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Jüdische Zeitung · 1908-08-21 · 34 (21.8.1908) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 34 - - -« Donnerstag fand eine Sitzung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds, sowie die Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds statt Letztere dauerte bis abends 7 Uhr. . Um halb 9 Uhr wurde die Tagung der Jafereskönferenz mit dem Punkte „Palästinaressort“ wieder aufgenommen. Hierzu lag ein eingehender Bericht des Palästinaressorts vor. Folgender Antrag wurde angenommen: Die Jahreskonferenz beschliesst, einen Palästinakulturfonds zu begründen. Derselbe soll 1. aus einem eisernen Fonds besteben, welcher erst dann in die Erscheinung zu treten hat, wenn 100.000 Mark beisammen sind. Die einzelnen Beiträge zu diesem Fonds müssen sieb auf mindestens 100 Mark belaufen, und es dürfen nur seine Zinsen aufgebraucht werden; 2. aus einem anderen- Fonds, der die kleineren Beiträge umfasst, von welchen nur 50 Prozent der jährlichen Eingänge verbraucht werden dürfen. In der folgenden Debatte über Propaganda und Presse wurde der Beschluss gefasst, in Konstantimopel eine zionistische Zeitung zu gründen. Die Ausführung dieses Beschlusses wurde dem A. C. überwiesen. Um 7=3 Uhr schloss die Jahreskonierenz mit emer Dankeskundgebumg für den Präsidenten des E. A. C. und dem Vorsitzenden des Palästinaressorts. Während der Jatareskonferenz fanden auch Boardsitzungen des Jewish Colonial Trust der Anglo Palestine Company, der Anglo Levaetine Banking Company und des Jüdischen Nationalfonds, Limited, statt Ausserdem hielt der Jewish Colonial Trust eine ordentliche und ausserordentliche Generalversammlung ab. Bericht über die Aufsicbtsratssitzung und Gründeraktionäresitzung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbaak) Limited (abgehalten zur Zeit der Jahreskonferenz in Köln am 10. August 1908). Es waren anwesend die Herren Dr. Wolffsohn, Professor Wartjurg, Dr. M. Bodenheimer, Dr. E. W. Tschlenow, Dr. Bernstein-Kolian, Jakob Moser, L. Kessler, Adolf Stand, J. L. Goldberg, Jean Fischer, T. Hirsch, Manager, and. H. Neumann, Sekretär- Herr Dr. Wolffsohn führte den Vorstz. Der Vorsitzende erstattete einen allgemeinen Bericht über die Angelegenheiten des Trust Der Aufsichtsrat bestätigte den Vorschlag des Direktoriums, der Generalversammlung die Zahlung einer Dividende von 6 pence pro Pfund- Aktie zu erklären. Der Vorsitzende teilte dem Aufsichtsrat auch mit, dass die Eröffnung der Filiale aer Anglo- Levantine-Banking Co. in Konstantinopel jetzt endgültig für Mitte September oder Anfang Oktober stattfinden wird. Als zweiten Manager hat der Board der Co. Herrn Dr. Viktor Jacobson (früher Manager der Filiale der A. P- C. in Beirut) angestellt. Herr Dr. Jacobson wird seinen Posten am 1. September dieses Jahres antreten. Ueber die Geschäfte der Anglo-Palestine Co. erstattete der Vorsitzende einen sehT günstigen Bericht und bemerkte dabei, dass das Geschäftsjahr 1907 bei allen Filialen tatsächlich mit einem Gewinn abgeschlossen habe und daher, wie bekannt, eine Dividende von 9 pence pro Pfund-Aktie erklärt werden konnte. Auf verschiedene Anfragen teilte der Vorsitzende auch mit, dass die neue Agentur der A. P. C. in Haifa bereits begründet ist. Der Beschluss des Direktoriums des Trust, dahin gehend, dass für das Jahr 1907 eine Dividende von .6 pence pro Pfund-Aktie erklärt werde, wurde von' dem Aufsichtsrat nach eingehender Diskussion einstimmig angenommen. Auf die Anfrage des Herrn Jakob Moser, ob die erschienenen Berichte bezüglich der Prozesskosten anlässlich der Abänderung des Memorandums der Wahrheit entsprochen hätten, gab der Vorsitzende folgende Erklärung ab: 1. Als Herr Dr. Katzenelson, der Vorsitzende des Direktoriums, auf dem letzten Kongresse von 2600 Pfund Kosten der Gegner und 3700 Pfd. St. unserseits sprach, zog er sämtliche Kosten der möglichen drei Instanzen und nicht nur die tatsächlichen Kosten der. einen von uns beschrittenen ersten Instanz in Betracht. 2. Die Gesamtkosten einschliesslich der gegnerischen betragen 166* Pfd. St. 3. Die Gegner stellten eine Kostenforderung von 4)8 Pfd. St. auf, von weichem Betrage ihnen jedoch zufolge unseres Einwrandes nur 236 Pfd. St. vom Gerichte bewilligt wurden. In der vom Gerichte in Abzug gebrachten Summe waren 55 Pfd. St. für persönliche Kosten ,des Herrn Uiriassohn und 100 Pfd. St. für Kosten der Sammlung gegnerischer Unterschriften enthalten. 4. In dem von uns bezahlten Betrage von 236 Pfd. St gegnerischer Kosten sind auch 38 Pfd. St. für Kosten der Rechtsanwälte des Herrn Zangwill enthalten. Der Vorsitzende bemerkte noch, dass « Anbetracht der Tatsache, dass der Richter die persönlichen Kosten des Herrn Uriassobn, welcher in der Sache von Russland nach England gereist ist, zu bewilligen sich "weigerte, man anzunehmen berechtigt ist, dass er auch Herrn Zangwill keine persönlichen Kosten bewilligt hätte. , Es wurde zur Kenntnis genommen, dass die .zweite ausserordentliche Generalversammlung zwecks Bestätigung, der am 12. d. M. in der ausserordentlichen Generalversammlung angenommenen Resolution am 9. September d. J. in London stattfinden wind. In dier Sitzung der Gründeraktionäre wurde ein Bevollmächtigter resp. Vertreter desselben erwählt, um auf dieser Versammlung die Interessen der Gründeraktionäre zu vertreten. Aus dem jüdischen Leben. Die türkische Konstitution in Palästina. Endlich ist nun auch in Jerusalem die Konstitution von der Festung Davids herab proklamiert worden. Der bisherige Pascha, der der jüdischen Kolonisation viele Hindernisse bereitet hat, und der dank seiner Beziehungen zur Hohen Pforte, wo er früher Sekretär war, grossen Einfluss hatte, ist bereits abgesetzt worden. Der Jubel und die Freude in Jerusalem sind natürlich unbeschreiblich. Die JudeD nehmen daran lebhaftesten Anteil Auch aus Jaffa und aus den jüdischen Kolonien wird von Freudenkundgebungen berichtet, an denen alle Bevölkerungsschichten und Nationalitäten gleichen Anteil nehmen. Zensur und Wahlen. Die Zensur, die bis zum S. August noch bestanden hatte, weil der Pascha aus Lässigkeit die Verfassung noch , nicht proklamieren liess, ist nunmehr völlig aufgehoben! Nun rüstet man sich zu den Wahlen. In Jerusalem und Jaffa sind verschiedene nationale Komitees zwecks Vorbereitung der Wahlen eingesetzt worden. Ausserdem hat sich in Jaffa ein liberales Komitee konstituiert, um die Durchführung der neuen Ordnung zu beschleunigen. Dia luden als Wählor. Selbstverständlich werden nur diejenigen palästinensischen Juden an den Wahlen teilnehmen, ■ die otto manische Staatsangehörige sind. Leider sind deren noch sehr wenige. Von den 100.000 Juden Palästinas werden statt 20.000 kaum 2000 Wahlberechtigte sein! Der Rest gehört meistens dem russischen oder österreichischen Staatsverband an. Verschiedene Vertreter der Araber und der Armenier in Jerusalem sind gern bereit* mit den Juden einen Block für die Wahlen zu. bilden. Man plant, zwei Araber und einen Juden aus dem Bezirk Jerusalem für die Kammer zu wählen. Auf Seiten der Juden kommen zwei Kandidaturen in Betracht, diejenige des Herrn A n t e b i, Leiter der Alliance-Schule in Jerusalem, und die des Herrn Levy, Manager der Anglo-Palestine Company in Jerusalem. Der letztere dürfte die grösseren Chancen haben, da er die türkische Sprache vollkommen beherrscht und nationalgesinnte wie liberale Elemente für ihn stimmen werden, was bei Herrn Antebi als Beamten der Alliance Israelite Universelle ausgeschlossen ist, weil man hier der Alliance noch immer französierende Tendenzen - zuschreibt j Aus allem geht hervor, dass es für eine gedeihliche Entwicklung der Zukunft der palästinensischen Judenheit unumgänglich notwendig ist, dass sie die türkische Staatsangehörigkeit erwerben und die|türkische wie die arabische Sprache erlernen. Wie) zuverlässige Quellen berichten, würden gerade i’den Juden beim Erwerb der Staatsangehörigkeit \ keinerlei Schwierigkeiten gemacht werden, da ijnan die Leistungen der Juden für die Entwicklung Palästinas sehr hoch schätzt. | i Wahlkreiseinteilung. Palästina ist in vier Wahlkreise eingetöllt. Jeder Kreis wählt drei Abgeordnete. Man hofft, dass von den zwölf palästinensischen Abgeordneten fünf bis sechs Juden sein werden. * - * . * Der neue Chacham Baschi in der Türkei. Konsiantinopel, den 17. August. Als Nachfolger Moise Levys ist Nahoum, Professor am hiesigen. Rabbinerseminar der Alliance Israelite Universelle, zum Kaimakam Chacham Baschi der Türkei, d. i. zum geistlichen Oberhaupt der Israeliten in den Landen des Sultans, gewählt worden. Herr Nahoum, der den Ruf grosser Gelehrsamkeit, geniesstist erst vor wenigen Wochen aus Abessinien zurückgekehrt, wohin er im Auftrag der Alliance Israelite Universelle eine Expedition zur Ermittlung der Lage des jüdischen Falaschastammes mit ausgezeichnetem Erfolg geleitet hatte. Konstantinopel. An der inneren Anleihe, die jetzt von der türkischen Regierung aufgenommen wird, wird sich — sicheren Informationen zufolge — auch die zionistische Rank in Konstantinopel beteiligen. Ein jüdisch-christlich-türkischer Mischling. Wien. Die grosse Säuberung, welche die zu politischer Selbstbestimmung erwachten Türken in ihrer Beamtenschaft vornehmen, hat auch in Wien zwei Opfer gekostet: den hiesigen türkischen Botschafter und seinen Schützling, den Handelsattache Lyonei Bondy Bey. Bondy war so vielseitig, in der alten böhmischen Khille Neubydzow als Jude geboren zu werden, sich sodann römisch-katholisch schmadden zu lassen und in diesem Zustand dem ismalitischen Grossherru und sich zu dienep. Die leidigen Jungtürken haben aber, wie sich zeigt, kein richtiges Verständnis für solche Verwandlungskünstler und Eskamoteure. So wurde Bondy Bey selbst raschest hinwegeskamotiert. Ein jüdisch-politischer Verein in Prag. Prag. Die Prager Statthalterei hat die Statuten des jüdisch-politischen Vereines in Prag genehmigt, so dass dieser bereits seine Tätigkeit aufnehmen kann. Die Statuten gehen von denselben Gesichtspunkten wie die des ,Jüdischen Nationalvereines“ in Wien und der „Teeliija“ in Lemberg aus. Die Tatsache der Entstehung dieses jüdisch-politischen Vereines ist umso erfreulicher, als sich die böhmischen Zionisten viele Jahre hindurch gesträubt haben, auch im innerpolitischen Leben ihre Eigenart zu betonen. Die Verhältnisse haben sie aber eines besseren belehrt. In dem heftigen nationalen Kampfe zwischen den Tschechen und Deutschen in Böhmen waren die Juden immer die Geprügelten. Durch die Inaugurierung einer eigenen Politik gelangen sie ausserhalb des nationalen Kampfes und können sich den eigenen Interessen widmen. Moses Zangwill gestorben. London. Herr Moses Zangwill, der Vater Israels ZangwiJls, ist in Jerusalem, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte, gestorben. Er war in Russland geboren, übersiedelte hernach nach England. Ein tüchtiger Kenner des hebräischen Schrifttums, flösste er seinen Kindern Liebe zu der jüdischen Vergangenheit ein. In seinem sechzigsten Lebensjahre hielt es ihm nicht mehr in England und er zog nach Palästina. So widerlegte der Vater des Territorialistenführers die Ideen seines Sohnes, indem er durch seine Handlungsweise, die unwandelbare Liebe der Juden für Palästina kundgab. Scholem Aleichem erkrankt Baranowitsch. In Baranowitsch erkrankte plötzlich der bekannte jüdische Humorist Scholem Aleichem. Der Zustand des Patienten gibt zu Besorgnissen Anlass. In ganz Russland gibt sich ein reges Mitgefühl für das Schicksal Scholem Aleichems kund. — Neueren Depeschen zufolge nimmt die Krankheit einen normalen Verlauf. Es ist begründete Hoffnung verhanden, das Scholem Aleichem in kurzer Zeit genesen wird. Ein Streit in der Chalukaverwaltung. Munkacz. In diesem Blatte wurde schon oft auf die Misstände in der Chalukahverwallung hingewiesen. .Ein Schiedsgericht, welches vor zwei Wochen in Ungarn tagte und dessen Kosten vorläufig 4000 Kronen betragen, beleuchtet die ungesunden und rückständigen Verhältnisse in der gesamten Gebarung. Die Juden von Munkacz verlangen nämlich die Abtrennung der Ghalukahverwaltung von Wiznitz und die Kreierung einer' eigenen Filiale in Munkacz, offenbar, um den Missbrauch mit den aus Ungarn kommenden Ghalukahgeldem durch den Wiznitzer Nassi zu verhindern. Das Schiedsgericht kam zu keinem Resultate, da ein Richter, der Rabbiner aus

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