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Jüdische Zeitung · 1909-01-22 · 4 (22.1.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 4 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 fand ein Kommers statt und der Abgeordnete sprach in schwungvoller Weise über Zionismus und innere Landespolitik. * * * Mordechai Epstein gestorben. Tlumacz. In Tlumacz starb zu Anfang Jänner im Alter von 32 Jahren Gesinnungsgenosse Mordechai Epstein, einer der talentiertesten jüdischen Feuilletonisten Galiziens. Epstein veröffentlichte seine Bilder und Skizzen aus dem jüdischen Leben unter dem Pseudonym „Ein jüdisch Kind“.Trotzdem er von schwächlicher Körperkonstitution war, entzog er sich keiner noch so mühseligen Parteiarbeit. Während des Reichsratswahlkampfes im Jahre 1907 arbeitete er wochenlang, bereiste die kleinen galizischen Städte und holte sich bei dieser mühevollen Agitationsreise den Todeskeim. Seit jener Zeit siechte er hin, bis ihn der Tod von seinen Schmerzen erlöste. Mordechai Epstein starb auf dem Felde der Ehre; bis zum letzten Athemznge blieb er seinem Ideale treu. Sein Name verdient in das Ehrenbuch der jüdischen Streiter eingetragen zu werden. Kundmachung. Hierdurch bringen wir zur Kenntnis, ■daß wir Herrn Maier Henisch in Stanislau zum Vertrauensmann unseres Vereines für Süd-Galizien ernannt und ihn ermächtigt haben, Mitglieder für uns zu werben und Beiträge für unsere Rechnung entgegenzunehmen. Der Vorstand des „Bezalei“ Bertrand Hamburg, Schatzmeister. Berlin W. 15, Bleibtreustrase 34-35. Die Juden im Ottomanischen Reiche*). vorwiegt. Dagegen leben in Syrien hauptsächlich längst eingesessene und arabisierte Juden (so in Damaskus und in Aleppo je 12.000)._ Palästina. Für sv Purim-Feiern va eignen sich besonders gut zum Verkauf oder zur Verlosung Emnpisse I. Iistpwertaclmle „Bezalei“ ii Jerusalem. Die Schule hat zu diesem Zwecke passende Kollektionen, welche Filigran-Arbeiten in Silber, Damaskus-Arbeiten in Kupfer, Bilderrahmen, Teppiche oder Kissenplatten enthalten, zum Preise von 2 Pfd. St. (Frcs. 50 Mk. 40, K 50, Rub. 9'50, Doll. 5) und mehr zusammengestellt. Bestellungen unter gleichzeitiger Uebersendung des Betrages an die Anglo Palestine Company in Jerusalem sind zu richten an die Eastfeiertaclnle „Bezalei“ in Jerusalem. Mit Rücksicht auf die lange Reisedauer, von Paketsendungen ist eine baldige Uebermittlung der Bestellung notwendig, damit sie rechtzeitig ausgeführt werden kann. Aufruf. Verein „Jüdische Bühne“. Der vor kurzem in Wien gegründete Verein „Jüdische Bühne“ hat sich zur Aufgabe gestellt, jüdische Kunst zu fördern und zu propagieren. Unter jüdischer Kunst verstehen wir alle diejenigen Schöpfungen jüdischer Dichter und Künstler, die vom jüdischen Milieu ihren Ausgangspunkt nehmen, die besondere jüdische Note zu Kunst verdichten. Es ist ja wahr, daß echte Kunst nicht an das nationale Moment gebunden ist, aber auch ganz losgelöst von der Volksseele kann sie nicht werden. Und gerade in der Ueberleitung vom Volklichen zum Allmenschlichen liegt das Eigenartige jeder nationalen Kunst. Wir glauben nun, daß die Zeit schon gekommen ist, die bisher nur vage empfundene jüdische Nuance, klar und in konzentrierter Form zum Ausdruck zu bringen. Es ist selbstverständlich, daß diese Nuance bei den jüdischen Dichtern, die nur für das jüdische Publikum, in den jüdischen Umgangssprachen Osteuropas, Hebräisch und Jüdisch, schreiben, am deutlichsten hervortritt. Und deshalb wenden wir dieser osteuropäisch-jüdischen Literatur hauptsächlich unsere Aufmerksamkeit zu, wobei wir natürlich auch künstlerische Produktionen jüdischer Dichter in den westeuropäischen Sprachen nicht ausschließen. Da wir nun überzeugt sind, daß die Volksseele und Volksstimmung sich am plastischesten im Drama ausdrückt, so bildet die Förderung und Pflege des jüdischen Dramas die Hauptaufgabe des Vereines „Jüdische Bühne“. Wir laden hiermit alle, die sich für unsere Sache interessieren, ein, dem Vereine beizutreten. Der Mitgliedsbeitrag beträgt für ein Jahr 6 Kronen. Beitrittsanmeldungen werden im Vereinsbureau, IX., Porzellangasse 38, Th. 28, täglich von 9 bis 12 Uhr entgegengenommen. Der Verein hat seine Tätigkeit bereits damit begonnen, daß er sich mit dem künstlerischem Ensemble des Herrn Egon Brecher zwecks Aufführung von Stücken jüdischer Autoren ins Einvernhemen gesetzt hat. Die Aufführungen finden jeden Sonntag Nachmittag im Intimen Theater statt und beginnen am' 24. Jänner l.J. Es werden folgende Stücke zur Aufführung gelangen: Schalom Asch: „Mit dem Strom“ (Schauspiel in 2 Akten). A. C o r a 1 n i k: „Roter Schnee“ (Einakter) und „Sünde“. J. L. P e r e z: „Die Schwestern“ (Einakter). David Pinski: „Eisik Scheftel“ (ein jüdisches Arbeiterdrama in 3 Akten) und „Vom Glück vergessen“ (Einakter). Scholem Aleichem: „Die Versprengten“ (Lustspiel in 3 Akten). P. Hirschbein „Der Schinder“ (Tragödie in 4 Akten). Liste der Ueberlätifer. (Vom 13. bis 20. Jänner 1909.) Dr. Siegfried Blume], 1871, Tetsch (Mähren), verheiratet, VI., Mariahilferstraße 99. Malvine Stern, 1873, Teschen, ledig, Privatbeamtin, VII., Neubaugasse 72. Anna Löffler, 1869, Wien, ledig, Hilfsarbeiterin, XX., Streffleurgasse 10. Alice Breuer, 1872, Ischl (Ob.-Oe.), ledig, Bürgerschullehrerin, VIII., Florianigasse 67. Wilhelmine Fein, 1872, Wien, ledig, Private, XVIII., Vinzenzgasse 28. Robert Fischer, 1868, Prag, gerichtlich geschieden, Kaufmann, II., Odeongasse 3. Max Rind, 1885, Wien, ledig, Ingenieur, VI., Stumpergasse 50. Martha Mindel, 1889, Wien, ledig, III., Fegorgasse 17. Alfred Stiaßny, 1881, Prag, ledig, Friseur, 11., Kronprinz Rudolfstraße 17. Johanna Bock, Wien, ledig, Näherin, 111., Klosterspital St. Elisabeth, Hauptstraße 4. Die Zahl der Juden im Ottomanischen "ReicHe’,:wiä,cHsf"dufcff efrie'starke natürliche Vermehrung und durch eine von Jahr zu Jahr steigende Einwanderung. Im türkischen Reiche, dessen Gesamteinwohnerzahl auf 25 Millionen geschätzt wird, beträgt die Zahl der Juden etwa eine halbe Million. Von diesen kommen auf Ko n stantinopel zirka 65.000 (etwa ein Fünfzehntel der hauptstädtischen Bevölkerung), auf S a- 1 o n i k, das im ganzen nur ungefähr 150.000 Einwohner zählt, eine kompakte Masse von 80.000 (der Rest der Bevölkerung besteht aus Moslems und Christen verschiedener Nationalitäten), auf Bagdad 40.000, auf Smyrna 35.000, auf Adrianopel 17.000 jüdische Einwohner. Am dichtesten aber sitzen die Juden in Palästina. Jerusalem mit seinen 53.000 Juden (zwei Drittel der Gesamtbevölkerung, der Rest ist stark zersplittert) ist von größerenStädten wieder wie einstmals diejüdischeste Stadt der Welt. (In anderen Städten mit absolut viel höheren Judenziffern ist der Prozentsatz eben viei kleiner. Hauptbeispiel :New-York, wo die zirka 800.000 Juden doch etwa nur ein Drittel der gesamten städtischen Bevölkerung ausmachen!) Von den Städten Palästinas zählen: Einwohner Moslem Juden Christen Jerusalem . 80.000 10.000 53.000 17.000 Jaffa . . . . . 50.000 30.000 8.500 11.000 Safed . . . 24.000 15.000 8.000 1.000 Tiberias . 8.600 1.400 7.000 200 Haifa . . . 20.090 10.000 1.600 8.000 Hebron . . 20.000 19.000 l.OCO — Die verhältnismäßig hohe und immer weiter steigende Zähl der Juden rekrutiert sich mehr und mehr aus eingewanderten Elementen, unter denen wieder die Einwanderung aus den Ländern Osteuropas *) Diese Ausführungen sind einem Aufsätze von Davis T r i e t s c hin-der äußerst reichhaltigen Nr. 1, Jahrg. 6, der Monatsschrift „P a 1 ä s t i n a“ (Redaktion: München, Pettenkofferstraße 25) entnommen. Turnerei In Palästina. .Dem Dezefnberheft der Jüdischen Turnzeitung“ entnehmen wir den folgenden Brief des Herrn Zbi Orloff, Turnlehrer am Gymnasium „Ibrit“: Während der sechs Wochen seit meiner Rückkehr aus Europa war ich damit beschäftigt, im Gymnasium „Ibrit“, an der Mädchenschule und in unserem Turnverein Rischon le Zion den Turnunterricht zu reorganisieren und die notwendigsten noch fehlenden Geräte herzustellen. Von der Leitung des Gymnasiums war mir zu diesem Zweck eine kleine Summe zur Verfügung gestellt worden. Bei meiner Rückkehr bestand der Turnverein nur aus wenigen Mitgliedern, die meine Rückkehr mit Ungeduld erwarteten Nachdem aber in den Klassen des Gymnasiums angesagt worden war, daß wir Abendkurse für Männer und Knaben je zweimal wöchentlich eröffnen, wuchs die Zahl schon ln der ersten Woche in der Männerabteilung auf 45 und in der Zöglingsabteilung auf 25. Jetzt nimmt die Teilnehmerzahl von Abend zu Abend zu, das Interesse wächst und unsere Ideen werden bei der Bevölkerung populär. Vor zwei Wochen gründeten wir eine Frauenabteilung, in der vorläufig 22 Turnerinnen turnen; es ist jedoch gute Hoffnung, daß sich ihre Zahl in Kürze verdoppeln wird. Auch ein Vorturnerkurs ist bereits im Gange. Der Turnplatz des Gymnasiums steht wie bisher zu unserer Verfügung. Die Gesamtzahl unserer Mitglieder beträgt 92. Jeden Samstag nachmittags unternimmt die Männer- und Zöglingsabteilung einen gemeinsamen Ausflug. Auch weitere Touren werden regelmäßig unternommen und draußen während der Rast Ringkämpfe vorgeführt. Die Frage des Anschlusses an die Turnerschaft wird in Kürze besprochen werden. Meine Arbeiten am hebräischen Lehrbuch und dem Leitfaden der Kommandosprache machen gute Fortschritte. Mit jüdischem Turnergruß Ihr Zbi Orloff.

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