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Jüdische Zeitung · 1908-08-14 · 33 (14.8.1908) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
33 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 33 Die Gedenkrede Dielt A. H. Dr. M. Gingold,- die Gebete verrichtete Oberrabbiner Dr. Löwy. ln Seretb, sprachjur. Schnee, in Storozynetz! und Kotzmann iur. Arie, in Gurahumora pbil. Gabe und in ßojan phil. Ri eher. Es steht zu erwarten, dass nach diesen überaus stark besuchten Gedenkversammlungen in den einzelnen Ortschaften der Bukowina im Herbste eine regere | zionistische Vereinsläligkeit sich entfalten wird. * * * Ein Protestrabbiner in Galizien Skcle (Orig.-Korr.) Vorige Woche kam j Rabbiner Dr. Jung, der Leiter des hebräischen j Gymnasiums in Ungarisch-ßrod, nach Skoie und; wurde von den Juden einge'adeu, eine Predigt in i der Synagoge zu halten. Dr. Jung hatte nichts j besseres zu tun. als in versteckten Worten den 1 Zionismus abfällig zu kritis.ereu und von der Mission der Juden unter den Völkern zu predigen. J Er fand viel salbungsvolle Worte, sprach von der; Ungunst der Verhältnisse und der jüdischen Not, j er tröstete die Juden über die sci lechteu Zeiten j und riet ihnen, auszuharren, bis (!) Menschlichkeit 1 in Europa herrschen würde! Die Wirkung dieses seichten, nach Moder dufterden Geschwätzes war nicht allzugross. Den galiziscben Juden geht es viel zu schlecht, als dass sie sich durch das Geleier von einer jüdischen „Mission“ über?r:re Bedürfnisse und die Notwendigkeit der Selbsthilfe hinwegtäuschen Hessen. England. 1 Eine jüdische Kolonie in Afrika. London. „Zwei bedeutende jüdische Organisationen — die englische Zionistcn-Efaerutioii und die jüdische Tcrritorial-Organisation — hielten in London im Pavillon-Theater Whitechapel eine Versammlung ab, an. der über 4009 Juden teilnahrnen und in der über die Frage der Gründung einer jüdischen Ko onie in Nordafrika beraten wurde. .1. Zangwill berichtete in der Versammlung ausführlich darüber. Die genaue Bezeichnung der in Aussicht genommenen neuen jüdischen Kolonie wird noch geheim gehalten. Vorläufig ist die Ansiedelung von einer Million Juden geplant. Geldmittel stehen reichlich zurt Verfügung und demnächst wird eine Expedition das zukünftige jüdische Vaterland, das, wie man anni.nmt, in Süd- Tripolis liegt, bereisen.“ — Vorstehende Notiz brachten viele Tageszeitungen, die auch von jüdischen Blättern nachgedruckt wurde. Nach genauen uns zugekommenen Berichten fand keine gemeinsame Beratung von Zionisten und Tenritorialisten statt. Die Zionisten hielten vielmehr an ■demselben Tage ihre Halbjahrskonferenz ab, auf welcher eine scharfe, gegen die 1 erritoria;.isten gerichtete Resolution einstimmig angenommen wurde. Zangwill hat wohl in unklaren, versteckten Worten von einem Roland — dem Fragezeichen auf dem Globus — gesprochen, darüber aber keine näheren Angaben gemacht. Dass es mit dem ganzen Projekt nicht weit her sein kann, erhellt am besten aus dem scharfen polemischen Ton der h.auptäch'ich gegen die Zionisten gerichteten Rede. Hätte Zangwill irgendwelche Erfolge erzielt, so würde er das Polemisieren gegen die Zionisten bleiben lassen. Frankreich. Die Jungtürken und die Juden. Paris. Von hier aus gehen jetzt vielfach Nachrichten in die Welt, die sich mit der Stellung der Jungtürken zu den Juden, und besonders zum Zionismus, belassen. Es wird dabei vielfach auf Unterredungen mit Persönlichkeiten aus hiesigen jungtürkiseben Kreisen Bezug genommen und erklärt, dass die Jungtürken gar nicht daran dächten, den Juden irgend welche Privilegien zu geben oder gar den Judenstaat in Palästina wieder zu errichten. Schon die geringe Vertrautheit mit den Bestrebungen der Juden, und der Zionisten im besonderen, die aus solchen Aeusserungen spricht, lässt daraui schliessen, dass es nicht führende Persönlichkeiten der jungtürkischen Partei sind, von denen diese Verlautbarungen herstammen. Ausserdem wird die jungtüükische Politik jetzt keineswegs mehr in Paris, sondern in Konstantinopel gemacht. Hier sitzen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur noch die radikalen Outsiders der jungtürkischen Bewegung. Es muss aber gegenüber anderen Ausstreuungen betont werden, dass die Bestrebungen der Zionisten, ebenso wie die der Juden überhaupt, mit der neuen Verfassung in der Türkei durchaus liarinnn eren, und dass daher gar kehle Rede davon sein kann, dass die Jungtürken gegen den Zionismus auftreten müssten. Die Juden verlangen kelnerloi Privilegien, und die Nachrichten aus Koastaiitinopel lassen ja auch erkennen, dass Juden und Jungtürken gemeinsam sich der neuen Freiheiten freuen. Da die Juden in der Türkei von jeher in ihrer Politik von dem Gedanken sich leiten Hessen, dass ein starkes türkisches Reich ihr bester Schutz sei. so ist eine Kollision türkischer und jüdischer Interessen wie in der Vergangenheit so auch in der Zukui’.it ganz unmöglich. Das ist denn auch die Ansicht aller nicht extrem Chauvinistischen Jungtürken. deren es nur wenige gibt. Südafrika. Zionistischer Basar in Johannesburg. Johannesburg. Die Zionisten in Johannesburg Veranstalteten in der Zeit vom 1. bis 6. Juli einen zweiten Basar zugunsten des Nafonaltonds und der ßezalelschule, welcher zum Hauptereignis der Saison in Johannesburg wurde. ln den prächtigen Räumen der Zionist Hall, die aufs schönste mit zionistischen Emblemen und Dekorationen ausgeschmückt waren, waren in zahlreichen Buden die Verkaufsgegenstäiide ausgestellt, die einen intemational-inatioiialen Charakter airiwiesen. Aus Amerika. Deutschland, Russland und vor allem aus Palästina waren alle möglichen Beiträge zum Basar eingc'aufeii, Rahmen, Bilder, Medaillen, Drucksachen. Palüstinawein und Erzeugnisse der Beizaielschule. Die Eröffnung des Basars vollzog sich höchst eindrucksvoll. Den Basar eröffnete der Mayor selbst, eine Ehrung, die mit Recht grosses Aufsehen, erregte. Am Donnerstag abends war das gesamte Exekutivkomitee der südafrikanischen Zionistenfederation amvesend. Der wuchtigste Tag war natürlich Sonntag. An diesem Tage wurde er vom Vorsitzenden der Johannesburg Zionist Association, Mr. Graumann, mit einer wirkungsvollen Ansprache . eröffnet Während des ganzen Tages tummelten sich die Besucher, unter, denen siCh diesmal auch viele aus Prätoria befanden, in den Sälen. Nach Abzug der nicht unbeträchtlichen Kosten dürfte nach oberflächlicher Schätzung ein Ueberschuss von über 5000 Mark bleiben, ein Resultat, zu dem man den United Jewish National Club, unter dessen Auspizien die Veranstaltung stand, vom Herzen beglückwünschen kann. * * * Kapstadt. Die neunte Jahresversammlung der Do;rschei Zion Associaton fand am 21. Juni statt. Die Wahl ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstandes. 'Rechtsanwalt Alexander hielt eine warme Ansprache an die Versammlung. Fiir den Parteifonds wmrde gesammelt. Palästina. Vom Palästinarat. Die „Welt“ meldet aus Jaffa: Auf mehreren Sitzungen befasste sich der Palästinarai mit dem ihm vom Odessaer Komitee vorgeleglen Etat für das Jahr 1908,09. In erster Reihe handelte es sich um die Frage, ob und in welcher Form das Informationsbureau weiter bestehen soll und ob durch Ausscheidung eines Teiles der Agenden des Vertreters der Choxvewe Zion in Jaffa auch die Ausgaben dieses Bureaus sich verringern wurden. Von einigen Herren wurde die Ansicht vertreten, dass infolge des Rückgangs der Immigrationsbewegung der weitere Bestand des Informationsbureaus sich erübrige; andere Mitglieder dagegen meinten, dass sämtliche Angelegenheiten des Schulwesens, die den Hauptteil der Tätigkeit der Chowewe-Zion umfassen, dem palästinensischen i Jahresverband zu übertragen sind. Zuletzt wurde beschlossen, das Informationsbureau dem Bureau der Odessaer Komitees einzuverleiben und seine Leitung dem Vertreter des Komitees zu unterwerfen und auch die Geschäftsstelle des Geulah mit dem Bureau der Ghowewe Zion zu vereinigen. Die regulären Ausgaben des Odessaer Komitees für palästinensische Zwecke betragen an 75.000 Frcs., wovon fast */« Subventionen von Schulen . und ■ Ausgaben . zur Förderungliterarischer Publikationen und Unterstützung von'Bibliotheken betreffen. Von den Schulanstalten erfordert die meisten Kosten die ausschliesslich vom'Odessaer Komitee unterhaltene und seingut geleitete Mädchenschule in Jaffa, deren Jahresetat etwa 25.000 Frcs. beträgt. Fast 300 Kinder erhalten in dieser Schule eine gute allgemeine und naüonaljüdische Ausbildung. Das Hebräische Gymnasium erhielt im letzten Jahre eine Subvention von 3000 Frcs. vom Odessaer Komitee, die im nächsten Jahre auf 5000 Frcs. erhöht werden soll. 9000 Frcs. betragen die Subventionen für Schulen in den Kolonien und über 2000 Frcs. die Beiträge an Kindergärten. Die Ausgaben für kommunale Interessen in einigen jüdischen Kolonien betrugen im verflossenen Jahre an 6000 Frcs. und sollen nächstes Jahr auf etwa 4500 Frcs. reduziert werden. * * * Ein Fremdenblatt für Palästina. Der Herausgeber der „Aepyptischen Nachrichten,“ F. Köhler, wird vom 1. November ein in deutscher Sprache geschriebenes Fremdenblatt für Aegypten und Palästina erscheinen lassen. Es soll an alle an Land gehenden Reisenden in den Häfen von Alexandrien, Port Said, Jaffa, Haifa, Beirut und Konstantinopel unentgeltlich verteilt werden. Ausserdem wird es auf allen Schiffen aufliegen, die das Milteimeer befahren. * * * Einwanderung nach Palästina Fünfzig jüdische Familien aus Bukowinischen Dörfern haben beschlossen, nach Palästina auszuwandern. Es sind grösstenteils wohlhabende Familien, und sogar die ärmeren von ihnen verfügen wenigstens noch über einige tausend Kronen. Sie haben sämtlich die Absicht, sic-i in Palästina als Kolonisten niederzulassen. Da es sicli fast durchwegs um gesunde, kräftige Landbewohner handelt, so dürften die Leute für die jüdischen Kolonien ein ausserordentlich wertvolles Material darslellen. Der „Rasswjet“ meldet aus Jaffa, dass die jüdische Einwanderung nach Palästina in den letzten Wochen rapid steigt. Fast jede Woche kommen mit den russischen Schiffen 50 bis 60 Emigranten. Das letzte Schiff brachte deren hundert, darunter 40 grusinische Juden. Die Ankömmlinge erzählen, dass sich 20.000 Gebirgsjuden (Grusinen) zur Auswanderung nach Palästina rüsten. Die; Grusinen ragen durch ihre körperliche Kraft und Gewandheit hervor. * * * . Palästina, Zeitschrift gewidmet der Palästinaarbeit. Die zweite Nummer dieser vortrefflichen polnischen Palästinazeitschrift, ist erschienen. Die beachtenswertesten Beiträge sind die Arbeit Adolf Böhms über die Palestine Land Developement Company und die lehrreiche Abhandlung über „Die Clialukah und ihre Reform“ von Pastor Eberhard. Hierauf folgt ein gediegener Aufsatz Dr. Hillel Joffes über Palästina und seine sanitären Verhältnisse. Ausser weiteren drei grösseren Arbeiten, findet man noch viele kürzere Berichte. Es . sei besonders auf den Bericht von Bach über Auhagens Beiträge zur Kenntnis Syriens und das Referat von Rosenfeld über Hermann Gulhes Palästina hiugewiesen. * * * Die mit einem österreichischen Schiffe in Jaffa Ankommenden (Einwanderer oder Touristen) werden darauf aufmerksam gemacht, dass sie für Einbarkung und Gepäcksbeförderung im Hafen von J.ffa nicht mehr als 3 oder 4 Francs (je nach der Menge des Gepäckes) zu bezahlen haben und dass sich überdies auf jedem österreichischen Schiffe Vertrauensleute des österreichischen Komitees befinden. Komitee der österreichischen Juden in Jaffa. Liste der Überläufer. Vom 5. bis 12. August 1908. Sigmund Kohn, 1870, Wien, verli., Kaufmann, XVllI., Sclnvendeweingasse 6. Edith Klein, 1883. Wien, ledig, Private, I., Graben 28. Leb Buchsbaum, 1882, Jtozhadow (Bez. Pomorzany, Galizien), ledig, Infanterist, XIII. Bez. Infanteriekadettenschule, Breitensee. Elsa geb. Gutmann Blumenthal, 1881, Wien, verli., Private, XIII., Einsiedeleigasse 9. Karoline Wengraf, 1845, Wien, ledig, öffentl. Gesellschafterin der Firma Wengraf-Platzer VI., Sclimalzhofgasse la. Alfred Bodenstein, 1875, Wien, ledig, .VII. Bez. Zollergasse 36. , t Dr. Salvator Maximilian Thenen, 1872, Körmend (Ungarn), verli., Privatier, XII., Rosenhügelg. 3.

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