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Jüdische Zeitung · 1908-09-11 · 37 (11.9.1908) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
37 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Aus dem jüdischen Leben. Die Resolution Schmid in der Praxis. Czernowitz. Dem „Czernowitzer Tagblatt“ entnehmen wir folgende Nachricht: „Der Direktor der Lehrer- und Lehrerinnenbilduugsanstalt Kuschniriuk scheint die Resolution des Abg. Schmid beherzigt' zu haben und legt offenbar das Bestreben an den Tag, ihren Intentionen Rechnung zu tragen. Das beweist d e auffallende Tatsache, dass bei der Aufnahme von Zöglingen in den 1. Jahrgang der hiesigen Lehrer- und Lehrerinnenbffidüngsanstalt heuer eine sonderbare Praxis beobachtet wurde. Den räumlichen Verhältnissen dieser Anstalt entsprechend werden alljährlich 50 Schüler und Schülerinnen in den ersten Jahrgang aufgenommen. Bisher war es üblich, dass in erster Reihe diejenigen Schüler und Schülerinnen berücksichtigt wurden, welche sich als erste um die Aufnahme beworben haben. Öanz anders aber ging man heuer vor. Es wurden 18 rumänische, 18 ruthenische, 6 deutsche, 5 polnische und 3 jüdische Zöglinge aufgenommen. Dieser neue Aufnahmsscbliissel muss als höchst sonderbar bezeichnet werden, da er weder den nationalen noch' auch den sonstigen Verhältnissen entspricht. Abgesehen davon, dass bei der Aufnahme von Zöglingen das -nationale oder konfessionelle Moment gar nicht ün Betracht gezogen werden soll, ist fn diesem Falle der Aufnahmsmodus ein vollständig ungerechter. Denn wenn schon das nationale Moment ausschlaggebend war, so mussten die Juden mit mehr als 3 Schülern bedacht werden.“ Die Handlungsweise des Direktors Kuschnir'-uk steht nicht vereinzelt da. Seit Jahren werden an. allen Lehrerbildungsanstalten in Galizien und in der Bukowina Juden nur in sehr beschränkter Anzahl, aufgenommen. Der in diesen Anstalten herrschende Antisemitismus und die Aussichtslosigkeit, nach Absolvierung der Studien e rie Lehrerstelle zu erlangen, .bewirken, dass sich die Juden in sehr geringer Anzahl um die Aufnahme bewerben. Wenn nun der Direktor der Czernowitzer Lehrerbildungsanstalt, der einzigen in der Bukowina, die wenigen jüdischen Bewerber willkürlich zurückweist, so ist das eine brutale Verletzung der Gleichberechtigung, die zur schärfsten Abwehr herausfordert. * * * Morris Rosenfeld-Abend in Krakau. . Krakau. (Orig.-Korr.) Einer Einladung des Vereines jüdischer Hochschüler „Przedswit-Haschachar“ folgend, kam Morris Rosenfeld nach Krakau, um . seine Gedichte ‘ vorzutragen. Als Rosenield auf der Bühne erschien, bereitete ihm das tausendköpfige Publikum . eine minutenlange .stürmische Ovation. Und jedem kräftigen Worte folgte ein Beifallssturm. Der Dichter las die wohlbekannten Gedichte „Das Kind“,. „Die Werkstatt“, ausserdem ein Gedicht „Der jüdische Soldat“, und andere. Üeber die Werke unddie Bedeutung Morris Rosem'eMs hielt ein formvollendetes und inhaltsreiches Referat Herr Dr. Ig. Schipper. * . * Türkische Juden als Staatsbeamte. Konstantinopel. Die neue türksche Regierung, der’.die Loyalität und Treue der türkischen Juden wohl bekannt ist, beschäftigt Sch gegenwärtig mit der Zusammenstellung einer Liste derjenigen Juden, die als erste für den Staatsdienst in Betracht kämen. Da man jetzt gewissenhafte und intell'gente Beamte in grosser Zahl braucht, hofft main,' unter den Juden eine Reihe geeigneter Persönlichkeilten, die den Forderungen der neuen Zeit Verständnis entgegenbringen, zu iirden. Wie aüimerksam die Regierung sich den nationalen und religiösen Interessen gegenüber verhüllt, erhellt daraus, dass aus Rücks'cht auf die christlichen Minister das Kabinett ausser am Freitag, dem mohammedanischen Feiertag, auch am Sonntag keine Sitzungen abhält. ■ * * * Absetzung von Rabbinen. Konstantinopel. Die Gouverneure von Jerusalem, Damaskus und Saida benachrichtigten die Regierung von jüdischen Revolten gegen die vom alten Regime widerrechtlich eingesetzten Rabbinen und verlangten Instruktionen. Daraufhin beauftragte der Justizminister den Rabbi Nahoum, die Rabbinen Panigel (Jerusalem), Alfar.dari unü Doyek telegraphisch abzusetzen. * * * Bodenankaufsgesellschait. Lodz. In Lodz hat sich eine Gesellschaft gegründet, welche für ihre Mitglieder Boden in Palästina ankauft. Die Gesellschaft zählt vorläufig 200 Mitgl eder, von denen jedes 300 Rubel jährlich gezeichnet hat. In fünf Jahren hofft die Gesellschaft kleine Farmen \m Palästina entrichten zu können, so dass die Mitglieder imstande sein werden, nach Palästina zu iibersiedeln. V * Vom Odessaer Informationsbureau. Odessa. Das Odessaer Intormationsbureau veröffentlicht einen Halbjahrsbericht über seine Tätigkeit vom 1. Jänner bis zum 1. Juli 1903./In dieser Zeit s'nd 924 Personen durch Vermittlung des Bureaus nach Palästina emigriert. Durchschnittlich besass jeder Emigrant ein Kapital von 650 Rubeln. 118 Emigranten begaben sich in die Kolonien, 360 nach Jaffa, 416 nach Jerusalem, 12 nach Chaira und Beirut, 639 (d. i. ungefähr 70 Prozent) s nd jüngeren Aiters und gedenken sich im Lande anzusiedeln. 112 gedenken ihre letzten Jahre Jerusalem zu verbringen, 144 wollen sich zeitweil g im Lande aurhalten; 25 gedenken Schulen zu besuchen (Gymnasium, Bezalel, Kiriathsefer), 4 Personen suchen Palästina zu Kurzwecken auf. * * * Ein Dr. Kohan-Stipendium- Kischiiiew, In Kischinew. der Heimatstadt des verstorbenen A. K.-Mitgliedes Dr. Leon K oh a n, hat s'ch ein Komitee konstituiert, welches das Andenken des Toten durch die Schaffung eines St pendiums für Schüler des hebräischen Gymnasiums in Jana ehren will. * * * Russische Schulen. Petersburg An der Petersburger Universität haben sich über hundert jüdische Abiturienten um Aufnahme beworben. D r e i s s i g von ihnen haben die goldene und vierzig die silberne Me da 111 e bei der Maturitätsprüfung erhalten. Der Senat wies jedoch die meisten zurück und das Ministerium liess verkünden, dass Gesuche von Juden nicht berücksichtigt werden können. An der Ghankower Universität wurden 28 jüdische Hörer angenommen. Da sich sehr viele gemeldet hatten, richtete der Unfversitätssenat an das Justizministerium ein Gesuch um Erlaubnis, jüdische Hörer über den vorgeschriebenen Prozentsatz auttvehmen zu dürfen. Die Entscheidung ist noch ausständig. Doch dürfte sie nicht anders lauten ails diejenige bezüglich der Petersburger Universität, nämlich abwesend. * * * Abdul Hamid-Hain in Palästina. Jerusalem. In jüdischen Kreisen Palästinas besteht, wie uns berichtet wird, dar Plan, in Palästina zum Andenken an die Verkündigung der Verfassung einen nach dem Sultan zu benennenden Oelbaum-Wald zu pilanzen. * * * Budapest. In Nagy-iMegber (Komitat Komom) verbreitete man in der Kirche Flugblätter, in denen die Bevölkerung aufgefordert wird, die Bilder und Statuen der Heiligen auf den Strassen vor dem _ Dorf gegen dtie Juden zu schützen und „die Kreuziger des Herrn zu erschlagen“. Die Behörde fand keinen Grund, gegen die Kolporteure dieser Blätter einzuschreiten. Eine neuerliche Illustration des vielgepriesnen magyarischen Liberalismus. Zionistische Jahreskonferenz in Köln. (Bericht des Palästinaressorts.) (Schluss.) Bekanntlich hat der letzte Kongress das Palästinaressort beauftragt, Vorstudien behufs Schaffung einer Siedlungsgenossenschaft zu machen und der Jahreskonferenz diesbezüglich Bericht zu erstatten. Wir sind der Ansicht, dass die Schaffung einer Si'edlungsgenossenschaft eine bei der jetzigen türkischen Grundgesetzgebung ausserordentlich komplizierte und schwierige Frage ist, welche genaue Studien seitens Sachverständiger erfordert, und die nur nach gründlichster Prüfung praktisch in Angriff genommen werden sollte. Wir haben demgemäss das Palästinaamt beauftragt, die Frage zu studieren; es werden aber gewiss ausserdem auch noch Gutachten seitens anderer Sachverständigem eingefordert werden müssen. Das ist natürlich schon wegen des Fehlens jeglicher Mittel dem Palästinaressort unmöglich; wir glauben aber, dass die Verwaltung des Nationalionds, der ja auch wohl einen Teil der pekuniären Grundlage der zu gründenden Siedlungsgenossenschait zu liefern bestimmt ist, die geeignete Instanz ist, diese Untersuchungen anstelleu zu lassen. Das Palästinaamt hat bei seinem erst dreimonatlichen Bestehen aus Mangel an Zeit und Ueberhäulung mit anderen dringenderen Aufgaben die Materie noch nicht studieren können. Immerhin ist es nicht ausgeschlossen, dass schon dem nächsten Kongress die Unterlagen für eine Beschlussfassung vargelegt werden. Eine Uebereilung scheint uns aber umso weniger angebracht zu sein, als die m Aussicht stehende parlamentarische Vertretung tu dar Türkei wohl hakt die dringende Reform der Bodengesetzgebung in die Hand nehmen wird. Da die Poale Zion an dieser Frage besonders interessiert sind, haben wir versucht, sie zu veranlassen, die Sammlung eines Fonds hierfür in die Wege zu leiten; jedoch ist uns von einem Erfolg bisher nichts bekannt geworden. Wir kommen schliesslich zu den Kulturaufgaben in Palästina, deren energische Inangriffnahme ja von der grossen Majorität des vorigen Kongresses auch dringend gefordert wurde, freilich ohne dass irgendwelche Direktiven gegeben wurden, auf welche Weise die hiefflr ja vor allem nötigen Mittel beschafft werden sollten. Wollen wir Zionisten Einiluss aur kulturelle Einrichtungen in Palästina erlangen, resp. solche gründen, so bedarf es eines grossen Fonds, eines Palästinakulturfonds oder Palästinafonds. Aus der Erfahrung heraus, dass nur ein grösserer Fonds imstande ist, neue Geldmittel anzuziehen, möchten wir den Vorschlag machen, dass der Fonds, — abgesehen von den für dieses Jahr zu beschliessenden Unterstützungen — unberührt bleibt, bis er 100.000 Francs erreicht hat, und dass alljährlich mindestens die Hälfte seiner Eingänge dem Kapital zugeschlagen werden muss. Nur auf diese Weise werden wir mit den Jahren dazu gelangen, anstatt der moralischen Unterstützung, von der weder Schulen und Bibliotheken existieren, noch Kranke leben können, auch materielle Subventionen nicht nur zu bescMiessen, sondern auch gewähren zu können. Das Jaffaer hebräische Gymnasium' beansprucht natürlich mit der weltergehenden Entwicklung auch zunehmende Unterstützungen. Wie schon bemerkt, konnte das Palästinaressort aus Mangel an Mitteln 'das für dieses Jahr eingegangene Versprechen nur zum kleineren Teile e nlösen. Unser Gesinnungsgenosse Moser hat ia in so hochherziger Weise für den Baufonds des Gymnasiums gesorgt; da ist es denn auch die Ehrenpflicht unserer Organisation,- bei der Aufbringung der Mittel für den Bestand desselben behilflich zu sein. Die Zentralbibliothek in Jerusalem, die wir Zionisten gerne in eine Nationalbibliothek in unserem Sinne umwandeln möchten, hat bisher gleichfalls von uns nur geringe Unterstützung erhalten und fristet ihr Dasein nur kümmerlich weiter. Man bemüht sich jetzt, ihr eine gesicherte Existenz zu geben, sowie vor allem den projektierten Bau, bestehend aus einem Mittelteil, an den sich die Lesehalle hinten anschliesst, und aus zwei Seitenflügeln, zustandezubringen, während bis jetzt ja nur zwei Geschosse des einen Flügels vorhanden sind. Zur Sammlung des ca. 60.000 Francs betragenden Baufonds sowie des auf mindestens 20.000 Francs veranschlagten Betriebsfonds soll sich demnächst ein Komitee angesehener Privatleute und Korporationen bilden, und es ist wünschenswert, dass das Palästinaressort hierbei auch vertreten sein wird, was natürlich nur dann möglich ist. wenn der Bibliothek eine Jahressu/bvention gewährt wird. Auch das Museum, dessen Grundlage vom Bezalel gelegt ist» verdient weiteren Ausbau. Das zweite, dem Nationaifonds gehörende Haus, ist wie

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