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Jüdische Zeitung · 1909-01-08 · 2 (8.1.1909) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 2. arische Oligarchie in aller Stille rriit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln an der Befestigung ihrer Macht gearbeitet. Insbesonders der Antisemitismus hat in Galizien und Ungarn, zufolge der allpolnischen und ungarisch-christlichsozialen Propoganda, so bedenkliche Lebenszeichen gegeben, daß es wohl geboten erscheint, den politischen Verhältnissen dieser beiden Länder erhöhte Aufmerksamkeit zuzuwenden. Duobus liligantibus tertius gaudet! Während im böhmischen Landtag die famose deutsch-,,freiheitliche“ Obstruktion ihr Unwesen trieb und die chauvinistischen Quertreibereien der Klofacleute zur Verhängung des Standrechtes führten, der deutschtschechische Konflikt üppig gedieh, wurde von den Allpolen fieberhaft für die S o n d e rstellung Galiziens agitiert und an der politischen und ökonomischen Knebelung der Ruthenen und Juden weitergearbeitet um auf Grund der erweiterten Landesautonomie beide vollständig an die Wand drücken zu können. Wie weit der allpolnische Chauvinismus bereits gediehen ist, zeigten die Demonstrationen gegen den Statthalter Dr. Bobrzynski wegen der geplanten Errichtung ruthenischer Lehrkanzeln an der Lemberger Universität. Dieses kleine Vorspiel zeigt deutlich wie die Oligarchie in Galizien erst wirtschaften würde, wenn sie noch unabhängiger von Wien wäre. Was speziell die Juden von dieser „politischen Demokratie“ aller Schattierungen in einem solchen Falle zu erwarten hätte, wäre nur die Potenzierung der schon jetzt betriebenen Wirtschaftspolitik, die fast zwei Drittel der galizischen Juden dem vollständigen ökonomischen Ruine preisgibt. Und in Galizien wird es täglich ärger, seitdem die neue christlich soziale Par t e i, die nicht nurdieSrojalowskigruppe umfaßt, sondern auch die geheimen Unterstützung anderer polnischer Fraktionen genießt, ihre Propoganda in immer weitere Kreise trägt und zum wirtschaftlichen Krieg auffordert. Der Antisemitismus ist auch der Ritt, welcher die gesamte reaktionäre Masse der polnischen Gruppe mit den russophilen Ruthenen verbindet. Weise, wie er bei mir vollzogen werden würde, auch für andere keine Bedeutung hätte. Für mich hätte er vielleicht die Bedeutung, daß ich mich der Verfechtung der Rechte meiner unglücklichen Stammesgenossen mehr weihen würde. Aber dennoch halte ich es unter meiner Würde und meine Ehre befleckend, wenn ich um ein Amt in Preußen anzunehmen, mich taufen ließe. Im lieben Preußen!!! Ich weiß wirklich nicht, wie ich mich in meiner schlechten Lage helfen soll. Ich werde noch aus Aerger katholisch und hänge mich auf.“ In einem anderen Briefe an Moser heißt es: „Da mal die Rede von Büchern ist so empfehle ich Dir Golowins Reise nach Japan. Du ersiehst daraus, daß die Japaner das zivilisierteste, urbanste Volk auf der Erde sind. Ja, ich möchte sagen: das christliche Volk, wenn ich es nicht zu meinem Erstaunen gelesen, wie eben diesem Volke nichts so sehr verhaßt und zum Greuel ist, als eben das Christentum. Ich will ein Japaner werden. Es ist ihnen nichts so verhaßt wie das Kreuz. Ich will ein Japaner werden. — Vielleicht schicke ich Dir heute JÜDISCHE ZEITUNG. Gegen Wien sowie gegen die Demokratie und gegen jede moderne Wirtschaftspolitik haben sie sich verbündet. Gegen die echte Autonomie, die nationale Autonomie und — gegen die Juden ist die gemeinsame Parole der Reaktionäre Galiziens und der ihr gesinnungsverwandten magyarischen Oligarchie gerichtet. Als Preis für die Zustimmung zur Annexion von Bosnien-Herzegowina erhoffen letztere die Erlaubnis, das Pluralitätswahlrecht im Pester Reichstage durchzupeitschen, um für noch lange Zeit das jetzige Schandregime in Ungarn fortsetzen zu können. Aber die letzten Vorgänge in Pest, welche die tiefe Kluft zwischen den koalierten Fraktionen, ja selbst zwischen den einzelnen Ministern offenbarten, sind ein deutliches Symptom, daß es im Gebälke der magyarische Koalition gewaltig kracht und daß ihr in nicht allzu ferner Zeit ein ähnliches Schicksal bevorsteht, wie der nun verschiedenen, früheren Koalition des österreichischen Abgeordnetenhauses, . So wie sich dieseits der Leitha bereits die Christlichsozialen als Erben melden und mit Hilfe des Polenklubs eine Koalition der Klerikalen der verschiedenen Nationalitäten vorbereiten, ganz so lauert in Ungarn die Volkspartei auf den Moment, wo die Verhältnisse für ein klerikales Regime reif sein werden. Der magyarische Chauvinismus und Separatismus hat auf der ganzen Linie dem Antisemitismus, sowie der politischen und wirtschaftlichen Reaktion die Wege geebnet. Die bisherige Gesetzgebung des Ministeriums Weckerl e-Kossuth-Appony-Zichy trägt unver.hüllt den Stempel des kulturellen und wirtschaftlichen Rückschrittes, der gleich dem Antisemitismus nun offen von den Bänken der Majorität des ungarischen Reichstages verkündet wird. Wie weit derselbe gediehen ist, bewies der tosende Beifall, mit dem die gegen die Juden gerichtete Rede des Ex-Justizministers Polonyi anfgenommen wurde, ein Beifall, der nicht sich nur auf noch ein Gedicht aus dem „Rabbi“ worin | ich leider wieder unterbrochen worden. Ich bitte Dich sehr, das Gedicht, sowie auch was ich Dir aus meinen Privatverhältnissen sage, niemandem mitzuteilen. Ein junger spanischer Jude, der sich aber aus Luxusübermut taufen läßt, korrespondiert mit dem jungen Jehuda Abarbanel und schickt ihm jenes Gedicht, aus dem Maurischen übersetzt. Vielleicht scheut er es doch, eine nicht sehr noble Handlung dem Freunde unumwunden zu schreiben, aber er schickt ihm jenes Gedicht. — Denk nicht darüber nach.“ Am 14. Dezember 1825, also im Jahre seiner Taufe, schrieb er an Moser: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll, Cohen versichert mich, Gans predigte das Christentum und suche die Kinder Israel zu bekehren. Tut er dieses aus Ueberzeugung, so ist er ein Narr; tut er es aus Gleißnerei so ist er ein Lump. Ich werde zwar nicht aufhören Ganz zu lieben; dennoch gestehe ich, weit lieber wäris mir gewesen, wenn ich statt obiger Nachricht erfahren hätte, Gans habe silberne Löffel gestohlen. _ Seite 3. die Bänke der Volkspartei beschränkte sondern sich auch auf die K o s s u t h i s t e n erstreckte. Diese Rede war nur eines der vielen Symptome des um sich greifenden Antisemitismus, der alle Parteien, alle Klassen nnd Nationalitäten Ungarns ergriffen hat. Er äußert sich in den verschiedensten Formen: vom gesellschaftlichen Asemitismus bis zu Progromdrohungen antisemitischer Hetzblätter und Broschüren. Er gedeiht ebenso an der Pester Universität, wie in den untersten Volksschichten, wo der „Katholische Volksbund“ über Hundert tausende Mitglieder und Anhänger besitzt. Trotz alledem setzen Ungarns Juden ihre selbstmörderische Politik im Dienste des wahnwitzigsten magyarischen Chauvinismus fort und fördern so den Antisemitismus bei den Slawen, Deutschen Kroaten und Rumänen. Der Nationalitätenkampf zwischen der unterdrückten nicht magyarischen Majorität und magyarischen Minderheit wird immer heftiger, umsomehr als besonders seit der Annexion von Bosnien-Herzegowina, auch der kroatisch - magyarische Gegensatz sich gesteigert hat und ein engeres Bündnis der Kroaten mit den anderen nichtmagyarischen Nationalitäten nur eine Frage der Zeit ist. Immer isolierter steht die magyarische Oligarchie da, sie hat nur einen einzigen wirklichen Bundesgenossen in der ganzen österreichischen Monarchie: die pol n is c h e Schlachta. Beide wollen eine brutale Klassenherrschaft, die Unterdrückung der übrigen Nationalitäten in Ungarn und Galizien. Das assi mi lato risc he Judentum hat ihnen hiebei Hilfe geleistet. Der Dank für die geleisteten Schergendienste ist der allpolnische sowie panmagyarische Antisemitismus. Daher muß immer lauter der jungjüdische Mahnruf erschallen: Los von der polnischen und magyarischen Oligarchie! „Daß Du, lieber Moser, wie Gans denken sollst, kann ich nicht glauben, obschon es Cohen versichert und es sogar von Dir selber haben will. — Es wäre mir sehr leid, wenn mein eigenes Getauftsein Dir in einem günstigen Lichte erscheinen könnte. Ich versichere Dich, wenn die Gesetze das Stehlen silberner Löffel erlaubt hätten, so würde ich mich nicht getauft haben.- Vorigen Sonnabend war ich im Tempel und habe die Freude gehabt, eigenohrig anzuhören, wie Dr. Salomon gegen die getauften Juden loszog und besonders stichelte, wie sie von der bloßen Hoffnung eine Stelle (ipsissima verba) zu bekommen, sich verlocken lassen, dem Glauben ihrer Väter untreu zu werden.“ Am 23. April 1826 schrieb er an Moser: „Du hattest damals auch einige sehr gute Gedanken über Judentum, christliche Niederträchtigkeit der Proselytenmacherei, Niederträchtigkeit der Juden, die durch die Taufe nicht nur die Absicht haben, Schwierigkeiten fortzuräumen, sondern durch die Taufe etwas erlangen, etwas erschachern wollen, und dergleichen mehr, die Du gelegentlich! einmal aufschreiben solltest. Du bist ja

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