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Jüdische Zeitung · 1909-04-02 · 14 (2.4.1909) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 Ich denke, daß diese Bemerkungen für organisierte Zionisten keines weiteren Kommentars bedürfen. Mit Hochachtung und Ziönsgruß Adolf Böhm, Mitglied des zionistischen Aktionskomitees. Brief aus der Türkei. (Von unserem türkischen Korrespondenten.) Saloniki, 29. März 1909. Hier gibt es zwei Brennpunkte, um die sich das jüdischnationale und zionistische Leben gruppiert, und zwar die Vereine: „Cercle des Intimes“ und „Bnei Sion“. Aus dem Namen des ersteren geht wohl nicht hervor, daß es sich um einen jüdisch-nationalen Klub handelt. Der zweite ist rein zionistisch und steht auf dem Baseler Programm. Der „Cercle des Intimes“ ist ein wirklich demokratischer Klub und es mutet einen heimlich an, wenn man zum Unterschiede von den anderen Vereinen Salonikis, welche eine strenge Exklusivität bewahren, hier tatsächlich alle Klassen vertreten findet. Der Klub selbst hat über 250 Mitglieder. Diese Zahl erscheint wohl etwas gering, wenn man die enorme jüdische Bevölkerung in Betracht zieht. Aber jeder dieser 250 Mann ist ein Agitator für sich, jeder ist mit Leib und Seele bei der Arbeit, kennt die jüd.-nationale Bewegung, ist Uber deren Ziele genau informiert und jeder versteht es weite Kreise der jüdischen Bevölkerung für den Zionismus zu interessieren. Dies zeigte sich am Sonntag, den 7. d. am Purimtag, an dem in der großen Synagoge der Talmud Thora eine zionistische Versammlung stattfand, die von zirka 5000 Männern besucht war, die mit Begeisterung den Worten der Redner lauschten. Es war eine Propagandaversammlung großen Stiles für die j.-n. Bewegung; folgende vier Herren teilten sich in diese Aufgabe: David Florentin, Redakteur der hiesigen jüdischen Tageszeitung „El Avenir,“ Jös. Modiano, Dragoman des italienischen Konsulates, Isak Modiano, Präsident der Bnei Sion und Juda A s s e o, Vorstand des Cercle des Intimes. Auf diese Veranstaltung kann der „Cercle des Intimes“ mit Stolz zurückblicken. Im Grunde genommen, ist hier die ganze Jüdische Bevölkerung jüdischnational gesinnt, doch fehlt es leider nicht an Versuchen gewissenloser Elemente die Solidarität, die hier mühselig zusammengeschweißt wurde, zu zerstören. Leider steht diesen auch eine Zeitung zur Verfügung, die, wo sie Gelegenheit findet, gegen den Zionismus und gegen die jüdischnationale Bewegung zu Felde zieht, ihr Heil in der Assimilation findet und im Uebrigen dieselben schmutzigen Argumente, wie die „Blochsche Wochenschrift“ in Wien zum Kampfe gegen die zionistische Bewegung benützt. Es ist dies eine Tageszeitung, welche in französischer sich hauptsächlich der arabischen Sprache. Sie sind besonders zahlreich über den großen Atlas, das Riff und den Sus verbreitet, aber aus dem Gebiet einiger Stämme streng ausgeschlossen. Die Angehörigen der neueren jüdischen Einwanderung sprechen außer dem Arabischen spanisch und fast durchwegs auch französisch. Das neuzeitliche Judentum in Marokko bewohnt vorzugsweise die Städte und kleidet sich mit Vorliebe europäisch. Die Zahl der Juden ln Marokko beträgt 250.000 bei einer Bevölkerungszahl von 10 Millionen. Da die Gesamtzahl der in Marokko lebenden Europäer etwa 18.000 beträgt, so läßt sich ermessen, welche hervorragende Rolle die Juden schon ihrer Zahl nach in dem politischen und wirtschaftlichen Leben des Landes spielen. Dazu kommt ihre Sprachenkunde und Anpassungsfähigkeit, die sie als die geborenen Vermittler zwischen den Eingeborenen und Europäern erscheinen lassen. Eben diese Eigenschaften weisen sie auf die Handelstätigkeit hin, deren Ausübung ihnen Reichtümer und in nicht vereinzelten Fällen, besonders in Tanger, eine recht ansehnliche soziale Stellung verschafft hat. * * * Die Juden in Russisch-Polen. London. Nach der letzten Zählung beträgt die Zahl der Juden in Russisch-Polen 1,800.000 wovon 300.000 in Warschau wohnen. (Thejewich Chronicl.) Sprache erscheint und deren Redaktion selbstredend nur aus Juden besteht. Es ist sehr bedauerlich, daß es auch hier Juden gibt, welche mit einer Frivolität die Interessen der Saloniker Juden schädigen, in einem Augenblicke, wo die. Solidarität der Juden gegenüber den in letzter Zeit von seiten der Griechen erfolgten Angriffen eine unbedingte Notwendigkeit ist. P o i n t u. Sitzung des großen Aktionskomitees. Wir haben in letzter Nummer über die Sitzung des Aktionskomitees vom 15. bis 17. März 1909 berichtet und tragen im Folgenden einige Einzelheiten nach: Hebräisches Gymnasium in Jaffa. Gegen die Ueberlassung eines Grundstückes aus Mitteln des Nationalfonds an das hebräische Gymnasium in Jaffa war von den Misrachi Protest eingelegt worden, weil Lehrer dieser Schule angeblich antireligiöse Propaganda betrieben u. dgl. mehr. Der Direktor des Gymnasiums Dr. Bogratschoff war in der Sitzung anwesend und widerlegte diese Behauptungen. Er sagte u. a.: Die Schule steht den verschiedenen religiösen Richtungen im Judentum durchaus neutral gegenüber, komme mit den strenggläubigen Kreisen Palästinas sehr gut aus, könne aber keine Einmischung von ausen in ihren Lehrplan dulden. Es beleidigt uns fast, wenn man glaubt, uns erst vorschreiben zu müssen, daß wir die religiösen Gefühle unserer Brüder nicht verletzen — Die Sitzungsteilnehmer sprachen sich für Ueberlassung des Grundstückes aus. Der Beschluß, der aus formellen Gründen in der Generalversammlung des Nationalfonds gefaßt wurde, lautet: „Nachdem die Generalversammlung das ganze Material geprüft hat und von Herrn Dr. Bogratschoff Erklärungen abgegen worden sind, aus denen zu entnehmen ist, daß vereinzelt vorgekommene Verstöße bereits vom Lehrkollegium gerügt und abgestellt worden sind, erklärt die Generalversammlung, ihren früheren Beschluß aufrecht zu erhalten, demzufolge dem Direktorium die Ermächtigung erteilt worden war, dem hebräischen Gymnasium Grund und Boden für ein Gebäude zur Verfügung zu stellen.“ Agrarkredit. Den diesbezüglichen Beschluß, eine Kommission zum Studium dieser Frage einzusetzen, haben wir bereits in der letzten Nummer mitgeteilt. Der Antragsteller Dr. Tschlenow wies auf den Umschwung in der Türkei hin, durch welchen auch bald das Bodenrecht modernisiert werden wird, wodann wir zur Gründung einer Agrarbank schreiten können werden. Daher müsse schon vorher alles bereit sein. Er empfehle schon jetzt, eine Subskription einzuleiten, wie sie seinerzeit für die Bank durchgeführt wurde. Dr. Tschlenow verlangt weiters, den früheren Beschluß, daß der Nationalfonds der Anglo Palestinc Cy. in Jaffa Frcs. 200.000 zwecks Gewährung eines Agrarkredites an die Korporationen, Gesellschaften unter Garantie der Bank zu 4 Perzent zu gewähren, vertagt werde, um die Barmittel des Nationalfonds nicht zu schwächen und für die Agrarbank bereitzuhalten. Präsident W o 1 f f s o h n vertrat den Standpunkt, daß wir erst bestehende Institute stärken sollen, bevor wir neue gründen, ferner riet er von einer Subskription dringend ab. Schließlich wurde der Antrag auf Einsetzung einer Kommission angenommen, alles Andere, auch der gegen die Gewährung des Darlehens an die A. P. C. gerichtete Antrags abgelehnt. Organisation. Es wurde beschlossen, die Landsmannschaften aufzufordern, sich über die beiden in der „Welt“ veröffentlichten Entwürfe für Aenderung des Statutes bis zum Kongreß zu äußern. Finanzfrage. Der Antrag des Finanzausschusses, daß die zionistischen Institutionen von ihrem Reingewinn 7%% an das A. C. abführen sollen, wurde an den Ausschuß zurückgewiesen. Poale Zion. Der Allweltliche jüdische Arbeiterverband Poale Zion wurde, nachdem er mehr als 3000 Schekel (allerdings nach Abzug von 40%) abgeführt hatte, als Föderation anerkannt. Banken.. Bezüglich der Finanzinstitute wurde folgender Beschluß gefaßt: Das A. C. nimmt mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die Bank eine energische Propaganda für den Verkauf der Aktien einleiten wird. Kiriath Sefer. Es wurde beschlossen, dieser Schule für die Erziehung von fünf Pogromwaisen eine Subvention von je Frs. 600, also insgesamt Frs. 3000 aus dem russichen Hilfsfonds zu gewähren, vorausgesetzt, daß das Palästinaamt der Ansicht ist, daß genügend Garantien für eine angemessene Erziehung der Kinder gegeben sind. Nationalfonds. In der Generalversammlung des jüdischen Nationalfonds machte der Präsident Dr. Bodenheimer die Mitteilung, daß das Vermögen des Nationalfonds ohne Oelbaumspende am 31. Dezember 1899 Pfund Sterl. 66.491"33 betrug. Wegen des Technikums in Haiffa, dem bekanntlich vom Nationalfonds der Grund geschenkt werden soll, wurde — da sich Schwierigkeiten wegen des Eigentumsrechtes ergaben — folgender Beschluß gefaßt: Das Direktorium wird ermächtigt, mit dem Hilfsverein bezüglich einer anderen Form der Beteiligung des N.-F. zu verhandeln. Insbesondere ist die Generalversammlung damit einverstanden, daß dem Technikum seitens des N.-F. ein hypothekarisches Darlehen in der Höhe des Kaufpreises für Grund und Boden gewährt wird, das so lange seitens des N.-F. unkündbar sein soll, als das Technikum dem Zwecke dient, für den es jetzt bestimmt ist. Wegen der Landentwicklungsgesellschaft (P. L. D. C.) erklärt Prof. Warburg, daß er den dieser Gesellschaft zu gewährenden Kredit nur in Anspruch nehmen werde, falls es nötig sei, Land zu kaufen. Dem Verein Oelbaumspende wurde zugesagt, daß nach Ablauf der Erbpacht von 98 Jahren dem Verein ein Optionsrecht auf weitere 98 Jahre zusteht, der N.-F. aber in dieser Zeit mit 50% am Reinertrag der Oelbaumspende beteiligt wird. Pogrom-Gefahr. Kaum zwei Jahre sind seit den furchtbaren Judenpogromen in Rußland verflossen. Noch leben jene entsetzlichen Geschehnisse mit ihrer ganzen erschütternden Grausamkeit in unserer Erinnerung — und schon wird uns eine Wiederholung dieser „patriotischen Heldentaten“ in Aussicht gestellt! Es liegt wieder etwas Unheimliches und Grauenvolles in der Luft. In den Reihen des „Schwarzen Hundert“ rüstet man sich zu großen Handlungen. Die Regierung hat es für nötig gehalten, die Gouverneure auf die den Juden drohende Gefahr aufmerksam zu machen und sie zu ersuche», für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen. Wer aber die Selbständigkeit der russischen Provinzbehörden kennt, dem wird diese Aufforderung der Zentralregierung wenig Beruhigung zu gewähren vermögen. Jeder Generalgouverneur fühlt sich als autonomer Herrscher in seinem Rayon und kümmert sich nicht viel um Weisungen aus Petersburg, und Stolypin hat bis jetzt vergebens gegen die Willkür der Generalgouverneure angekämpft. Abgesehen davon, daß man nach den bisherigen Erfahrungen der erwähnten „Aufforderung zur Aufrechterhaltung . der Ordnung“ nicht allzuviel vertrauen darf. So sind die russischen Juden wiederum von Schrecken ergriffen. „Russkoje Tnamja“ droht offen mit einem Ausbruch von Judenhaß, der „an gewisse Geschehnisse aus der jüngsten Vergangenheit erinnern werde“. Die „Potschajewskaja Iswestija“, ein Organ der echten Russen in Potschajew (Wolhynien), hetzt die dortige christliche Bevölkerung gegen die Juden in niederträchtigster Weise auf und fordert direkt zu Ausschreitungen gegen die Juden auf. Die Potschajewer Juden sind von der Pogromgefahr ganz besonders bedroht, und die Aufmerksamkeit der gesamten russischen Judenheit wendet sich ihnen jetzt zu. Potschajew liegt auf „geheiligtem Boden“, weil sich ein dort von der russischen Christenheit verehrtes „Bild der Mutter Gottes“ befindet, zu dem sehr viele Christen aus ganz Rußland wallfahrten. Seit mehreren Jahrzenten wohnt

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