Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 31 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Bl Seite 5 JÜDISCHE ZEITUNG Jätareskonferenz der amerikanischen Zionisten. Am 10. Juli fand in Atlantic City die XI. Jahreskonierenz der amerikanischen Zionisten statt, -zu der sich zahlreiche Delegierte aus ganz Amerika eingefunden hatten. Vom Präsidenten Wotifsolin, Dr. Nordau und Ing. Ussischkin sind Begriissungsschreiben eingetroffen. Ueber den Verlaut der Konferenz werden wir in der nächsten Nummer berichten. * ■* * „Der Jüdische Klub“. Eine gediegene und sachlich geschriebene Publikation über die Teilnahme der österreichischen Juden an der inneren Politik vom Jahre 1867 bis zum 1. Mai 1908 ist dieser Tage von dem Buczac z e r Kreiskomitee herausgegeben worden. Die Publikation zerfällt in zwei Teile. Im ersten Teile wird in Kürze die Politik dar Assimilation dargestellt unid auf alle ihre Schäden, aaii die unglückselige Haltung der verschiedenen jüdischen „Volksversorger“ in den Landtagen und im Reichsrate hingewiesen. Der zweite umfangreichere Teil der Publikation hat den Reictenatsa-bgeoraneten Dr. Heinrich Gab ei zum Verfasser. Einleitend schil- ■ dert er die Entwicklung des zionistischen Gedankens in Oesterreich, mit dem Jahre 1892 beginnend. Er verfolgt alle wichtigen Ereignisse und gibt eine Geschichte der Gründung dar jüdisch e n N a ti o n a 1 p a r t e L Es folgt sodann eine kurze Schilderung des ersten Wahlkampfes und' die Geschichte der Entstehung des „J ü d i s c h e n Klubs“. Den grössten Raum nimmt die Berichterstattung über die Tätigkeit des „Jüdischen Klubs“ vom Tage seiner Gründung bis zum 1. Mai d. J. ein. Alle eingetorachten Anträge und Interpellationen sind: zumeist im Wortlaute wiadergegeben. Das Programm des „JüdischenNationalvereines“ und der galizischen „Teeh ijah“ findet eine ausführliche' Würdigung. Die Reden, welche die Mitglieder des Klubs im Parlamente und auf dem Haager Kongresse gehalten haben, sind wortgetreu wiedergegeben. Die Publikationgewährt vermöge ihres leichtfassHchen - und vplkstümlidiieu Charakters den, breiten Massen genauen Einblick in. die jüdischnationale Politik- Der billige Preis der -Broschüre (40 Heller) ermöglicht jedem die ‘Anschaffung. Sie hat alle Eigenschaften eines Volksbuches in bestem Sinne des Wortes. Ihr Zweck ist: die Erziehung der jüdischen Massen zu konsequenter Politik auf jüdischnationaler und radikal-demokratischer Basis. . Korrespondenzen. Eine Kataalstat. Frieüek. (Orig.-Korr.) Seit drei Jahren verlangen' -die hiesigen Zionisten durch ihre Freunde . im Kuitusausschusse die Eintragung unseres verewigten. Führers Dr. Theodor HerzI in die Bhrenhaskara der Gemeinde, eine Ehrung, -die unserem unvergesslichen Toten von den meisten österreichischen KuitusgemCinden zuteil wurde. Bei uns wies man dieses Verlangen stets mit der Begründung zurück, dass nach den Statuten der Kultusgemeinde nur um Ute Gemeinde verdiente Männer auf diese Weise geehrt werden können. Dr. Theodor HerzI hat sich nach der Auffassung dieser Herren soldhe nicht erworben, und 'kann daher in die Ehrenhaskara nicht eingetragen werden. Bis heuer hat man uns jedoch wenigstens die Abhaltung eines Trauergottasfdiejnstes am Sterbetage im Tempel gestattet. Heuer wunde ein diesbezügliches’ Gesuch der Jüd.-akad. Ferialverbindung „Hasmonäa“ vom V.o r st eh e r -ei ge-n m ä ch t i g m -i t d e r Begründung zu rüc kge wi esen, dass nach den Satuteu ein -Jahreszeitgott esdi e nst nur den Geme indemitgliederti, d. i. Steuerzahlern, bewilligt werden könne. Wir enthalten uns darüber jeder agressiven Aeusserung und das Vorgehen dieses Herrn überlassen Wir beruhigt der öffentlichen -Meinung zur Beurteilung. Die gut jüdische Bürgerschaft Friedecks floss es sich natürlich nicht nehmen, die Gedächtnisfeier äbzuhalten, wenn auch die Tore des \ Gotteshauses durch das Machtwort des Kuitusvorstehers verschlossen blieben. Herr Kultusvorstjher Adelt Re.k wird in der nächsten Sitzung das Vorgehen des Vorstehers zur Sprache bringen. Wir sind gespannt, wie dieser seine Handlungsweise rechtfertigen und wie sich der Kultusvorstand hiezu verhalten wird. —ur. Bukowina. Jüdische Sprachkonferenz. Czernowitz. Das vorbereitende Komitee der „Jüdischen Spracfokoirierenz“ versendet folgendes Zirkular: „Um die Entwicklung der jüdischen Sprache zu fördern wird für den 3.—7. Elul (30. August bis 3. September 1908) eine Konferenz nach Czernowitz (Bukowina) einberuren, auf der folgende Themen zur Behandlung gelangen werden: 1. Jüdische Orthographie; 2. Jüdische Grammatik; 3. Fremdworte und Neubildungen; 4. Jüdisches Wörterbuch; 5. Jüdische Bibelübersetzung; 6. Die jüdische Jugend u n d d i ej ü d i s c h e S pir a c b e; 7- Jüdische Presse; 8. Jüdische Bühnen u n d jüdische Schauspieler; 9. Die ökonomische Lage der jüdischen Schriftsteller; 10. Oekonomische Lage der jüdischen Schauspieler; 11. Die Anerkennung der jüdischen Sprache; 12. Literarisches Eigentum und sein V e r s i c her u n g sr e c h t. — Wer an dieser Konferenz Anteil nehmen will, möge seine Adresse der „Jüdischen Sprachkonferenz-, Czernowitz“ bekanntgeben und für die Kosten der Vorbereitung den Betrag von 5 Kronen einsen-den. S. J. Ab:rähamowicz (Mendele rr.ocher sforim), Odessa; Schalom Asch (Kazimierz); S. J. Anoc-hi (Wilna); S. A r s k i (Wilna); Dr. Natan Birnbaum (Mathias Acher, Wien); Jakob Drnesoh n (Warschau); M.* G ordi n (Newyork); A. Weiter (Wilna); M. Wintschewski (Newyork); Dr. Ch. Zitlowski (Newyork); A. L. Taubes (Czernowitz); Aka-d. Verein „Jüdische Kultur“ (Wien); A. Katz (Newyork); J. A. Loubetzky (Wien); Matthias Mises (Przemysl); Ch. D. Nammberg (Wilna); Dr E1 i a s c h o w (Kowno^j;J:;L. Perez (Warsdiau); M. N. Brainit» (Petersburg); Abraham Reisen (Krakau);-Morris' Rosen re Id (Newyork); Fabius Schach (München); Dawid P i n s k i (Newyork). Deutschland. Für die jüdischen Emigranten. Berlin. Der Vertreter des Hilisvereines der deutsahen Juden und Leiter des Zentralbureaus für jüdische Auswaitderungsaagelegenhelten, Herr Paul Laskar, Hamburg, ist vor kurzem von einer mchrwöchentlichen Studienreise, die er im Interesse der jüdischen Emigration nach den Vereinigten Staaten unternommen hat, zuriiekgekehrt. Herr Laskar wurde von den dem Hiltsverein befreundeten Organisationen, namentlich von den Brrei-Brith-Logen in Amerika auf das freundlichste empfangen. Die Reise führte ihn zuerst nach Newyork, wo er sowohl auf der Einwanderungsstation Eliis-Island, wie bei den verschiedenen jüdischen Organisationen eingehende Studien über alle Verhältnisse der jüdischen Emigration zu -machen in der Lage war. In einer längeren Konferenz mit dem Einwanderungskomm'ssär Watohhorn wurden die Wünsche und öle Bedürfnisse der jüdischen Emigration besprochen. Von Newyork 'begab sich Herr Laskar nach einer Reihe anderer Einwanderungszentren, so u. a. nach Philadelphia, Gbicago, Mtnneapolis und Dusluth. In Washington hatte Herr Laskar auch eine Audienz bei dem Handelsmfinlster Osikar Strauss- und konnte dem obersten Cihei des Einwanderungs- Wesens Zwecke unkl Ziele ‘der Arbeiten des Hllfsverains auf dem Gebiete der Auswanderung, die dem flandelsrninlster nicht fremd waren, näher darlegen. Ueberall hat Herr Laskar feststellen können, dass die Tätigkeit des HUfsvereins zugunsten der Emigranten von unseren amerikanischen Glaubensgenossen und auch vor den amerikanischen E'lmvanderungsbehör-den dankbar anerkannt und als ein grosser Segen für die gesamte ifwBsche Auswanderung empfunden wird. Die reichen Erfahrungen, die Herr Laskar durch seine Besprechungen mit den massgebenden jiidschcn -Kreisen und den zuständigen Behörden gesammelt hat, werden ohne Zweifel für die jüdische Emigration gute Früchte tragen. Russland. Russische Immunität. Petersburg. Gegen den iriiheren Abgeordneten, vereid. R.-A. S. J. Rosenbaum (aus Minsk), Mitglied des zionistischen Aktionskomitees, war wegen Unterzeichnung des Wiborger Auirufes ein d.sziplinares Verfahren eingeleitet worden. Das Bezirksgericht und der Appellhof hatten in ihren Urteilen es nicht für nötig gefunden, irgendwelche Repressivmassnahmeii gegen ihn zu ergreiien. Der Senat hat jedoch befunden, dass Rosenbaum durch die Unterzeichnung des Wiborger Aumires zweifellos seinen Eid verletzt habe und deshalb der Ausschliessuug aus seinem Stande unterliege. Deshalb wurde das Urteil des Appelfhofes kassiert und wird die Angelegenheit nochmals zur Verhandlung gelangen. * * * Hooligans an der Arbeit. Kiew. I-n der letzten Zet wird hier der „Verband des russischen Volkes“ wiederum zu einer Gefahr. Seine Mitglieder, des Wartens auf einen passenden Pogrommoment müde, suchen Sich nun durch Einzeltaten zu entschädigen. So hat kürzlich eine Gruppe von zehn Veirbändlern, mit Schläuchen versehen, im kaiserlichen Garten alle Passanten mit der Frage, ob sie Juden oder Russen wären, belästigt und mehrere von ihnen arg misshandelt. Bin Schutzmann suchte die Verbändler zu beruhigen, aber sie verhauten auch ihn. Bis in die tiefe Nacht dauerten die Verhauungen und Prügeleien an. Pogromagitation. Nowgrad-Wolinskl. Vor einigen Tagen kam der Geistliche W 1 a d i nach Nowgrad und hielt mehrere Versammlungen ab, in denen er die echtrussischen Leute aufforderte, die Juden zu ermorden -und sich ihr Gut anzueignen. Von Nowgrad zog er in die umliegenden Städtchen, um seine „patriotische“ Agitation weiter zu -betreiben. Die Regierung und däe Polizei drucken die Augen zu und machen keine Miene, einzugreifen. Eshand l 11 sich, ja nur um Juden. Eingesendet. — » Ein Notschrei aus der Versorgungsanstalt der Israelitischen Kultusgememde Wien. Löbliche Redaktion! Seit langem sind die Juden in der Umgebung der Versorgungsanstalt gewohnt, von deren Insassen beiderlei Geschlechts angebettelt zu werden. Da mir diese Erscheinung schliesslich auffiel, stellte ich einen der bettelnden Greise , und frag *hn, wozu er denn das Geld benötige, da doch für die Befriedigung all seiner Bedürfnisse von der Anstalt gesorgt sei. Der Greis erwiderte zu meinem Erstaunen, er müsse betteln, um sich etwas Essen kaufen zu können; denn das ihm und den übrigen Pfleglingen von der Anstaltsküche Verabreichte sei ungeniessbar. Auf meine weitere Frage, ob denn keine Kontrolle der Speisen vorhanden sei, bekam ich den Bescheid, dass bie und da wohl kontrolliert werde, dass aber das Kontrollorgan stets die Kostprobe aus den Töpfen der für die Bediensteten der Anstalt vorbereiteten Speisen vorgesetzt erhält und so auch die Probe mit Recht für gut befunden wird. Mir erschien diese Darstellung ganz unglaubwürdig und forderte den Greis auf mich gelegentlich der nächsten Kontrolle rasch herbeizuholen. So geschah es auch. Ich fand die Kontrollorgane, die wie sonst das Essen approbiert hatten, noch im Hause. Als nun die Pfleglinge, darunter mein Gewährsmann, ihr Essen bekamen, kostete auch ich davon und fand die Erklärung der bettelnden Greise, dieses Essen sei ungeniessbar, vollauf bestätigt. Darnach ist das Vorgehen der Kontrollcnrgane unter allen Umständen tadelnswert, denn entweder haben sie ungeniessbares Essen für gut erklärt oder lassen sie sich durch Vorsetzung von ExtraspeiseD, mit denen die Bediensteten regaliert werden, zum Besten haltern So wurde mir auch erklärt, wieso die Präsidentin des Komitees Frau [da Diamant, im letzten Verwaltungsjahre, wie sie sich selbst rühmt, 6000 K von dem für die Versorgungsanstalt dotierten Betrag ersparen konnte, nämlich auf Kosten und zum Schaden der ihrer Obhut anvertrauten armen Pfleglinge. Alois Steiner III.. Ob. Viaduktgasse 2