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Jüdische Zeitung · 1908-09-04 · 36 (4.9.1908) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
36 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Wähler, deren Sinn unserem Werberuf nicht mehr verschlossen ist. Dabei ist der Zuwachs grösser als derAbgang; hat sich doch dieZahl derKultuswähler voraussichtlich von 17.000 auf 20.000 erhöht. In dieser Erhöhung sind allerdings auch einige Hundert Kultuswähler aus dem 21. Bezirk inbegriffen, welche im Jahre 1906 trotz der damals b e r eit s er folgten E i n v e r 1 e ibun g d er G e mein d e Floridsdorf in das Wiener Gemeindegebiet nicht zur Wiener Kultus wähl zugelassen wurden. Die Floridsdorf er Wähler, welche die V e rnichtung ihrer Gemeindeautonomiebegreiflicherweise schmerzlich empfinden, umsomehr als die in der Seitenstettengasse zentralisierte Zwingherrschaft den Uebergang zu den neuen Verhältnissen doppelt erschwerte, werden geschlossen für unser Programm stimmen, welches als Hauptpunkte die Forderungen nach bezirksweiser Wahl und Ausgestaltung der Bezirks Kommissionen enthält. Diese beiden,, wie auch andere Forderungen des Programmes haben überhaupt eine grosse Anzahl von Anhängern auch ausserhalb des Rahmens unserer Partei geworben. Noch vor Beginn der Sommerferien haben die B ez i j*k s komm i s s io n e n, obgleich deren Mitglieder zur Hälfte vom Kultusvorstand ernannt sind, an diesen ein geharnischtes, Ultimatium gerichtet, worin eine gründliche Aenderung des Kultustatuts imSinne unseres Programmes noch für die kommenden Wahlen gefordert wird. Der Kultusvorstand hat bis nun keine Zeit gefunden, dieses Ultimatium in Verhandlung zu ziehen und so ist es den Mitgliedern der Bezirksommissionen Ehrenpflicht geworden, ihre Drohung z u verwirklichen und bei de n K ul t u s wa h 1 e n stramm 1 z u -opponier en. » 1906 konnte noch ein Hauptpunkt unseres Programmes, nämlich das allgemeine Wahlrecht agitatorisch gegen uns ausgenützt werden. Damit ist es nun endgültig vorbei, denn seiher ist das allgemeine Wahlrecht für die Reichsratswahlen Gesetz geworden und das auf Grund desselben neu gebildete Parlament hat Oesterreich gekräftigt und verjüngt. Alle Landtage wetteifern, ihre Wahlrechte zu demokratisieren, in der Krakauer . Kultusgemeinde steht die Aktivierung einer vierten Kurie mit allgemeinem Wahlrecht uumiltelbar bevor und seit einigen Wochen können sich die Herren vom Kahal nicht einmal mehr auf das türkische Beispiel ausreden. Als weiterer Umstand fällt für uns gewichtig in die Wagschale, dass die Zionisten bei der heurigen Kultuswahl in der 1907 gegründeten „Jüdischen Zeitung“ ein wohleingeführtes Wochenblatt als aufklärendes und werbendes Organ zur Verfügung haben, wogegen wir bei der letzten Kultuswahl der feindseligen Haltung aller drei in Wien (erscheinenden jüdischenBlätter, das ,Jüdische Volksblatt“ inbegriffen, fast wehrlos gegenüber standen; damals mussten wir uns genügen lassen, durch ein paar Flugblätter die Wählerschaft zu erreichen. Erwägt man nun, dass schon bei den letzten Kultuswahlen 48% aller Stimmen für unsere Kandidaten abgegeben wurden und in einer grossen Zahl von Bezirken die Majorität zionistisch stimmte, so kann im Hinblick auf die obangeführten günstigen Momente ohne allzugrossen Optimismus prophezeit werden, dass die diesinalgie Wahlkampagne — eine entsprechende Agitation vorausgesetzt — der zionistischen Sache .'den vollen Sieg bringen uud dem bisherigen volksfremden und volksfeindlichen . Regime den Garaus machen wird. Dr. E, Zweig. Wiener Kultuswähler! Wer sich das Wahlrecht sichern will, muss bis zum 24. September die Kultussteuer für das Jahr 1908 erlegt haben! Vom 10. bis 24. September hat im Steueramt der Kultusgemeinde, I,, Seitenstettengasse 4, die Wählerliste aufzuliegen. Prüfet, ob ihr darin, und zwar mit richtigen der Wohnungs- (und nicht Geschäfts-) a d r e s s e verzeichnet steht. Spendet und sammelt bei allen Anlässen für den „Kultuswahlfonds“. Die auswärtigen Gesinnungsgenossen werden ersucht, je ein Exemplar der Statuten und des letzten Rechenschaftsberichtes ihrer Kultusgemeinde an Doktor Egon Zweig, Advokat, Wien, I., Schulerstrasse 18, einzusenden. Das oppositionelle Kultuswahlkomitee, Wien, IX., Türkenstrasse 9. Parteinachrichten. Schekel. Die Kölner Jahres&onierenz hat beschlossen, das Schekeljahr 1907/08 bis zum 1. Oktober d. J. zu verlängern. Die säumigen Vereine und Gg. werden hiermit eindringlichst ermahnt, den Schekel ä K 1.20 unverzüglich zu zahlen, wenn sie sich nicht die Verantwortung aullasten wollen, dass unser Distrikt beim nächsten Kongress durch wenige Delegierte vertreten wird. Schekelblocks sind beim gefertigten D.-K. zu haben.; Das Innerösterr. Distriktskomitee Wien IX., Türkenstrasse 8 Zionistenkongress in Semlin. (Spezialbericht der; „Jüd. Zeitung“.) Am 16. und l7^ Äiigust tagte hier — auf der Beriihrungsgrfenze zwischen Seiarden uikI Askenasen — der III. Kongress Jüdischer ilochschüleir -und Abiturienten aus den südslawischen. Ländern. Diese Veranstaltung übertraf alle bisherigen, denen der Verein Bar-Giora (Wien) die Initiative gab, und war kein spezielles. Stndentenkongress, sondern ein Kongress der kroatischen, bosnischen und serbischen Zionisten par excellence. Sonntag, vormittags um 10 Uhr, eröfinete cand. phil. A. Singer, Ferialleiter des Bar-Giora den Kongress mit einer Ansprache, in welcher er betonte, dass Semlin deshalb zum Kongressort gewählt wurde, um dem Zionismus neue Kreise, die der Seiarden in Belgrad, zu gewinnen, und die Verbrüderung der Seiarden und Askenasen aur zionistischer Basis zu manifestieren. Redner gedachte Herzls (Die Versammlung erhebt sich; lebhafte Slava-Rme.) und versprach, dasjs die jüdische Jugend auch weiterhin in seinem Geiste arbeiten werde. Es Mgte die Begrüssung des 200 Köpfe zählenden Publikums, unter dem sich viele Juden Semlrns, Belgrads und über 70 Kongressteilnehmer befanden, u. a. der Vertreter des grossen zion. A. C. Kultusprii|sident Dr. H. Spitzer, Schriftsteller, Dr. M. Marge 1, die Delegierten der sei. Kultusgemernde Belgrad , der Vereine: Theodor fierzl (Osijek), „Zion“ (Vitikovce), Jüd. Leseverein (Semlin), „Moria“ (Dakovo), Gideon (Belgrad), Serb.-jüdischer Gesangsverem (.Belgrad), Klub der jüd. Jugend (Belgrad), der akad. Verbindungen Kadimah (Wien), Makkabäa (Wien), der Vereinigung E'speranza (Wien), des akad. Klubs „Kajarden“ (Agram) und vieler Mittelschülergruppen ans Kroatien und Bosnien. Das Bureau konstituierte sich wie folgt: Cand. jur. H. Bauer (Bar-Giora), Präsejs; cand. jur. J. K a j o n (Bar-G'iora und Esperanza), erster, Abiturient F, Kohn, zweiter Vizepräses; cand. techn. A. Spingarn (Bar-Giora), stud. phil. A- Szemnitz (Hajarden), Schriftführer; Beisitzer: E. Kraus (A. H. des .Bar-Giora), cand. phil. A. Singer (Bar-G:ora), cand. phil. J. S z e m.n i t z (Hajarden) und cand. med. D. A1bala (Bar-Giora). Es folgen die Ansprachen des Vorsitzenden Bauer, der Delegierten verscitiedener jüdischer Korporationen, des Vertreters des grcfssen A--C. Dr- H. Spitzer, der die Grosse des grossen A.-C. und seines Präsidenten überbrachte. Hierauf wurden 70 Telegramme, und Begrüssungssohreibeu verlesen, darunter vom Präsidenten W o i f s o h n, eng. A.-C.-Mitgiieü J. Kanu (Haag), Reichsratjsabg. A. Stand, Zentralbureau des Jüd. Nationalfonds (Köln), Dr. Alkalay. M. Licht, vieler Korporationen und üg. aus aDen südslawischen. Städten. Der erste Reierent E. Kraus (Osytek.) sprach über den Zionismus und seine Geschichte. Referent erklärt die Begriffe des Nationalismus, Zionismus, und der Assimilation und kommt dann aui den politischen Zionismus und Dr. Herzls diplomatische Tätigkeit zn sprecheu. Er bespricht den jüngsten Besuch Wohsohnjs. Abiturient F. Kohn referierte über die Pflichten und Aufgaben der jüdischen Mitte’!Schuljugend und gibt eine Fülle schöner Anregungen. Nachdem Abiturient Lang (Osijek) über das Verhalten der Zionisten den Ariern und Assimilanten gegenüber gesprochen hatte, wurde die Vormittagssitzung geschlossen. Hieraui formierten sich die Kongressteilnehmer zu einem Demonstrationszuge und durchquerten, allgemeines Attischen erregend, die Stadt. Sonntag Nachmittag iand eine jüd. B ü r g e r v e r Sammlung statt, zu welcher an 500 Personen aus Semlin, seiner Umgebung und aus Belgrad erschienen waren. Vizepräjses der sefard. Gemeinde Semlin M. H a i m cröffnete die Versammlung. Herr S. Waizenkorn, Kaufmann, wurde zum Vorsitzenden gewählt- Als erster ergriff das Wort Kutospriises und Mitglied des grossen A.-C. Dr. H. Spitzer (Osijek), der über das Thema sprach: „Was ist der Zionismus, was will er? Wer sind seine Gegner, welche sind Ihre Einwendungen?" Mit seinen einemhalbstündigen Ausführungen gelang es dem Vortragenden, durch treffliche: Beispiele und eine meisterhafte Rednergabe das Publikum mit den. I<ieen des Zionismus vertrant zu machen and durch glänzende Argumente die Insinuationen unserer Gegner zu entkräften. Der Vortragende erntete stürmischen BeifaH. „jJjW Referent Dr. M. Margel (Pozega) sprach über die Renaissance des Judentums. Abends fand ein zahlreich besuchter Kommers, der sehr animiert verlief, statt. Montag vormittags sprach als erster cand. phil. A. Singer über die Lage der Juden in den südslawischen Ländern und speziell über den Fortschritt des Zionismus in diesen Ländern. Redner konstatiert, dass in Kroatien eine starke antisemitische Strömung vorhanden ist, die jedocli an der Einheit und dem Selbstbewusstsein der Juden zerschellen werde. Redner begrüsst den durch die Initiative Dr. Spitzers gegründeten Jüdischen Gemeindebuml und fordert zur Eroberung der Kultusgemeinden auf- Cand. med. Dr. A 1 b a 1 a spricht über die neuesten Institutionen im Zionismus. Montag nachmittags wurde das letzte Referat: „Die Sefarden“, des cand. med! J. Isachar, Vorgelegen. Es war dies der interessanteste Vortrag des Kongresses und weckte seiner Originalität wegen grossen Beifall. Referent erschloss eine iast unbekannte Welt, die der sephardischen Juden des Orients, und schilderte uns ihre ökonomischen und kulturellen Verhältnisse. Sein Reierat klang in den Wunsch aus, die zionistische Jugend möge die künstlich aufgerichtete Scheidewand zwischen Seiarden und Askenasen niederreissen und durch Verbreitung des Zionismuls die Harmonie zwischen ihnen hersteilen. Gg. stud. techn. R. Dezma schlägt vor, den 3. Kongress ins Goldene Buch einzutragen. (Wird einstimmig angenommen.) Stud. phil A. Szemnitz bespricht die Mängel der zionistischen Agitation unter den Sefarden und schlägt vor. der Kongress möge veranlassen, darfe das zionistische Zentralbureall spanische Broschüren In Raschischrift herstelle und den südslawischen Or-

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