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Jüdische Zeitung · 1908-07-17 · 29 (17.7.1908) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
29 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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lV?£ IWi aufdrängte ist die : Wie konnte der Kultusvorstand es.so jwMt kommen^lassen,- dass-'ein, jüdischer Seelsorger,iider ajiMuster 'der Friedfertigkeit d?stshen •srill,"alsiVeric'lger'eines Glaubensgenossen vor denk Sträfgeridhte-auitritt,' elhe er noch jedes andere Mittel^ einer-friedlichen. Austragung erschöpft hat Wajrüdöch-sörist der löbliche* Kjultusvorstätid' stets mit dem Vorwürfe des „Chiliul Haschern“, gegen die -„Jüdischen Antisemiten“, flott bei der Hand, wenn jemand gegen dre Willkür des Kahals sich in die - Öewentlidrkeit 'flüchtete! . Die zweite. Frage iist 'die: Wie konnte der Kultusyorständ dulden, dass ein Gerneindarabbirrer,. wenn. e.r schon vor den. Strafrichter trat, die Autorität dies .ahvertrauten Amtes der- Eludserunig des Wahrheitsbeweises auf so bedenkliche Art blosssteilen durfte. . Die Herren vom Kähal werden wohl zu ihrer EntschuHligüng Vorbringen, dass, sie ihren Rabbiner zur Hinausschiebung der Strafverhandlung und zur Unterwerfung, unter ein Schiedsgericht bestimmt haben. Indes trug dieses Schiedsgericht von Anfang an den Keim, der Unfruchtbarkeit in sich, da seine Kompetenz durch, den vom Vizepräsidenten Dt. Gustav Kohn »bgaiassten Schiedsvertrag nur auf die Priitung der Ehrenbeleidigung Mayersohn gegen 'Komet eingeschränkt war, während die Prüfung der von Komet gegen Mayersohn seit Jahr und Tag vorgebrachten schweren Beschuldigungen; die zum Teil krimineller Natur sind, ausgeschlossen blieb. Da nun der'Herr Rabbiner sich einer Prüfung dieser Punkte auch nicht ireiwtiilig unterwerfen wollte, hat sich das Schiedsgericht an einer erschöpfenden aussergerichtlichen Austragung verzweifelnd aufgelöst. ‘ Doch mag man auch von dem Fehler, dass die schiedsgerichtliche Kompetenz ungebührlich eingeschränkt -wurde, absehen, so erscheint von vornherein ein Sichji e[d s g e ni e h t nicht das entsprechende Organ zur Klärung e!nes derartigen Fal'es. Demi in dem Augenblicke, als schwere Beschuldigungen gegen einen. G.emeinderabbiner vorliegen, bandelt es sich nicht mehr um eine Rrivatangelegenbeit zwischen zwei streitende^ Parteien, sondern um eine Angelegenheit von eminentem öffentlichen Interesse. Für solche Fälle, wenn gegen 'einen Rabbiner der Verdacht besteht, dass er das Strafgesetz, seine Amtspflichten oder auch nur „die Ehre und 'die Würde seinen Standes verletzt“ 'hat, normiert § 42 des Kultusstatutes, dass über Antrag des Vertreterkollegiums vom Gesamtvorstand unverzüglich die Disziplinäruntersuchung eingeleitet werde. Trotzdem nun sowohl der unmittelbare Vorgesetzte des angeschuldigten Rabbiners, Herr Qberrabbimsr Güdemann, als auch der Kultuspräsident und der Vorstand selbst schon seit zwei Jahreij 'in den Eingaben Komets präzise Beschuldigungen gegen die Amtsführung Mayersohns vorliegen haben, ist bis heute der einzig zulässige Weg der Disziplinaruntersuchung nicht beschatten worden. 'Dieser Weg ist aber heute um so unausweichlicher, als Herr Mayersohn die ihm vor Gericht -gebotene Möglichkeit, den Wahrheitsbeweis Koinets Lügen zu strafen, vereitelt hat und ais noch neue gerichtliche Skandale drohen, indem noch weitere Belekfögungsprozesse wegen schwerer Anschuldigungen, die auch von anderer Seite gegen Herrn Mayersohn. erhoben wurden, im Zuge sind. Es ist nioht abzuseihen, welcher Schmutz noch zur -Beschämung der Juden, und zum Gaudium der Antisemiten wirjdl auf gewirbelt, werden, wenn der'Kultusvorstand sich nicht im letzten Moment aus seinem Sommerschlaf aufrafit und, seiner prtafitivsten. Pflicht eingedenk, durch Einleitung einer -Disgiplinaruntersuchung .gegen Herrn Rabbiner Mayersohn Klarheit sohafrt, Ob diesem die Achtung seines Amtes oder abec die Entlassung gebührt. Nuir dieser Weg kann: der-' Gemeinde die. nötige Beruhigung wüedledbringen. Dr. Egon Zweig. 0.kÜ |H S5 Jp il E-. »Z E I -T-U N G Palästina. Mitteilung des Hauptbureaus des. „Vereines . Oelbaumspende“ (E. V.) 1. Unser Verein »Oelbaumspende“ (E. V.), der sich der Bepflanzung Palästinas mit fruchttragenden Bäumen, besonders mit dem m Palä- . stina einheimischen Oelbaum^, zur Aufgabe macht, kann seinen Mitgliedern und Spendern mitteüen, dass die bisherigen Anpflanzungen des Vereines in Palästina sich recht gut entwickeln. Auf dem von Herrn Goldberg in Wilna dem Jüdischen Nationalfonds geschenkten . Terrain in Chedera sind 110 Dunam im Frühjahr 1907 mit Oliven bepflanzt worden. Die Bäumchen sind so gut gewachsen, dass im Frühjahr 1908 bereits der grösste Teil derselben gepfropft werden konnte. In Lydda hat der Verein eine Baumschule angelegt, aus der das Pflanzmaterial für den Herzlwald gewonnen werden soll. Auch der Stand dieser Baumschule ist sehr befriedigend. 2. Ferner erlauben wir uns mitzuteilen, dass der Vorstand unseres Vereines in seiner Sitzung vom 26. Juni beschlossen hat, behufs Aufnahme einer umfassenden Propaganda sowie pünkthsher Versendung der Diplome und Quittungen vom 1. Oktober d. J. an eine besondere Sekretärin anzustellen. Es hat sich nämlich gezeigt, dass es dem Personal des Palästinaressorts, das seit Jänner von der Agitation für^die P.L.D.C. sehr in Anspruch genommen ist, unmöglich ist, die umfangreichen schriftlichen Arbeiten unseres Vereines pünktlich zu erledigen. Die rückständigen Diplome und Quittungen für die Zeit von Jänner bis Oktober d. J. werden daher den Spendern erst im Oktober zugehen. Der Vorstand des Vereines »Oelbaumspende“ (E. V.) gez. 0. Warburg. Das jüdische Technikum. Jerusalem, 25. Juni: Es verlautet hier, dass der »Hilfsverein der Deutschen Juden“ den endgültigen Beschluss gefasst , hat, die technische Schule in Haifa zu begründen und'nächstens das: Terrain für diesen Zweck dort' anzukaufen. Die Jesüsalemer Bevölkerung* fühlt sich natürlich durch diesen Beschluss ^ehri unangenehm- - betroffen. Küstenbahn Beirut-Haifa. Wie verlautet ist eine Konzession für die Kleinbahn Beirüt-Haifä erteilt worden, und zwar an dasselbe Syndikat, das auch die Strassenbahn in Beirut unternommen hat. Von anderer Seite wird berichtet, dass die Konzession für die ganze Strecke Beirut-Jaffa verteilt sei, dass aber vorerst nur die Strecke Beirut-Saida-Haifa in Angriff genommen werden soll. Die Aussichten dieser Linie werden hier zunächst skeptisch beurteilt. Sie muss die billige Konkurrenz der Küstenschiffahi t aushalten und kann ausser auf der kurzen Strecke Beirut-Saida kaum auf irgendwelche Massentransporte rechnen, da bedeutende Ortschaften an der Küste nicht vorhanden sind. Vollendung der Hedschasbahn. Ueber den Stand der Mekkabahn wird aus Konstantinopel gemeldet: Nach einer amtlichen Mitteilung wird der Bau der Mekkabahn, da die Schienenlegung in einem Monat bis Medina fertig ist, bald vollendet sein. Die Einweihung der Bahn findet daher am 1. September,, dem Tage der Thronbesteigung des Sultans, statt Die Mitteilung besagt weiters, dieses Ereignis erfülle das Herz des Kalifen mit grosser Freude, der Gott danke, dass er ihm einen so grossen Erfolg gegönnt habe. Der »Ikdam* sagt in seinem Leitartikel, diese Kunde werde in der ganzen islamitischen Welt mit grosser Dankbarkeit aufgenommen. Der Sultan ist darüber hoch erfreut, weil dieser grosse und heilige Erfolg bisher keinem islamitischen Herrscher, keinem Kalifen gegönnt war. Eine neue Orient-Handelsgesellschaft -• In Warschau hat sich eine neue Kommanditgesellschaft unter der Firma. »Societe-Orient* gegründet, deren Zweck die Aiisfuhr von Waren aus Russland nach dem Orient und umgekehrt ist. Die Gesellschaft hat in Jaffa eine Niederlage. * * v ln P-e Jach-Ti kwäh ist einervder ersten Gründer der Kolonie, Herr Stampfer, gestorben. Zu Fuss aus Ungarn nach Palästina eingewandert, wandte er sich sofort der-Landwirtschaft zu. Er war ein energischer Mensch- und Petach-Tikwah hat ihm viel zu verdanken. Seihe Liebe zu Palästina' war so gross, dass er in der Kolonie blieb, als sie infolge von Missernten nahe daran war, unterzugehen. In den letzten Jahren war Stampfer Seife 7 Vorsitzender des Gemeinderates der Kolonie. Zu seinem Leichenbegängnisse fanden sich auch viele Kolonisten aus anderen Kolonien ein. Die Bewohner von Petach-Tikwah beschlossen eine vierwöchentliche Trauer anzulegen. * * * In den letzten Wochen kamen mehrere jüdische Familien aus dem Kaukasus nacli Palästina an. Ungefahr tausend Familien, darunter einige recht wohlhabende erklärten sich bereit, ihre Häuser und Felder im Kaukasus zu verkaufen und nach Palästina zu übersiedeln. Eine Gruppe dieser Juden steht mit der Jca in Unterhandlung. Sie verlangen, dass' die Jca ihnen Land in der Gegend von Tiberias gegen Ratenzahlungen überlasse. * * * Die unter der Leitung des Herrn Israel Beikind stehende landwirtschaftliche Schale »Kirialh-Safer“ ist bereits eröffnet. Sie zählt vorläufig 17 Schüler, doch wird sich diese Zahl in kurzer Zeit verdoppeln. Als Lehrer wirkt Herr Wilkowsky, der seine landwirtschaftlichen Studien in Deutschland absolviert hat. Korrespondenzen. Galizien. Ein pfiffiger Rektor. Lemberg. (Orig.-Korr.) Vor einigen Monaten ersuchten die jüdlsohnationalen Studenten den Rektor der Lemberger Universität um Ueberlassung eines Saales zur Abhaltung einer Versammlung betr. AiKrkeamuing der jüdischen Nationalität Der Rektor ersuchte, von der Abhaltung einer Versammlung abzustehen und eine schriftliche Eingabe an das Rektorat zu überreichen. Die Studenten folgten dem Rate des Rektors. Jetzt erst erfolgte die- Erledigung der Eingabe. Die Antwort des Rektors tarntet: „Auf Ähre Eingabe beehren wir uns, Ihnen mitzutevlen. dass wir uns noch im vorigen Jahre in d eser Angelegenheit an das Min.'steuium gewendet haben und dass bis zum heutigen Tage die Erledigung aussteht“ Aus dieser Antwort geht hervor, dass der Rektor die jüdischen Studenten genasführt hat Aus diesem Grunde erledigte er auch die Eingabe knapp vor Schluss des Schuljahres. Der Rektor ist aber im Irrr tum, wenn er glaubt, durch solche Mittel die Anerkennung der jüdischen Nationalität an unserer 'Hochschule verhindern zu können. Im Herbste wird der Kampf mit erneuter Kraft aufgenommen werden. * * * Aus den galizischen Badeorten. Lemberg. In Galizien erzählt man sich eine bezeichnende Anekdote. 'Ein polnischer Edelmann fand, von Fehden verdeigt, im Mause eines Juden Zuflucht Als die Feinde fort waren, meldete der Jude seinem Schützling, dass er das Versteck verlassen könne. Der edle Schlachzize im Ofen aber fuhr den Juden an: „Hut herunter, und drei Schritt'vom Leibe, wenn du mit mir sprichst!“ Die Berichte aus den galizischen B?deoFten hvonlcz, Szcza-wnlca etc. erinnern lebhaft an dieses Geschichtchen. Das Giros der Kurgäste besteht aus Juden. Die Kurverwaltung, die somit von Juden lebt lässt aber keine Gelegenheit vergehen, ohne diese zu schikanieren. Jüdischen Kurgästen wird die freie Benützung der Parkanlagen erschwert, trotzdem sie von der Kurtaxe nie befreit werden. Jüdischen Aerzten werden keine Wohnungen vermietet, für die christlichen dagegen die schönsten Wohnungen im Kurhause reserviert. Ohne die jüdischen Kurgäste könnte die Iwoniczsr uiii Szczawnicer Kurverwaltung ihre Buden sebiiessen. Man lockt auf jede mögliche Weise, die Juden heran, und hat man sie dort und gehörig gerupft, werden sie gesellschaftlich geächtet und brutalisiert. Es gilt eben das Sprüchlein: „Jude! Drei Schritt vom Leibe, auch wenn ich von dir lebe!“ Der edle Schlachziz im . Ofen muss ein Ahne der ebenso edlen Gräfin Z aluska sein. So heisst nämlich die Bes'tzerin von Iwonicz. * ' * * Folgen der Moschkopolitik. Aus Sniatyn wird uns gemeldet: Bei den letzten Wahlen in den Landtag unterstützten unsere Mosch'kos den 'berüchtigten Moysa, der auch

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