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Jüdische Zeitung · 1908-08-21 · 34 (21.8.1908) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 34 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 begrüsst freudig die von Sr. Majestät dem Sultan gewährte Neuordnung der Verhältnisse im türkischen Räche, indem sie der Hoffnung und. dem Wufasche Ausdruck gibt, dass diese zur Festigung des Reiches beitragen und das Wohl aller seiner Völker fördern wird. . Die Resolution wind mit Beifall angenommen. Daraufhin wird die unterbrochene Debatte fortgesetzt. Herr Bentwich und Herr Moser geben Aufklärung über die Lage in England. Die Arbeit sei dort in vollem Umfange, leider aber noch unter der Nachwirkung der früheren ungünstigen Verhältnisse. Es sei nicht daran zu zweifeln, dass in kurzer Frist aus England ansehnliche Beträge für Schekel und Parteifonds eingehen würden. Dr. B r a u d e: Die von Dr. Hantke befürwortete Teilung der grossen Landesorganisationen ist in Oesterreich bereits durchgeführt Es ist wahr, dass für den Parteifonds in Galizien wenig erzielt worden ist. Das liegt aber daran, dass die Massen die Idee dieses Fonds nicht recht begreifen. Für andere zionistische Zwecke, für den Nationalfonds und für das Palästinaressort sind auch in Galizien sehr ansehnliche Beträge gesammelt worden. Auch die Schekeleingänge dieses Jahres werden nicht wesentlich hinter denen des Vorjahres Zurückbleiben. Was den Parteiionds aribetrifft, so habe der Präsident auf dem Kongresse selbst erklärt, dass man auf die armen Länder nicht rechnen könne. Präsident: Allerdings habe ich diese Bemerkung gemacht, das sollte aber doch nicht heissen, dass die ärmeren Länder gär nichts leisten sollen. In Oesterreich und Galizien hätte bei geeigneter Agitation gewiss bedeutend mehr für den Parteifomds erzielt werden können, als geschehen ist. S c 'h e ink i n gibt interessante Daten über die zionistische Arbeit in Palästina. „Ich will über die zionistische Arbeit in Palästina sprechen, da wr ja auch gewissermassen eine Landsmannschaft darstellen. So haben auch die Kolonisten für die Bank grosses Interesse und daselbst Einlagen gemacht, Zwar wurden heuer weniger Schekel als im‘ Vorjahre verkauft, das bilde aber keinen Massstab für die zionistische Tätigkeit in Palästina. Ebenso dürfen die Sammlungen für den Nationalfonds und Parteisteuer nicht in Anrechnung gebracht werden. Die kulturellen Leistungen sind bedeutend. Es erscheint ein von Arbeitern herausgegebenes Blatt, ferner eine Jahresschrift „Haomer“, von der in Palästina 300 Exemplare verkauft worden sind. In agitatorischer Beziehung verweise Ich auf tdas „Bet-Am“ in Jerusalem, woselbst in kultureller und agitatorischer Hinsicht viel geleistet wird. In Beirut wird eine sehr eifrige Agitation von den Vereinen „Achwah“ und „Kadrmah“, denen vornehmlich junge Leute angehören, entfaltet, die insbesondere unter den spaniolischen Juden grosse Wirkungen erzielt In Jaffa muss der Palästinarat hervorgeboben werden und insbesondere seine Arbeit zur Organisation der palästinensischen Juden erwähnt werden. Der Gedanke der „Histadruth“ macht immer grössere Fortschritte. Auch eine schöne Bibliothek ist in Jaffa im Aufblühen begriffen. Schliesslich sei auch au! eine der gewichtigsten Arbeiten, die Gründung des hebräischen Gymnasiums, foingewiesen. Nach weiteren Berichten gdht man zur Beratung über Resolution II des E. A. C. über, die in folgender Fassung angenommen wird: „Die Schekelsammlung hat überall sofort mit dem Beginn des neuen Schekeljahres einzusetzen und spätestens bis zum I. Mai beendet zu sein.“ Es folgt die Abstimmung über Resolution 111, die gleichfalls, und zwair einstimmig, in folgender Fassung angenommen wird: „Sämtliche Landesorganisationen und Föderationen sind verpflichtet, ohne die andere zionistische Arbeit einzuschränken, die Sammlungen für den Parteifonds in ihrem Bezirke in kürzester Frist auf die Höhe zu bringen, die der Zahl ihrer Schekelzabler entspricht.“ Dr. H e y m a n n gibt hierzu noch die Anregung, es möge in allen Landsmannschaften für die Sammlung des Parteifonds in der Weise gearbeitet werden wie in Deutschland. Hier bähe jeder einzelne in seinem Bekanntenkreise persönlich dafür agitiert, dass insbesondere höhere Beträge geleistet würden. Einzelne Gesinnungsgenossen hätten über 100 Briefe in dieser Angelegenheit versandt. Mittwoch den 12. August. VoTmittagssitzung. Zur Beratung steht Resolution IV des Engeren Aktionskomitees, die lautet: „Die Jahreskonterenz beschliesst, die Aufsichtsräte der zionistischen Institutionen aufzufordern, sich dafür einzusetzen, dass diese Institutionen alljährlich einen Beitrag, der ungefähr 10 Prozent ihres Reingewinnes oder Einkommens entspricht, an die zionistische Organisation abffthren." Präsident Wolfisohn begründet kurz diesen Antrag. Es sei dem Engeren Aktionskomitee unmöglich, weiter zu arbeiten, wenn man ihm keine genügende materielle Grundlage gewahre. Im übrigen verweise er auf die Ausführungen im Berichte des E. A. C. und die Zahlen in den verschiedenen Tabellen, die eine deutliche Sprache reden. Feiwel: Die vom E. A. C. vorgeschlagenen Resolutionen könnten einen wirklich pessimistisch stimmea Nun wolle man sich die Mittel schon ans den aulgesammelten Fonds holen. Das sei ein verhängnisvolles Präjudiz, und es würde die Energie der Organisation lähmen. Dr. Bodenheimer stimmt mit Herrn Feiwel voll und ganz überein, speziell was den Nationalfonds anbetrifit. Er iührt aus: „Ich muss mioh dagegen mit Händen und Füssen sträuben, dass vom Nationalfonds für die Organisation irgend welche Mittel in Anspruch genommen werden. ■Die Spenden des Nationalfonds dürfen ausschliesslich nur für die statutarisch iestgelegten Zwecke verwendet werden. Sie würden dem Nationalfands MSe ganze Popularität nehmen, wenn Sie eine derartige Bestimmung treffen würden. Sie würden sich schaden und den Nationalfonds unmöglich machen. Aehnlich verhält es sich auch mit der Bank. Es hat viele Anstrengungen gekostet, um die Idee des Parteiionds verständlich zu machen. Wenn war auch eine grosse Summe erlangt haben, so wissen wir noch nicht, ob von den 70.000 Mark, die emgekommen sind, nicht die Hälfte für den Schekel gesammelt worden wäre. Die Führung muss sich dessen bewusst sein, dass sie nur auf dein Wege der energischen Eintreibung des Schekels sich eine regelmässige Einnahme verschaffen kann. Tirietsch: Es ist davon die Rede, dass das A.-C. von den zionistischen Institutionen einen Anteil aus ihren Ueberschüssen für Parteizwecke erhält. Bei der Bank kann ich das noch verstehen, im Sinne der bisherigen Berichte. Es kommt wirklich nicht darauf an, ob die Aktionäre um einige Pfennige weniger bekommen dadurch, dass 10 Prozent abgezogen werden. Ich bin daiür, dass die nicht behobenen Dividenden, von denen viele dem Nationalfondszugeführt wurden, nunmehr der Parteiorganisation gegeben werden. Ich bin dagegen, dass der Nationalfonds angetastet wird, röcht so sehr deshalb, weil er für unantastbar erklärt wurde, ich bin nur gegen die Inkon- - sequenz in dieser Frage. Er schliesst: Ichbin für die Unterstützung des E. A. C. aus den Geldern der Bank und des Nationalfonds; nur bin ich gegen die Inkonsequenz in dieser Sache. Nacheiner längeren Debatte, an der sich Dr. Hantke, Dr. Gronemann, Dr. Kohan-Bemstein, Dr. Kessler, Scheinkin, Dr. Heymann u. a. beteiligen, stqllt Delegierter Feiwel den Antrag, dass die vom E. A. C. geforderten 10 Prozent von Bank und Fonds bewilligt werden, aber nur in Form eines Darlehens. Ferner stellt er den Antrag,.es solle der Versuch gemacht werden, noch einen besonderen Fonds durch Ueberweisung besonderer Spenden zu bilden. Moser unterstützt den Antrag des Herrn Feiwel, die 10 Prozent leihweise zu nehmen. Ausserdem aber soll man eine Finanzkommission wählen, die etwa aus 12 Personen bestehen könnte und dem A.-Cals finanzieller Berater zur Seite stehen müsste. In der Nachmittagssitzung schlägt Dr. Hantke vor, sämtliche vorliegenden Anträge einer Kommission zu übergeben, die versuche« soll, eine Einigung zu erzielen und der Jahreskonferenz möglichst bald Bericht zu erstatten. Nach einer längeren Geschäitsordnungsdebatte wird der Antrag angenommen. In die Kommission werden die Herren B. Goldberg, Fischer, Moser, Podlischewsky und Dr. Heymann gewählt Zur Beratung gelangt Antrag V des E. A. C. betr. Schaffung einer neuen Geschäftsordnung. Die Herren Dr. Hantke, Dr. Gronemann und Dr. Berenstein werden damit beauftragt, die vorliegenden Entwürfe durchzuairbeiten und der Jahreskonterenz endgültige Vorschläge zu unterbreiten. Nächster Punkt der Tagesordnung ist Antrag VI des E. A. C., der verlangt, dass Vorkehrungen getroffen werden, damit das Kongressgericht auch als Ehrengericht fungieren, kann. Hierzu verliest der Präsident eine Eingabe des Herrn Oskar Marmoirek, der sich über das Innerösterreichtsche Distriktskomitee wegen einer ihm in seiner Eigenschaft als Zionist seitens dieser Körperschaft zugefügten schweren Ehrenbeleidigung beschwert und die Einsetzung eines Schiedsgerichtes verlangt Oer Präsident gibt eine Darstellung über die Entwicklung dieses Falles, der das E. A. C. bereits beschäftigt hat Nach langer Debatte wurde beschlossen, ein Schiedsgericht für den Fall Marmorek — Innerösterreichisches Distriktskomitee einzusetzen. In das Schiedsgericht wurden die Herren Prof. Warburg, Feiwel und Gronemann gewählt Das Schiedsgericht soll die Angelegenheit prüfen und darüber entscheiden. Für den Fall, dass eine der Parteien nicht vor dem Gericht erscheinen sollte, soll das Schiedsgericht im Abwesenheitsveriahren urteilen. Hierauf wird der Antrag VI des E. A. C. angenommen und zur Ausarbeitung der erforderlichen Vorschriften eine Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Friedemann, Gronemann und Hantke, gewählt Auf Antrag Dr. B od e n h e i in e r wird diese Kommission ausserdem beauftragt, aas ganze Organisationsstatut einer Durchsicht zu unterziehen, um dem Aktionskomitee eventuell Vorschläge für eine Aenderung des Organisations- Statuts zu unterbreiten. Herr Dr. Boden heim er wird beauftragt, seinerseits entsprechende Vorschläge anszuarbeiten und sie der Kommission zu übergeben. Hierauf berichtet Dr. heymann namens des Finanzausschusses. Er konstatiert mit Befriedigung, dass der Finanzausschuss zu einer Einigung gelangt und in der Lage sei, Beschlüsse vorzuschlagen,, von denen er hoffe, dass sie allseitigen Beifall fänden, und sie zugleich geeignet seien, die materielle Lage des E. A. C. befriedigend zu verbessern. Der Finanzausschuss schlägt vor: 1. Eine permanente Finanzkcmmission aus folgenden Mitgliedern: Dr. Adolf Friedemann, Boris Goldberg, Dr. Artur Hantke, Dr. Hans Gideon Heymann, Proi. Dr. Artur Mahler und Friedensrichter Jakob Moser mit dem Recht der Kooptation einzusetzen, die der nächsten A.-C.- Sftzung einen Plan zur Ausgestaltung der zionistischen Finanzen zu unterbreiten hat. 2. Die Jahreskonterenz beauftragt den Aufsichtsrat und das Direktorium des I. C. T., dem Engeren Aktionskomitee einen Betrag von 2000 Pfund Sterling aus dem Reservefonds 11 des 1, C. T. für Inhaber von verfallen erklärten Aktien zur Verfügung zu stellen. 3. Die Jahreskouferenz verlängert das H. Kongress-Scbekeljahr bis zum 1. Oktober 1906 und fordert die Landsmannschaften auf, die Schekelsammlung für dieses 11. Jahr bis zu diesem Termin energisch fortzusetzen und deren Ertrag dem Engeren Aktionskomitee abzuführen. 4. Der permanenten Kommission zur Erwägung überwiesen: Die Jahreskonterenz ersucht das Direktorium des I. C. T., die Statuten derart zu modifizieren, dass die drei Jahre nach Dividendenerklärung nicht abgehobenen Dividenden zu Verfallung erklärt werden und zur Verfügung des Aufsichtsrates stehen sollen. Sämtliche Anträge werden angenommen, die Sitzung wird um 8 Uhr abends geschlossen.

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