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Jüdische Zeitung · 1909-01-15 · 3 (15.1.1909) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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iiv fl.;ii; ■ $: '■r i; Seite 4. Dem Vorbereitungskursus der Kunstabteilung gehörten 10 Schüler an. Abteilung für Korb- und Kunstmöbelflecliterei wird im Februar dieses Jahres von Herrn P o p ow i t z aus Hermannstadt eingerichtet. Herr Popowitz hat kontraktmäßig die Einrichtung und Unterhaltung der Werkstatt auf eigene Rechnung übernommen, während der Bezalel sich verpflichtet hat, die nötigen Räume und das Lager zXfr‘ Verfügung zu stellen oder hierfür eine jährliche Subvention von 500 Frcs. zu bewilligen. Die für diese Arbeiten nötigen Entwürfe werden von der Schule geliefert und die Produkte auf ihre Qualität und geschmackvolle Ausführung geprüft werden. ... Es ist ferner in Aussicht genommen, im nächsten Semester neben den bereits bestehenden Werkstätten und Ateliers eine W e r k s t ä 11 e f,ii r D a m a s k u s m ö b e 1 z u errichten. Die für Errichtung und Bestreitung der Unterhalt tungskosten dieser Abteilung, erforderlichen Geldmittel sind uns von der Alexander und Fanny Simon-Stiftung -in Hannover in Aussicht gestellt worden. - Das sich an die Bezaielscbiile .anschließende Museum wurde durch mancherlei Neuerwerbungen und Zuwendungen bereichert. Seitens der Bevölkerung erfeut es sich stets eines lebhaften Interesses und entwickelt sich allmählich zu einer beliebten Bildungsstätte. Lehrprogramm. Kunstabteilung. I. ln der Kunstabteilung können Schüler im Alter von 15 bis 20 Jahren aufgenommen werden, wenn sie auf Grund ihrer Arbeiten sowie einer Prüfung in der Schule für befähigt anerkannt werden und außerdem den für die Aufnahme eines Schülers erforderlichen Bedingungen genügen. Letztere bestehen in einem Nachweis, daß für ihren Lebensunterhalt während der ganzen Lehrzeit gesorgt ist, einem Zeugnis über ihren bisherigen Lebenswandel und einem ärztlichen Attest über ■ihren Gesundheitszustand. Die Dauer beträgt drei Jahre (sechs Semester). Das Wintersemester dauert vom 1. Clieschwan bis zum 1. Nissan, das Sommersemesler vom 1. ljar bis zum 1. Eiiul. Der Stundenplan umfaßt: Zeichnen nach der Natur; Modellieren; Aktzeichnen;- — - Stilisierung von Blumen und Komposition von Ornamenten: Oelfarben Zeichnungen (nature moste). Modellieren von Körperteilen; Zeichnen (Landschaften); Bestimmte Aufgaben, Komposition; T'Persp ek tiv en; Aufgabe für die freie Zeit: Landschaftsmalerei. -. JÜDISCHE ZEITUNG. Dekorativkompositionen; Landschaftsmalerei. Am Ende eines jeden Semesters hat jeder Schüler eine Prüfungsarbeit zu liefern und die Befähigung für ein höheres Semester nachzuweisen. Außerdem hat jeder Schüler mindestens 30 Zeichnungen (Kopf und Akt nach der Natur) und 20 Zeichnungen (Blumenkompositionen) im Laufe des Semesters auszuführen. Diejenigen Schüler, die für Dekorativzeichnen Neigung haben, werden während des Schulkursus in diesem Fach unterwiesen und je-nach Bedarf zu- Musterzeichnern am Bezalel ausgebildet. Diejenigen Schüler, welche sich für die Bildhauerei eignen, müssen denselben dreijährigen Kursus absolvieren, werden aber hauptsächlich in Skulptur und Gipsgießerei ausgebildet. II. Teppichatelier. Der Aufnahmetermin für Mädchen im Älter von 12 bis 15 Jahren ist jeden Lag Beomer. Im ersten Semesier werden die Mädchen täglich 2 Stunden im Zeichnen, 1 Stunde im Hebräischen und 6 Stunden in der Technik des Tcppiehknüpfens unterrichtet. Im zweiten Semester fällt das Zeichnen fort. Dafür wird in der Teppichknüpferei eine Stunde mehr Unterricht erteilt. Fähige Arbeiterinnen können bereits im zweiten Semester bis 5 Frcs. monatlich verdienen; im zweiten Jahr kann sich der Mehrverdienst den Leistungen entsprechend — auf 10 bis 20 Frcs. monatlich steigern. Nach Absolvierung der zweijährigen Lehrzeit können tüchtige Arbeiterinnen zu Hause für Rechnung des Bezalel arbeiten. III. Holz- und Steinschnitzerei. Unterricht im: Zeichnen (Ornamente und Blumen nach der , Natur). Modellieren (Ornamente): Zeichnen (Masken und Köpfe); Modellieren (Blumen); Holzschnitzerei (Ornamente); Steinschnitzerei; Möbel- und andere, Kompositionen. Die Schüier dieser und der Rahmenabieilung erhalten täglich eine Stunde Unterricht im Hebräischen. ln den letzten zwei Semestern können die Schüler auf einen m o na 11 i c h e n Verdienst von 3 o Frcs. rechne n. IV. Abteilung für Steinhauerarbeiten. hn Schulaielier werden die Schüler höchstens drei Monate an einfachen Arbeiten beschäftigt und erhalten im Winter in der Abendschule Unterricht im Handzeichnen sowie im Zeichnen einfacher geometrischer Figuren. Nach drei Monaten versuchen sich die fähigeren Schüler an Arbeiten von Friesen, Treppen, Fenstern u. dergl. Dieser Unterricht erstreckt sich auf drei Monate, ln der Abendschule werden die' Schüler zweimal wöchentlich im Lineal- | zeichnen und den Hauptregeln der Architektur ) unterwiesen. Dreimal wöchentlich wird hebräischer Nr. 3. Unterricht erteilt. Die Arbeiten werden verkauft und der Erlös derselben fällt den Schülern zu. V. Rahmen-Atelier. Es wird täglich während acht Stunden praktische Arbeit (Sägen, Feilen, Polieren, Rahinenausschneiden usw.) gelehrt. In der, Abendschule wird zweimal wöchentlich Unterricht im Hebräischen und dreimal im Lineal- und freien Handzeichnen gegeben. Je nach den Leistungen können die Schüler im ersten Jahre 5 bis 20 Frcs., im zweiten Jahre 20 bis 40 Frcs. monatlich verdienen. * * * # Die finanzielle Fundierung def Bezäleischule entsprach der in steter Zunahme begriffenen Popularität derselben. Von den früheren Mitgliedern sind, uns nur wenige verloren gegangen, diese zum größten Teil durch Todesfall. Dagegen ist es uns gelungen* die Zahl unserer Mitglieder ganz beträchtlich zu erhöhen. Dieselbe hat sich fasi verdreifacht, ebenso ist der Beitrag der Spenden bedeutend höher als im Vorjahre. Dieses erfreuliche Resultat legt uns Zeugnis dafür ab, daß das Interesse für Palästina fortgesetzt zunimmt und daß d? nur einer energischen Agitation bedarf, um die Teilnahme der jüdischen Kreise anzuregen. ‘ V * Es sind zwar in diesem-Jahre-zum -erstenmale gößere Eingänge für verkaufte Teppiche und andere kunstgewerbliche Gegenstände zu verzeichnen gewesen, es wird aber noch mehrere Jahre dauern, bis der dadurch erzielte Ueberschuß eine wesentliche Erleichterung des Budgets erzielen wird. Vor allem aber bedarf der Bezalel eines größeren Betriebsfonds, einerseits um die Rohmaterialien, (Wolle, Holz, Metalle, Farben usw.) in größeren Quantitäten billig einkaufen zu können, andererseits um den Arbeitern und Arbeiterinnen Vorschüsse geben und bei Ablieferung Zahlung leisten zu können. Eine wirklich großzügige Arbeit wird erst dann geleistet werden können, wenn die Leitung der Schule vor jeder pekuniären Sorge geschützt wird. Der Absatz der Produkte hat uns bisher keinerlei Schwierigkeiten gemacht, es konnte sogar im Gegenteil ein Teil der Aufträge nicht e f f e k t u i e r t werden. An die Zentrale in Berlin sind daher auch nur wenige Teppiche gesandt worden, und zwar nicht etwa tun hier zum Verkauf zu gelangen, sondern vielmehr, um die bedeutenden, auch von Fachleuten anerkannten Fortschritte zu demonstrieren, welche die Teppichknüpferei der Schule zu verzeichnen hat. Um aber das Interesse an der Schule in weiteren Kreisen zu heben, wurde beschlossen, kleine Kollektionen kunstgewerblicher Gegenstände, bestehend aus Teppichen, Filigranarbeiten, Bilderrahmen und Metallnrbiten zusammenzustellen, die den Reflektanten nach vorheriger Einsendung der dafür bestimmten Beträge an die Anglo Palestine Company Ltd. in Jerusalem oder an die Zentrale in Berlin portofrei zugesandt werden sollen. scharf von anderen Proletarierdramen. In Hä'üptmanns „Webern“ wird-von verhungerten Menschen ein Hundebraten verschlungen und die Leute faljen vor Hunger zusammen, wenn sie auf die Zuteilung der Wolle warten, ln Langmanns „Bartel Turaser“ macht den Vater der Hunger des Kindes zum Streikbrecher und man sieht förmlich das eherne Bataillon der organisierten Lohnsklaven über die 3ühne schreiten. In Heyermanns „Hoffnung auf Segen“ jagt ein Unternehmer blühende junge Menschen mit der Polizei auf ein morsches, untaugliches Schiff, daß sie jämmerlich ertrinken müssen und brüllt seine Fischer auf seinen Spaziergängen durchs Fenster an, wenn sie in ihren vier Wänden ein Arbeiterlied singen. Diese grellen Motive aus dem modernen Proletarierleben: Hunger, Ausbeutung Streik, Grausamkeit des Kapitals, treten in Pinskis Drama ganz in den Hintergrund. Aus dem Milieu der jüdischen Werkstatt — ein ganz spezifisches und eigenartiges Milieu — wächst die Seelennot dieses Eisik Scheftel in das allgemein Menschliche hinaus. Ein friedlicher, versonnener Mann, der still das Kreuz dieser Erde’ trägt und niemals gdgen dieses elende Leben des Hungers und Schmutzes raisonniert hat, der nichts will, als sich belauschen zu dürfen, wenn sich in dem ausgemergelten, zerquälten Körper die wundersamen Ideen regen, geht an seinen reichen Gaben zugrunde. Denn das Talent ist ein Monopol der Reichen geworden, wie irgend ein anderer Luxus. Martin B u b e r hat diese Dichtung liebevoll übertragen. Uns scheint diese Uebersetzung mit Festhaltung der jüdischen Redewendungen und Satzordnungen glücklich zu sein, wenn auch vielfach das Gegenteil behauptet wird. Möge dieses Erstlingsgsdrama unseres David Pinski bald von den Brettern herab die Menschen ergreifen und erfreuen! Dr. Otto A b e 1 e s. Allerlei. Das Badezimmer Salomos. Das Badezimmer ist eine Erfindung des Königs Salomo, so schreibt die englische wissenschaftlich - literarische Zeitschrift „Chronicle“. König Salomo besaß bereits ein luxuriös eingerichtetes Badezimmer 1000 Jahre vor Entstehung des Christentums. Es war sündhaft, das Allerheiligste zu betreten, bis der ganze Körper nicht gereinigt war, und für die Priester waren auch am Eingänge in den Tempel Badewannen angebracht. Nach den bekannten Maßen, die uns von der Badewanne Salomos überliefert sind, hatte diese einen Umfang von 45 Fuß und war 6’5 Fuß tief. Die Wanne ruhte auf geschnitzten Säulen, die die Figur eines Stiers trugen, und bestand aus einem Stücke gegossenen Stahles, versehen mit verschiedenartigen Verzierungen aus der Blumenwelt. * „ * Die Juden in den Vereinigten Staaten. Philadelphia. Dem „Jewish Exponent“ zufolge leben in Amerika 1,777.185 Juden, unter welchen sich ungefähr 360.0C0 Wähler befinden sollten. Doch muß man die Zahl der vielen noch nicht naturalisierten Juden Amerikas in Abzug bringen. Tatsächlich gibt es bloß 300.000 jüdische Wähler, 40 Prozent aller Juden leben in New-York.

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