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Jüdische Zeitung · 1908-10-16 · 42 (16.10.1908) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
42 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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/ Seile 8 JO DI SC HE ZEITUNG Nr. 42 dass «das Wasser von einem entlegenen Brunnen geholt wenden muss- Diesem Uebelstand wird jetzt durch- Anlage einer Wasserleitung abgeholfen werden. Für •fiese Anlage hat Herr Sachs ans Chicago, der unsere Kolonie vor kurzem besuchte, 25.000 Francs auf 25 Jairre, zu 6 Prozent verzinslich, geliehen. Zum Dank dafür wurde beschlossen, Herrn Sachs aus dem Besitze der Kfionie einen Bauplatz für ein Haus einzuräumen. In den letzten Tagen ist die V e r e i n i g u n g der Rechowother Weinhauer-Genossenschaft (Ägudath-fiakormim) mit dem Syndikat der Weinbauer in Rischon, dessen Wein durch die verschiedenen Karmelgeseflschaften in allen Ländern der Welt abgesetzt wird, erfolgt Die Agudath-Hakormim in Rechowoth 'hat sich vor vier Jahren als- Aktiengesellschaft mit Anteilen von je 500 Francs gebildet Sie hat einen eigenen Keller errichtet der mit Inventar gegenwärtig einen Wert von zirka 7000 Francs repräsentiert. Trotz grosser materieller Opfer der Mitglieder war die Rechowother Weinbaugenossenschaft schlessiich doch nicht in der Lage, das mit hohen Kosten verbundene Weingeschäft erfdlgreich fortzuführen. Der Rischoner Weinkeller zahlte den bisherigen Mitgliedern der Agudath-Hakormrän in Rechowoth 13 Francs pro Kantar für die diesjährigen Trauben nach deren Zustellung nach R schon. Nach, längeren Unterhandlungen ist es schliesslich gelungen, die übermässig hoben Oscheriordenmgen der Bezirksverwaitung in Ramie zurückzuweisen und den Oscher auf die gesetzmässige Höhe zu reduzieren. b) Galiläa. Sichron Jacob. Die Aussichten' für die fiesjährige Ernte dassen ein besseres als durchschnittliches Ergebnis erwarten. Freilich wird das Resultat der vorjährigen Ernte, die für Getreide eine ausserordentlich gute war, nicht erreicht werden. Die Pferdebohne hat sehr vom Hagd gelitten, ebenso teilwe'se die Kichererbse. Bemerkenswert ist, dass in Marah, wo die Ernten bisher nur sehr mittelmässig waren, dieses Jahr eine recht gute Wdzen- und Gerstenernte zu erwarten ist. Die endgültigen Ernteresultate werden; erst gegen Ende September bekannt sein. Der Oscher ist dieses Jahr von denselben Personen gepachtet worden w:e im vorigen Jahre. Sie bilden eine Gesellschaft, an deren Spitze eine alte und reiche arabische Familie steht. Der Oscher ist auf' ungefähr 105.000 Piaster (zirka 25.000 Francs) geschätzt worden (gegen 87.000 Piaster im Vorjahre, von denen auf Sichron Jacob mit Beth Schlome (Em ei Djemai) uni Schefeja 51.000 Piaster, auf Marah 32.000 Piaster und auf Burdech 23.000 Piaster entfallen. Arbeiter. Der wunde Punkt im Leben der Kolonie ist der Mangel an jüdischen Arbeitern- Mit Befriedigung kann man konstatieren, dass jetzt darin teilweise eine Besserung sich ambahnt, denn es gibt schon einige Kolonisten, welche jüdische Arbeiter haben, andere Kolonisten; haben aber trotz mehrfacher Bemühungen keine jüdischen Arbeiter bekommen können. Es besteht ein Plan, einige jüdische Arbeiter nach Marah zu nehmen, sie für das ganze Jahr anzusteMen, und ihnen ausser einem Meinen Lohne noch einen bestimmten Ante'I an der Ernte zu geben. Diese Arbeiter können sich organisieren, um für sich Unterhalt und Wohnung zu beschaffen, und sie weiden sicherlich durch die Kolonisten und die Administration gefördert werden. Da es h:er sehr leicht ist, Vieh aller Art aufzuziehen, könnten die Arbeiter mit der Zeit auch die Viehzucht aufnebrnen und sich hieraus Einnahmen und Lebensmittel verschaffen. Uebrigens würden auch in Sichron Jacob und Beth-Schlome einige jüdische Arbeiter während des ganzem Jahres Beschäftigung finden. MBchamie. Wir waren gezwungen, in diesem Jahre unser Getreide zu geringeren Preisen, als sie hier in der Umgebung erreicht wurden, zu verkaufen. Im nächsten Jahre aber hofft man, dass sich? He gaüiläischien Kolonien vereinigen werden und. die A. P. C. den Verkauf fhres Getreides übernehmen wird. . In einem Prozess mit einem Nachbardorfe Abadie, welches uns am der Benützung des wasserreichen Wadi dl Fedschas hinderte, erlangten wir a bdie Benützung des Wadi' abwechselnd einen. ein für uns günstiges Urteil, kraft dessen von nun Tag uns, den anderen Tag dem Dorfe Abadie freistehen soll. Das uns gehörende an den' Wadi angrenzende Land umfasst etwa 600 Dunam und liegt zwischen Abadie und der neuen Am Siedlung Kmereth. Da es als bewässerbares Land eine intensive Arbeit beansprucht, die von den Kolonisten wegen der Entfernung des Grundstückes von der Kolonie nicht geleistet werden kann, besteht die Absicht, diesen TeS jüdischen Arbeitern in Pacht zu überlassen- Im allgemeinen ist hier das Verhältnis zwischen Kolon;sten und Arbeitern günstig. So ist von den Kolonisten die Anregung ausgegangen, den Arbeitern; Wahlrecht und im allgemeinen „em Bürgerrecht“ in der Kolonie emzuräumen. Es ist hier noch Platz für mehrere fleissige und nicht anspruchsvolle jüdische Arbeiter. Die Sterbl:chkeit der jüdischen Bevölkerung in Sichron Jacob, Schefeja und Beth-Schlome schwankt zwischen 8—10 pro Mille. Von Ti e rkrankh ei ten hat man in der letztem Zeit nicht zu leiden gehabt. Man hat jedoch in der Umgebung von Sichon mehrfach krepierte’ . Kühe gefunden. Sollte die Rinderpest, welche vor drei Jahren gewütet hat, uns von neuem bedrohen? Landkäufe. D:e Verwaltung der Ica beschäftigt sich mit dem Ankauf eines Terrains in der Nähe von Beth-Schlome, die Verhandlungen gehen ihren gewöhnlichen schleppenden Gang, man ist bisher noch zu keinem Resultat gekommen. Die Kolonisten von Sichon möchten gern zu-, summen mit der Jca oder mit irgendeiner zionistischen Organisation das grosse Terrain kaufen, das zwischen Sichron und den Ländereien von.Burdech liegt. Es handelt sich um 18.000 Dunam; diie Forderung dafür ist aber so übertrieben hoch, dass vorläufig vom dem Kauf keine Rede sein kann. Es gibt ferner e:n .Stück Land in der Nachbarschaft von Marah, über dessen Ankauf schon mehrfach gesprochen worden ist. Endlich sind noch bei Burdech auf dem Wege nach Chedera 2000 Dunam zu kaufen, aber auch bei diesem Lande ist mau über belanglose Vorbesprechungen nicht herausgekommen. . j; V < In dem benachbarten. A 11 d t h hat die Ica mit der Aufteilung des ihr dort gehörigen Landbesitzes begonnen. Es wurden etwa zehn bisherige Pächter als Kolomsten installiert. Jeder Kolonist erhält zirka 15 ha Land, ein Häuschen und einen Stall, dagegen müssen sich die Kolonisten mit wenigen Ausnahmen Inventar und Vieh, aus eigenen Mitteln anschaffen. Man beginnt schon mit dem Bau der Hänschen. Leider hat die Regierung nicht erlaubt, die Häuschen auf dem höchsten Punkt aufzubauen und man bat sie auf einem weniger gesunden, tieferen Ort bauen müssen. Die jüdische Bevölkerung in Sichron vermehrt sich ihrer Zahl nach fast gar nicht, ein paar Kolonisten sind weggezogen, um in Aegypten oder Amerika ihr Glück zu, machen, andere wieder sind mit einigem Geld vom Auslande nach Sichron Jacob zurückgekehrt. Die natürliche Vermehrung der Bevölkerung ist sehr, stark. Die Geburten übersteigen um 12 bis 20 Prozent die Sterbefäilei. Fremde Juden siedeln sieb nur ganz ausnahmsweise in S'chron an, “was sich hoffentlich ändern wird, sobald der Landerwerb erleichtert und die Zahlung des Kaufpreises in Raten ermöglicht wird. In ganz Sichron Jacob mit Schiefeja und Bath Schlome gibt es zirka 100 jüdische Seelen. * * * Die Wahlen in Palästina. Ueber die Wahlen ins türkische Parlament i berichtet der Korrespondent der „Welt“ folgendes: Man ist hier wegen der Wahlen noch ziemlich im dunkeln, da das Wahlreglement noch immer nicht bekannt ist. In dem Mntessarrflik Akka werden die Mohammedaner wahrscheinlich einen mohammedanischen Kandidaten aufstellen, der als sehr judenfreundlich gilt unÜ .aü’ch von den Juden in Saffed und Tiberias unterstützt werden wird. Die Aufstellung eines jüdischen Kandidaten in diesem Wahlbezirk ist aussichtslos. Auf eine telegraphische Anfrage aus Saloniki und Jerusalem an das Ministerium d^s Innern in Konstantinopel ist diei Antwort eingegangen, dass sämtliche Volljährige bttomaniSche Staatsbürger, die überhaupt irgend eine Steuer zahlen, wahlberechtigt sind. Dadurch haben sich die Wahlchancen der Juden und auch der Christen wesentlich verbessert, da auch diejenigen Ottomanen, , die nur die Militäifsteuer (Askerie) zahlen, das Wahlrecht werden ausüben können. Man hatte nämlich früher befürchtet, dass das Wahlrecht nur denjenigen Wählern zugestanden wird, die Grundsteuer (Vergho), Gewerbesteuer (Temetu) oder Viehsteuer (Agnan) entrichten. Während'fast alle Mohammedaner eine dieser Steuern zahlen, gibt es unter den ottomanischen Juden (und auch den Christen) Jerusalems nur sehr wenige, die eine didser drei Stenern entrichten’, insbesondere, da die meisten ihre Grundstücke auf fremde ausländische Namen im Kataster eingetragen haben. Nach zuverlässigen Ermittlungen gibt es in Jerusalem jüdische ottomanische Staatsbürger über 25 Jahre unter 25 Jahre Marokkaner 240 237 Sefardim 1460 1694 Aschkenasim 1401 489 Fremde (nicht in Jerusalem geboren) 487 580 3588 3700 Zulsammen 7288 Ottomanische Staatsbürger überhaupt gibt es in Jerusalem (nach Religionen geordnet): Mohammedaner 4751 Orthodoxe Christen (Prawoslavne) 2076 Armenier 309 Katholiken 114 Protestanten 285 Lateiner 1127 Syrer 127 Chaldäer 1 Kopten 57 Juden 7288 .16135 Diese Aufstellung wird allerdings noch einiger Korrekturen bedürfen, da sie auf Grund von Listen gemacht wurde, die auch Namen von Verstorbenen enthalten. Nach einer anderen zuverlässigen Aufstellung beträgt nämlich de Zahl der lebenden ottoman^chen Staatsbürger iii Jeru-' salem, nur 14.807. Leider ist die Zahl der Mitglieder der verschiedenen Religionsgemeinschaften nach den vorgenommenen Berichtigungen noch nicht festgesteilt worden. Im Kada Jerusalem gibt es Seelen Wähler In der Stadt Jerusalem 14807 3924 In Bethlehem 8290 2284 In Sofa 4499 1712 In Ramallah 7989 2698 .In Abawom 7088 2939 In Jericho In den Dörfern der Umgebung 239 133 von Jerusalem 11518 4500 54484 18190 Sodann gibt es noch ottomanische bürger (Seelen): Staats- In Gaza 37000 In Hebron 27000 Die Zahlen für Jaffa, Nazareth und Beer- Seba sind noch nicht festgestellt worden. Nach den jetzigen Schätzungen dürften unter den in Jerusalem zu wählenden 24—25 Wahlmänriern ca. 8—10 Juden sein. Die Aussichten einer jüdischen Kandidatur lassen sich noch immer nicht ermessen. * * * ■ Vom Bezalel handelt die ca. 44 Seiten starke Oktobernummer der Zeitschrift „Palästina“ (München, Pettenkoferstr. 25. Abonnement 2,50 Mark). Aus der langen Reihe der Mitarbeiter nennen wir besonders Prof. B. Schatz, Hermann Struck. Dr. E. Mü 11 e r-Jaffa, dde sich mit gewohnt guten Arbeiten einstdien. Daneben kommen noch weiter von Palästinensern zum Wort, so der Naturwissenschaftler Ahroni, der Sekretär des Bezalel Kautorowiczua., deren Artikel sich mit einem naturwissenschaftlichen Museum, der Feier des Lag Beomer im Bezalel etc. beschäftigen. Ein Schüler des Bezalel bringt eine hübsche Skizze („Der-Wettbewerb“). Fachmänner auf dem Gebiete des Kunstgewerbes und der Teppische sprechen speziell zu den Beziehungen des Bezalel hierzu (J. J. Rothschild, A. Lobatz) und eine Christin gibt ihr Urteil als unbefangene Persönlichkeit ab (Redaktrice Rotheit-Berlin).'

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