Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 1 (1.1.1909)
- Date
- 1909-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 1 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 dass die Juden einen durchschnittlich geringeren Brustumfang haben als andere Völker. Er bleibt meist etwas unter der Hälfte der Körperlänge. Solche Messungen an mehreren tausend Juden sind von Snig i r e f f in Russland, E 1 k i n d in Polen, Majer und Kopernicki in Galizier, Fishberg in New York u. a. vorgenommen worden, und ich kann sie nach eigenen Untersuchungen bestätigen. Ist aber mit dem geringeren Brustumfang der Juden auch schon gesagt, dass sie körperlich minderwertig sind? An sich durchaus nicht. Es gibt eben schlanke und untersetzt gebaute Rassen, und die Juden gehören — übrigens auch die durchaus kriegerischen Japaner — zu den schlanken Rassen. Weissenberg und E 1 k i n d haben ausserdem nachgewiesen, dass auch die Juden einen grösseren Brustumfang erreichen, aber erst im späteren Alter. Ihre Entwicklung in dieser Beziehung ist nicht, wie gewöhnlich, etwa mit dem 30. Jahre abgeschlossen, sondern sie erreichen ihren grössten Brustumfang erst kurz vor dem 40. Lebensjahre. Dass geringer Brustumfang die Leistungsfähigkeit im Heere nicht ausschliesst, dafür gibt es zwei exakte Nachweise. Erstens wird bei der Aufnahme der Einjährig- Freiwilligen — und auch der anderen sich freiwillig Meldenden — ein Auge zugedrückt, ohne dass schädliche Folgen sich zeigen. Ich selbst bin, trotz nicht ganz ausreichender Brustweite, eingestellt worden, habe den Dienst ausgezeichnet überstanden — und das Militär mit ausreichendem Brustumfang verlassen, eine Erscheinung, auf die wir noch weiter unten zu sprechen kommen. Zweitens aber wird gerade den Juden gegenüber in Russland dieselbe Ausnahme gemacht. Hier weiss man, dass die Juden trotz geringerer Brustweite eine gute Leistungsfähigkeit haben können und ihr Anteil in der Aushebung zum Heere ist höher als der der übrigen Bevölkerung, nämlich (1898) 3 2 auf 1000, gegenüber 221 bei der Gesamtbevölkerung. Es ist demnach sehr wohl möglich, dass auch in Deutschland die Juden nicht weniger tauglich zum Militärdienst sind, sondern nur infolge der Bestimmung über den Brustumfang weniger eingestellt werden. Immerhin aber erhebt sich die Frage, ob für den geringeren Brustumfang der Juden sich ausreichende Erklärung finden lässt. Der Brustumfang hängt im wesentlichen von zwei Dingen ab: Der Weite der Lungen und der Stärke der Brustmuskulatur. Beides steht in engem Zusammenhang mit der Tiefe der Atmung. Die Weite der Lunge selbst¬ Tempels, des sogenannten goldenen Zeitalters, in welchem die Prophezeiungen des Amos und Jesaia entstanden. Der Aufbau ist nicht weniger als originell; nach Mapus eigenem Geständnis hielt er. sich an französische Muster, besonders an Eugen Sue. Aber der Inhalt ist weit verschieden von dem der französischen Romane, wenngleich auch er die Liebe behandelt. Es ist dies eine Liebe, die so wenig mit der sengenden Leidenschaft französischer Romanhelden zu tun hat und den edelsten Quellen menschlicher Empfindung entspringt. Es ist das idyllische Liebesieben des edelsten Hirtenknaben und der schönsten unschuldigsten Tochter Zions, von der im Hohenliede gesagt wird, dass sie stärker sei als der Tod und die Hölle, die „viele Wässer nicht zu löschen und Ströme nicht wegzuschwemmen vermögen“; dieser ethischen Liebe verdankt das jüdische Volk sein reines Familienleben, das es aus alten Zeiten herübergerettet und durch die Stürme der Wanderungen wie einen schützenden Talisman bewahrt hat. Mapus Liebe zur Natur hat in diesem Romane die herrlichsten Bilder des Landlebens hervorgezaubert, Bilder vom fleissigen, hoffnungsvollen und vertrauenden Ackermann, dem arbeitsfrohen Getreide- und Weinbauer, der ein zufriedenes glückliches Leben führt, Bilder vom schönen mannesmutigen Hirtenknaben, der seinem Liede und seiner Liebe lebt, der Liebe zu seiner Herde und seiner Schäferin, die er beide oft von der Gefahr der reissenden .Waldtiere befreien muss. verständlich. Aber auch die Stärke der Brustmuskeln, die zum grossen Teil Atemmuskeln sind und sich bei gewohnheitsmässig vertiefter Atmung nach demselben Gesetz allmählich verstärken, nachdem auch andere Muskeln durch regelmässige Uebung erstarken. Hieraus erhellt zur Genüge, dass die Lebensweise ausserordentlichen Einfluss auf die Weite der Brust hat. Am günstigsten wirkt die starke, alle Glieder beanspruchende Arbeit in freier Luft, wie sie bei der Landbevölkerung geübt wird. In der Tat kann kein Zweifel darüber sein, dass in dem berühmten Streit zwischen Sehring und Brentano wenigstens Sehring darin recht hat, dass unter 100 Landbewohnern mehr Militärtaugliche sind als unter 100 Stadtbewohnern. Unter den Stadtbewohnern werden wieder die bevorzugt sein, die im Freien körperlich arbeiten, wie die Maurer, Steinträger, Schlächter, Bahnarbeiter etc., gegenüber denen, die im geschlossenen Raum eine Arbeit verrichten, bei der oft nur eine Hand oder einige Finger sich betätigen, wie die Schneider, Buchbinder, Graveure und die meisten Fabriksarbeiter. Ziemlich am schlechtesten sind diejenigen dran, die sitzend eine geistige Beschäftigung ansüben, wie die Bureauangestellten, Schreiber und die eigentlichen geistigen Berufe. Und nun bedenke man die soziale Schichtung der Juden in Deutschland! Keine Ackerbauer, keine Schifter, keine Steinhauer, Kutscher, selbst kaum Schlosser, Böttcher, Zimmerleute — dafür massenhaft Buchhalter, Händler, Schneider, Studierte. Die Entwicklung, die dahin geführt hat, datiert nicht von heute, die ganze Zeit des Ghettos war die Vorschule dazu. Da haben die Juden das tiefe Atmen in der freien Luft verlernt. Fast die Hälfte der jüdischen jungen Männer, die sich zum Militär stellen, die Einjährigen, haben bis tief in die Zeit der Geschlechtsentwicklung hinein über den Büchern gesessen. Da wäre es wunderbar, wenn die Juden noch eine höhere Militärtauglichkeit hätten als sie haben. Man kann sie deshalb ebensowenig degeneriert nennen, wie das deutsche Volk, weil bestimmte seiner Stände weniger Brustumfang haben. Vergliche man die Juden mit diesen Ständen, so würden sie sicher, das kann man aus ihrer überaus günstigen Sterblichkeit folgern, nicht schlechter dastehen, al« jene. Lässt sich aber nun gegen die bestehende schwache Entwicklung des Brustkorbes bei den Juden etwas tun? Wenn sie, wie wir ausgeführt haben, die Folge mangelnder körperlicher Uebung ist, so muss sie durch gesteigerte Uebung auch wieder verbessert werden können. Da wir die wirtschaftliche Entwicklung nicht rückgängig machen können, Dieser reinen Liebe, die uns aus Mapus Erzählungen, auch aus den späteren, entgegentritt, sind nur die Besten, die Edelsten fähig; sie ist selbstlos und edel und thront nur in den Herzen der Guten, während die Schlechten sich in der unsittlichen Glut der schlimmsten Leidenschaft verzehren. Damit wirkte Mapu auf seine jugendlichen Leser als sittlicher Erzieher, wennn er auch, wie es in den anderen beiden Romanen der Fall ist, weit über das Ziel geschossen hat, indem er seine Liebenden zugleich als die edelsten erleuchtetsten Geister erscheinen, im Gegensätze zu den übrigen Personen, die er wie die schwärzesten Höllengespenster herumspucken und ihr Unwesen treiben lässt. Im Geiste seiner Zeit redete Mapu der Haskala, der Aufklärung, scharf das Wort, wenn auch nicht direkt, durch Zeitungsartikel und Kampfeslärm, so doch indirekt durch die Personen, die in seinen Romanen auftreten. Wohl ist in dem am meisten hierzu berufenen Romane aus der Gegenwart „Ait zebua“ nirgends auch nur andeutungsweise gesagt, welche Wege die Erziehung zu wandeln hat, wenn wir Menschen und Juden erziehen wollen, aber aus dem allgemeinen lassen sich die Postulate der Mapuschen Volkspädagogik erschliessen. Diese sind: Liebe zur jüdischen Geschichte, zur hebräischen Sprache und zu menschlicher Bildung und Arbeit. Bildung und Arbeit gepaart mit sittlicher Anschauung und Reinheit des Herzens und der Gefühle, das ist der Schmuck, den Mapu den prophetischen Büchern entlehnt so muss künstliche Uebung, Sport, die Losung der Juden werden. Hier liegt der Angelpunkt unserer Arbeit. Wir müssen unseren Ehrgeiz darein setzen, die Juden so tüchtig zum Waffendienst zu machen, wie irgend einen anderen Teil der Bevölkerung, zumal unser eigenes Lebensinteresse darin liegt, dass unser Stamm erstarkt. Weiter müssen wir alles tun, um die Juden wieder zu den gesunden Berufen des Landbaues zu bringen, und da das in den jetzigen Wohnländern kaum möglich sein wird, liegt hier eine der grössten Aufgaben des Zionismus, der Juden auf eigener Scholle im eigenen Lande sässig machen will. („Jüd. Turnzeitung“, Berlin.) Judenelend in Galizien. Der jüngst erschienene Bericht des „Hilfsvereines für galizische Juden“ enthält eine drastische Schilderung des schrecklichen Elends der galizischen Juden. Man zählt über 800.000 Juden auf galizischem Boden; ein Zehntel der ganzen Bevölkerung sind Juden. ln dem Berichte heisst es: „In Westeuropa verschwinden kleine Judenhäuflein in der kompakten Masse der Andersgläubigen. Die Wohlfahrtseinrichtungen bewahren sie davor, der Gesamtheit zur Last zu fallen; das schreckliche Eiend berührt bei ihnen nicht so breite Massen wie bei uns. Der Stempel der Armut zeichnet sie nicht so bitter. Hier hungern ganze Proletariatsmassen, und auch gebildete Juden gemessen keine genügende Toleranz seitens der Slawen; die Assimilation hat hier wie überall nichts geholfen. Die Juden werden faktisch von den Slawen zurückgewiesen, und das Zurückdrängen einer so breiten Masse, wie sie die Juden bilden, ist direkt tötlich. Diese Unterscheidung offenbart sich in der ganzen Skala des ökonomischen Lebens und fast in jeder Richtung. Von den 800.000 Juden, welche Galizien bewohnen, verdienen ihren Unterhalt bloss 270.000, also nur ein Drittel; der Rest, das ist 530.000, wird von diesen faktisch Erwerbenden ausgehalten, ln kleinen Ziffern ausgedrückt, stellt, sich dieses Verhältnis so dar, dass jeder erwerbende Jude nicht nur sich, sondern noch zwei andere Personen neben sich aushält. Diese Gegenüberstellung an und für sich würde nichts besonderes bedeuten: wir müssen uns aber gleich-' zeitig in Erinnerung bringen, dass auf t>V*J|iUionen Christen 3,700.000 erwerben undnur 2,800.000 — also fast um eine Million weniger — Personen von den Erwerbenden ausgehalten werden; dass demnach jeder erwerbende Christ ausser sich nur eine, und zwar, mathematisch genommen, nicht ganze Person aushalten muss. Aus den eben angeführten Daten können wir uns von der in dieser Beziehung schwierigen Lage der galizischen Judenheit überzeugen. Denn aus dieser Zusammenstellung ist ersichtlich, dass jeder erwerbstätige Jude fast zweimal so viel Personen den Unterhalt geben muss als ein Christ, dass er demnach hat, um seine Romanhelden zu schmücken und •der jüdischen Jugend als Idealgestalten vorzuführen. Seine Liebe zur prophetischen Literatur und dem fruchtbaren Boden Zions, auf dem diese entstanden ist, übertrug er, wie kein anderer seiner schriftstellernden Zeitgenossen, auf künftige Geschlechter, und er half so den Boden für die jüdischnationale Idee vorbereiten, die unser Leben kaum zwei Dezennien nach Mapus Ableben so mächtig ergriffen hat. Mapu hat unstreitig den Keim zu dieser nationalen Gesinnung gelegt, indem er die in den prophetischen Schriften überlieferten, im langen Golus jedoch niedergehaltenen Eigenheiten und Grundbedingungen unserer nationalen Existenz, durch den Roman in die Volksliteratur und durch diese sozusagen ins Leben eingeführt hat. So war sein „Ahawath Zion“ eine grosse, die erste grosse Tat für das neue, zum Leben erwachte Judentum und ihrer müssen wir dankbar gedenken, am 10 Tebeth, seinem hundertsten Geburtstage! Allerlei. Von der Judenmission. Es wird berichtet, dass die „Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums unter den Juden“, die jetzt auf eine 100jährige Tätigkeit zurückblickt, in dieser Zeit 60 Millionen Mark für ihre Zwecke verausgabte. Es wurde berechnet, dass ein Renegat die Gesellschaft 1000 Pfund Sterling oder 20-500 M.