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Jüdische Zeitung · 1909-03-26 · 13 (26.3.1909) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 13 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 3 resp. zionistischen Masse würde auch auf die Beratungen fruchtbringend wirken. Wurde es durch Veranstaltung der Sitzungen in Köln den österreichischen Mitgliedern der A. C. äußerst erschwert, die Sitzungen zu besuchen, so wurde außerdem die österreichische Organisation bei allen Komiteewahlen übergangen. Speziell zu protestieren ist dagegen, daß bei Neubesetzung von drei Mandaten in den Aufsichtsrat der Bank keines einem Oesterreicher überlassen wurde, obzwar eines durch das Ableben eines österr. Mitgliedes (Dr. Leopold Kahn), frei geworden ist. Es ist zu hoffen, daß die Leitungen in Wien und Lemberg gegen Wiederholung einer solchen Hintansetzuug der großen österreichischen Organisation wirksamen Protest erheben werden. Nachdem die politischen Mitteilungen des Präsidenten W o 1 f f s o h n an die Sitzung streng vertraulich waren, kann über diesen Teil der Beratungen nichts berichtet werden. Aus den sonstigen Berichten des Engeren A. C. Und des Palästinaressorts ist erwähnenswert: Der Ankauf eines Stück Landes bei L y d d a durch den Nationalfond, der Aufschwung des Bezalel, die erfreuliche Entwicklung der Kolonialbank und der Palästinabank, sowie der befriedigende Stand der Arbeiten der Palestine Development Cy. etc. In den Debatten, über deren Verlauf wir noch eingehend berichten werden, wurde bzgl. der Frage des Informationsbureaus in Palästina folgender Antrag Trietsch angenommen : „Das A. C. soll die Frage des Informationsbureaus in Uebereinstimmung mit den anderen Organisationen durchführen“. Bezüglich der äußerst wichtigen Frage der Schaffung eines Intitutes für Agrarkredit in Palästinat-wurde. die Einsetzung einer Kommission beschlossen, welche diese Frage' studieren und der nächsten Sitzung des A. C. das Ergebnis mitteilen soll. Die Kommission besteht aus folgenden Herren: Prof. Warburg, Dr, Oppenheimer, Dr. H a n d t k e, Dr. B o - denheimer, Dr. Heymann (sämtlich aus Deutschland), Prf. Belkowsky, W. Ide 1 soh n, Boris Go 1 db erg, Simon Rosenbaum, Dr. Tschlenow (sämtlich aus Rußland). Es ist zu hoffen, daß diese Frage, die schon seit 3 Jahren unsere Leitung beschäftigt, nun endlich in befriedigender Weise gelöst werden wird. Der IX. Kongreß. i' Auf der Sitzung des Aktionskomitees wurde beschlossen, die Bestimmung von Ort und Zeit dem engeren Aktionskomitee zu überlassen. Das westösterreichiscüe zionistische Zentralkomitee hat wiederholt an die Hauptleitung das dringende Ersuchen gestellt, den nächsten Kongreß nicht wieder in Orten abzuhalten, die wie Haag und Basel von den zionistischen Zentren weit entfernt und schwer erreichbar sind, sondern daß er inmitten oder in der unmittelbaren Nähe dieser stattfinden soll. Diese Forderung muß im Interesse des Zionismus mit allem Nachdruck wiederholt werden. Ein Kongreß in Wien, Budapest oder Krakau wäre von eminenter Bedeutung für unsere Sache. Die jüdische Oeffentlichkeit würde dadurch in ihren Tiefen aufgewühlt werden und der grandiose Eindruck, den jeder Kongreß auf die Teilnehmer, Zuschauer und die gesamte, auch nicht jüdische Oeffentlichkeit macht, wäre von ungeheueren Nutzen für unsere Sache. Durch die lebendige Anteilnahme der ortsanwesenden jüdischen Bevölkerung und die starke Beschickung durch Delegierte der östlichen Zentren würden auch die Beratungen des Kongresses selbst wirksam befruchtet werden. In Haag oder in Basel, Hamburg etc. gibt es keine jüdische Massenbevölkerung, auch waren den Delegierten der jüdischen Zentren die Teilnahme am Kongreß äußerst erschwert. Wenn aus irgend welchen Gründen die Wahl eines Kongreßortes in Oesterreich oder Ungarn nicht möglich wäre, dann müßte der Kongreß wenigstens nahe der russisch-österreichischen Grenze, etwa in Breslau abgehalten werden. Die Wahl irgend eines anderen Ortes, der westlicher oder nördlicher davon läge, käme einer Beiseitesetzung der für den Zionismus wichtigsten Länder gleich und würde dem Kongresse selbst sehr viel von seiner Bedeutung und seiner Wirkungsmöglichkeit nehmen. Die zionistischen Banken. Die Generalversammlung der Jüdischen Kolonialbank beschloß pro 1908 eine Dividende von 6 Pence 60 Heller pr. 1 Aktie ca. Pfd. St. I.— — 24 Kronen d. i. 27a % vorzuschlagen. In den Aufsichtsrat wurden neu gewählt: Podlischewsky, Warschau, Ros off, Petersburg, Dr. F. Bernstein, Haag. Die Jüdische Palästinabank wird pro 1908 für jede Aktie Pfd. St. 1. - (24 Kronen) eine Dividende von 10 Pence (1 Krone) d. i. also über 4 % bezahlen. Es wurde beschlossen, eine große Aktion einzuleiten, um die auf das Aktienkapital von 100.000 Pfund noch fehlenden 30.000 Aktien zu 1 Pfund zu plazieren. Nachdem die Palästinabank über 4 °/0 Dividende zahlt, so ist der Erwerb solcher Aktien als günstige Kapitalsanlage zu bezeichnen. Deshalb werden die 30.000 Aktien wohl bald plaziert sein. Die Palästina Landentwickelungs- Gesellschaft. Am 14. März fand in Köln die erste Boardsitzung der Palästine Land Development Cy. statt. Das Direktorium besteht aus den Herren: Prf. Dr. W a r b u r g (Vorsitzender), Dr. Heyraann (Vizepräsident), Dr. R u p p i n (leitender Direktor), B.Hamburg, Dr.Weizmann, K. Kessler. Sekretäre: H. Neumann, A. Awad i o w i t z. Bisher sind 7000 Stammaktien zu 1 Pfund (d. i. ca 168.000 Kronen) und 40 Gründeraktien zu 50 Pfund (das sind ca 48.000 Kronen) zusammen also ca 216.000 Kronen gezahlt. Das nominelle Gesamtkapital wird aber 200 Gründer- und 40.000 Stammaktien umfassen, daher wurde beschlossen, die Propaganda für den Verkauf von Aktien der Gesellschaft in allen Ländern in erhöhtem Maße fortzusetzen. Prof. T. M. Masaryk über den Zionismus. Der Wiener Korrespondent unseres Bruderblattes „Wschöd“, Herr Dr. Löwenherz, hatte mit dem Reichsratsabgeordneten Prof. Masaryk eine Unterredung über die Judenfrage, in.. deren Verlaufe sich Prof. Masaryk über den Zionismus und die Assimilation folgendermaßen äußerte: „Die Zukunft und die Wiedergeburt der Juden hängt ganz von den Juden selbst ab. Darum begrüße ich jede Bewegung, welche die Juden organisieren und auf diese Weise ihre Regeneration bewirken will, auf das freudigste. Für eine derartige Bewegung halte ich den Zionismus. Am sympathischesten berührt mich an der zionistischen Bewegung als Volksbewegung der Freimut, mit welchem sie alle jüdischen Fragen behandelt. Die Mannhaftigkeit, mit welcher die zionistischen Führer die Verwirklichung der jüdischen Forderungen verlangen, hat mir imponiert. Ich schätze das westlich-jüdische Publikum Rücksicht nehmen mußte, blieb jedoch auf halbem Wege stecken. Darum dürfte es manchen gegeben haben, der mit der Aufführung des unverfälschten Originals zufriedener gewesen wäre. Pinskis „Familie Zwi“ bringt in einigen mit festen Strichen gezeichneten Typen alle Strömungen des russisch-jüdischen Lebens auf die Bühne. Moische Zwi, das Oberhaupt der Familie, ist ein alter gottgläubiger Jude, vom Schlage der Propheten. Sein Sohn ist der typische jüdische Kleinbürger, dessen Interessen auf den Laden konzentriert sind. Die eigentliche Differenzierung hat sich erst bei den Enkeln des alten Moische vollzogen. Leon ist Assimilant, Rüben Sozialist und Lipmann Zionist. Man ist erstaunt in derselben Familie solche Gegensätze zu finden. Doch liegt ein derartiger Gegensatz nicht nur im Gebiete der Möglichkeit, sondern er ist in Anbetracht der Zerfahrenheit des jüdischen Lebens sogar sehr wahrscheinlich. Der Gegensatz der drei durch die Brüder Zwi repräsentierten Weltanschauungen bricht am letzten Pessachtage mächtig hervor. Im Städtchen soll bald ein Pogrom losgehen. Die Familie Zwi sitzt darum in gedrückter Stimmung zu Hause. Der Assimilant sitzt abseits in sich zusammen gesunken. Rüben der Sozialist, schweigt und nur Lipmann findet die richtigen Worte. „Was haben uns Juden alle Kämpfe und die jahrhundertlangen Qualen genützt“? fragt er seine Brüder. Und findet bei Leo keine, beim materialistisch-sozialistischen Rüben, die idealistische Antwort, „daß die Juden1 in der Führerschaft aller Freiheitsbewegungen ihren Lohn gefunden haben“. Der Großvater hört den Reden seiner Enkel zu und meint, den Juden erginge es darum schlecht, weil sie kein Gottvertrauen besäßen und weil sie Gott entthront hätten. Während der Wechselreden im Hause Zwi ist der Pogrom losgebrochen und der Lärm des exzedierenden Pöbels dringt in die Familienstube. Rüben und Lipmann stürzen auf die Gasse, um zu ihren Vereinen zu eilen und die Juden vor den Hooligans zu schützen. Der greise Moische Zwi folgt ihrem Beispiele, um die Scharen der Gottesgetreuen zu sammeln und um die „Schul“ vor Verunreinigung su bewahren. „Wenn die Jungen zu ihren Bünden eilen, so will ich nicht nachstehen, ich geben in meinen Verein“ Auf der Suche nach „seinen Juden“ kommt er auch in das Haus des reichen Bankiers Herschmann, welchem der Gouverneur 5 Kosaken zum persönlichen Schutze zur Verfügung gestellt hatte. Bei Herschmann ist gerade ein Konventikel. Er berät mit den Row und den Dajonim wie man „der Jüdischheit und dem Glauben helfen könne“ und kommt zum Schlüsse, daß man für die Juden Verbote Schu len zu besuchen, erwirken, die Sozialisten demunzieren, Jeschibahs begründen und die „Haskalah“ mit der Wurzel ausrotten müsse. Moische Zwi fordert „die jüdischen Großen“, Kapitalist und Rabbiner, auf, mit ihm zu ziehen und die Schul und die Juden zu verteidigen, aber die würdige Gesellschaft — Geldjude und Pfaffen sagen „Jüdischheit und Glaube“ seien wichtiger und bleiben in dem von Kosaken beschützten Hause. Moische stürmt weiter. Er will die Juden seiner Art, die religiösen Juden, die in Pinskis „Familie Zwi“ mit Recht zu den orthodoxen in einen Gegensatz gestellt werden, um sich scharen. Er kommt in die Schul und findet außer einer halbverrückten, taubstummen Bettlerin keinen Menschen. Bald verschwindet auch die Bettlerin und Moische Zwi bleibt als „letzter Jude“ — wie er meint — in der Synagoge, und stirbt durch Mörderhand. Draußen aber wütet der Kampf. Sozialisten und Zionisten wehren sich gegen die Pöbelwut und zeigen, daß ein neues Judentum erstanden ist. Sie vertreiben die Hooligans und mit dem Rufe „Wir haben gesiegt“ stürzt Rüben in die Schul, wo der Großvater an den Stufen des Thoraschreines liegt und Leo, der bekehrte, gebrochene Assimilant, neben ihm kniet. Aus dieser kurzen Inhaltsangabe erkennt man,

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