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Jüdische Zeitung · 1908-09-25 · 39 (25.9.1908) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
39 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Die Beschwerdeführer verlangen somit, dass das Ministe'[um für Kultus und Unterricht den Kultusvorstand beauftrage, alle Steuerträger Im die Wählerliste aufzunehmen, sofern sin. für 1906 und 1907 die Steuer entrichtet haben. Sollte diesem Begehrten nicht stattgegeben werden, so wand eine Verlängerung der. Reklamationsfrist um 2 Wochen, d. i. bis 8. Oktober, verlangt. Schliesslich wird die Eliminierung des § 2 b verlangt. * tfc * * Die Minjanim gegen den Kultusvorstand. Die durch Herrn Dr. Josef Zipser einbelufene Konferenz derjenigen Bethäuser und Vereine, welche durch die Jüngsten Massregeln der Kultusgemend'e in Wien in ihren Rechten betrofjen oder bedroht wurden, fand am 17. d. M. im Cafe Stefanie statt und malhm einen sehir interessanten und bemerkenswerten Verlauf. Es waren In der Konferenz folgende Vereine vertreten: Der Verein der Kleingewerbetreibenden (K1 ansne r), Verein Emes we Scholem (Rosenkranz und B u x - . i>aum), Verein der Kolomeaer (Kruh und Weinin ge r), Verein Ohawe Israel (Dr. Hermann Drucke r),. Verein Linath Marpe Lanefesch (iKais'erj, Verein Linath Hazedelk (Nagel und Liitcziis), Verein der Brodyer (Dr. Ryba- Qzewsky), Verein Ohel Abraham (Ko>hn und R o s e n i e 1 d), überdies erschienen die Herren Pappenhehn,. Dr. Rothblum und Torczyner. Herr Dr. Zi p s e r leitete nach Begrüssung der Erschienenen die Tagesordnung mit einem ausführlichen Referate ein, im welchem insbesonders die UebergrSfe der Wiener israelitischen Kultusgemeinde in der Minjanimfrage gerügt wurde und auf die unzähligen Mängel des Statutles aus dem Jahre 1890 hingewiesen wurde. Fermer teilte er rriüt, dass seihe Bemühungen in Angelegenheit des Vereines’ Schomre liadath tnsoferne Erfolg hatten, als die politische Behörde die von der Kultusgemdmde veranlasste Sperrung des Bethauses Schotnre hadath bis zur Durchführung des Instanzenzuges aufschob. Es wurde ferner seitens des Referenten auf das jüngste die Wahl betreffende Zirkular der Kultusgemeände hingewresen, laut welchem Mitglieder wegen nicht rechtzeitiger Zahlung der Kultussteuer ihres Wahlrechtes verlustig werden, wiewohl für die Eintreibung der Steuer politische Exekution zulässig ist; Ferner wurde der Umstand berührt, dass die Wählerliste nur in der Seitenstettengasse äufliege, so dass den Gemeindemitgliedern aus anderen Bezirken die Geltendmachung Ihres Reklamatiomsrechtes geradezu unmöglich gemacht ist Endlich teilte der Referent mit, dass das seinerzeit der Kultusgemeände überreichte Memorandum von derselben nicht zur'Kenntnis genommen wurde. Hierauf wurde die Debatte eröffnet, die sehr lebhaft und anregend geführt wurde und an der die Herren Buxbaum, Dr. Drucker, Lffczis. Dr. Ryibaczewsky und Pappenheim tefclgenommen haben. Nachstehender Antrag wurde einhellig angenommen: Es wird eine Deputation, bestehend aus 7 Herren gewählt, welche wn Magistrat, der Statthalterei und im Kultusministerium eSn Memorandum zu übereichen habe, und sei in diesem Memorandum ausser den akuten Angelegenheiten der Minjanimfrage auch auf die anderen gesetzwidrigen Bestimmungen der Statuten hinzuwersien. Dife Stimmung in der Obmännerkonferenz war eine überaus kampfesfrohe und es war aus den Reden der Herren zu ersehen, dass sie es diesmal mit dem Wahlkampfe sehr ernst nehmen und ihre Vereine energisch fn die Wahlschlacht führen werden. * * * Eine Zuschrift. Löbl. Redaktion! Für die Zusendung Ihres Flugblattes meinen besten Dank. Ich habe sogleich die letzte Steuerrate für 1908 nacbbezahlt, obgleich es mir rieht leicht gefallen ist Gestatten Sie, dass ich Sie darauf aufmerksam mache, warum wohl der Kultusvorstand das End/? der Reklamationsfrist so bald und gerade vor den ■hohen Feiertagen festgesetzt hat; denn wie mir. geht es sicher den meisten Fanfilenvätem. Vor allem musste ich fetzt für mich und meine Frau Sitze für den Feiertagsgottesdienst kaufen, und die sind nicht billig; dann musste ch für meine Kinder — (ich habe ihrer fünf — als am Schulbeginn das Schulgeld entrichten und schliesslich für meine Familie Winterkleider bestellen und zahlen. Nun wrd mir noch der Revolver vor dlie ‘Brust gesetzt: „Die Kultussteuer oder das Wahlrecht“. Den Gelallen tue ich aber dem Herrn Dr. Stern nicht, mein Wahlrecht herzugeben; ich brauche es, um gegen ihn und steine Leute zu stimmen, darum habe ich lieber bezahlt. Hoch-, achtend J. L. Parteinachrichten. Präsident Wolffsohn in Wien. Zum ersten Male seit seiner Wahl zum Präsidenten der zionistischen Weltorganisation ist Präsident Wolffsohn am 19. d. M. in Wien erschienen, um mit der Parteileitung zu konferieren. Anlässlich seiner Anwesenheit veranstaltete das innerösterreichische Distriktskomitee einen Begrüssungsabend, der sich zu einer interessanten Aussprache über die Politik und Taktik, welche die zionistische Organisation einzuschlagen hätte, gestaltete. An dieser Aussprache beteiligten sich Vertreter aller Parteirichtungen und vor allem Präsident Wolffsohn selbst, der auf das lebhafteste akklamiert wurde. Seine Erklärung, sjch von keiner einzelnen innerhalb der zionistischen Partei vorhandenen Parteien in Beschlag nehmen zu lassen, aber allen den nötigen Spielraum und Einfluss gewähren zu lassen, machte einen günstigen Eindruck auf die Versammlung. Wolffsohns vornehme und dabei völlig zwanglose Haltung, seine ruhige, klare, bestimmte Sprechweise gewann ihm von vornherein die Sympathien aller Hörer. Sonntag den JO. d. M. fand im Beisein des Präsidenten eine Sitzung des Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich statt. In dieser gab Wolffsohn erschöpfende Auskunft über seine Pläne und Unterhandlungen, welche den Mitgliedern des Zentralkomitees die Ueberzeugung verschaffte, dass seitens unserer Zentralleitung alles geschieht, was die gegenwärtige Lage erheischt. Gegenüber der Anregung," den nächsten Kongress ln Oesterreich öder Ungarn abzuhalten, verhielt sich Präsident Wolffsohn sehr entgegenkommend. Die Nachricht, dass möglicherweise der nächste Kongress in unserer Monarchie ab-: gehalten werden wird, kann nicht verfehlen, freudigstes Aufsehen in unseren Reihen hervorzurufen. Es wäre dies für das Ansehen und Fortschreiten unserer Bewegung hierzulande von allergrösster Bedeutung.. Wolffsohns Anwesenheit in Wien hat Gelegenheit geboten, das Band zwischen der Zentrale in Köln und der westösterreichischen Organisation fester zu knüpfen. Es wäre höchst erfreulich und im Interesse unserer Arbeit gelegen, wenn unser Präsident öfter Veranlassung nehmen würde, mit den Leitern der österreichischen Partei in Fühlung zu treten. Sitzung des Zionistischen Zentral- ’ komitees für Westösterreich. Am 20. September 1908 fand in Wien in den, Räumen des Zionistischen Zentralvereines die erste Sitzung des am Brünner Parteitag eingesetzten Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich statt. Anwesend waren sämtliche Mitglieder des Zentralkomitees, nämlich die Gg. Dr. Isidor Margulies, Adolf Böhm, Ing.Rob. Stricker (Wien), ErnstBechert (Teplitz), Obering. Lau (Baden), Fritz Löw (Prossnitz) und Dr. Ludwig Singer (Kolin), ferner die Distriktsobmänner Max Markas (Wien) und Gustav F i n z i (Troppau) und der österreichische Nationalfondskommissär Dr. Egon Zweig (Wien). Als Gast wohnte, vom galizischen Zentralkomitee delegiert, dessen Generalsekretär Herr Dr. Waschitz (Lemberg) der Konferenz bei. Der Vorsitzende, Dr. Isidor M a r g u 1 i e s, erstattet den Bericht des Zentralbureaus für die Zeit seit der Wahl des Zentralkomitees. Aus den sodann erstatteten Berichten der Distriktsleitungen ergibt sich, dass die Schekelsammlungen sich in diesem Jahre zwar verspätet haben, dass sie aber etwa den gleichen Stand wie im vorigen Jahre erreichen, in Mähren und Schlesien ist eine erhebliche Steigerung zu verzeichnen. Sodann kam das Verhältnis der westösterreichischen Organisation zur Zentralleitung und die Frage, der Gestaltung der zionistischen Politik infolge der türkischen Ereignisse zur Sprache. An der Diskussion hierüber beteiligte sich auch der Präsident des Aktionskomitees, Herr David Wolffsohn, welcher, mit lebhaftem Beifall begrüsst, inzwischen erschienen war und der Vormittagssitzung beiwohnte. Präsident Wolffsohn erteilte ausführliche Informationen über den Stand der Dinge in der Türkei, über den Gang und die Aussichten der zionistischen Politik und über die Frage des nächsten Kongresses. Das Zentralkomitee beschliesst einstimmig, dem Präsidenten Wolffsohn für seine eingehenden und befriedigenden Informationen den Dank und das vollste Vertrauen auszusprechen. Ferner wird einstimmig unter lebhaftem Beifall der Antrag angenommen, das Zentralkomitee spreche den Wunsch aus, dass der nächste Zionistenkongress in Wienstattfinde. Präsident Wolffsohn erklärt, es möge diesbezüglich eine Einladung an die Zentralleitung ergehen, welche sie dem Aktionskomitee vorlegen werde. Hierauf gelangt das Verhältnis zur galizischen Organisation zur Besprechung. In der Diskussion, an welcher sich auch Präsident Wolffsohn beteiligte, kam die Meinung zum Durchbruch, es empfehle sich aus praktischen Gründen, dass die zionistische Arbeit in Westösterreich und Galizien vorläufig geschieden bleibe, dass aber der Zusammenhang derzeit formell nicht gelöst und auch :keiiie definitive neue Organisationsform geschaffen werden solle. In diesem Sinne besehlit-sst das Zentralkomitee Aufrechthaltung des status quo, d. h. des formalen Zusammenhanges der österreichischen Organisation nach aussen bei vollkommener Selbständigkeit der beiden Zentralkomitees nach innen und Verkehr der beiden Präsidenten derselben von Fall zu Fall. In der Nachmittagssitzung wurden Fragen innerer Organisation und der Propaganda ausführlich besprochen und der Leitung zahlreiche Anregungen gegeben.. Zur Förderung der Palästinapropaganda wurde beschlossen, dem Zentralbureau die- Herausgabe eines Flugblattes und einer neuen Broschüre, eventuell einer Neubearbeitung des „Politischen Zionismus“ aufzutragen. * * * Begriissungsabend für den Präsidenten. Die Begrüssung des Präsidenten Wolffsohn fand in einer Versammlung von Gesinnungsgenossen am 19d. M. im grossen Saale des Hotel Central statt. Bei seinem Erscheinen wurde Präsident Wolffsohn stürmisch begrüsst. Der Obmann des Distriktskomitees Gg. Markus eröffnete um- 9 Uhr den Abend und erteilte dem Vorsitzenden des zionistischen Zentralkomitees für Niederösterreich Gg. Dr. Isidor MarguHies das Wort, welcher ©in Bild der jüdischnationalen Arbeit in Oesterreich entwarf, der Freude der österreichischen Zionisten über den Beyjch des Präsidenten Ausdruck gab und dessen Verdienste um die zionistische Organisation feierte. Hierauf bestieg Präsident Wolffsohn, lebhaft akklamiert, die Tr'büne. Er erinnert daran, dass in Wien die zionistische Organisation durch Herzl geschaffen wurde. Schon damals zeigte es sich, dass wir auf die Unterstützung der reichen Juden nicht rechnen können. Diese haben verschiedene Einwendungen gegen den Zionismus, aber im Grunde kommen sie alle darauf hinaus, so paradox es klingt, dass er ihnen zu jüdisch ist. Sie machen uns unsere Presse, unseren Kongress zum Vorwurf, weil dort vor aller Öeffent-

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