Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 5 Ein Protest der jugendlichen Arbeiter in Wien. Am 10. Jänner fand in den Lokalitäten des Allgemeinen jüdischen Arbeitervereines eine massenhaft besuchte Protestversammlung statt. Einberufer dieser Versammlung war der Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter. Die Tagesordnung behandelte die Vorgänge im Verein zur Hebung d e s H an" d werkes unter den inländischen Israeliten, Es wurde folgende Resolution'angenommen: Die am 10. Jänner 1909 im Lokale des Allgemeinen jüdischen Arbeitervereines, II., Große Pfarrgasse 12, vom Vereine jüdischer jugendlicher Arbeiter einberufene Versammlung protestiert auf das entschiedenste gegen das Vorgehen des Vereines zur Hebung des H a n'd werkes unter den inländischen Israeliten, der seinen Zöglingen unter -Kti d f'b hung des Ausschlusses d e n,fte esu’ch von Vorträgen oder Versammlungen des Vereines jüdischer jugendlicher Arbeiter oder den Beitritt zu diesem Vereine verbietet. Das Präsidium des Vereines wird aufgefordert, die auf das Verbot bezügliche Kundmachung zurückzuzieheri und die gemaßregelten Zöglinge wieder aufzunehmen. Die Versammlung protestiert ferner gegen das Veriialten der Vereinsbeamten den Zöglingen gegenüber, falls diese Klagen wegen ungerechter Behandlung seitens der Meister Vorbringen wollen. Statutengemäß ist die Vereinsleitung verpflichtet, diese Klagen anzuhören und den Lehrlingen Schutz angedeihen zu lassen. Diese Bestimmung wird aber von den Vereinsbeamten nicht nur unbeachtet gelassen, sondern werden klageführende Zöglinge barsch zurückgewiesen. Die Versammelten erblicken im Vereine der jüdischen jugendlichen Arbeiter die Organisation, welche ihre Interessen in jedweder Richtung energisch vertritt, und fordert alle jüdischen jugendlichen Arbeiter, insbesondere die Zöglinge des Vereines zur Hebung des Handwerkes unter den inländischen Israeliten, anf, ungeachtet der Drohungen dieses Vereines, einer Organisation beizutreten, welche ihre geistigen und wirtschaftlichen Interessen vertritt.“ * . * * Zur Aufklärung wird folgendes bemerkt: Die Zöglinge des Vereines zur Hebung des Handwerkes unter den inländischen Israeliten kommen zumeist aus Galizien und der Bukowina. Vorzeitig verlassen diese jungen Menschen das Elternhaus, mit ungenügender Schulbildung ausgestattet, werden sie indie Fremde geschickt, um zu Handwerkern herangebildet zu werden.1 Unbekannt mit den Verhältnissen, irgend einem Kleinmeister zugewiesen, der die junge Kraft gewissenlos ausbeutet, verbringt der Zögling wahre Leidensjahre: Jede Möglichkeit sich zu bilden, an lehrreichen Vorträgen teilzunehmen, wird ihm durch eine strenge Verordnung des Vereines, dessen-Zögling er ist, benommen. Der Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter hat sich speziell dieser armen Lehrlinge angenommen, um die sich niemand bekümmert, für deren Ausbildung niemand' sorgt. Diese heranwächsende jüdische Jugend wird ihrem Volke entfremdet, wird sich selbst überlassen — weil es der Vorstand des Vereines nicht dulden will, daß der Zögling sich einem Bildungsvereine anschließt, dessen Hauptaufgabe darin besteht, jüdischen Lehrlingen und Praktikanten die Möglichkeit einer weiteren Ansbildung zu geben. Die Leitung dieses Vereines sieht sich also genötigt, die jüdische Oeffent- Iichkeit auf die jüdische Willkürherrschaft des Vereines zur Hebung des Handwerkes unter den inländischen Israeliten aufmerksam zu machen. - Der Verein jüdischer jugendlicher Arbeiter. Vereinsu.Versätnmlungs- Nachrichten. Voranzeige. Wien. Der Brigittenauer isr. Frauen-Wohltätigkeitsverein, dessen Veranstaltungen sich einer großen Beliebtheit in der Gesellschaft erfreuen, veranstaltet Dienstag, den 2.' F e b r u a r d. J. in den So- ' phiensälen eine Wohltätigkeits-Akademie mit nachfolgendem Tanzkränzchen zugunsten der' Armen im XX. B e z i r k e. Mit Rücksicht auf den eminent wohltätigen Zweck haben in liebens-; würdigster Weise ihre bestimmte Mitwirkung zuge- . sagt die Damen: Frau Theo Drill-Oridge, Mitglied des Kaiser Jubiläums-Stadttheaters, Frau Grete Holm, Mitglied des k.;k. priv. Theaters a. d. Wien, . Fräulein Irene Schwarz: Violinvirtuosin. Die Herren: Richard Pahlen, Klaviervirtuose, Paul Schmedes, Konzertsänger, Otto Storm, Mitglied des k. k. priv. Theaters a. Wien, Karl v. Zeska, k. k. Hofschauspieler. Die Musik besorgt die Kapelle J. W. Ganglberger unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters. Die Nachfrage nach Karten ist äußerst lebhaft und sind die noch vorhandenen Karten bei den Vorstandsdamen, im Konzertbureau Albert Gutmann, I., Opemring 1, in der Musikalienhandlung Hugo Knepler, I., Habsburgergasse 2, sowie bei der Tageskasse der Sophiensäle, III., Marxergasse 13, erhältlich und können auch durch Telephon 15036 bestellt werden. Wien. (B a r - K o'c h b a, VIII., Langegasse 5-7) Samstag den 30. d. M: spricht Gg. Kaplansky- Kaplan über die „Arbeiterfrage in Palästina“. — Mittwoch den 3. Februar Reichsratsabgeordneter Dr. Heinrich Gabel „Ueber die soziale Lage der Juden in Galizien“. Beginn der Vorträge präzise halb 8 Uhr. Gäste willkommen. s Für Sonntag den 31. Jänner, 10 Uhr vormittags, beruft das Exekutivkomitee der jüdischsozialistischen Arbeiterpartei „Poale Zion“ eine allgemein zugängliche Volksversammlung ein als Gedenkfeier an den 22. Jänner 1904. Redner: Gen. Kaplans lei. Ort: Parteilokal: II., Große Pfarrgasse 12. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „Makkabäa“). Herr Dr. Kadisch hat sich bereit erklärt, im Couleurkaffee der Verbindung Kaffee Gartenban einen Zyklus von Vorträgen über „jungjüdische Ziele“ abzuhalten. Beginn 1. Februar. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag den 4. Februar 1909, präzise halb 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten-Vereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Rabb. Dr. Max Grunwald statt. Thhema: „Jüdische Maler.“ Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflicht igeKind e r findet Sonntag den 31. Jänner d. J. um 10 Uhr vormittags in den Räumen des Vereines „Eintracht“ Bnai Brith, IX., Universitätsstraße 4, statt. Am selben Tage und im gleichen Lokale wird um 11 Uhr vormittags die ordentliche Generalversammlung der jüdischen Toynbeehalle abgehalten. Wien, Hebräischer Verein „Iwriah“. Samstag, den 30. d. M., halb 8 Uhr abends, findet im Lokale der jüd. Rede-Lesehalle, IX., Grüne Torgasse 34, die Fortsetzung der Diskussion über den Vortrag des Gesinnungsgenossen Dr. Tartakower „Unser Verhältnis zu den jüd. Gebräuchen“ statt. Gäste willkommen. Wien. (P o a 1 e-Z i o n.) Samstag den 30. d. M. Findet eine interne .Parteiversammlung statt Tagesordnung: 1. Unsere nächsten Aufgaben. 2. Wahl eines neuen Lokalkomitees. Ort: Vereinslokal, II., Große1 Pfarrgasse 12. Beginn präzise 8 Uhr abends. Pflicht aller Parteigenossen ist vollzähliges Erscheinen! Wien. Die jüd.-akadem. Verbindung „Unitas“ begeht im Monate Februar die Feier ihres XXX. Semesters mit einer Reihe von Veranstaltungen, deren Abschluß ein am 27. Februar d. J. im Kursalon der Stadt Wien stattfindender Ball bildet. — Vortrag. Auf der Bude der jüd.-akadem. Verbindung „Unitas“ hielt Samstag den 23. d. M. Herr Dr. K ad i s c h einen Vortrag über das Thema „Oesterreich, die Juden und die Orientfrage, welcher von den Mitgliedern der Verbindung und den zahlreich anwesenden Gästen mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Wien. (Verein zionistischer Hochschüler „Theodor HerzI“.) Seminarprogramm vom 29. Jänner bis 6. Februar: Freitag, den 29. Jänner: Feiwel Sternberg: Jüdisches Kulturleben. Samstag, den 30. Jänner: Gustav Kohn: Treitschkes Stellung zur Judenfrage. Dienstag, den 2. Februar: Fischl Rotenstreich: Die Kabbalah. Mittwoch, den 3. Februar: Fischl Rotenstreich: Jüdische Legenden. Freitag, den 5. Februar: Fischl Rotens t r e i c h: J üdische Volksbücher. Samstag, den 6. Februar: Dr. Oskar Rose n f e 1 d: Jüdische Kunst: Falls Bb. Rotenstreich verhindert sein sollte, in dieser Woche den Vortragszyklus zu halten, findet Mittwoch ein Vortrag Rieß: Geschichte der Juden Böhmens, 11. Teil, und F r e i t a g ein Vortrag Laszkowitz: Palästinaurkunde, III., statt. Beginn sämtlicher Vorträge präzise halb 8 Uhr- Ort: Vereinslokal, VIII., Alserstraße 7. Gäste stets willkommen. Wien. (Jüdischer Mädchenklub.) Der seit einem Jahre bestehende Jüdische Mädchenklub veranstaltet Samstag, den 30. d. M. in den Vereinsräumen des Oesterreich isehen Seehospiz, I., Schottenring 2, Mezzanin, seinen ersten Empfangsabend. In Anbetracht des wohltätigen Zweckes, den dieser junge Verein verfolgt — das Reinerträgnis fließt armen jüdischen Frauen und Mädchen, insbesondere Emigrantinnen zu — ist zu hoffen, daß die Beteiligung eine rege sei und daß der Abend dem Vereine heue Freundeskreise eröffne. Karten ä 2 Kronen bei der Kassierin: Irma Klein, 111., Hauptstraße 50, der Schriftführerin: Emmy Kohn, I., Himmelpfortgasse 20 und bei allen Vorstandsmitgliedern. Wien. (Jüdischer Nationalverein.) Am 21. Jänner fand die Generalversammlung des jüdischen Nationalvereines statt. Der vom Schriftführer, Herrn Dr. Zuckermann vorgelegte Tätigkeitsbericht wurde nach längerer Debatte genehmigend zur Kenntnisgenommen und dem abtretenden Ausschüsse das Absolutorium erteilt. Zum Zwecke des Ausbaues des Vereines wurde beschlossen, 1. in allen Wiener Bezirken Sektionen des Vereines zu bilden, 2. ein Rechtsschutzbureau im . Bureau der „Jüdischen Zeitung“ zu eröffnen. Die Neuwahl des Ausschusses wird in der nächsten Versammlung vorgenommen werden. Trautenau. Anläßlich des Wegganges des Herrn Dr. Emil Margulies veranstaltet der zionistische Volksverein Samstag, den 30. Jänner im Hotel Union eine Abschiedsfeier. Sereth. (Maskenkränzchen.) Die Vereine Poale — und Poalos Zion in Sereth haben beschlossen, am 20. Feber 1. J. im hiesigen Bierpalaste ein Maskenkränzchen zu veranstalten. — Ein großes Komitee hat sich bereits zusammengesetzt. Mit Rücksicht darauf, daß die Veranstaltungen dieser Vereine stets zur Zufriedenheit des Publikums ausfallen, ist auch diesmal auf ein Gelingen der Veranstaltung zu rechnen. — Personalnachrichten. Herr Dr. Emil Margulies, bisher Trautenau, hat seinen Wohnsitz nach Kattowitz in Preußisch-Schlesien verlegt. Liste der Ueberläufer. (Vom 20. bis 27. Jänner 1909.) Wilhelmine Bodansky, 1871, Brünn, ledig, Näherin;. 11., Novarragasse 6. Johrute Nemeth, 1885, Kunszetmärton, ledig, VII., Stiftgasse 21. Arnold Krebs, 1882, Banjaluka (Bosnien), ledig, Handelsangestellter, VII., Westbahnstraße 16. Artur Gutermann, 1879, Berlin, verheiratet, k. Hofopernsänger, II., Stefaniestraße 14. Josefa Weissenstein, 1878, Rosochatetz (Chotobor),. ledig, Komptoiristin, XVIII., Gentzgasse 90. Dr. Karl früher Kohn Korst, 1884, Wien, . ledig, Rechtspraktikant, 11., Glockengasse 18. Stefan Blau, 1895, Budapest, ledig, Realschüler, II., Valeriestraße 44. Pauline geb. Meyer Basch, 1870, Schaffa (Mähren),. geschieden, Hebamme, II., Praterstraße 49. Sarah Wellner, 1858, Papa (Ungarn), ledig, Kleider- ' macherin, VI., Engelgasse 8. Paul Preuss, 1886, Alt-Aussee (Steiermark), Universitätshörer; I. Betty geb. Schwarz Hochstätter, 1861, Wien, verwitwet, Private, XII., Seumegasse 10. . . Adele geb. v. Inwald Menzel, 1872, Stecken, Bezirk Deutschbrod, gerichtlich geschieden, Private, 111., Obere Weißgärberstraße 24. Friedrich Weisz, 1894, Wien, Triest. Die Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar-Kochba“ in Wien benachrichtigt hiemit ihre E.-M. E.-M., A.-H. A.-H., i.-a. Bb. Bb., ferner alle Brudervereinigüngen und -Verbindungen und Gg. Gg. vom Hinscheiden ihres Ehrenmitgliedes Dr. Leopold Kahn gew. Mitgliedes des engeren A.-C. ■, .mxan