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Jüdische Zeitung · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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I I s 1 * •>'-;« [i .1 Seite 6 Schließlich stelle ich au den Präsidenten der isr. Kultusgemeinde, Herrn Dr. Hugo Spitzer, das Ersuchen, vor dieser Generalversammlung dezidiert zu erklären, daß in der Leitung der Gemeinde- Agenden jedezionistische Tendenz, welche ich mit dem Patriotismus unserer isr. Kultusgemeinde für unvereinbar halte, mit aller Energie und Entschlossenheit ausgeschlossen werden wird. Vorsteherstellvertreter I. N. Schulhof sprach gegen diese Resolution und wehrte die gegen den Zionismus erhobenen Anwürfe in entschiedenster Weise zurück und beantragte demgemäß die Ablehnung der Resolution. Nach einem Schlußworte des Antragstellers ergriff der V o r s i t z e n d e das Wort, um zunächst auf die Erklärung des Herrn Dr. Rechnitz zu reflektieren. Er akzeptiere diese Erklärung, an deren Loyalität er nicht zweifeln könne, müsse aber, da die beregte Notiz denn doch erschienen sei, zu derselben Stellung nehmen und sich gegen den unbekannten Verfasser wenden. Er glaube nicht zu übertreiben, wenn er diesen Angriff als feig und meuchlerisch bezeichne, als feig, weil sich sein Urheber in das Dunkel der Anonymität hülle, als meuchlerisch, weil der Angreifer mit der Unmöglichkeit der Abwehr oder wenigstens damit gerechnet habe, _ daß diese Abwehr nicht mehr zeitgerecht erfolgen könne, was daraus zu schließen sei, daß diese Notiz zu einem Zeitpunkte erschienen ist, an welchem es aus technischen Gründen fast unmöglich gewesen wäre, noch vor der Generalversammlung darauf zu erwidern. Auf die Ausführungen über die Notiz über Zionismus und Patriotismus glaubt Redner nicht eingehen zu sollen, weil sie beweisen, daß der Verfasser von beiden Sachen nichts versteht. Der Zionismus hat mit der Frage der Gleichberechtigung nichts zu tun, und was den Patriotismus betrifft, glaubt Redner unter Berufung auf seine Vergangenheit jede Belehrung ablehnen zu können. Auch auf die Geschmacklosigkeit, daß infolge des Exodus alle Intelligenz aus dem Vorstande geschwunden, will Redner nicht reagieren. Es ist noch genug Intelligenz darin, wenn sie auch nicht graduiert isr. Redner bringt zur Kenntnis der Generalversammlung, daß der zionistische Verein „Theodor Herzl“ vor einigen Tagen an die Gemeinde eine Zuschrift gerichtet habe, worin der Verein freiwillig auf das ihm bewilligte Benützungsrecht des Gemeindesaales verzichtet. Nachdem noch Herr Julius Pfeiffer der Verdienste des Vorstehers gedacht und den Wunsch ausgesprochen hatte, denselben auch noch weitere zwölf Jahre an der Spitze der Gemeinde zu sehen, wird der Vorstand- und Kassabericht unter brausenden Rufen „Zivio Dr. Spitzer“ einstimmig zur Kenntnis genommen und dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Es werden hierauf die Wahlen, vorgenommen und nach Beendigung des Skrutiniums, welches bis 8 Uhr abends dauerte, nachstehendes Resultat publiziert: Herr Dr. Hugo Spitzer wurde in allen drei Wählerklassen, und zwar in der ersten mit 22 v o n 26, in der zweiten mit 33 von 48 und in der dritten mit 107 von 130 abgegebenen Stimmen gewählt. Ebenso siegten in allen drei Klassen die Anhänger der Dr. Spitzer- Partei und wurden gewählt: in der ersten Klasse die Herren: Jonas Berger, Otto Fellner, Alexander J u s t u s, Max Kraus und J. N. Schulhof; in der zweiten die Herren: Emanuel Herrn a n, Sandor Dorner, S. Halasz, Samuel Rotimann, Leopold Singer, Ludwig Szek- 1 er, Leopold Taubner, S. Wolf und Ignaz Zwieback; in der dritten die Herren: Ludwig B o s z a n, Gustav K o b s a, Dr. Aladar Klein und Jakob W o t i t z. Die Opposition brachte es, trotzdem sie mit ihrem ganzen Aufgebot erschienen war, in der ersten Klasse auf 4, in der zweiten auf 20 und in der dritten Klasse auf 22 Stimmen. Um 8 Uhr wurde die Generalversammlung geschlossen, wobei Herrn Dr. Spitzer abermals nicht endenwollende Ovationen dargebracht wurden. * Am Montag, den 8. d. fand die konstituierende Versammlung des neugewählten Vorstandes statt, in welcher Dr. Hugo Spitzer zum Vorsteher und Herr I. N. S c h u 1 h o f zu seinem Stellvertreter einstimmig wiedergewählt wurden. In den Schulausschuß wurden durchwegs unsere Gesinnungsgenossen aus dem Vorstande gewählt, und zwar die Herren Sandor Halasz, Dr. Aladar Klein, Samuel Rottmann, Leopold Singer und I. N. Schulhof. Als externe Mitglieder des Schulausschusses wurden die Herren Dr. H. Diamant und Dr. E. Rechnitz bestimmt In das Komitee, welches sich mit der Revision der Gemeindestatuten zu befassen haben wird, wurden aus dem Vorstande die Herren I. N. Schulhof, Dr. Aladar Klein, Emanuel Hermann und Leopold Singer, und als externe Mitglieder die Herren Dr. Mosin Klein und Dr. Max Bloch gewählt Palästina. Mitteilung des „Bezalel“. Durch die Vermittlung der Herren Dr. C. Thon und Dr. Ch. Hilfstein in Krakau gingen für den „Bezalei“bei den Unterzeichneten in Krakau ein: JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 13 1. 'Jährliche Beiträge. Dr. Adolf Arnhaus K 5.— Dr. Leon Adler K 10.— Wilhelm Ader K. 6.— David Binzer K 5.— Ignatz Ehrenpreis K 6.— Änanias Einhorn K 5.— Dr. Siegmund Ehrenpreis K 6.— Heinrich Finkeistein K 5.— Dr. Rudolf Frühling K 10.— Moritz Horowitz K 6.— Dr. Hermann Hirsch K 5.— Dr. Julius Hausmann K 6.— Dr. Chaim Hilfstein K 5.— Josef Kampf K 5.— Ferdinand Kobler K 5.— Elias Kanarek, Jalesjany K10.— Dr. Johann Lachs K 6.— Ch. F. Leister K 5.— Dr. Philipp Landau K 5.— Bernhard Liebeskind K 10.— Moses Landau: K 5.— D. Adolf Meiseis K 5.— Josef Orenstein K 10.— Isak Potock 6.— Norbert Perlberger K 10.— Alendel Pamm K 5.— Siegmund Resch K 10.— Sieg. Rosenzweig, Wieliczka K 10.— Georg Simchen K 5.— Baruch Springer K 5.— Dr. Hermann Seinfeld K 5.— Josef Safier K 5.— Siegmund Schräger K 10.— Osias Schlosser, (Bochnia), K 10.— Arnold Steiner K 5.— Dr. O. Thon K 5.— Bernhard Unger K 10.— Dr. Samuel Wahrhaftig K 5.— Josef Weinberger K 5.— Norbert Wasserberg K 10.— Dr. Josef Zeitner K 5.—. 2. Einmaliger Beitrag, Dr. Zwi Syrop und Frau Sara an ihrem Trauungstag am 1. Nissam K 50.—. ' * . * „Der ,Order of Zion' in Chicago hat auf seiner 11. Jahresversammlnng, die am 9. Jänner 1909 stattgefunden hat, den Beschluß gefaßt, alle seine Mitglieder zu einem jährlichen Beitrage von 10 Cents für den ,BezaIel‘ zu verpflichten.“ Da diese Organisation mehrere 1000 Mitglieder umfaßt, so bedeutet dies für den Bezalel eine jährliche Einnahme von zirka M. 1200 bis 1500. Indem der Unterzeichnete von Vorstehendem Kenntnis gibt, möchte er den verschiedenen Korporationen nahelegen, zu Gunsten des Bezalel ähnliche Besteuerungen deren Mitglieder einzuführen. Solche würden den einzelnen kaum fühlbar treffen, aber in ihrer Gesamtheit für eine gute Sache, von eminent großer Bedeutung sein. Möge dieses, vgn amerikanischer Seite angeregte einfache Verfahren bei uns Nachahmung finden. Mit den einfachsten Mitteln läßt sich oft etwas Großes erreishen. Hochachtungsvoll Bertrand Hamburg, Schatzmeister des „Bezalel“, Verein zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern. Berlin W, Bleibtreustraße 34^35. * * * Das Schulwesen und Handwerk in Jerusalem. Jerusalem. In dem französischen Konsularberichte über Palästina für das Jahr 1907/08 findet sich über die Schulen in Jerusalem folgende interessante Zusammenstellung: 36000 653000 600000 92500 46000 606S08 Knabenschulen Mädchenschulen Schüler Schülerinnen Mohamedan. 2 1 728 292 Katholische 7 8 808 856 Protestant. 9 7 658 415 Griechische 2 2 320 350 Armenische 1 1 40 40 Jüdische 25 8 3090 1380 46 27 5644 3333 2034306 Demselben Konsularbericht entnehmen wir folgende Aufstellung über die ungefähre Zahl der jüdischen Handwerker in Jerusalem und über ihren durchschnittlichen täglichen Arbeitsverdienst: UngefähreAnzahl derjüdischen Handweirker in Jerusalem » » L M 3, » » 0,60 ,, 3, I» >1 80 Goldschmiede Tagesverd. v. Frcs. 2,— bis 5,- 20 Uhrmacher „ „ „ 2,— „ 5,~ 80 Strumpfwirker „ „ „ 1,— „ 2,- 15 Sattlermeister „ „ „ 2,— „ 4,- 20 Stellmacher „ 150 SseferThora-Schreiber „ 30 Bildhauer „ „ „ 2,— „ 6,— 300 Drechsler „ „ „ 1,50 „ 4,— 50 Matratzenmacher „ „ „ 2,— „ 4, — 40 Tepezierer „ „ „ 5,— „ 7,— 30 Kupferschmiede „ „ „ 2,— „ 4,— 30 Gießer „ „ „ 2,— „ 6,— 2000 sonstige Handwerker „ „ „ 1,—. „ 3,— Die Gesamtzahl der jüdischen Handwerker in Jerusalem erreicht also die hohe Ziffer von 6000. 600 Tischler Tagesverd. v. Frcs. 1,50 bis 4,— 350 Steinhaner’ tt tt tt 1,~ „ 5,- 500 Maurer 11 tt tt 2,- „ 6,- 20 Maler tt tt tt 3,— „ 5,- 300 Schuhmacher ff tt tt — tt 200 Schneider ff tt tt 1,- „ 2,40 60 Kutscher ft tt tt 2,- 100 Klempner ft tt tt 2 — **t „ 4,- 100 Buchdrucker tt tt tt 9_ -*t ,, 4,- 250 Müller ft tt tt i- » 3, 75 Glaser tt tt tt 0,50 .. 2,50 20 Buchbinder tt tt tt 2,- „ 5- 200 Weber tt tt tt 3,- 6,- 300 Modisten ■ tt tt tt 1 » 3, Aufrufe. Zur Inskription. Kommilitonen! Die jüdische Studentenschaft hat im vorigen Jahre einen großen moralischen Erfolg errungen. Sie hat die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Wiener Hochschulen durchgesetzt, sie haben erreicht, daß jeder Jude in der Rubrik „Muttersprache“ die Klausel „jüdischer Nationalität“ vermerken kann. Die Inskriptionen für das Sommersemester stehen bevor. Ihr werdet nun von dem Rechte, Euch frei und offen als Juden zu bekennen, ausgiebigsten Gebrauch machen. Aber damit dürft Ihr Euch nicht begnügen. An Euch ist es, auch dafür zu sorgen, daß eine möglichst imposante Zahl von Studenten sich zur jüdischen Nation bekenne. Werbet und agitiert bei Euren Freunden und Bekannten, bei den politisch indifferenten Juden, deren es ja leider so viele gibt. In Anbetracht der allgemeinen Volkszählung im nächsten Jahre ist es von größter Wichtigkeit, wenn wir auf eine große Zahl jüdisch-nationaler Studenten hinweisen können. Kommilitonen! Wir erwarten von Euch, daß Ihr Eure Pflicht voll und ganz erfüllen werdet, um so unseren bisherigen Erfolgen praktische Bedeutung zu verleihen. Das Exekutivkomitee. An die jüdischen Hörer und Hörerinnen der Philosophie. Kollegen! Kolleginnen! Ein jüdischer Philosophenverein soll gegründet werden. Viele von Euch werden darin die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches erblicken. Ist Euch doch der Eintritt in die bestehenden Fachvereine verwehrt und Ihr — besonders aber die Anfänger unter Euch — werdet gewiß jegliche Förderung Eures Studiums schon oft schmerzlich vermißt haben. Manche Kenntnisse muß sich der Student selbst aneignen und wie schwer dies ohne Lehrer oder Berater wird, habt Ihr gewiß am eigenen Leibe zur Genüge erfahren. Unter solchen Umständen über die Notwendigkeit eines jüdischen Philosophenvereines noch zu sprechen, wäre mindestens überflüssig. Kollegen und Kolleginnen! Ist Euch an dem Zustandekommen eines Vereines, der Euer Interesse in jeder Hinsicht fördern soll, etwas gelegen, so tretet demselben bei. Schriftliche Beitrittsanmeldungen (mit genauer Angabe des Namens, der Adresse und des Faches) mögen an Herrn phil. Friedrich Frankl, I., Universität (philosophisches Seminar), gerichtet werden. Mündliche Auskünfte erteilt Herr phil. Berthold H i r s c h 1 täglich von 5—7 Uhr abends im neuen Lokal der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler“, IX., Hörigasse 11, Hochparterre. Das vorbereitende Korn itee des jüdischakademischen Philosophenvereines. Volkswirtschaft. Jüdische Erwerbsfragen. Die: Berufswahl der jüdischen Bevölkerung hat sich naturgemäß während der Jahrhunderte nur nach einer Richtung bewegen können, sie beschränkt sich auf die Erwerbsarten, die man ihnen gestattet und übrig gelassen hat, auf Handel und

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