Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1909-03-12 · 11 (12.3.1909) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
11 (12.3.1909)
Date
1909-03-12
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2438141-2438220-2438231--1074-2440639
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite-6 - JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. II Tes und Rauch ist esdiesmal nicht gelungen, bei dieser Aktion die Hauptrolle zu spielen. Das hat sie Tjewogen, die ganze Arbeit —^zum Schaden der jüdischen Bevölkerung — hintertreiben zu wollen. Die großen Meister in jeder die Interessen des Judentums schädigenden Arbeit verfuhren dabei in alter erprobter Weise, die aber diesmal versagt. Die Kultusgemeinde in Tarnopol hat sich von der bekannten Protestresolution losgesagt, jetzt folgt ihr die Kultusgemeinde B r o d y. Am 2. d. M. wurde in Brody eine Volksversammlung mit der Tagesordnung „die Organisation der jüdischen Kultusgemeinden Oesterreicbs“ abgehalten. . Referent war der Präsident des galizischen Zentralkomitees Dr. Markus Braude, Vorsitzender war Vizepräsident des Kultusrates H. Moses Landau. An der Diskussion hat unter anderen der Kultuspräsident H. Bloch teilgenommen und er, der Vorsitzender des Konventikels der 7 „größeren“ Kultusgemeinden war, erklärte, daß er die Notwendigkeit und den Wert einer allgemeinen österreichischen Organisation anerkenne und daß er für eine solche Organisation einstehen werde. Die von Dr. Braude beantragte Resolution wurde angenommen. Diese Versammlung ist ein symptomatischer Beweis, wie sehr die Lemberger Herren „Assimilantenführer“ vereinsamt sind. Von den Assimilanten wurden auch die Orthodoxen gegen die geplante Organisation gehetzt. So erwächst der zionistischen Partei die schwere Aufgabe, gegen zwei Fronten zu kämpfen. Das Organisationsstatut muß nun mit den von uns proponierten Abänderungen veröffentlicht werden. Es ist anzunehmen, daß die kleineren Kultusgemeinden den Gemeindetag zahlreich beschicken werden. * . * Es ist faul im Kuratorium der Baron Hirschstiftung. Im Schuljahre 1898/9 hatte die Stiftung in Galizien 50 Schulen; im Jahre 1902/3 49; im Jahre 1904/5 48; im Jahre 1906/7 47; im Jahre 1907/8 45; Ende dieses Schuljahres werden nur 41 Schulen bestehen bleiben. Aufgehoben werden die Schulen in Buczacz, Neusandez, Zaleszczykiund Zloczöw. In den nächsten Jahren soll mit den Schulen in Kolomea, Sniatyn, Mielec, Monasterzyskie und Bohorodczany ebenso verfahren werden. Es wäre doch an der Zeit, hier Ordnung zu schaffen. * * * Ein großer Palästinaabend in Lemberg. Sonntag den 14. d. M. findet in Lemberg in den Sälen des ruthenischen Nationalhauses ein Palästinaabend statt, den die galizische Palästinakommission veranstaltet Einen entsprechenden Vortrag wird Professor Dr. Leon Kellner halten. Es werden auch Erzeugnisse des „Bezalel“ zur Ausstellung gelangen. * * * Die Landeskonferenz der galizischen Zionisten. Das Zentralkomitee des zionistischen Galiziens hat in seiner Sitzung am 3. März d. J. beschlossen, die Landeskonferenz der galizischen zionistischen Organisation für den 18. und 19. April 1909 nach Lemberg einzuberufen. Die definitive Feststellung des Programmes wurde noch nicht vorgenommen. Der neue Gemeindeorganisationsentwurf. Wien. Mittwoch den 24. Februar 1909 wurde unter Vorsitz des Präsidenten der israelitischen Kultusgemeinde Dr.Alfred Stern eine Sitzung der vom Gemeindetage am 27. April 1908 gewählten Kommission für die Ausarbeitung des Organisations- Statuts abgehalten. Das Referat erstatteten die Herren Dr. Sonnenschein aus Tröppau und Dr. Fiala aus Brünn. Von den Abgeordneten, welche Mitglieder der Kommission sind, war nur Dr. Gabel erschienen. Die Abgeordneten Stand und Dr. Groß hatten ihr Fernbleiben entschuldigt Der von den beiden Referenten vorgelegte Entwurf ist von dem früheren in vielen Punkten verschieden und ungleich besser motiviert. Von der Tatsache ausgehend,' daß in Oesterreich keine Organisation besteht, welche die gesamte Judenschaft vor der Regierung vertreten könnte, konstatiert der Motivenbericht, daß die Staats- und Landesämter oft in jüdischen Fragen entscheiden, ohne die Ansicht der Kultusgemeinden einzuholen. Diesem Uebel- . Stande muß durch die Begründung einer alle Juden umspannenden Organisation ein Ende gesetzt werden. Der Entwurf betont ausdrücklich, daß die z u schaffende Organisation die Autonomie der einzelnen Gemeinden in keiner Beziehungbeeinträchtigen werde. In bezug auf Erteilung des Religionsunterrichtes, Anstellung von Rabbinern etc., Regelung der rituellen Angelegenheiten, wird jeder Gemeinde vollständige Freiheit gelassen. Im Folgenden seien einige Punkte des Entwurfes, der an alle Gemeinden in deutscher und jüdischer Sprache verschickt wird, hervorgehoben: Alle österreichischen Gemeinden vereinigen sich in Landesverbänden. Für Galizien sind zwei Verbände ' geplant. Ueber Antrag des Abgeordneten Dr. Gabel, wurde die Frage, ob die galizischen Verbände territorial in einen ost- und einen westgalizischen oder in einen Verband der großen und einen der kleinen Gemeinden, organisiert sein sollen, offen gelassen. Jede Gemeinde, die 100 Steuerzahler umfaßt, hat das Recht, dinen Delegierten zur Verbandsversammlung zu entsenden. Gemeinden mit 300 Steuerzahlern haben Anspruch auf zwei Delegierte. Die Delegierten werden von dem Kultusvorstande für die Dauer von drei Jahren ernannt. Jedes Jahr scheidet ein Dritteil der Delegierten aus und wird durch Neuwahlen ersetzt. Das Zentralorgan des Landesverbandes, die Verbandsversammlung, wählt für die laufenden Geschäfte eine Verbandsleitung, bestehend aus einem Präsidenten, einem Vizepräsidenten, einem Schriftführer, vier Mitgliedern und zwei Vertretern. Jeder Landesverband wählt fünf Delegierte (Wien und Prag je zehn) und fünf Ersatzmänner in den Reichsverband. Die Mandatsdauer dieser Delegierten beträgt sechs Jahre. Außerdem entsendet jeder’ Landesverband nin den Reichsverband einen Rabbiner. Dieser Entwurf wurde nach zweitägiger Beratung von der Kommission mit kleinen Aenderungen angenommen und wird dem am 27. A p ril 1909 in Wien statt! in den den Bundestage vorgelegt werden. Zum Gemeindetage kann jede Gemeinde einen Delegierten, aber nur ein Mitglied des Kultusvorstandes, entsenden. Auch die Mitglieder der Statutenkommission haben das passive Wahlrecht. ln der Sitzung wurde auch der Protest der Lemberger und Krakauer Kultusgemeinde gegen die Organisation vorgelesen. Desgleichen wurden ausführliche Berichte der Protestversammlungen gegen die Beschlüsse des Lemberger Konventikels zur Verlesung gebracht. Bezalel und jüdische Kunstdenkmäler. Die Musterkollektion von Arbeiten der jüdischen Kunstgevrerbeschule „B e z a 1 e 1“, welche gegenwärtig in den Räumen der „Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums“ ausgestellt ist, kann nach keiner Richtung hin eine Vorstellung von den Leistungen und Zielen dieses Kunstgewerbeinstituts geben. Die Anzahl der Gegenstände ist zu klein und die Mannigfaltigkeit des Materials zu gering, als daß ein Schluß auf die wirtschaftliche oder künstlerische Bedeutung des Bezalel gezogen werden könnte. Immerhin verraten die technisch vollendeten Handweben Geschmack und Stilgefühl in Farbe und Form, auch die Schmuckgegenstände in Filigranarbeit zeigen Ansätze einer originellen Erfindung. Leider fehlen in Holz, Edelmetall und Seide ausgeführte Muster. Die mit Perlmutter, eingelegten Bilderrahmen und auch die Teller und Becher unterscheiden sich durch nichts von den konventionellen Formen.- Allerdings muß berücksichtigt •werden, daß dem „Bezalel“ durch den •Kampf um seine Existenz viel an innerer Kraft und Betätigung verlorenging. Doch die Elemente für nationales Kunstgewerbe sind vorhanden und vielleicht sammeln sich die noch im Dunkeln tappenden Instinkte zu einem mächtigen Schaffensdrang, der das zur Tat-macht, was . heute noch Sehnsucht ist. Dieselbe Hoffung läßt sich in bezug auf den Rahmen der Ausstellung, das ist .das „Jüdische Museum“ (II., Praterr Straße 28) nicht aussprechen. Diese Gesellschaft hat seit ihrem zwölfjährigem Bestände ihre Tätigkeit bloß durch viermaliges Umziehen bewiesen. Sonst läßt kein einziges Objekt den Gedanken an ein ernstes Sammeln und Erforschen aufkommen. Neben „minderwertigen,Porträts guter Kultusjuden hängen Radierungen, Zeichnungen, und Heliogravüren und sonstige Reproduktionen wahllos nebeneinander, jn Glaskästen vermischen sich Bronzen und Plaketten mit Gipsreliefs und Münzen, reichgestickte Decken haben Erinnerungsobjekfe an verdiente jüdische Männer zu Nachbarn. Eine heillose Verwirrung, dilettantische Geschmacklosigkeit, Mißachtung der Begriffe einer Museumsverwaltung — das sind die besonderen Merkmale dieses Instituts. Die Gesellschaft macht es sich zur Aufgabe, alles, worin sich die Kunst, der Kultus und die Kultur der Juden in Gegenwart’ und Vergangenheit offenbart, zu sammeln, um es für wissenschaftliche und künstlerische Zwecke nutzbar zu machen, und zwar in Nachbildungen, Abbildungen und Originalen. Wo bleiben die Kultusbauten (Synagogen, Bäder, Rathäuser, Grabbauten), die Kultusgegenstände für Synagoge und Haus, die Vorbildersammlung jüdischer Motive, das Kulturhistorische überhaupt? Die Gesellschaft muß ein Totenhaus bleiben, so lange es ihr nicht gelingt, Interesse für die künstlerische Vergangenheit und für die Erhaltung der Tradition durch Vorführung von Denkmälern zu wecken. Zur Erreichung dieses Zweckes ist eine nach jeder Richtung hin ernste Ausstellung, ein Verzeichnis jüdischer Künstler und ihrer Werke, eine Denkmälerstatistik überhaupt notwendig. Dadurch wird man auch Klarheit über den Anteil der Juden an der Kunst gewinnen. Dann wird von selbst die Frage verstummen, ob es eine jüdische Kunst gibt. Demj die Beweise werden vorhanden sein, daß der Bau, die Innendekoration der Synagogen und auch die Kunstgegenstände künstlerische Formen zeigten und das trotz den von dem jüdischen Zeremoniell bedingten Formen der Künstler jene Freiheit in Stil und Material besaß, die ihn von Vorbildern unabhängig erscheinen läßt. Diese Arbeit aber kann nur ein Kenner, der hinlänglich Fleiß und Willen besitzt, leisten. Dr. Oskar Rosenfeld. Die Generalversammlung der jüdischen Palästinagesellschaft in Rußland. (Original-Korrespondenz der „Jüdischen Zeitung“.) Die Generalversammlungen der jüdischen Palästinagesellschaft (Odessaer Komitee) haben bei den russischen Zionisten immer ein großes Interesse gefunden. Die Generalversammlung der Mitglieder ist nur die äußere, den Polizeivorschriften angepaßte Form eines Kongresses der Palästinenser und derDe 1 egi erten konf e re nz aller Chowewe-Zion-Gruppen im Lande. Auch die diesjährige Generalversammlung stellte einen Kongreß dar, zu dem sich gegen 130 auswärtige Delegierte eingefunden hatten. Er erregte deshalb ein großes Interesse, weil die reale Arbeit in Palästina zur Tagesordnung geworden ist und an

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.