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Jüdische Zeitung · 1908-12-11 · 50 (11.12.1908) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
50 (11.12.1908)
Date
1908-12-11
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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.'Seil»1 8 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 50 lung so rasch vollziehen konnte. Nun ist das Geheimnis gelüftet. G u t s c h k o w hat es naiverweise in dem Oktobristenklub in Moskau ausgepländert. Die russische Regierung beabsichtigte, in Polen städtische Selbstverwaltung einzuführen, als deren Grundlage der Haus- und Fabriksbesitz gedacht war. Dies passte indes den Polen nicht, da in vielen Städten, wie Lodz, Warschau und anderen, die Juden zu grossem Einfluss gekommen wären. Sie widersetzten sich daher diesem. Plane der russ:schen Regierung und verzichteten auf jede Autonomie, wenn die Regierung diesen fiir d e Juden günstigen Entwurf zurückziehe. Die Regierung erklärte sich einverstanden. S:e hatte einen doppelten Profit: die Juden gingen leer aus und die Polen waren gewonnen. So s eht die „fre:heitliche“ Politik der Allpolen aus. Ihrem Antisemitismus zuliebe stellen sie alle nationalen Forderungen zurück. Nichtsdestoweniger schämen sich die Juden Gold und Gail nicht, Allpolen zu sen und Löwenstein und K o 1 i s c h e r in einem Klub zu sitzen, der im Einvernehmen mit dem russ:schen „Kolo polskie“ handelt. Man weiss wahrlich nicht, was widerlicher ist. die Heuchelei der Allpolen oder die Würdelosigkeit der Israeliten „polnischer Nation!“ * * * Purischkewitschs neueste Heldentat. 1 Petersburg. Die echtrussischen Leute smd . natürlich aufs höchste empört über das Urteil im Prozess gegen die Brüder Brodsky in Kiew, die bekanntlich von der gegen sie erhobenen Anklage freigesprochen wurden, weil sie nur in Notwehr gegen die Strolche gehandelt hatten. Dem Hansnarren des 'echtrussischen Verbandes, Herrn Purischkewitsch, — der trotz seiner Beschränktheit nicht unterschätzt werden darf, weil leider der Verband der echtrussischen Leute bekanntlich eine sehr reale Macht repräsentiert ■— lässt dieser Prozess' denn auch keine Ruhe, und so wandte er sich an den Justizm'nister Schtscheglowitow und erzählt nun in den Couloirs der Duma jedem, der es hören will, dass der Minister ihn sehr freundlich empfangen und ihm versprochen habe, die Sache näher zu untersuchen. Purischkewitsch schwor, dass die beiden Brodsky ihrer Strafe nicht entgehen sollten trotz der erfolgten Freisprechung. — Wenn man also nächstens von einem Attentat auf Brodsky hören wird, so weiss man wenigstens gleich, wo dessen Urheber zu suchen sind! Derselbe Herr Purischkewitsch fordert nun gleichzeitig von den Mitgliedern des echtrussischen „Michael- Verbandes“, sie sollten alles Material über diese Angelegenheit sammeln. Er behauptet, die Freisprechung der beiden Brodsky sei nur durch die Macht ihres Reichtums zu erklären. Ja. er geht sogar so weit, den Richtern Judenfreundlichkeit vorzuwerien und s'e für Revolutionäre zu erklären. Deswegen sammelt er auch eifrig alles erreichbare Material über die Personalien der Richter. In dem Aufruf, den er an die Mitglieder des Micliael-Verbandes erliess. heisst es: „Zwingt den Staatsanwalt, Protest gegen dieses Urteil zu erheben! Russland ist nicht Frankreich, und einen Dreyfus werden wir nicht dulden! Die russische Gesellschaft muss uns helfen ,die geheimen Seiten dieses abscheulichen Prozesses zu enthüllen, wt> die Gerechtigkeit der russischen Justiz gebeugt wurde zugunsten der Juden, die die Diener unseres Kaisers (d. h. die Huligans von Kiew!) ermordet haben!“ — Und diesen Purischkewitsch, bei dem man nur hn Zweifel seii kann, ob seine Unfähigkeit und Beschränktheit oder seine Bosheit und Niedertracht grösser ist, hat der Dumapräsident Chomiakow erst kürzlich öffentlich umarmt und geküsst und ihn seinen „etwas temperamentvollen Kampfgenossen“ genannt ... * * * Gesellschaft für jüdische Volksmusik. Petersburg. In Petersburg wurde eine neue „Gesellschaft für jüdische Volksmusik“ gegründet. Die Gründer sind bekannte jüdische Künstler, Sänger und Musiker. Unter andern gehört zu ihnen auch der berühmte Hofopernsänger Dawiidow. DieEhrenbeleidigungsklage gegen die „Oesterreichische Wochenschrift“. Anlässlich der letzten Kultuswahlen erschien in der „Oesterreichischen Wochenschrift“ ein Artikel, in welchem „gewisse Elemente“ beschuldigt wurden, mit den Antisemiten heimlich zu paktieren und unter dem Scheine einer Opposition gegen den Kultusvorstand die jüdischen ‘Landtagswähler in das antisemitische Lager zu treiben. Nach der ganzen Fassung des Artikels konnte derselbe den Eindruck erwecken, als ob vier an einer anderen Stelle namentlich genannte und als Führer der Opposition gegen den Kultusvorstand bezeichnete Mitglieder des oppositionellen Kultuswahlkomitees unter denjenigen verstanden werden sollten, gegen welche der Vorwurf des Zusammengehens mit den Antisemiten unter dem Scheine einer Opposition gegen den Kultusvorstand erhoben wurde, und es haben daher diese vier Mitglieder des Exekutivkomitees gegen Herrn Grobtuch, den Verfasser des Artikels, und Herrn Dr. Bloch, als Herausgeber der Oesterreichischen Wochenschrift, die Ehrenbeleidigungsklage überreicht. Im Zuge der eingeleiteten Untersuchung haben nun sowohl Herr Dr. Bloch als auch Herr Grobtuch die ausdrückliche und bestimmte Erklärung abgegeben, dass die im fraglichen Artikel enthaltenen Beschuldigungen nicht gegen die Privatkläger gerichtet waren und auch .nicht so verstanden werden konnten, zumal die Privatkläger an der Spitze einer Partei stehen, welche seit Jahren in einer wirklich ernsthaften Opposition zum Kultusvorstand stehe, bei welcher also nicht von einem Schein der Opposition gesprochen werden könne. Angesichts dieser Erklärungen haben die Privatkläger sich veranlasst gesehen, die über ihren Antrag eingeleitete Untersuchung einstellen zu lassen. : Jüdische Techniker! Kommilitonen! Die Ereignisse der letzten Zeit an den Wiener Hochschulen haben bewiesen, dass zur Wahrung der Interessen der jüdischen Technikerschaft die Schaffung einer Fachorganisation unbedingt notwendig ist. Das Unterzeichnete Komitee fordert euch daher auf, zu der Montag, den 14. d. M., staltfindenden Besprechung behufs Gründung eines Verbandes jüdischer Techniker vollzählig zu -erscheinen. Ort der Besprechung: Zionistischer- Zentralverein, IX., Türkenstrasse 9. Beginn halb 8 Uhr abends. Kein Techniker fehle! Für das Proponentenkomitee: Gand. ing. Erwin Hüttner, cand. ing.. Fritz Spitzer, cand. ing. Ernst Stark. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. An die gesangskundigen und stimmbegabten Jüdisch- Nationälen! Seitdem sich der nationale Gedanke unter den Juden Bahn gebrochen und feste Wurzel gefasst hat, wird nicht nur auf die Pflege der jüdischen Geschichte, der hebräischen Sprache und die Förderung aller jüdischen kulturellen Interessen das Augenmerk gerichtet, sondern auch ein besonderes Hauptgewicht wird auf die,, physische Erziehung des Volkes gelegt und £war durch Errichtung von Turnhallen, Gründung von Sportvereinen und anderen ähnlichen- Institutionen. Eines aber wurde ausser acht gelassen: Oie Gesangskunst und die Pflege jtfer Musik. Es ist geradezu beschämend, konstatieren zu müssen, dass, während bei anderen Nationen sogar die kleinste Zunft ihren Gesangsverein hat, die Juden, bei denen die Musik und der Gesang schon zur Zeit des Tempelbestandes, also schon vor 2000 Jahren, gepflegt wurde, jetzt, im Zeitalter der jüdischen Renaissance, so stiefmütterlich behandelt wird. Es ist deshalb unumgänglich notwendig, dass neben Turn- und Sportvereinen auch Gesangsvereine ins Leben gerufen werden. Speziell in Wien, wo es so viele gesangskundige und stimmbegabte Juden gibt, ist es geradezu eine Unterlassungssünde, wenn sich nicht alle diese Kräfte zur Gründung eines jüdischen Gesangsvereines zusammentun. Es ergeht daher an alle jene, die ein besonderes Interesse daran haben, dass das jüdische Volk auch in dieser Hinsicht nicht anderen Nationen nachstehe, die Aufforderung, Samstag den 12. Dezember, um 7 Uhr abends im Kongressbureau (IX. Türkenstrasse9) behufs Besprechung pünktlich und zahlreich zu erscheinen. Mit treu-jüdischem Gruss Jüd.-akai. Verein „Jordania“. Voranzeigen. Wien. Der Erste zionistische Frauenverein veranstaltet am 20. Dezember 1908, 4 Uhr nachmittags, im Hotel Central, II., Taborstrasse 8. ein „C o n v e r s a z i o n e“ zum wohltätigen Zweck.. Folgende hervorragende Kunstkrälte haben ihre Mitwirkung zugesichert: Frl. Jose Heidi, Mitglied des Theaters an der Wien, Frl. Stella Nussb e c k. Klaviervirtuosin, Frl.. Elsa Sanders, Mitglied des Bürgertheaters, Herr Felix Günther, Kapellmeister vom Theater an der Wien. Beginn 4 Uhr, Ende 10 Uhr. Entree K 1.50, an. der Kasse K 2-—• Karten sind zu haben im Vereinslokal Cafe City, IX., Porzellangasse, Kongress- Bureau, IX., Türkenstrasse 9, Restaurant Reiss,. VH., Mariahilferstrasse 144, Frau Dr. Kahn, VII., Neubaugasse 11. Wien. (Hebräischer Verein „Ivria“.) Samstag, den IS. d. M., 8 Uhr abends, wird im Lokale der Jüdischen Bede- und Lesehalle, IX., Grüne Torgasse 43, die Diskussion über die nächsta hebräische Konferenz fortgesetzt. Wien. Montag, den 14. d., um 6 Uhr abends, findet die Prpponenteuyersammlung des Juristen— Vereines statt. Ort der Zusammenkunft: Rede- und Lesehalle jüdischer Hochschüler, IX., Grüne Thorgasse 34. Alle jüdischen Juristen werden ersucht, zu erscheinen. Wien. (Vortragszyklus jüdischer Geschichte,. Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 17. Dezember 1908. präzise 7a8 Uhr abends, findet im Fe3tsaale des Ingenieur- und Architekten Vereines, I., Eschenbachfjasse 9, ein Vortrag des Herrn Babb. Dr. Max Grünwald statt. Thema: „Das Kind in der jüdischen Geschichte und Volkskunde.“ Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. Sonntag, den 13. d. M., 9 Uhr vormittags findet eine ausserordentliche Generalversammlung der „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler“ im Vereinslokale mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wahl zweier Revisoren. 2. Ernennung von Ehrenmitgliedern. 3. Eventualia. Im Falle der Beschlussunfähigkeit der Plenarversammlung findet um V,10 Uhr eine neuerliche ausserordentliche Plenarversammlung statt, die ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Mitglieder beschlussfähig ist. Troppau. („Makkabäerfeier“.) Ein besonderes Ereignis steht der hiesigen jüdischen Bevölkerung bevor, da am 20. Dezember 1. J. von einem. Festkomitee, an dessen Spitze Herr Kultusvorsteher Dr. Theodor Sonnenschein steht, und in dem alle Gesellschaftskreise vertreten sind, eine.; Makkabäerfeier mit auserlesenem Programm veranstaltet wird. Insbesondere wird hervorgehoben,. : dass Herr Felix Salten, Schriftsteller aus. Wien, die Festrede halten wird und die Mitwirkung, der Hofschauspielerin Fräulein L i a Rosen und. der Hofschauspieler Konrad Löwe, beide vom Wiener k. k. Hofburgtheater, gesichert erscheint- Nach dem offiziellen Teile Tanz. Die Musik besorgt die Militärkapelle des k. u. k. Inf.-Reg. Nr. 1- Das Reinerträgnis fliesst dem hiesigen isr. Frauenwohltätigkeitsverein zu. Da nur noch eine geringe- Anzahl Karten frei ist, wird eine rechtzeitige Bestellung auf Karten im Interesse der Gäste gewünscht. Bestellungen auf Karten und Einladungsreklamationen übernehmen Herr Gustav Finzi,. Troppau, sowie die Vorverkaufsstellen, siehe- Inserat.

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