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Jüdische Zeitung · 1909-01-29 · 5 (29.1.1909) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 5. Prager Brief. Festabend des Vereines der jüdischen Hochschüler „Bar Kochba“ in Prag. Am 20. Jänner veranstaltete der Verein jüdischer Hochschüler „B a r-K o c h b a“ in Prag einen Festabend. Es wsr ein wichtiges Fest; zehn Jahre nach der ersten zionistischen Versammlung in Prag, nach zehn Jahren emsiger Arbeit und halber Erfolge in diesem Zentrum des Liberalismus in Oesterreich der erste reine, durchschlagende von niemand anzuzweifelnde Erfolg. Es waren aber auch erlesene Geister, die zu den Prager Juden sprachen. Felix Salten, der schneidige Journalist, feiner Novellist und scharfer Kritiker, sprach über den A bfall vom Judentume; leicht und elegant und wieder scharf und spitzig charakterisiert er die Großstadtjuden, die sich taufen lassen, weil sie modern und aufgeklärt zu sein glauben, in Konsequenz der Emanzipation, die doch noch so wenig weit hinter uns liegt. Ueberwindet man aber, so folgert Salten, die Feindseligkeit — die zum größten Teile oder ganz auf willkürlichen Entstellungen der historischen Wahrheit beruht —, so wird man auf den gesicherten Boden des Nationalismus die Festigkeit und Würde eines in seinem Volke ruhenden Charakters gewinnen. All das war so fesselnd, sprühend von einem Geist und in einer leichten, fast spielend strömenden Beredsamkeit vorgetragen, daß es alle Zuhörer im Banne hielt und endlich zu stürmischem Beifall fortriß. Der zweite Redner des Abends war Martin Buber. Wir kennen ihn, den großen Apostel der Liebe, die das ganze Volk umfaßt, in seiner Schwäche und Schande, in seiner Erniedrigung und Entartung, aber auch mtt all seiner Größe, mit seiner Zukunft und1 seinem Reichtume. Nicht oft hört eine öffentliche Versammlung eine so gedankenvolle Rede, eine Rede so strahlend in der Leuchtkraft wahrhaft erlebter Ueberzeugung. „Der Sinn des Judentums14 war das Wort, von dem er ausging, und eine Darstellung der eigensten persönlichen Judenfrage entrollte, die innerste Tiefen erleuchtete. Den Uebergang zwischen den beiden Reden und den Ausklang bildete eine Reihe von sorgsam ausgewählten Gedichten jüdischer Dichter, von Rosenfeld, Wolfskehl, Frug, Beer-Hofmann, Boruchowski. lnterT essant ist, daß Hugo Salus, der bis heute nicht viel von seinem Volkstume zur Schau trug, einige ungedruckte Gedichte beisteuerte, deren; Geist eine Annäherung an das Judentum dokumentierte, die ihn nur ehren kann. Die feine junge jüdische Schauspielerin Lia Rosen vom. Burgtheater in. Wien sprach die süßen Verse von Salus so rein, so eindringlich und klangvoll, die ernsten Worte W o 1 f s k e h I s mit so tiefer tragischer Kraft,, ein Schleier der Weihe senkte sich: über den Saal und die jüdische Seele der großen Künstlerin leuchtete wie die ewige Seele des Judentums selbst. ..'....Der mehr rhetorischen Art Rosenfelds, Reisens und Frug wurde Dr. Philipp Manning vom Prager deutschen Theater gerecht. Es war ein Abend voll Harmonie und Schönheit, der das Judentum gefördert und unseren Geist bereichert, der zionistischen Arbeit in Prag, und insbesondere dem Vereine „Bar Kochba“ zur Ehre gereicht hat. , . Ein netter Vorschlag. ln der „Allgemeinen Leitung des Judentums“, einem reichsdeutschen Organe von der berüchtigsten ' Sorte der Familienblätter, Wochenschriften etc., welche leider auch in Oesterreich zahlreich vertreten ist, heißt es wortwörtliche „Das christfche Weihnaehtsfest hat allen’ modernen Rabbinern schon viel Kopfzerbrechen verursacht. Mit Recht und doch wieder mit Unrecht. JÜDISCHE ZEITUNG, Seite 5. Es ist ungemein schwer, der Verlockung zu! widerstehen. Es kostet uns viel Mühe und unseren j kleinen Kindern viel Tränen. Wir müssen doch zugeben, daß das Herz aufgehen kann bei diesem; wundersamen Familienfeste. Wäre es nicht vernünftiger, uns zu akkommodieren? Und j die Anpassung des Chanukafestes an Weihnachten j ist unendlich (!) leicht. Am Abend des 24. Dej zember hebe die Feier in der jüdischen Familie an. i Wer an Tannenzweigen die Kerzchen anzünden! will, tue es, wem eine vielarmige Menorah lieber (!) ist, wähle diese Form. Im Laufe der Zeit würde sich das Fest so einbürgerri, daß kommende Generationen kaum ahnen werden, wie es entstanden ist. Wenn der liberale Rabbinerbund Deutschlands sich zu dieser Tat aufraffen(l) wollte, wären wir modernen(l) Juden sicherlich gerne bereit, dafür das Purimfest zu opfern. Wir weinen ihm keine Träne nach, weder ihm noch der Megillah . . . usw.“ Es bedeutet wahrlich das Maximum an Unverschämtheit, wenn sich solche Lumpen „m od e r n e Juden“ nennen. Kerle, die sich vor den christlichen Dienstboten und Nachbarn ihres judentumes schämen, vor ihre Charakterlosigkeit schlecht erzogene heulende Rangen hinstellen, machen sich mit ihren schmierigen Händen an unser schönstes Nationalfest heran. Nach ihrem Vorschläge sollen wir unsere Makkabäer so feiern, daß künftige Generationen „kaum ahnen werden“, warum gefeiert wird! Wir hätten einen noch praktischeren Gegenvorschlag: Die saubere Gesellschaft soll der „V e rlockung“ nicht länger und „ungemein schwer“ widerstehen und sich taufen lassen. Das wäre für alleanständigen Juden ein„wundersamesFami- 1 i e n fe s t“. Es ist doch so „u n e n d 1 i c h 1 e i c h t“, aus einem schäbigen „Israeliten“ einen ebenso schäbigen Christen zu machen. Die solcherart präparierten „modernen“ Juden könnte man dann auch an „Tannenzweigen“ „befestigen“, wem aber ein „v i e 1 a r m i g e s“ Holzgerüst lieber ist, „wähle diese Form“. Es wird dann dazu kommen, daß „kommende Generationen kaum ahnen werden“, daß es jemals so charakterlose Judenbengel gegeben hat. Wir werden ihnen „keine Träne nachweinen.“ Oesterreichs Leistung für unseren Nationalfonds im Jahre 1908. Der mit Spannung erwartete Ausweis des N.-F.-Hauptbureaus über die im Jahre 1908 aus allen Ländern an die jüdische Kolonialbank eingeflossenen N.-F.-Spenden ist in Nr. 3 der „Welt“ erschienen und mit wahrem Stolz können wir österreichischen Zionisten darauf verweisen, daß wir keinen geringen Anteil an dem Endergebnis von Mk. 275.738*41 haben und daß wir unter den konkurrierenden Landsmannschaften immer weiter nach vorwärts dringen. Um unseren Schlußfolgerungen eine Basis zu geben, seien vorerst die Tabellen aus der „Welt“ reproduziert. 1. Die Reihenfolge der einzelnen Länder, nach der absoluten Höhe ihrer Leistungen geordnet, ist die folgende: 1. Rußland . . . . . Mk. 68.17307 2. Oesterreich. n 50.453*41 3. Deutschland . . . 37.55690 4. N o r d-A m e r i k a . . . 3400375 5. Süd-Afrika . . . . n 26.374*59 6. Rumänien . . . . n 16.99995 7. England. n 7.89754 8. Ungarn. . . . . . n 4.974*52 9. Belgien. n 4.345*72 10. Bulgarien . . . . 3.78523 11. Schweiz . . . . . 3.77980 12. Niederlande . . . 3.367*24 13. Argentinien . . . 39 3.112*77 14. Kanada. » 2.849*27 15, Kroatien, Slavonien und B osnien . 2.321*90 16. Australien . . . . 1.266*84 17. Türkei (inkl. Palästina) >» 1.150*72 18. Egypten. » 731*51 19. Frankreich . 20. 11 a 1 i e n . . . 21. Skandinavien 22. S e r b i e n. . . 23. Griechenland 24. Brasilien . . Mk. 67965 263.02 269 19233 2430 2. Die Reihenfolge der einzelnen Länder, nach der relativen Höhe ihrer Leistungen, d. h. nach Vergleich der Spendensumme eines jeden Landes mit der Kopfzahl seiner jüdischen Bevölkerung, ist die folgende: Land Anzahl der Juden Leistung pro Kopf in Pfd. 1. Südafrika . . 49.120 53*69 2. Schweiz . . 12.551 3071 3. Belgien . . . 15.000 2896 4. Argentinien - 22.500 1383 5. Bulgarien . - 31.064 1272 6. Kanada . . 30.000 949 7. Kroatien, Slavonien und Bosnien . . 28.213 823 8. Australien 16.850 7*54 9. Deutschland. 586.833 638 10. Rumänien . . 269.000 632 11. Oeste'rreich 1,224.900 4*11 12. England. . . 238.175 3*43 13. Serbien . . . 5.729 3*35 14. Skandinavien 8.030 3*34 15. Niederlande . 103.189 2*23 16. Egypten. . . 25.200 290 17. Nordamerika. 1,418.813 239 18. Rußland. . . 5,235.805 1*33 19. Italien . . . 35.617 076 20. Brasilien . . 3.000 0*76 21. Frankreich . 100.000 067 22. Ungarn . . 831.378 058 23. Türkei (inkl. Palästina . 521.223 0*42 24. Griechenland 8.350 029 Da bei einer Gesamtzahl von 11,110.000 Juden auf den Kopf eine Jahresleistung von Pfg. 2*48 kommt, sind die Länder 1 bis einschließlich 16 und darunter auch das an elfter Stelle stehende Oesterreich mit einer Leistung von Pfg. 4*11 per Kopf über dem Durchschnitt. Dabei ist in Oesterreich bei Vergleich des ersten mit dem zweiten Semester ein namhaftes Aufstreben zu bemerken. So hat es im ersten Semester nur Mk. 23.046’30 mit einer Leistung von Pfg. 3’76, im zweiten Semester Mk. 27.407T1 mit einer Leistung von Pfg. 4‘48 per Kopf und Jahr abgeliefert. Wohl sind auch die Gesamteingänge des N.-F. vom ersten zum zweiten Semester gestiegen, und zwar von Mk. 128.65272 auf Mk. 147.085-69, jedoch nicht so stark als bei uns in Oesterreich. Ja, bei einer ganzen Reihe von Ländern, so vor allem bei dem mit uns im schärfsten Wettbewerb stehenden Deutschland, ist ein Rückgang zu verzeichnen. So ist es uns Oesterreichern geglückt, während wir im ersten Semester, nach unserer relativsn Leistung an dreizehnter Stelle standen, nunmehr ih: der Jahresübersicht zur elften Stelle vorzurücken. Dieses Aufstreben Oesterreichs beschränkt sich jedoch nicht auf das Jahr 1908, sondern tritt ebenso im Vergleich zu den früheren Jahren deutlich in die Erscheinung. Laut des von Herrn Johann Kremenetzky an den VLKongress erstatteten Berichtes über die Einnahmen des N.-F. in den 19 Monaten vom 1. Jänner 1902 bis 1. August 1903 entfiel von dem Total-Summenertrag per L. 19.56175*4 auf die gesamte Monarchie Oesterreich-UnganrBosnien L. 460*19, so daß unsere Monarchie erst an fünfter Stelle stand, und zwar hinter 1. Rußland.L. 12.323*16*2 2. England samt Südafrika .„ 2297*11 1 3. Nordamerika . . . „ 1115 .'9*4 4. Rumänien .... „ 981*18*10 Selbst wenn von den damals in der „Weit“ ausgewiesenen und in jener tabel-

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