings unter Voraussetzung der vollsten Gleichberechtigung des serbisch en Volksstammes in Amt und Sch ule. Diese Gleichberechtigung konzentriert natürlich ohneweiters auch die kroatische Minderheit, die die Vereinigung Kroatiens, Slavoniens, Bosniens, der Herzegowina, Istriens und der Murinsel zu einem national-autonomen Verwaltungskörper im Rahmen.der Monarchie programmatisch fordert. Der Führer der kroatischen Fraktion in Bosnien Dr. S u n a r i c sagte mir persönlich, anläßlich einer _ Unterredung in B a n ja 1 u ka, diesbezüglich folgendes: „Innerhalb der einheitlichen politischen kroatischen Nation sind wir für vollste nationale, sowie konfessionelle Gleichberechtigung, somit auch für die Ueberlassung einesMandatesan diejuden. Allerdings muß die Institution von Virilstimmen, Kurienstimmen für die Advokatenkammern etc. in der Epoche des allgemeinen, gleichen, direkten Wahlrechtes als undemokratisch verworfen werden.“ In der Anerkennung des Anrechtes der Juden auf eine eigene Vertretung im bosnischen Landtage sind übrigens die Kroaten mit den Serben und Mohammedanern einer Meinung. Auch ein Teil der jüdischen Abgeordneten des ungarischen Reichstages hat bekanntlich zugesagt, sich der Interessen der bosnischen Juden anzunehmen und wäre es nur zu wünschen, daß es bei dem — Versprechen nicht bleibe. Die Hauptaufgabe fällt allerdings den bosnischen Juden zu, die sich stramm organisieren müssen, wollen sie als Machtfaktor angesehen und nicht als quantite negligeable übergangen werden. Diejuden Banjalukas haben den Anfang bereits gemacht. Anläßlich meines dort abgehaltenen Vortrages fand auch ein Kommers statt, bei welchem in einer Reihe von Reden einerseits die Verbrüderung der Sephardim und Aschkenasim proklamiert und anderseits die Gründung einer Organisation der bosnischen Juden angeregt wurde. II. Mag auch immerhin die Kriegsgefahr schwinden, das Balkanproblem und diesüdslavische Frage werden auf der Tagesordnung bleiben. Insbesondere die Kämpfe zwischen Kroaten, Serben und Magyaren werden fortdauern und die Juden der Monarchie, speziell aber die in den südöstlichen Gebieten, werden zur Erkenntnis gelangen müssen, daß auch die siidslavische Frage nur auf Grund der nationalen Autonomie gelöst werden kann. Daß ihre Lösung weder gegen die Kroaten noch gegen die Serben möglich und wünschenswert ist, zeigt die ganze bisherige Entwicklung. Tatsache ist es, daß speziell von Pest aus stets Serben und Kroaten gegeneinander gehetzt wurden,. und daß man auch die Juden dazu benutzt hat und noch benutzen will, die magyarische Gewaltherrschaft in den südslavischen Gebieten zu: erhalten. ... ' Will man nicht die latente a n tise mitische Strömung unter den Südslaven ebenso an wachsen sehen, wie bei anderen Nationalitäten, so wird man endlich aufhören müssen, das südslavische Problem durch die deutsche, respektive magyarische Brille zu betrachten. Gerade im gegenwärtigen Momente, wo die 0 rg a n i s a t i o n der Juden in Kroatien, Slavonien, sowie Bosnien in Angriff genommen wurde, ist es nötig, allen Juden der Monarchie ein klares Bild über die Situation in diesen Ländern zu liefern. * . * * Der Ausgangspunkt der jetzigen Wirren in Kroatien und teilweise auch der großserbischen Bewegung (die mit der Thronbesteigung Peter Karageorgevic größere Dimensionen angenommen hat) ist die Fiumaner Resolution, erbittert darüber, im Kampfe gegen die magyarische Gewaltherrschaft von den österreichischen Politikern deutscher sowie slavischer Nationalität im Stiche gelassen zu sein, hat man es versucht, auf dem Boden der Fiumaner Resolution zu einer Verständigung ohne Oesterreich, ja gegen Oesterreich zu gelangen. Daß dieser Weg falsch war, erkennt man nun fast allgemein in Kroatien an. Der stete Konflikt zwischen Ungarn und Kroatien und der Hochverratsprozeß in Agram zeigen drastisch, daß nach den alten Parteiprogrammen die kroatisch-serbische Frage nicht gelöst werden kann und insbesondere in der jüngeren Generation beginnt allmählich die Erkenntnis zu dämmern, daß die Kroaten sowie Serben nicht allein, sondern nur im Bunde mit den Modernen aller übrigen Völker der Monarchie zu ihrer eigenen nationalen Autonomie, Freiheit und Einheit gelangen können. Für die Juden aber, die in diesen Ländern wohnen und die lange genug dort den verschiedensten Parteien Heeresfolge geleistet haben, ergibt sich aus dieser Lage die Notwendigkeit, eine solche Politik zu verfolgen, die eine Harmonie zwischen ihren jüdischen Volksinteressen und denen der Serben und Kroaten herstellt. Die Formel einer solchen Politik lautet: nicht gegen die Serben, nicht gegen die Kroaten, nicht blinde Heeresfolge einer der heutigen Landtagsfraktionen, sondern für das jüdische Volk. Hand in Hand mit allen, die für die national-autonomistische Umgestaltung des Gesamtreiches eintreten. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. („Erst erWiener jüdischer Turnverei n“.) Der erste jüdische Turnverein veranstaltet Samstag den 3. April 1. J. in den Räumen des Stadtpark-Kursalons ein Tanzkränzchen mit eingelegten turnerischen Vorführungen, von denen Keulenschwingen und eine Musterriege am Barren besonders hervorzuheben sind. Das lebhafte Interesse, das dieser.Veranstaltung in allen Kreisen entgegengebracht wird;.läßt einen zahlreichen Besuch erwarten. — Entree tür 1 Person K 3.—, Familienkarte für 3 Personen K 7.- . Karten bei allen Vereinsmitgliedern und an der Abendkassa. — Wien. P o a I e Zion, XX., Mathildenplatz 7 (Privatlokal). Samstag, den 3. April findet in den Lokalitäten des „Cafe Neptun“, XX., Mathildenplatz 7, ein Vortrag des praktischen Arztes Herrn Dr. Heinrich Grün statt. Thema: „D i e Hygiene imtäglichenLeben“. Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste (Damen und Herren) willkommen. Berichte. Wien. („Jüdischer Nationalverein“ für Oesterreich.) Dienstag, den 30. d. M. fand die Fortsetzung der Generalversammlung unter dem Vorsitze des Obmannes, Herrn Dr. Alfred Lanzer, statt. Herr Dr. H. K a d i s c h berichtete über seine Agitationsreise, welche ihn durch 15 Orte Galiziens, der Bukowina und Bosniens führte. Er schilderte die empfangenen Eindrücke und betonte besonders die Notwendigkeit, die politische Agitation unter der jüd. Bevölkerung Galiziens und der Bukowina nicht erlahmen zu lassen, da sonst die Gefahr drohe, daß die Juden sich anderen Parteien in die Arme werfen werden. Die überaus interessanten Ausführungen wurden mit großer Aufmerksamkeit angehört. In der Debatte sprachen die Herren Dr. Weisengrün und Brunner. Herr Brunner erstattete Bericht über die Gründung der jüdischen Volksbank in Lemberg. Hierauf wurden Neuwahlen vorgenommen. Es wurden gewählt die Herren: Dr. Alfred Lanzer, Obmann; Dr. H. Kadi sch, J. Obmannstellvertreter; Adolf B ö h m, 2. Obmannstellvertreter; ferner Dr. Otto A b e I e s, Obering. Emil Fried, Moses Hammer, Ing. Oskar Kramer, Leopold S i t z m a n n, Ing. Robert Stricker und Dr. Egon Zweig. Unter Eventuellen wurden Anregungen für die nächste Tätigkeit des Vereines gegeben. Dem Vorstande wurde die Abhaltung von Versammlungen und Diskussionsabenden, die Fertigstellung des politischen Programmes und die Vorbereitung eines politischen Parteitages aufgetragen. — Beitrittsanmeldungen befördert die „Jüdische Zeitung“, Wien, IX., Liechtensteinstraße 11. Jahresbeitrag K 3.—. Wien. (Zionistischer Zentralv e r e i n.) Dienstag den 23. März fand ein Diskussionsabend statt, bei welchem Gg. Leo Goldhammer über „Organisationsreform“ referierte. An der Hand eines reichen geschichtlichen Materials gab er einen Ueberblick über die Wandlung, welche die zionistische Organisation bisher durchmachte, und besprach die von Dr. Bodenheimer erstatteten Vorschläge. An der Debatte beteiligten sich die Gg. Herren E. Reich, Fischer, Dr. Weisengrün, Weiner, Dr. Zweig. Wien. (Zionistischer Zentralverein, IX., Türkenstraße 9.) Die Vereinsleitung ist mit der Anlage einer großen Bibliothek beschäftigt und bittet alle Gesinnungsgenossen und Freunde unserer Idee, ihr bei diesem Werk durch Bücherspenden an die Hand zu gehen. Bücherspenden sind an die Vereinsadresse oder an den Bibliothekar Samuel Strauß, XVIII., Theresiengasse 10, zu richten Der Empfang jeder Spende wird vom Verein dankend bestätigt werden. Wien. Ness-Zignah. Am 24. März fand eine kleine Akademie mit einem Tanzkränzchen statt. Herr Numa Torczyner begrüßte namens des Vereines die erschienenen Gäste und erläuterte in einer kurzen Ansprache die Ziele und Zwecke des „Ness-Zionah“. Dann rezitierte Herr Josef Torczyner Gedichte Morris Rosenfelds. Fräulein Erna Seifer stellte uns in liebenswürdigster Weise ihre Kunst zur Verfügung: Sie trug das 3. Konzert von Goltermann vor und erntete stürmischen Beifall. Ueber die bereits allgemein bekannten Schriften Bedas und seine Vortragskunst ist eine Bemerkung überflüssig. Schließlich sang noch Herr Fritz J u s c h a k Arien von Mozart und Ignaz Brüll. Hierauf folgte Tanz. Für den Nationalfonds wurde fleißig gesammelt. Prag. (Lokalorganisation PoaleZion.) Am 18. d. AL fand die Generalversammlung der hiesigen Ortsgruppe des Poale Zion statt. Aus dem vom Genossen Otto Klein verlesenen Rechenschaftsberichte ist das stetige Wachstum unserer Organisation zu entnehmen. Es fanden 12 Vorträge, darunter des Genossen Ing. Gottlieb über den „Poale Zionismus“ und „Russische Revolution und der jüdische Student“, des Genossen Waldstein über „Sozialismus und Zionismus“, des Genossen Gustav Fant! über den „Darwinismus“ und über „Studenten und Sozialismus“, weiters über „Palästinaarbeit“, über „Zionistische Organisationen“, „Theodor Herzl“, und viele informative Vorträge über den Zionismus und Sozialismus, und ein Unterhaltungsabend statt. Die Bibliothek zählt über 200 Bände und im Lesezimmer liegt eine Anzahl Zeitschriften auf. Die Wahlen in die neue Exekutive ergeben folgendes Resultat: Obmann Otto Klein, Obmann-Stellvertreter Mayer E r te sch i k, in den weiteren Ausschuß: Hugo Waldstein, Eduard Taussig, Walther Löwy, Felix Sinek, Lothar Langendorf, Karl Kraus sen., Karl Kraus jun., zum Vorsitzenden der Jugendorganisation der Genosse Josef Klein. Die Lokalitäten befinden sich im Cafe Merkur, Eiisabethstraße und sind in den Lesestunden (Sonntag 9—12 Uhr) allgemein zugänglich. Der Jargonkurs wird allwöchentlich Sonntag von 10—1! Uhr abgehaiten und vom Genossen Erteschik geleitet. Der Stenographieunterricht findet jeden Sonntag von 11 — 12 Uhr statt und wird unentgeltlich erteilt Alle Zuschriften sind an Genossen Eduard Taussig, Prag, L, Benediktsgasse 3, zu richten. Soeben erschienen: A. BÖHM „Zionistische Palästinaarbeit“. Preis 30 Heller. Wien IX., Liechtensteinstraße 11.

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