Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. eine Moral geschenkt hat, sondern daß die Juden auf allen Feldern des Gedankens gekämpft und geduldet haben; daß jeder einzelne dieser Ritter vom heiligen Geiste zugleich ein Märtyrer war, der mit offenem oder geschlossenen Visier gelitten hat, wie ein Hund — eben weil er Jude war. Es soll ein Bild entworfen werden, wie die Juden, im Mittelalter gequält, gedrückt und gehetzt, wie diese Juden im Laufe von etwa 150 Jahren sich zu Totengräbern und Geburtshelfern im Reiche des Gedankens aufgeschwungen haben, wie sie als Werter und Unwerter ihren Peinigern kostbarste Dienste leisten. Und deren sind viele: Spinoza, Marx. Lasalle, Heine, Börne, Schnitzler, die Rahel, Bizet, Mayerbeer, Lieber mann, Brandes. Doch wer nennt die Namen? Sie alle sollen gewürdigt werden. Wir wollen an hervorragende Gelehrte, Schriftsteller und Künstler herantreten und sie um ihre Mitarbeit an unserem Werke bitten. Wo immer ein Jude Anteil nimmt an seinen Brüdern, sei es nun religiös oder national, muß dieser Ruf in seinem Herzen Wiederhall finden, Gegenwartsarbeit tut dringend not. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg. Wir wollen uns der ahnungsvollen Worte unseres Dichters erinnern; „In der Tat, die Juden sind aus jenem Teige, woraus man Götter knetet; tritt man sie heute mit Füssen, fällt man morgen vor ihnen in die Knie; während die einen sich im schäbigen Kote des Schächers herumwühlen, ersteigen die anderen den höchsten Gipfel der Menschheit und Golgatha ist nicht der einzige Berg, wo ein jüdischer Gott für das Heil der Welt geblutet. Die Juden sind das Volk des Geistes und jedesmal, wennsiezuihrenPrinzipezurückkeh ren sind si e groß und herrlich und beschämen und überwinden ihre plumpen Dränger.“ Für die Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler: phil. Theodor Re ik. Anträge, Anfragen etc. sind zu richten an dieSektionfür jüdische Kunst und Kultur der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien, IX. Bez, G rü n e torgasse 34. FestaDinl des Vereines Her iiscli letaler Bar Koclta in Prag. Die Prager Judenschaft wird am 16. Jan ner Gelegenheit haben, von glänzenden Repräsentanten der jüdischen Schriftstellerweit an den Sinn des Judentums und die Ehre ein Jude zu sein, erinnert zu werden. Im Verein der jüdischen Hochschüler Bar Kochba (Hotel Zentral) wird der als einer der ersteh Novellisten deutscher Zunge, wie als geist- und temperamentvoller Redner bekannte Schriftsteller Felix Salten über den Abfall vom Judentum sprechen. Ueber den Sinn des Judentums hält Dr. Martin Buber-Berlin einen Vortrag, der Verfasser der so rühmlich bekannten „Geschichten des Rabbi Nachman“ und der „Legende des Baalschem“ — jüdischen Kreisen lange als der berufenste Vertreter jungjüdischer Renaissansbestrebungen vertraut. Frl. Lia;Rosen vom Hofburgtheater in Wien wird Gedichte jüdischer Dichter rezitieren, das Beste der Besten. Außer Gedichten .von Karl Wolfs kehl, Beer- Hoffman n, Elias Auerbach kommen bisher unveröffentlichte Gedichte von Hugo Salus und Hedwig Lac hm an n- Berlin und noch unübersetzte Gedichte von' Morris Rosenfeld zum Vortrag. Der Vorverkauf für den Abend haben in liebenswürdiger Weise übernommen: Buchhandlung Berwald (Andre) neben dem Pulverturm, Herr Optiker A. Rosenthal, Graben 10, Zeitungsverschleiß Wlcek, Graben. Da sich schon das regste Interesse für den Abend kundgibt, ist es geraten, sich baldmöglichst Karten (ä 10 K, 6 K, 3 K, Logen für je 5 Personen ä 25 K) zu reservieren. Subskriptionskarten werden im Vereinslokal, Langegasse 41, am 10. Jänner von 10 bis 12 Uhr und am 11. Jänner von 2 bis 4 Uhr umgetauscht. Besondere Einladungen werden nicht ergehen. Hochschulkurse für Palästinakunde veranstaltet vom Verein „Theodor Herzl“ in Wien. Die Prospekte über die Kurse gelangen im Laufe der nächsten Woche zur Versendung. Die Vereinsleitung ersucht daher alle Interessenten um Angabe von Adressen, an welche die Prospekte mit Efolg versendet werden könnten. Ferner wird ersucht, die Anmeldungen zur Teilnahme an die Adresse Leo Goldhammer, IX., .Brünnlgasse -6 möglichst bald gelangen zu lassen, da in der Reihenfolge des Einlaufes die nummerierten Plätze angewiesen werden. Telephonische Auskünfte werden täglich erteilt. Telephonnummer 18451 und 4167IV. Die Vereinleitung. Parteinachrichten. Podolischer Distriktstag. Das Distrikts-Komitee für Podolien macht hieinit bekannt, daß der zweite Distriktstag in Tarnopol am 10. Jänner 1909 im Schloßsaale stattfinden wird, und ersucht alle diejenigen Vereine, die dem D. K. für Podolien angehören, laut der ihnen eingesandten Instruktion an die Delegiertenwahl zu schreiten. Die Tagesordnung wird nächstens bekannt gegeben werden. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Toymbee-Hallen-Abend. Wien. Sonntag den 10 d. M. findet im Lokale des Privatrestaurants Stein VIII., Alserstraße 7, ein Toymbee-Hallen-Abend statt, bei welchen Schauspieler Herr F. Brecher Legenden des „Baal Schern“ rezitieren wird. Dieser Abend soll für den Falle das er einen entsprechenden Besuch aufweisen wird, zur dauernden Institution werden und eine Filiale der bereits bestehen den Toymbeehalle, die von den westlichen Bezirken räumlich zu entlegen ist, ersetzen. Wien. (Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“.) Das Seminarprogramm für die Zeit vom 9. bis 16. Jänner umfaßt folgende Vorträge: Samstag den 9. Jänner : Schriftsteller Heinrich York-Ste iner: Zur Psychologie des modernen Judentums. — Mittwoch den 13. Jänner: Arnold Friedmann: Die Entwicklung der Familie, des Privat- und Staatseigentums (mit besonderer Berücksichtigung der Entwicklung der altjüdischen Gentilverfassung. — Freitag den 15. Jänner: Josef Laszkowitz: Palästinakunde. — Samstag den 16. Jänner: Leo Goldhammer: Kautzkys Entstehung des Christentums II. — Beginn sämtlicher Vorträge präzise halb 8 Uhr abends. Gäste stets willkommen. Nr. 2. Wien., Der jüdische Kolonisationsverein“ veranstaltet am II. I. M. abends halb8c.hr im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, seinen IV. Vortragsabend. Herr Maler A. L. Miclich-Mielichhofer: Von fcdom bis Moab, Uralte Wege und Siedlungen im Lichte zeitgemäßer Kultur- und Kolonisationsaufgaben, mit Vorführung von Skioptikonbildern nach eigenen Aufnahmen. — Eintrittskarten sind im Sekretariat des Vereines, II., Nestroygasse 4, zu haben. Wien. (Vereinigung jüdischer Hochschuler aus Galizien „Bar-Kochba“.) Am 14. d. M. findet ein Vortrag des Gg. Univ.-Prof. Dr. Leon Kellner über „Jüdische Hochschulen“ statt. Wien. (Theologischer Verein.) Dienstag den 1. Dezember fand eine außerordentliche Generalversammlung statt, die dem Andenken des verstorbenen Lektors Friedmann gewidmet war. Den Nachruf hielt der Präsident A. Z i f r i n o w i t s. Es wurde beschlossen, Lektor Friedmann aus den Natiönälfondsgeldern des Vereines in das Goldene Buch einzutragen, zwei Preise per 100 Kronen für wissenschaftliche Arbeiten aus der Vereinskasse auf den Namen des Lektor Friedmann auszuschreiben. Die Preise werden am Todestage des Verstorbenen verteilt werden. Die diesjährigeMakkabäerfeier des Vereines entfällt wegen der Trauer über das Hinscheiden des Lektors.{. Karlsbad. Die Chargepwahlen des jüd.-akad. Klubs in Karlsbad für das folgende Halbjahr ergaben folgendes Resultat: jur. Paul Lenk x, med. Louis Kareis xx, jur. Emil Selig mann xxx, med. Berti Neubauer, Kassier. Austerlitz. Sonntag den- 27. Dezember 1908 haben die zionistischen Akademiker von Austerlitz eine Versammlung einberufen, die den Zweck hatte für die zionistische Idee auch in unserem Orte Propaganda zu machen. Der Sitzungssaal der hiesigen Gemeinde vermochte kaum die zahlreichen Gäste, Damen und Herren, zu fassen, welche dem formell und geistig vorzüglich durchgearbeiteten Vorträge des Herrn cand. ing. Fischer aus Brünn mit begeistertem Interesse folgten. Auch der Obmann des Brünner Kreises, Herr Kornelius St rach war anwesend. Nach Schluß der Reden brachte Herr cand. jur.OthmarHuß aus Austerlitzeinige der gelungensten Gedichte unseres jüdischen Dichters M. Rosenfeld in meisterhafter Weise zum Vortrage. Der reiche Beifall, den alle ernteten, war ein Beweis, daß diese Idee auch in unserer Stadt Wurzel gefaßt hat und es ist gegründete Hoffnung vorhanden, daß sich auch hier bald ein zionistischer Verein konstituieren wird. Möge derselbe recht zahlreiche Teilnehmer finden! Stulpikany. Am 19. v. M. veranstaltete der Zionverein „Makkabäer“ eine Makkabäerfeier. Nachdem der Obmann des Vereines K. L a j e s die Festgäste begrüßt hatte und die Chamkahlichter angezündet wurden ergriff das Mitglied des Vereines Bg. L u w i s c h das Wort zur Festrede und schilderte in kurzen Zügen die Bedeutung der Makkabäerfeier. Hierauf trugen Herr David Weinstein Morris Rosenfeldsche Gedichte und ein Mädchenchor nationale Lieder vor. Nach Absingung derselben ergriff Herr cand. jur. Samuel Me hier („Hebronia“) das Wort zur Tendenzrede. Derselbe besprach das Wiederenvachen der nationalen Idee in dem durch Dr. Herzl begründeten Zionismus und die einzelnen zionistischen Institutionen. Reicher Beifall lohnte die Ausführungen des Redners, Nach dem Schlußworte des Herrn Brecher wurde die er hebende Feier geschlossen. Preßburg. Am 20. v. M. veranstaltete der hiesige Zionverein im „Bellevue“ eine imposante Makkabäerfeier, die achte seit dem Bestände der hiesigen Ortsgruppe. Um halb 9 Uhr eröffnete Vereinspräsident Herr Samuei Bettelheim die Feier mit einer herzlichen Begrüßung der Anwesenden, brachte in begeisterten Worten den Dank namens des Vereines zum Ausdruck und betonte die hohe Genugtung, welche die überaus große und warme Beteiligung allen denjenigen gewährte, die, ungeachtet der sinnlosen und ungerechtfertigten Anfeindungen, unter welchen sie seitens der hiesigen offiziellen, jüdischen Kreise zu leiden haben, dem Recht und der Wahrheit im Judentum eine Gasse bahnen wollen. Nach diesen eröffnenden Worten des Vereinspräsidenten folgten, gewissermaßen als Introduktion der Feier, zwei Gesangspiecen, welche vom Quartett des aus seiner erfolgreichen Wirksamkeit unter der hiesigen Direktion Roul bestens bekannten Tenoristen Don Fuchs Renardi im Vereine mit den Herren Zitomirsky, Schioket und Redlich in der prächtigsten Weise vorgetragen wurden. Hierauf folgte die Festrede, welche von Baurat Herrn Oskar Ma rm orek, Vorsteher der isr. Kultusgemeinde zu Wien, gehalten wurde. Der Redner beleuchtete die Bestrebungen der zionistischen Bewegung, deren erster und letzter Zweck '-'-ÄSztSET v -. "