Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 35 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 35 Mauschel-Evolution. Grosspapa hiess Aron Leib, Dessen Frau hiess Hindi, Max der Sohn, Alice sein Weib, Egon deren Kindl. Grosspapa war Handelsmann, Durch Podolien zog er, Max fing auf der Börse an, Egon spielt nur Poker. Aron liebt’ Rosinensauce, Max nur die Froraessen, Egon interessieren bloss Pferde und Maitressen. Aron las die „Mischna* noch Unter viel Gewackel, Max las nur den „S z e p s“ und „Bloch* Egon liest die .Fackel“. Grosspapa sprach im Jargon, Max hingegen poliscb, „Englisb“ spuckt der teure Sohn Und ist längst — katholisch! Ach! So wird das Judentum Manchen noch verlieren, Und'es drängt mich, ihm darum Froh zu gratulieren. Beda.' Generalversammlung des jüdischen Nationalfonds. .Oonnefstag den 13. d. M. fand die Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds statt, nachdem das D i r e ktorfiU'im 'vormittags (eine Beratung abgehialtjen batte. Die Generalversammlung erledigte die eigentlichen Palästina frage n. Stimmberechtigt sinkt nur -die Mitglieder des Aufsichts- ,r a t e s des J e w i s h Colonial Trust, die zugleich Mitglieder der Genossenschaft „Jüd. Nätfionaäfonds“ sänd. Die Mitglieder der Jahreskonferenz wurden nur als Gäste mit beratender Stimme zugjdassen. Dr. B o Id e n <h e i m e r, Direktor des Nationalfonds, eröffnet die Generalversammlung und lässt Iden Sekretär Herrn N e u m a n n dien Kassabericht und die Bilanz verlesen. Dr. Bodenhöiner bespricht die Tätigkeit des Nationalfonds in P a 1 äs t i n a und teilt mit, dass nach dien Berichten des Direktors der Anglo Palestine Company Herrn Levontin, die Häuserbaugenossenschaft in Jaffa kaum Zustandekommen werde. Direktor Levontin schlug daher vor, den Kredit des Nationalfonds von 300.000 Francs für Häuserbaugesellschaften in Haifa und Petach-Tikwah zu verwenden. Er habe bereits der Haifaer Gesellschaft 50.000 Francs 'bewilligt. Die Palestine Land Development Company wird von den zwei-ihr zur Verfügung gestellten Gütern des Nationalfonds k e i n e n Gebrauch machen. Säe wird voraussichtlich nur D alaika pachten. Umelds c humi> (Kinpreth) könne nunmehr an Einzelpächtern abgetreten werden, etwa an die kaukasischen B e r g j u d e n. — Im Berichte des Palästinaamtes an das Direktorium werden schwere Bedenken gegen Landkäiife geäussert. Dagegen soll der N a t i o - nalfonds Gesellschaften, die Boden erwerben wollen, unter hypothekarischen Sicherungen Kredit gewähren. Das Direktorium erwäge die Form dieser Kreditgewährung. Dr. Bodenheimer verweist im weiteren Verlauf seiner Ausführungen auf die Genossenschaftie.n und kooperative Gesellschaften aller Art, die in Palästina im steten Wachsen begriffen sind, und vom Nationalfonds ebenfalls Kredit verlangen. Wiewohl es sich um langfristige Kredite bandelt, stehe das Direktorium diesen Anforderungen sympathisch gegenüber. Es wurde geplant, um den Nationalfonds nicht zweckwidrig festzulegen, Kreditverträge abzuschliessen, die alle drei Jahre erneuert werden müssen. Je 50.00Ü Francs sind h a 1 b-j ährlich kündbar. Derselbe Weg solle auch beim Agrarkredit, der den eigentlichen Zwecken des Nationalfonds näher steht, eingeschlagen werden. (Redner will auf die bezüglich der nicht unbeträchtlichen V e t w a 11 u n g s k o s t e n gehegten Bedenken zuTückkommen. Sie sind eine natürliche Folge der Dezentralisation. Der Nationalionds muss als englische Gesellschaft ein Bureau On (L o n d o n erhalten, das Pfd. St. 450 (9000 Mark) jährlich kostet. Da Palästina das eigentliche Tätigkeitsgebiet des Nationalfonds ist, muss zur Erhaltung des Palästinaamtes 'beigesteuert werden. Der Betrag soll Om Einvernehmen mit dem Palästinaressoirt festgesetzt werden. Ausserdem hat der Nationalionds in Palästina einen Vertreter für Landkäufe, Herrn Agronom Berma n n, Herr Ing. Treidel arbeitet im Aufträge des Direktoriums an einer L i e g e n s c h a i t s 'k a r t e, die von hoher Bedeutung sein werde. Das Kölner Ha u p t'bn.r e au erfordert ca. 12.000 Mark, der „Welt“ werde für den Abdruck der Mitteilungen des Bureaus ein Pauschalbetrag von 4800 Mk. gezahlt. Die L a n d e s s a im m e 1 s t e 11 e n machen selbstredend Abzüge, die zu ihrer Erhaltung dienen und sich auf etwa 10 Prozent der Spenden, also ca. 25.000 Mark jährlich, belaufen. Die Lsndesvarwaltung in Palästina selbst kostete Pfd. St. 525 (= 10.000 M'k.). Es .seien dies gewiss hohe, aber notwendig!; Ausgaben. Nachmittagssitzung. Dr. B. G o 1 d b e r g kritisiert die Anleihegewährung an die Häuserbaugenossenschaft, die, wie sich nun nachträglich herausstellt, nicht einmal lebensfähig ist. Wie konnte das Direktorium einen Beschluss fassen, ohne genügend informiert zu sein? Dr. Hant'ke konstatiert, 'dass die Bilanz richtig ist, jedoch missverstanden werden könne.-- Schliesst sich dem Vorredner an und hofft, dass . dank dem Palas tina-A-mt derartige Bej schlösse in der Zukunft unmöglich sein werden. | Präs, W oll(fsohn polemisiert in scharfer! Weise gegen die persönlichen Ansichten des Dr. * Bodenheimer, die im Bericht widerlegt sind. Das Direktorium könne sich damit nicht solidarisieren. Herr Dr. 'Bodenheimer wolle die Kompetenz des A.-C. und des Kongresses gegenüber dem Nationalfonds einsdhräriken. Das müsse zurück-., gewiesen werden. Der Kongress bledbt diie | höchste Behörde und der Herr aller Institutionen. Redner wendet sich gegen eine Annullierung des Berliner Beschlusses, bezw. der Baugenossenschaft. Das Geld sei sicher. Es sei - notwendig, Wohnungsgelegenheiten für die Einwanderer zu schaffen. Der Nationalfonds soll mit gutem Beispiel vorangehen. Dr. Br au de schliesst sich Herrn W. an. Die 300-000 Francs wurden nur einer Jaffaer Gesellschaft bewilligt. Tri et sch erklärt, es sei nicht wahr, dass dlie Jaffaier Häuserbaugenossenschaft nicht existiert. Das Statut des Nationalfonds ist unbrauchbar. Es soll Boden nicht für die sogenannte jüdische Nation, sondern fiir Juden gekauft werden. Boden’kauf in Palästina sei immer ein glänzendes Geschäft. Sche-inkin kritisiert die hohen Kosten dier Landesverwaltung. Redner bestätigt, dass Direktor L e v o n t i n das Direktorium falsch informierte. Die Achasath-Beith existiere. Dr. Tschlenow gibt seinem Erstaunen Ausdruck, dass der Berliner Beschluss derart missdeutet werden konnte. Wir bewilligten 300.000 Francs nicht Häuserbaugenossenschaiten schlechthin, sondern der Jaffaer Gesellschaft zur Erbauung eines jüdischen Viertels. Was 'hat das mit Haifa zu tun, wo einige Häuser in einem fremden Viertel von Juden gebaut w-erden sollen! Das Direktorium hatte kein Recht, den Missgriff 'des Direktors Levontin zur Kenntnis zu nehmen. Der frühere Beschluss muss aufrecht bleiben. Es wird ein Brief des Herrn Ussischkin verlesen, in dem ausgeführt wird, der Zweck des Nationalfonds — die „Auslösung des 'Badens“ — körnte nur auf dem Wege des Agrarkredits erreicht werden. Dr. Be rnstein-Kohan verweist darauf, dass ein Viertel des Nationalfonds für Landkäufe nicht verwendet werden dürfe; dieser Teil müsste also für Kreditzwecke flüssig gemacht werden. Verweist in längeren Ausführungen auf die Verschuldung der Kolonisten. Dr. H a n t k e meint, es sei unsinnig, das ganze Vermögen des Nationalfonds zu verwenden. Man könne doch nicht die englischen Konsols, die jetzt um 14 Prozent tiefer stehen, verkaufen. Beantragt, Umeid schumi an die P. L. D. C. zu vierkaufen. '0. Kessler rät, mit der Ausfolgung der 300.000 Francs abzuwarten. Die Baugesellschait könne schwerlich Obligationen erlassen. Es soll Baden nur für öffentliche gemeinnützige Zwecke angekauit werden. Im weiteren Verlauf dar Debatte erklärte Prof. W a r b u rg, die P. L. D. C. werde den Kredit 'des Nat.onalronds für den Betrieb nicht verwenden. Nachdem noch die Herren Dr. Tschle- •n o w, Moser Dr. ß o den heim« r u. m. a. wiederholt das Wort ergriffen, wurde folgende Resolution angenommen: „Die Generalversammlung des Nationalfonds heschliesst, das Direktorium zu ermächtigen, der A- P. C. eine Anleihe bis 200.000 Francs für kooperative Gesellschaften, speziell zum Zwecke des Agrarkredites, unter Garantie der Bank zu 4 Prozent zu gewähren.“ Gr. Tschlenow bittet unter grosser Erregung, der Versammlung zu protokollieren, dass nach seiner Ansicht die Resolution dem Kongress ‘b e s c h 1 u s s e widerspricht. -Präs. W; ol'i t s o h n bittet, die 50.000 Francs, die der Haifaer 'Baugesellschaft bewilligt wurden, zu akzeptieren. Dr. Tschlenow verwahrt sich dagegen. WJir haben Haifa keinen Pfennig bewilligt. Dr. Bodenheimer stellt seine Demission in Aussicht, wenn die Haltung des Direktoriums nachträglich nicht gutgeheissen wird. Der Antrag W o 1 f i s o :h n wird angenommen, ebenso der Dr. Tschlenow s, die .restlichen 250.000 Francs ausschliesslich für Jaffa zu verwenden. Es entsteht eine eingehende Debatte über den Antrag H a n t k e. Dr. WJarburg glaubt, dass Nationalfondsboden wirklich nicht verkauft werden darf. Allein Umeldschumi gehöre noch nicht dem Nationalfonds. Wolffsohn meint ebenfalls, dass der Boden, der nicht im geregelten Besitz des Nationalfonds ist, verkauft und vertauscht werden könne. Dr.Tschlenow meint, diese Voraussetzungen treffen nur bei C h a b ,i n zu. Antrag Hant'ke wird daraufhin a ib gelehnt. Die Generalversammlung beschliesst in drei Resolutionen, für das Gymnasium, die Nat i o n a 1 b i b 1 i o t h e k und das zu errichtende Technikum Boden zur Verfügung zu stellen. J. Mose.r erklärt, dass das von ihm zu errichtende Gebäude des H e r z 1 - G y m n a s i u m s ebenfalls dem Nationalfonds gehören wird. (Beifall.) ■Zur Arrondierung des H e r z 1 - W alles wird der Ankauf von 440 Dunam Land,' 'das der A. P. C. gehört, beschlossen. Die Generalversammlung wurde hierauf geschlossen. ♦ * * Das Anwachsen des Fonds. Nachstehend einige Daten über das Anwachsen des Fonds am Lauie.xles verflossenen Geschäftsjahres. Das Vermögen betrug zu Beginn der Verwaltungsperiode am 1. Mai 1907 Pfund Sterling 52.724. 8.3, am 31. Dezember 1907 Pfund Sterling 58.489.17.4, Nettozuwachs vom; 1. Mai bis 31. Dezember 1907 Pfund Sterling! 5.765.9.1, Bruttozuwachs vom 1. Jänner brs 30. Juni 1908 Pfund Sterling 4.780.2.9. Bei all diesen Ziffern wird das Vermögen der Oelbaumspende sowie die Eingänge fiir Oelbaumspende und Herzlwafd nicht inbegriffen.