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Jüdische Zeitung · 1908-09-11 · 37 (11.9.1908) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
37 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Nr. 37 geschaffen dazu, und es kann kaum einem Zweifel unterliegen, dass es einem rührigen Komitee ge- -1 in gen würde, in Kürze wertvolle Sammlungen hierfür zu erwerben. Das Haupterfordernis ist also Schaffung eines Palästinafonds. Ebenso-wichtig wie dieses ist aber auch die andauernde Wachhaltung des Interesses für diese Angelegenheiten, und das können nur Vereine-'oder andere Korporationen leisten, hierfür ist das Palästinaressort ebensowenig die geeignete Instanz wie die Föderationen. Es ist nur -erfreulich, dass überall Bestrebungen dm Gange sind; diese Grundlagen in den verschiedenen Ländern zu schaffen. In Deutschland gellt man in zionistischen Kreisen mit dem Plane um, einen Palästinaverein zu schaffen, der sich sogar das Ziel steckt, auch Ausgrabungen zu veranstaltenln Oesterreich wünscht man einen Palästina-Schulverein zu begründen, in Amerika hat sich eine Art Orden unter dem Namen Biiei-Zton gebildet, und es wird erwogen, ob sich eine derartige Institution auch auf dem Kontinent empfiehlt. Was auch das Resultat aller dieser Bestrebungen sein mag, sie zu unterstützen und zu fördern, ist . unsere .Pflicht, denn Kulturabgaben in Palästina können in zielbewusster Weise nur .n Angriff genommen wenden, wenn sie in machtvollen Institutionen oder grossen Fonds ihren Stützpunkt finden. Dies zu erreichen, muss unser ernstestes Ziel und Bestreben sein, und wir zweifeln nicht einen Augenblick, dass wir das auch unschwer erreichen können, wenn wir nur wirklich wollen und nicht zaghaft an die dazu nötigen Sammlungen berangehen. Und ebenso sicher st es, da« es keine bessere Agitation für den Zionismus gibt, als einen ständig zunehmenden Palästinafonds. Der. Parteifonds ist dem. Niohtzior.isten unsympathisch, dem Nationaläonds stehen sie als Ndchtnationalisten fremd und 'kalt gegenüber, einem Palästmalonds für Schiil- und Kulturzwecke werden sie aber gerne beisteuern, denn wo sind Jüdische Herzen, die nicht bereit sind, sich für kulturelle und gemeinnützige Zwecke zu erwärmen und Opfer zu bringen! Und gerade jetzt ist die richtige Zeit, diese Arbeiten in den Vordergrund zu rücken. Die Tiir- ' kei ist In einer gewaltigen Umwandlung begriffen. Der Weg zum Fortschritt und zur Erlangung einer, höheren Kulturstufe ist frei und wird schon binnen kurzmn an allen Orten dieses grossen Reiches Neubildungen bervorrufen. Das ist es denn nur selbstverständlich von uns,.dass wir die uns obliegenden Kulturarbeiten in Palästina mit der grösstmöglichen Energie in Angriff nehmen. Wir sind davon überzeugt, dass dieser Palästinafonds der zionistischen Bewegung bald mehr Sympathie erwerben wird, als alle bisherigen Institutionen zusammen, da hierdurch Greifbares geleistet und Sichtbares geschaffen wird. Selbst in dem unseres Erachtens unwahrscheinlichen Falle, dass die Sammlungen für den Nationalfonds dadurch in den ersten Jahren etwas beeinträchtigt wurden würden, so würde der Nutzen der Gründung dieses Fonds für unsere Bewegung, ein so überwiegender sein, dass man sich hierdurch nicht ahschrecken lassen dürfte. Was die einzelnen Unternehmungen kultureller Art betrifft, für welche sich unsere Belegung speziell interessiert, oder die unter der moralischen Beihilfe der Zionisten gegründet sind, so ist vor allem die Kunstgewerbeschuie Bezalel in Jerusalem zu erwähnen, i: Bekanntlich hat der Bezalel im Frühjahr das idem Nationalfonds gehörende schöne Haus in Jerusalem bezogen und hat. seine Probejahre so gut Wie bestanden, so dass ihm jetzt eine neue, mehr t geschäftliche Basis gegeben werden soll. Trotzdem wird es noch Jahre dauern, bis der Verein aut eigenen Füssen stehen kann, und es ist nur recht und billig, wenn unsere Organisation ihm hierbei behilflich ist. Der Kiriath Sefer hat fetzt in seinem Hause auf Beth Arft bei Lydda von neuem Zöglinge auf- ‘ genommen, 28 Knaben, wie Herr Beikind, deF Leiter der Anstalt, in seinem letzten Briefe schreibt, die von einem tüchtigen jungen, in Königsberg diplomierten Agronomen Wilkansky gleichzeitig auch in die Landwirtschaft eingeführt JÜDISCHE ZEITUNG werden. Da viele der Knaben mittellos und bisher nur wenige' Unterstützungen eingegangen sind, so wurde auch die zionistische Organisation um Beihilfe angegangen. Wir meinen, dass, wenn das Palästinaamt berichtet, dass die Schule jetzt ihre Zwecke gut erfüllt, die uns Zionisten so sympatlüsche Idee der Erziehung der Knaben zu ländlichen Arbeitern einer materiellen Unterstützung wohl wert ist. ln der Debatte, die sich vornehmlich um den Palästinakulturfonds dreht, sprechen Moser, B. G o 1 d b e r g u. a. gegen neue Fonds. Präs. Woliisohn empfehlt allen, wie er zu handeln: dagegen zu sein und . . . 1C00 Mark zu zeichnen! (Beifall und Heiterkeit.) Die Gründung des Palästinakulturfonds wird beschlossen. Dine Sammlung ergab 6500 Mark. Nationale Solidarität. Dr. Tobias Aschkenase ist durchgefallener Reichsratsabgeordneter, galizischer Landtagsabgeordneter und erster Stadtverordneter von Lemberg. Von Beruf ist er Advokat, Allpole und wütender Zionistenhassi r. Lauter einirägliche Geschäfte. Als Hort der gaUzisch-jüdischen Assimilation ist er Liebling der massgebenden polnischen ' Kreise, in deren Diensten er unermüdlich . wirkt. Bei jeder Gelegenheit und zu jeder Zeit ist er bereit die Ehre und das Recht seiner „Glaubensgenossen“ zu opfern, um; den Polen gefällig zu sein. Bei den letzten Wahlen in den Lemberger Gemeinderat zeigte sich die jüdisch-assi-; milatorische Politik, deren Lenker A s c h k a-; naseund Löwen st ein sindin ihremwiderwärtigsten Lichte, Im Lemberger Gemeirideratsstatul besteht nämlich die Bestimmung, dass auf je 100 Gemeinderäte nicht mehr .als 20 Juden entfallen dürfen. Sollten aber dennoch mehr als 20 Juden gewählt werden, so hätte ein solcher Gemeinderat kein Recht über chrisl liehe Angelegenheiten zu beraten, sondern es müssen sich zu diesem Zwecke die christlichen Gemeinderäte als besondere Körperschaft konstituieren; Nun wollte es der Zufall, dass, im ersten Wahlgange 20 Juden gewählt wurden und 3 Juden in die Stichwahl kamen. Wäre nur ein einziger von diesen dreien gewählt worden, so hätte die reaktionäre Bestimmung des Statutes in Kraft treten oder das Statut geändert werden müssen. Die drei jüdischen Kandidaten traten jedoch im „Interesse des Friedens und der nationalen Solidarität“ vor der Stichwahl zurück und verhinderten dadurch eine Klärung der misslichen Verhältnisse. Dieses feige Verhalten fand natürlicherweise bei den Polen begeistertes Lob. Ein Lob, das jeder. Herr seinem Lakaien für besondere Demütigung in der Ausübung des Dienstes spendet. Dabei Hessen es die Polen nicht bewendend Der entsprechende Lohn für hündische Unterwürfigkeit blieb nicht aus. Gerade um dieselbe Zeit, als Aschkenases Leibblatt, anlässlich der Ersatzwahl in den Reichsrat, die Juden im Namen der nationalpolnischen Solidarität aufforderte, für den Allpolen Roszkowski zu stimmen, ereignete sich im Lemberger Gemeinderat ein Vorfall, der über die polnische Auffassung von „nationaler Solidarität“ keinen Zweifel aufkommen lässt. Auf der Tagesordnung des Gemeinderates stand die Verhandlung über die Verpachtung eines Gemeindemeierhofes. Zwei 'Pa'chtbewdrber hätten Offerte' überreicht. Der lilauiscbe Pole Sobolewski, mit einem Angebote von K 8600 und der Jude Wahl mit K 10.700. Der Referent beanlragte, den Meierhof dem christlichen Offerenten dir Ausländer ist, trotz des um K 2100 niedrigeren Angebotes zu verpachten. Auf die Frage eines christlichen. Gemcinierates, warum man das Offert des Sobolewski vorziehen sollte, antwortete ein augenscheinlich von „nationaler Solidarität“ durchglühter polnischer Gemeinderat, der Ailpole Bar ton: „Ganz einfach, weil Sobolewski Pole und Katholik und Wahl ein Jude' ist.“ Diesem schlagenden Argumente konnte der gesamte Gemeinderat.;.nichts entgegenhalten und nahm den Antrag des Referenten an. Herrn Tobias Aschkenase, den unentwegt „Nationalsolidarischen“ ficht das nicht an. Er schreitet seinen Weg weiter und schweigt, Die lü jüdischen Puppen, die ausser ihm im Gemeinderat sitzen, schweigen auch. Dies ist' nämlich assimilatorische Methode, jüdische Interessen zu vertreten. , Wenn sich aber Zionisten unterstehen Kritik , an diesen Herren zu üben oder ihre polnischen Bundesgenossen als antisemitisch, reaktionär- und korrupt zu bezeichnen, fährt Herrn Dr. Aschkenase aus seiner beschaulichen Ruhe empor und läst gegen die „Zerstörer des Friedens“, gegen „die Frevler an der nationalen Solidarität“ Brandarlikel los. w.^j Die jüdische Sprachkonferenz in Czernowitz. Die Sitzung am 31. August begann mit einem 1 Referate des Dichtens Schalom Asch über, die „Uebertnagung jüdischer Kultuugüter des Alter-.- tums in 'die jüdische Sprache!“.- An dieses Referat knüpfte sich letne lebhafte, mitunter stürmische Debatte. In der Nachmittags-Sitzung . wurde das ein- " leitende Referat über Organisationsfiagen gehalten. - Im Namen dies vorbereitenden Ko.ri.-tej.'s legte J. L. Perezder Konferenz einen Organisationsentwurf vor, überwelchen die Generaldebatte ge- , geführt' wurde. Vor Eingang in die weitere Tagesordnung wurde ein von 14 Konferenzteilnehmern, gefertigter . 'Antrag überreicht; in wielchem . die Herausgabe ‘ eines Manifestes an das Volk verlangt wurdie. In. diesem Manifeste sollen die Zwecke der jüdischem- Sprachlküiife'nenz der breiten' Oeixentliohkeit bekanmtgegeben werden. Ueber Sprachenfragen referierten die Herren Sotek (Bnailia), Risen-- stad t 'fGenf) und Mises (Przemysl). ■' ' Bine sehlr' lebhafte Debatte, an der sich fast alle Komerenzmitglieder betlJiigten, knüpfte sich an den Organisationsentwurf. Der erste Punkt des : Organiaätionsieritwimes: „Die Anerkennung und Gleichberechtigung der jüdlischenSprache“ gab ö/en Vertretern der verschiedenen Parteien, die auf dieser Konferenz vertretenwaren, Gelegenheit, ihre Stellung zu der hebräischen Sprache genauer zu präzisieren, •Eine vom Rfeiferenten J. L. P e n e z vorgeschlagene Resolution, wonach „Jüdisch“ die Volkssprache der Juden sei, fand entschiedenen Widerspruch. ‘ Die Vertreterin der Bundistem wünschte eine andere Fassung, in der „Jüdisch“ - als dii e Nationalsprache der Juden bezeichnet werde. Die ■tfionistrSChen Vertreter schlugen zur Resolution Pemez ein Amendement vor. Schliesslich einligten Sich die Widerstreitenden Parteien und es wurde die von einer gewählten Kommission gefasste Resolutlion zur 'Abstimmung gebracht. Dieselbe lautet: ' „■Die erste jüdisch^ Spracbkomerenz anerkennt Jüdisch als eine nationale Sprache des Jüdischen Volkes und fordert' ihre politische, gesellschaftliche und kulturelle Gleichöerechti'guing. Dabei, erachtet es die Konferenz aisnötig zu .erkläreij dass jainem jeden Teilnehmer an dieser Konreipnz wie auch jedem Mitglied der zu schaffenden Organisation djre Freiheit bleibt, sich zu der hebräischen Sprache ge-: mäss seinen persönlichen UeberzgJugungen au beziehen.“ Es lentspaim sich nun eine überaus lebhafte ■ Debatte, die mehrere. Stunden daüettte. Seitens : einzelner M'itgiteider der Konferenz wurden Erklärungen abgegeben, unter anderem von dem , . 'Dichteir J. L. -Pie r e z, dass keine Majorität in der -Lag® sei, ihn davon zu überzeugen, dass Jüdisch unsere Natxmalsprache sei.- Eine Gruppje Zionisten gaben ebeufaMs eine .Erklärung ab, in der sie hervorhoben, dass durch 'die Annahme dieser Re-

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