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Jüdische Zeitung · 1909-01-15 · 3 (15.1.1909) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 3. JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5. Auch Bestellungen größerer einzelner Teppiche oder Schnitzereien sowie Partien kleinerer Teppiche, Bilderrahmen, Filigran- sowie Holz- und Metallarbeiten nimmt die Schule unter der Adresse „Bezalel“, Jerusalem, gern entgegen, da sie infolge der zunehmenden Zahl ausgebildeter Schüler in diesem Jahre schon in der Lage sein wird, größere Quantitäten zu produzieren. Vorstand und Ausschuß des „Bezalel“: Prof. Dr, O. Warburg, Dr. Paul Nathan, Vorsitzender. Stellvetretender Vorsitzender. Künstlerischer Beirat: Maler Julius Bodenstein. Prof. Max Lieber mann. Maler Hermann Struck. Sitz des Vereines: Berlin, W. 15, BI ei b t r e ustra ß e 34 — 35. * * * Die Redaktion der „Jüdischen Zeitung“ ist gerne bereit, alle Auskünfte zu vermitteln. Brief aus Galizien. (Der-national-demokratische Parteitag. — Eine Aktion der Moschkos.) In der vorigen Woche fand in Lemberg der Parteitag der polnischen National- Demokraten, wie sich die Allpolen offiziell bezeichnen, statt. Die Allpolen sind die mächtigste Partei im Lande, sie haben die Führung des parlamentarischen Polenklubs inne, zäh und erfolgreich unterminieren sie die Position der konservativen Stanczyken und schwächen zielbewußt die Macht der polnischen Volksparteiler. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß Dr. Glombinski, der hervorragendste allponische Parteiführer, bald den Ministerstuhl für Galizien einnehmen wird. Die Beschlüsse des allpolnischen Parteitages sind daher von großer Bedeutung und die Meinungen, die auf ihm vertreten wurden, verdienen eine ernste Würdigung. Das Endspiel der Allpolen ist die Wiedererrichtung des historischen Polens, die Schaffung eines einheitlichen polnischen Nationalstaates. Zu dem Zwecke erstreben sie, die in den ehemals polnischen Provinzen wohnenden Nationen zu polonisieren, beziehungsweise deren Einfluß und Kraft auf ein Minimum herunterzudrücken. Daher gilt der Kampf der Allpolen vornehmlich den selbständigen nationalen Bewegungen: der ukrainischen und der zionistischen. Der zionistischen vielleicht noch im höheren Maße, denn vorläufig haben die Allpolen ihr Kraftzentrum im ruthenischen Ostgalizien und ihr Hauptstützpunkt ist das „offizielle“ Israelitentum der ostgalizischen Städte. Mit der Vernichtung des Mauscheltums, die der Zionismus langsam aber stetig und gründlich besorgt, wäre auch das Allpolentum in Ostgalizien vernichtet und die Ruthenen wären die Herren der Situation. Auf dem letzten Parteitage spielten daher die ukrainische und implicite auch die jüdische Frage die Hauptrolle. Die Polen haben im galizischen Landtag eine erdrückende Majorität, die sie zu unumschränkten Herren des Landes macht. Die Beschlüsse des Landtages unterstehen der Staatskontrolle und müssen von der Krone sanktioniert werden. Freilich läßt die österreichische Regierung die Polen schalten und walten, die Allpolen fühlen sich aber dennoch durch die Wiener Zentralgewalt beengt. Sie verlangen darum Landesautonomie, „Verantwortlichkeit des galizischen Statthalters vordem Landtage.“ Ist dieses Ziel erreicht, dann sind sie vollständig unbeschränkte Herren im Lande und können das Verhältnis der Polen zu den Ruthenen und Juden selbständig „regeln.“ Bevor jedoch die Landesautonomie eingeführt ist, verlangen die Allpolen einen nationalen Kataster. „Damit wäre die Judenfrage in Galizien gelöst“, lautete das Kommentar des Referenten, der zum ersten Male das Wort „Judenfrage“ gebrauchte, was alle Redner ostentativ unterlassen hatten, trotzdem im Grunde genommen, gerade die Judenfrage den ganzen Verlauf der Unterhandlungen beherrschte. Sie wollten eben die Aufmerksamkeit der Juden von ihren Plänen ablenken. Sie denken wohl, daß die Ueberrumpelung mit dem nationalen Kataster plötzlich geschehen müsse, bevor noch die Juden ihre Vorbereitungen getroffen haben, um der liebevollen allpolnischen Umarmung und der Aufnahme in den Schoß der polnischen Nation zu entgehen. Diese Absicht der Allpolen wurde aber von den Zionisten schon lange durchschaut, dfe „Wohltat des nationalen Katasters“ gründlich erkannt. Sie werden sich mit allen Kräften gegen die Einbeziehung des jüdischen Volkes in den polnischen Kataster zur Wehr setzen. Vorläufig herrscht noch Ruhe, aber sie ist nur die Ruhe vor dem Sturme. Wenn der Augenblick gekommen ist, wo der „nationale Kataster für d i e z w e i in Galizien wohnenden Nationen“ eingeführt und die Nichtexistenz des jüdischen Volkes dadurch gesetzlich festgelegt werden soil, dann wird sich ein Sturm gegen diese Vergewaltigung erheben, der seinesgleichen in Oesterreich nicht gehabt hat. Es wird ein Verzweiflungskampf um das Recht und die Ehre des jüdischen Volkes werden, der nur mit vollständiger Vernichtung oder mit dem Siege enden kann. Das sollen sich die verantwortlichen Leiter der österreichischen Regierung vor Augen halten, bevor sie die Juden der Gnade und Ungnade des allpolnischen Chauvinismus ausliefern. * * ♦ Als im April vorigen Jahres der von Kultusgemeinden aller österreichischen Provinzen beschickte Judentag einmütig die Schaffung einer alle Gemeinden Oesterreichs umfassenden Organisation beschloß, war die Freude aller österreichischen Juden aufrichtig. Endlich ein Zusammenschluß, der alles Trennende beseitigt und eine einheitliche Arbeit ermöglicht, riefen die meisten. Am freudigsten waren die Zionisten bewegt, denn sie wußten, im Vertrauen auf Richtigkeit ihrer Ideen, daß die zu schaffende Organisation schließlich doch von jüdischnationalem Geiste erfüllt werden wird, mag sie auf welcher Basis immer geschaffen werden. Dieser Ueberzeugunggab derKultuspräsident von Czernowitz, Reichstagsabgeordneter Dr. Straucher, entschiedenen Ausdruck. Wer aber nach dem Wiener Judentage die Jüdische Organisation“ für eine vollzogene Tatsache gehalten, hat die Rechnung ohne die galizischen Moschkos gemacht, die schon am Bundestage eine recht klägliche Rolle spielten und nachher auf der Sitzung des vorbereitenden Komitees am 6. November 1908 erklärten, nicht weiter mittun zu können. Als Ursache gaben sie an, daß die Kultusgemeinden durch die Organisation ihre Autonomie, die besonders in Anbetracht der in Galizien herrschenden, eigentümlichen Verhältnisse unbedingt notwendig sei, verlieren würden. Bekanntlich ist nicht alles wahr, was selbst im Brusttöne der Ueberzeugung gesagt wird. Die eigentliche Ursache ist der horror sionismi! Die galizischen Moschkos wissen auch, daß eine allgemein jüdische Organisation über kurz oder lang zionistisch, das ist zugleich demokratisch werden müßte! Dann wäre es mit dem ganzen Einfluß, mit den fetten Pfründen, mit der „Führerschaft“ vorbei! Und das darf in keinem Fall geschehen! Darum sind sie gegen die Organisation. In Ausführung des volksverräterischen Planes berief der Präsident der Lemberger Kultusgemeinde in einem vertraulichen Zirkular die größeren Kultusgemeinden Galiziens, 19 an der Zahl — in denen die „Israeliten“ das Regiment führen, für Anfang Jänner nach Lemberg, ln diesem Zirkular wird ausgeführt: Ende Jänner findet in Wien eine Sitzung des im April 1908 gewählten Komitees zur endgiltigen Beschlußfassung über das Organisationsprojekt statt. Es könnte leicht der Fall eintreten, daß sich die kleineren galizischen Gemeinden (die zumeist durch Zionisten vertreten sind. Anm. d. Red.) für die Organisation ausspreeben und diese irotz der Abwesenheit der Vertreter der größeren Gemeinden geschaffen werden könnte. In Anbetracht dieser Möglichkeit werden die Vertreterder einzelnen Repräsentanzen nach Lemberg eingeladen und die 19 Gemeinden aufgefordert telegraphisch bekanntzugeben, ob sie an der Besprechung teilnehmen wollen. Bemerkt sei, daß der Lemberger Kultuspräsident aus eigener Machtvollkommenheit, gegen den ausdrücklichen Willen der Lemberger Gemeinderepräsentanz dieses Zirkular versendet hat. Trotz der Heimlichkeit, mit der angeblich gegen die Organition — in Wirklichkeit gegen die Zionisten dieser Schlag vorbereitet wurde, erfuhren die Zionisten rechtzeitig davon und brandmarkten in „Lemberger Tagblatt“ den hinterlistigen und heimtükischen Anschlag gegen die jüdische Einheit. Hoffentlich wird es, den Moschkos zum Trotze gelingen, die Organisation zu schaffen. Daß aber die galizischen Mauschel dagegen waren, wird ihnen die österreichische Judenschaft nie vergessen. Aus dem jüdischen Leben. Aus dem Verbände des „Russischen Volkes“. Odessa. Auf der vor kurzem in Odessa stattgefundenen Konferenz der 70 Vertreter der Abteilungen des „Verbandes des russischen Volkes“ in Südrußland wurden Referate „Ueber die Unterdrückung des russischen Volkes“ und die „Beseitigung der Juden von der Teilnahme am sozialen und politischen Leben“ vorgelesen. Bei einer der Sitzungen des „Kiewer Nationalklubs“ hat ein Herr Stachow einen Vortrag „Ueber die Lösung der Judenfrage“ gehalten und folgenden Plan des Kampfes mit den Juden entwickelt: Den Juden muß verboten werden, Zeitungen zu redigieren, herauszugeben, wie auch an ihnen mitzuarbeiten; wer diese Vorschrift Übertritt, soll mit Konfiskation seines ganzen Vermögens bestraft werden. Weiter sollen jüdische Grundbesitzer enteignet werden und dafür die Summe bekommen, für die sie das Gut gekauft haben. In den höheren Lehranstalten dürfen Juden nicht zugelassen werden, es sollen für sie spezielle Mittelschulen mit jüdischer Unterrichtssprache gegründet werden. Man soll alle Juden nötigen, ihre nationale Tracht und jüdischen Namen zu tragen. Das Recht auf Annahme eines christlichen Namens soll 1000 Rubel kosten, welche Summe man zugunsten der Opfer der Revolution verwenden soll. Die Versammlung hat beschlossen, diesen Vortrag zu drucken und ihn an die Dumamitglieder und das Ministerkabinett zu versenden. * * * Zur Judenfrage in Finnland. Helsingsfors. Im Klub der „Jungen Sozialdemokraten“ hat das Milglied des Landtages, Herr Landstre, einen Bericht über das Verhältnis der finnländischen Gesetzgebung zu den Juden erstattet. Nach der Schilderung der Lage der Juden in verschiedenen Ländern sprach der Redner ausführlich über ihre Lage in Finnland, wo bis jetzt noch die administrativen Verordnungen des Senats vom Jahre 1889 ihre volle Gültigkeit besitzen. Diese Gesetze sind „eine Schande für das finnische Volk“. Der Antrag des Redners auf jüdische Gleichberechtigung wurde von dem zahlreich versammelten Publikum mit stürmischem Applaus angenommen. * * * Unzeitgemäße Gleichberechtigung. St. Petersburg. Ein Telegramm aus Sankt Petersburg meldet: Der Gehilfe des Ministerpräsidenten S t o 1 y p i n in der Leitung des Ministeriums des Innern, Geheimrat Kryszanowski, erklärte einem Dumaabgeordneten, daß die Regierung

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