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Jüdische Zeitung · 1908-09-25 · 39 (25.9.1908) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
39 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 lichkeit über jüdische Dinge geschrieben und gesprochen wird. Diesen Leuten werden wir nie nachgeben, aber wir Sofien sie auch nicht bekämpfen, so wenig wie man die Armen bekämpft; denn diese reichen Juden mit ihrer Furchtsamkeit, Unsicherheit und inneren Unruhe sind, wie Herzl sagte, eigentlich die .^ermsteif - der Armen. Auch denen dürfen wir nicht nachgeben, welche ungeduldig .darüber, dass der Zionismus nicht sofort in den ersten Jahren sein Ziel erreicht hat, eine Erweiterung des Programms verlangen und irgendwo auf der Welt ein Stück 'Land aufsuchen wollen, anstatt Palästina. Abgesehen davon, dass ein solches Land zu finden mindestens so schwer ist wie Palästina zu erlangen, können wir auch hier nicht nachgeben, weil das jüdische Volk zu eng mit dem jüdischen Boden verwachsen ist und nur wer die jüdische Gesohichte nicht kennt, das Verlangen stellen könne, dass man diesen Zusammenhang zwischen Volk und Land zerreissen solle- Nicht nachgeben sollen wir den Territorialisten, aber sie auch nicht bekämpfen, obwohl die Art ihrer Angriffe es oft schwer macht, kaltes Blut zu bewahren. Was die Parteien innerhalb des Zionismus betrifft, so muss die Leitung über denselben stehen; streben sie doch alle zusammen nach demselben Endziel. Keine von ihnen. soll bekämpft werden, aber auch keiner von ihnen darf die Leitung in der Weise nachgeben, dass sie sich zum Nachteil des Ganzen in ihr Schlepptau nehmen lässt. Auf die Verhältnisse in der Türkei übergehend, fährt der Redner fort: Jeder Fortschritt, fast möchte man sagen, jede Erfindung fördert unsere fortschrittliche zionistische Bewegung. Es ist daher selbstverständlich im Interesse unserer Partei und des jüdischen Volkes, dass die freiheitliche Bewegung in der Türkei sich in derselben Richtung weiter bewegt wie bisher; davon werden wir sicher dieselben Vorteile haben wie die anderen Völker des ottomanischen Reiches. Schon jetzt ist unsere Arbeit, was die Anstedlung in Palästina betrifft, ungemein dadurch erleichtert, dass eine Menge von Hindernissen, wie das Einwanderungsverbot und anderes, ganz von selbst weggefallen ist. Es ist 'kein ZweifeVdass Baron Hirsch,: wenn., er heute lebte, statt in Argentinien nur in Palästina kolonisieren würde, wovon ihn nur die jetzt beseitigten Schwierigkeiten abhielten. Diese haben auch den Baron Rothschild müde gemacht. Hoffentlich wird er jetzt mit neuer Lust sich seinem segensreichen Werke zuwenden. Wir dürfen uns ja nicht vorstellen, dass wir Zionisten die praktische Arbeit in Palästina allein zu leisten haben. Es ist uns gleich, von wem sie geleistet wird, wenn es nur in unserem Sinne geschieht, wie es beim Deutschen Hilfsverein der Fall ist, welcher durch seine Schularbeit in Palästina, seine Kindergärten, sein Technikum ganz direkt zionistische 'Arbeit leistet. Auch die politische Arbeit ist jetzt zweifellos leichter und angenehmer, die Wege sind weniger holprig und unbequem geworden, da man es nicht mit einzelnen Personen, sondern mit Behörden und VoJksrepräsentationen zu tun hat, dienen man leicht begreiflich machen kann, dass die Ziele des Zionismus mit den wohlverstandenen Interessen einer modernen, fortschreitenden Türkei vollkommen harmonieren. Der Redner verbreitet sich sodann über die von der Leitung im jetzigen Augenblicke zu befolgende Taktik, sagt, dass Erfolge nur zu erzielen sind, wenn diie Arbeit der Führer durch jene der jüdischen Massen unterstützt wird, schliesst unter stürmischem Beifall mit einem warmen Appell zur kräftigsten zionistischen Arbeit und spricht die Hoffnung aus, dass Wien, die Stadt tienzls, es an dieser nicht fehlen lassen wird. Gg- A. Böhm entwickelte sodann die Aufgaben des Zionismus in Palästina und sagte, dass die wichtigste Arbeit darin bestehe, eine möglichst grosse Masse von Landbauern in Palästina festzuwurzeln. Er forderte zur Arbeit für Nationalfonds und Palestine Development Co. auf. Prof- Kellner sprach über die jetzige Führung des Zionismus und wünscht, dass auch der Rat der Aelteren gehört werden‘möge. Sodann spricht er gegen den politischen Kampf mit den Assrnrilanten and nimmt Taussig in Schatz. Dr. Weisengrün führt aus, dass der Rat und die Mitwirkung eines jeden Zionisten mit Freude begrüsst und niemand zurückgestossen werde, der sich in nationalem Sinne betätige. Gegen einen Versuch, Männer wie Taussig in Schutz zu nehmen oder gar zu verherrlichen wie überhaupt gegen die Bestrebungen, einen assimilatorischen Opportunismus in die zionistische Bewegung einzuführen, muss man sich allerdings immer, wehren. Redner verweist darauf; dass die jüdischnationale Politik in Oesterreich, bei welcher die Juden als Volk auitreten und als solches anerkannt werden, hierdurch allein schon auch der äusseren zionistischen Politik eine kräftige Stütze gewähre. Redner verweist auf das wirksame Auftreten der zionistischen Abgeordneten auf der interparlamentarischen Friedenskonferenz in Berlin. Gg. K a p«l a n s k i begrüsst den Präsidenten namens der Poale Zion und hofft, dass er sich den Wünschen dieser Partei gegenüber entgegenkommend verhalten werde- Ohne . die jüdische Arbeiterschaft könne der. Zionismus nicht verwirklicht werden. Namens der Studenten spricht Gg. S c h a I i n g e r, der in wannen Worten die Arbeitsbereitschaft der Studenten schildert. Gg- Cohen spricht über die Aufgaben des Zionismus in der Türkei. Man dürfe nicht zögern, auf die spaniolischeu Juden der Türkei einzuwirken. Gg. Dr. Schalit rühmt die VerdiensteWolftsohns um die politische Arbeit und bezeichnet die russische Reise des Präsidenten als wichtige Tat. Präsident Wolrfsohn erwidert zum Schlüsse auf die gefallenen Anregungen und gibt seiner Freude darüber Ausdruck, dass im Parlamente vier zionistische Abgeordnete sitzen. Er mahnt zum Schluss zu stetiger Arbeit. Unter Absmgung des Hatikwah schloss die interessante Versammlung. Jüdischer Studententag in Prossnitz. Am 7. und 8. September fand gleichzeitig mit den\ Stiftungsfeste der zionistischen Ferialveretnigung „G r s >k ä 1 a h“ der zweite mähr.- schles. Studententag statt, der sehr gut besucht war. Es waren über ' 100 Delegierte anwesend. Den Beratungen, die allgemein zugänglich warten, wohnten auch viele jüdische Bürger bei. Abgesehen von dem agitatorischem Werte, den jede derartige Veranstaltung an und fürsich hat, bot der Studententag die 'mannigfaltigsten Anregungen. Es sei gleich jetzt auf die Bedeutung der Resolution des Gg. Reik Angewiesen, in der die Gründung eines J ii d i s c h e n Schulveneines gefordert wird. Ebenso die These des Gg. Sntetana, der die baldigste Einberufung des Parteitages der Jüdischen Nationalpartei verlangt und 'die Anregung Stein, bezüglich der Organisation von studentischen Paläst inar eisen. * * * Bericht. Der Präses der „Giskalah“-Prossnitz, •iur. Viktor Altar, erönnete und begüsste.rm Aufträge des einberufenen Arbeitsausschusses die zahlreich erschienenen Delegierten und Gäste. Ins Bureau wurden gewählt: med. Rosner (Emmunah-Bielitz), J U C. Albert Schön hoi (Ivrfca- Wien), phil. S a b 1 (Gamala-Göding)' als Vorsitzende, ing. Spitzer (Massada-Le'priik) als Schriftführer. Der Vorsitzende begrüsste dann die Vertreter der aktiven Verbindungen „I v r i a“, „Kadimah“, „Maikkabäa“, „Unitas“ (Wien), dten Verain „Theodor Herzl“ (Wien), Fertalverbiridung „Zephirah“ (Wien), „Poale Zion“ (Ung.-Hradisch) und die Prossnitzer Vereine, ferner die czechisohen akademischen Vereine „Cesky akademicky spolek“ (Khamsier), Cesky akademicky s p o 1 e k „Z o r,a“ (Prerau) und RRAbg. M ahler und den für das D. K. erschienen Herrn F. L ö wr Gg. Smetana (Achiwah) referierte über die „Allgemeine Lage im Zionismus“. Er besprach die fetzten Ereignisse und beschäftigte rieh auch mit der Nationalpartei. An das Referat schloss sich eine längere Debatte, in der der Wunsch nach einer radikalen Volkspolitik, die gleichzeitig sozial und national sein müsse, geltend, gemacht wurde. Folgende Thesen des Referenten gelangten zur Annahme: 1. Veranlasst durch de Vorgänge bei der letzten Sitzung des grossen A. Kin Köln, spricht \ der Studententag die Anschauung aus, es widerspreche dem zionistischen Empfinden, dass unsere Institutionen ein von der Organisation unabhängiges Leben führen dürfen. Es erscheint ihm als selbstverständlich, dass sie alle einen Komplex bilden und dass die oberste Leitung dem Kongress, resp. dem A. K. Vorbehalten bleiben muss.' 2. Der Studententag begrüsst die D. P. C. und die Schaffung eines Ku Iturfondes nach dem Vorschläge Wahrburgs und verpflichtet die Studentenschaft, sich auch in den Dienst der Agitation hiefiir zu stellen. 3. Der Studententag enklärt. die Entrichtung des Palästinaschekels für die mähr.-schles. Ferialverbindungen als obligatorisch. 4. Der Studententag hält es iür Pflicht eines zionist'schen Studenten 4 eine agitatorischen Kräfte in den Dienst der Nationalpartei zu stellen, von der er eine ihrem Charakter als Regener-itionsbewegung entsprechende radikale Volkspolitik ohne Kompromisse erhofft. 5. Der Studententag spricht den Wunsch aus, die Frage der Kompetenz der jüdischen Nationalpartei und der Konsolidierung der parteipolitischen Verhältnisse in der „Jüdischen Zeitung“ zu diskutieren und nachher dieselbe durch einen sobald als möglich einzuberufenden Parteitag endgiltig zu regeln. 6. Der Studententag fordert die jüdisahe Studentenschaft auf, mit allen 'Kräften das Exekutionskomitee zur Durchführung der Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Hochschulen Oesterreichs zu unterstützen und für den Agitationsfonds derselben zu sammeln. 7. Der Studententag hält es für! notwendig, dass die Ferriverbindungen am Ende der Ferien Rechenschaftsberichte an das Distriktskomitee abzugeben haben. 8. Der Studententag hält die Schaffung einer Statistik der Juden in Mähnen und Schlesien iür unbedingt notwendig und, fordert din Komitee auf, die hiezu notwendigen Schritte mit aller Energie baldigst zu unternehmen. Ferner wurden zwei Resolutionen des Gg. S c h a 1 i n g e n (l v r'i a - Wien) angenommen, in denen die türkiscHe Verfassung begrüsst wird und die Forderung nach Verlegung der politischen Leitung nach K 0 n s ta n Ui n o>p e 1 und der Herausgabe von zionistischen Blattern in Konstantinopel und Jerusalem auigestellt wird. Ueber die Referate des Gg. Reik (Haismonäa-Friedek) „Der jüdisch-nationale Student und die Volksbildung“ und des Gg. Stein (Hermonia-Gaya) über „D i e E rziehung des zionistischen Student e n“ wurde die Debatte gemeinsam abgerührt. Gg. Reik ^egt die Gründung von jüdischen Lesehallen, V olk sbtb 1 io t h e k en und T oynfoeeh allen an. Das ist eine der Studentenschaft würdige Aufgabe und der Student seS dafür geradezu prädestiniert. Ausführlich beschäftigt er sich m'it der Notwendigkeit der Schaltung eines Jüdischen Schulvereines in Oesterreich und der Gründung von S t i p» e ndlien zur Heranbildung von jüdischen Lehrern, an dienen grosser Mangel ist Seine diesbezüglich vorgelegten Thesen gelangen einstimmig zur Annahme. Gg. Stein bringt im Verlaufe seiner Ausführungen zahlreiche praktische Vorschläge. Er regt die EBnführung von j ü d ischen Geschichtskursen an. Ausführlich bespricht er dfce studentischen Palästinait e i s e n, die derartig organisiert werden sollen, dass alljährlich 5 Studenten durch das Los bestimmt werden. Der Reisefonds soll durch sukzessive Einzahlungen durch die Studenten geschaffen werden. Notwendig sei auch die sozial-' wissenschaftliche und politische Ausbildung. In der Debatte spricht RRAbg. Dr. Mah- 1 e r, der es beklagt dass d8e Juden sich selbst zu gering einschätzten. Er tritt unter lebhaftem Beifall für de Stärkung des jüdischen Selbstbewusstseins ein. Rabbiner Dr. Kupfer betont die Bedeutung der hebräischen Sprache und liegt gemeinsam m.t Gg. Groag (Ivria) eine Resolution vor, in der die Gründung von hebräischen Sprach-

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