Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 10 (5.3.1909)
- Date
- 1909-03-05
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 jÜDlSCHE; ZEITUNG. Nr. 10 lizien unterstützt. In der Budgetdebatte haben drei Redner gesprochen. Der Abgeordnete Dr. S t r a u - eher besprach die Verhältnisse der Bukowinaer Judenschaft, Dr. Mahler die der westösterreichischen und der Redner die der galizischen Juden. Der jüdische Klub hat den Chef des ärztlichen Militärkorps U r i e I bekämpft und nun hat er die Satisfaktion, daß Dr. U r i e 1 pensioniert wurde und einem gerechteren Chef Platz gemacht hat. Der jüdische Klub ist für die Hausierer eingetreten und hat die Forderung nach dem allgemeinen Wahlrecht in den Kultusgemeinden erhoben. Die Ablehnung der Resolution Schmidt ist ein Erfolg der vom jüdischen Klub betriebenen Agitation von Mann zu Mann, die wochenlang alle Kräfte in Spannung hielt. Auf der Berliner Friedenskonferenz haben Mitglieder des jüdischen Klubs teilgenommen und die Frage der rumänischen Juden aufs Tapet gebracht. Leider wurde diese Forderung nicht in Verhandlung gezogen, doch werden die Mitglieder des jüdischen Klubs bei der nächsten Gelegenheit die Frage der rumänischen und russischen Juden vor das Forum der gesamten Welt bringen. Der jüdische Klub hat bei verschiedenen Anlässen interveniert, und die Fälle, in welchen diese Interventionen erfolgreich waren, zählen nach Hunderten. Außerdem hat der jüdische Klub zahlreiche Interpellationen eingebrach', die oft von Erfolg begleitet waren. Besonderes Augenmerk haben jedoch die jüdisch-nationalen Abgeordneten den unhaltbaren Zuständen in den Kultusgemeinden zugewendet. Die derzeitigen Machthaber in den galizischen Kultusgemeinden sind freilich mit dieser Aktion nicht einverstanden. Sie behaupten, daß durch die Interpellationen in Angelegenheit der Kultusgemeinde das Judentum öffentlich blamiert werde. Der Redner bespricht schließlich das Verhältnis des jüdischen Klubs zu den Polenklubisraeliten und bittet um das Vertrauen der jüdischen Wähler. Nach einer Diskussion, an welcher sich mehrere Gesinnungsgenossen und Gegner beteiligten, wurde folgende Resolution angenommen: 1. Die am 22. Februar 1909 in Lemberg tagende Versammlung nimmt die Berichte der Abgeordneten Stand und Gabel zur Kenntnis, dankt diesen Abgeordneten für ihre parlamentarische Arbeit und drückt ihnen ihr vollstes Vertrauen aus. 2. Die Versammlung protestiert gegen die willkürliche Schließung des Parlamentes und verlangt dessen baldige Einberufung. Palästina. Die hebräische Sprache und die „Alliance“. Die „Alliance“ unterhält bekanntlich in Palästina einige Schulen, in welchen natürlich Französisch die Unterrichtssprache ist, die Kinder zu Franzosen erzogen werden, so daß sie nach der Schulzeit meist nach Frankreich auswandem. Erst in den letzten Jahren wurde der Pflege der hebräischen Sprache in diesen Schulen unter dem Zwange der Verhältnisse mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Kürzlich entsendete die Alliance eine Kommission, bestehend aus Rabbiner Dr. Porges, Rabbiner Israel Levi und Herrn M. S. Benedict, zur Inspizierung ihrer Schulen im Oriente, und zwar tat sie dies hauptsächlich wegen der sich häufenden Angriffe auf ihre Unterrichtsmethoden. Wir wissen nicht, von welchen Gesichtspunkten die Kommission bei ihrer nunmehr vollendeten Untersuchung ausging und ob die drei Herren tatsächlich als unparteilich angesehen werden können. Das wird ihr Bericht erweisen, den sie in Kürze erstatten wollen. Jedenfalls hat ein Mitglied der Kommission, Dr. Levi (Paris) schon jetzt einem Interviewer gegenüber geäußert, daß er als die einzig geeignete Unterrichtssprache für die Allianceschulen die französische ansehe. Derselbe Dr. Levi sagt aber gleich darauf, daß in Palästina das Hebräische zur Muttersprache der Juden geworden sei und daß die ganze jüdische Bevölkerung hebräisch spreche. Daher wurde in den Allianceschulen in Palästina jüdische Religion und Geschichte in hebräischer Sprache unterrichtet. Die Alliance und ihre Leute scheinen unverbesserlich. Denn wenn sie schon zugeben müssen, daß Hebräisch die Muttersprache der Juden Palästinas ist, so folgern sie nicht daraus, daß der ganze Unterricht des Kindes selbstverständlich, wie überall in der Welt, in der Muttersprache erteilt, während französisch im Sprachunterrichte gelehrt werden muß, sondern sie beharren darauf, daß die Kinder in einer ihnen anfangs unverständlichen Sprache unterrichtet werden müssen. Der Geist der Zeit wird gewiß auch einmal in die Allianceschulen eindringen und dem Unwesen ein Ende machen, daß jüdische Kinder in Palästina in jüdischen Schulen ihrem .Heimatlande und ihrem Volke entfremdet werden. * * * Bekanntmachung. Am Mittwoch den 17. März, um 4 Uhr nachmittags, findet im Lokal „Hotel Kaiser Friedrich“, Köln, eine außerordentliche Hauptversammlung des Vereines „Oelbaumspende“ E. V. statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Regelung des Verhältnisses zwischen dem Verein „Oelbaumspende und dem Jüdischen“ Nationalfonds. 2. Einberufungen von Vorstandssitzungen. 3. Geschäftliche Mitteilungen. Der Verein „Oelbaumspende“ E. V. Der Vorsitzende gez.: O. Warburg. * * * Aufruf! Ein Betriebsfonds für den Bezalel. Schon wiederholt hat der Unterzeichnete Veranlassung genommen, sich an die Stammes- und Gesinnungsgenossen zu wenden, um dieselben zu veranlassen, für die Schaffung eines Betriebsfonds für den Bezalel beizutragen. Wie nötig der letztere für die weitere gedeihliche Entwicklung der Schule ist, möge aus folgendem hervorgehen. In der Zeit vom 1. Jänner bis Ende Februar d. J. gingen bei dem Unterzeichneten Bestellungen auf Erzeugnisse der Schule ein: 1. aus Rußland für.Frcs. 1000 2. „ Holland für.. 500 3. „ Oesterreich-Ungarn für . „ 2000 4. „ Deutschland für ... . „ 5000 5. „ Südafrika für. „ 2000 t Zusammen für Frcs. 10.500 Da infolge mangels eines Betriebsfonds die Leitung des Bezalel nicht in der Lage ist, die zur Herstellung von Erzeugnissen der Schule erforderlichen Rohmaterialien in großen Quantitäten einkaufen zu können .und auch nicht mehr Arbeiter und Arbeiterinnen einstellen kann, so war dieselbe nur in der Lage, Bestellungen im Werte von Frcs. 5000 ausführen zu können, so daß Aufträge für Frcs. 8000 zurückgewiesen werden mußten. Nimmt man den Wert der Robmaterialen mit dem dritten Teil obiger Summe an, so ergibt sich, daß den Arbeitern und Arbeiterinnen, respektive deren Angehörigen, Einnahmen im Betrage von zirka Frcs. 5000 entgangen sind. Der größte Teil der eingegangenen Aufträge stammt aus den Kreisen unserer Gesinnungsgenossen Es ist aber nicht zu bezweifeln, daß die Erzeugnisse der Schule auch sonst gern gekauft würden, wenn man für den Absatz propagieren könnte. Wir glauben nicht zu hoch zu schätzen, wenn wirannehmen, daß sich mit Leichtigkeit ein jährlicher Absatz von Frcs. 30 bis 40.000 erzielen ließe, ohne den Eingang vonAufträgen für die Teppichabteilung zu berücksichtigen. Aus Vorstehendem ergibt sich, daß die weitere Entwicklung m erster Linie von der Schaffung eines Betriebsfonds abhängig ist. Wir müssen daher noch einmal an die Opferfreudigkeit unserer Gesinnungsgenossen appellieren. Wenn es gelingt, 100—150 Spender von je 100 Mark zu gewinnen, so wäre das nötige Betriebskapital vorhanden und die Prosperität der Schule gesichert. Hochachtungsvoll Bertrand Hamburg,! Schatzmeister des Bezalel. Parteinachrichten. Die Konferenz des südgalischenDistriktskomjtees in Stanislau. Nach den : Distriktskonferenzen in Krakau, Lemberg und Ta/nopol folgte der Distriktstag in Stanislau am 28. 'Februar. Die Konferenz wurde um 11 Uhr vom Präsidenten des Distriktskomitees Dr. Schur eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Pachtmann (Drohobycz) gewählt. Anwesend waren über 40 Delegierte, die 15 Ortschaften und 22 Vereine repräsentierten. Dem Berichte entnehmen wir, daß das Distriktskomitee Vereine in 43 Ortschaften umfaßt. Es wurden 1273 Schekel (1303‘80 Kronen) gesammelt. Die Sammlung der Parteisteuer ergab 225 Kronen. Für Nationalfond wurden im ganzen Distrikte 11.226*67 Kronen gesammelt, es ist dies beinahe ein Viertel der von ganz Oesterreich aufgebrachten Summe. Von den galizischen Distriktskomitees hat das Stanislauer Distriktskomitee relativ die größte Summe aufzuweisen. In zwei Ortschaften wurden im Berichtsjahre mehr als je 1000 Kronen gesammelt und zwar in Stanislau 1814-91 Kronen, in Drohobycz 1628 67 Kronen. Sechzehn Ortschaften gaben für den Nationalfond mehr als 100 Kronen und zwar Kolomea 891-67 Kronen, Boryslaw 890-02 Kronen, Kossöw 588'60 Kronen, Horodenka 481-77 Kronen, Buczacz 478-90 Kronen, Stryj 402-52 Kronen, Kuty 32L63 Kronen, Monasterzyska 252-32 Kronen, Gwozdziec 244-01 Kronen, Tlumacz 221-37 Kronen, Kalusz 192-38 Kronen, Bursztyn 171-75 Kronen, Halicz 167'89 Kronen, Zablotöw 139 Kronen, Bolechow 113'29 Kronen, Roznöw 100'09 Kronen. Nach einer längeren Diskussion wurde dem abtretenden Distriktskomitee das Absolutorium mit besonderer Anerkennung für die Gesinnungsgenossen H e n i s c h, Meller und Schur erteilt. Um 1 Uhr erschienen in dem Saale die Gesinnungsgenossen Dr. M. Ringel und Leon Wechsler als Vertreter des Zentralkomitees. Am Nachmittage referierte D r. M. Ringel über den Stand und die Aufgaben der zionistischen Organisation in Galizien und Leon Wechsler über unsere Palästinaarbeit. Die beiden, sowohl nach der Form wie Inhalt schönen Referate wurden von den Delegierten mit großem Beifall aufgenommen. Nach einer Diskussion, die über beide Referate gemeinsam geführt wurde, wurden mehrere Anträge und Resolutionen beschlossen. Unter anderen die Anträge des Gesinnungsgenossen L. Wechsler, daß die Distriktskomitee- Konferenz von neuem einen speziellen Palästinareferenten wählen soll. Derselbe hat sowohl im Sitze des Distriktskomitees als auch im Distrikte Palästinakommissionen zu bilden, die unter der Leitung der Distrikts-Palästinakomission und unter der Oberaufsicht der galizischen Palästinakommission in Lemberg, die Palästinaarbeit systematisch betreiben soll. Auch wurde der Antrag des Herrn Wechsler, in Galizien eine Expositur des Frauenbundes für kulturelle Arbeit in Palästina zu bilden, zum Beschlüsse erhoben. Ins Distriktskomitee wurden hierauf die Gesinnungsgenossen Dr. S c h u r, T r o p p, H e n i s c h, Eigenfeld, Meller, Megnet, Selinger, Fischgrind und Zastawski gewählt. Nach den Ansprachen der Gesinnungsgenossen Wechsler und Dr.PachtmannwurdederDistriktstag geschlossen. L. W. * * * Die Landeskonferenz der ungarischen Zionisten. Das große Landes-Komitee der Ungarländischen zionistischen Organisation hat in Ihrer, am 28. Februar 1. J. abgehaltenen Sitzung beschlossen, die Landeskonferenz der ungarischen Zionisten für den 30. und 31. Mai (christliche Pfingsten) nach Budapest einzuberufen. Die definitive Feststellung des Programmes steht noch aus. Jahres-Statistik 1908 der N. F.- und Oelbaumspenden aus Oesterreich, nach Distrikten geordnet. In Nr. 6 der „Welt“ war dargelegt, daß die N. F.-Statistik ihren erziehlichen Wert erst dann voll bewähren wird, wenn sie auch nach Distrikte n und Ortschaften bearbeitet würde. Die reichsdeutsche Sammelstelle hat bereits zweimal eine genaue Zusammenstellung aller zionistischen Spenden nach Orten verlautbart und gehen nun auch wir daran, das Versäumte nachzuholen. Es ist allerdings keine leichte Arbeit, da die nötigen Daten an 6 verschiedenen Stellen erfragt werden müssen. So haben bis zum Juni 1908 der „Wschod“ und das „Jüdische Tagblatt“ in Lemberg die von ihnen empfangenen und publizierten Spenden