Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 29 (17.7.1908)
- Date
- 1908-07-17
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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unter Anwendung der landesüblichen.Mittei gewählt wurde.. In dein Städtchen R o z.n 6 w leitete ein Moschho die ganze Wahlakten und brachte dadurch die Ukräinen in furchtbare Erregung. Diese beschlossen, an dem Wiahlsdhwindler Rache zu nehmen. Vorige Woche ging nun der jüdische Schneider Gold ne r um 11 Uhr nachts nach Hause. Goldner sieht dam Wahlmacher sehr ähnlich. Ein ruthenischer Bauer hielt ihn für die Kreatur Moysas, überfiel ihn und verletzte ihn. mit einem. Messer. Der anme Mann cst niin seinen Verletzungen erlegen und hinterlasst eine Witwe urd 8 kleine Kinder. Wir können zu diesem traurigen Vorfälle nur hinzufügen: das Blut des armen Schneiders möge über alle diejenigen, kommen, welche die Juden in.die unglückselige Moschfco- PoJit.'k hvneingehetzt haben. * * * Bukowina. Ein neues Heldenstück des Wiznitzcr Rabbi. Wiznitz. Ein ungarischer Jude fand ln einem gelehrten Talmudsehüler den passenden Bräutigam für seine Tochter. Der junge Mann ist begeisterter Zionist. Vor der Verlobung fuhr der ungarische Jude zum Wiznitzer Rabbi, um dessen Segen für den Bund zu errletai. Er kam aber schön an, als der Rabbi erfuhr, dass der zukünftige Eidam Zioöist sei. Wutschnaubend gebot der. Zadik:. der ungarische Chamid möge zuvor von dem Bräutigam eine schriftlich e'Erklärung verlangen, dass er demZionismusfü r immer entsage. Selbstverständlich ging der junge Mann auf diese Bedingung nicht ein und das Verlöbnis wird in dfe Brüche gehen. Der Rabbi von W’iznitz hat wieder unzweideutig bewiesen, wie unerbittfich sein Zoni gegen die Z'caristün ist. Diese Konsequenz zeigt der Wiznitzer Zadik nicht in allen- Dingen. So z. B. lebt er mit dem jetzigen Kultusvorsteher von Wizrf.tz auf bestem Eusse, trotzdem er sich vor einigen Jahren geweigert hatte, bei einer Bescbireidungsfeier im. Hause desselben Kultusvörstehers zu erscheinen,;,we'.i das Kind zu einem „Chaserfresser" Iheranwachsen würde“. Andere Zeiten, andere Lieder! Jetzt' äst '.der* „Chaserfresser“ Kultusvörstand und der Rabbi ist sein vertrautester Hausfreund. Konsequent ist Idas nicht aber praktisch. Denn jetzt machen sie einträchtig Front gegeai die Zionisten. Das zionistische Distriktskomitee in Tarnopoi sendet uns folgendes Communique: Im vorigen Monat fanden in Tarnopol die Gemeinderatswahien für den dritten Wahlkörper statt. Das zionistische Distriktskomitee für Podolien hatte den 'Beschluss gefasst an den Wählen keinen aktiven Anteil zu nehmen. Dieser Beschluss des podoKsohen Distriktskomitees bot der sozialistischen unb polnischen Presse einen willkommene« Anlass, Gerüchte auszustreuen, die geeignet sind, das verhalten des D.-K. in einem schiefen' Lichte erscheinen zu lassen. Zur Steuer der Wahrheit sieht sich das zionistische D.-Kfür Podolien verpflichtet folgendes zu erklären: Das D.-K. nahm von der aktiven Beteiligung an den Gememderatswahlen Abstand, weil es keine' Aussichten auf Erfolg hatte (im dritten Wahlkörper stellt sich das Verhältnis der jüdischen zu den nichtjüdisehen Stimmern wie 13:40) und kompromittierende Kompromisse scheute. Es konnte keineswegs mit assimilatorischen Kandidaten Zusammengehen und wollte auch nicht mit den Rutherien paktieren, die selbst nach Ansicht ihrer Führer in diesem Fall ganz unverlässlich erschienen. ' _ Inzwischen trat ein .Herr Dr. Isafc Blemirier als jüdisch-nationaler Kandidat auf. Dr. Blemmer gehört keiner Partei an, nennt sich aber einen Natiohaljuden und spielt sich als den Führer einer — gar nicht bestehenden jüdischen Nationalpartei auf. Seinerzeit gelangte Dr. Blemmer mit Hilfe der Zionisten, die!in Ihm eine Arbeitskraft gewonnen zu haben glaubten, in den Kultusrat. Nach einem Jahre könnte sich aber die zionistische Partei überzeugen, dass Dr. Blemmer die in ihn gesetzten Hoffnungen nicht rechtfertige, hingegen von Zeit zu Zeit immer wieder auf der Bildfläohe erscheine, um im Namen einer nichtorganisierten nichtexistierenden Partei zu sprechen. Aus diesem Grunde hielt sich das ^zionistische D.-K. von Dr. Blemmer fern; dies musste "es umso mehr tun, als Dr-Blemmer in der Gesellschaft von .aiusgesprocheen Assimilanten als Kandidat für den Getmeinderat auftrat und es widerspruchslos duldete, dass sämtliche dem Zionismus feindlichen Elemente' sich um ihn,scharten und ihn gegen die Zionisten ausspielten. Nichtsdestoweniger verhleit sich das D.-Kpassiv;. es agitierte nicht gegen Dr. Blemmer, sondern überiiess ihn seinem Schicksale. - Die Tatsache, dass sich das D.-Kvon Dr. Blemmer lossagte, gab aber verschiedenen zweifelhaften Elementen Anlass, gegen die Zionisten zu hetzen und sie zu verdächtigen. Notorische Mosdhkos und korrupte Sozialdemokraten inszenierten gegen die Zionisten eine schmähliche Kampagne und scheuten nicht davor zurück, gegen den Obmann des D.-K. Verdächtigungen auszustreuen. Diese Kampagne hat ihre Ursache lediglich darin, dass sich das D- Kweigerte, den AssimiKanten und Sozialdemokraten zuliebe Dr, Blemmer und seinen assimilatorischen Nebenkandidaten Unterstützung zu gewähren. Die zionistische Partei durfte aber keineswegs Leute unterstütze«, die nickt in der Organisation stehen, für sie nicht arbeiten und ihr nicht verantwortlich sind. Die zionistische Organisation anerkennt bloss organisierte -und verantwortliche Arbeiter und verwirft unbedingt die Gemeinschaft mit unverantwortlichen Elementen, die sich zu Volksführerri, aufwerfen. : - Das zionistische D.-K. für Podolien: Dr. Israel W a 1 d m a n n, Obmann. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Verein Pöaie Zion.) Samtag, den 18. d um 8 Uhr abends, find et. jm Cafe Stefanie, II., Stefanie- Strasse 2, eine .intime .Absctiiedsfeierstatt, zii Ehren des Kollegen Grösst der. Wien 'verläss!.'Die- Pärtei-: genossen werden dringend ersucht, aus diesem Anlässe'vollzählig zu erscheinen. Wien. (Verein Poale Zion.) Anlässlich der lotenfeier für Theodor Herzl versammeln sich die Mitglieder der Poale Zion Sonntag, den IS. d um 8 Uhr vormittags beim Cafe Stefanie zum gemeinsamen Abmarsch zum Döblinger Friedhof. Friedek. Die .jüd.-akad. Verbindung „Ivria“ in "Wien und die jüd.-akad. Ferialverbindung ,Hasmonäa“ in Friedek veranstalten Samstag, den 6. September in Friedek einen Festkommers. Trautenau. Der zionistische Volksverein „Theodor Herzl“ veranstaltet anlässlich der Wiederkehr des Todestages Theodor Herzls Samstag, den 18 Juli, eine Trauerfeier mit folgendem Programm: I. Tra u eran dacht im Tempel in Trautenau, Beginn 8 Uhr abends. II. Gedächnisrede, gehalten von Herrn Dr. Emil Margulies im Hotel „Union“, Beginn 3/*9 Uhr abends. Jedermann hat freien Zutritt! Wien. (Verein „Theodor Herzl“.) Zum Ferialleiter wurde Herr Hugo Zuckermann bestellt Adresse für alle Sendungen ist IX., Wasagasse 4L PresSburg. Ueber Einladung des dortigen Vereines „Ahawatb Zion“ unternahm Sonntag, den 12. d. eine stattliche Anzahl Wiener Gesinnungsgenossen einen Ausflug mittels Donaudampfers nach Pressburg, wo sie von dem Festkomitee feierlich empfangen und in die schönen Vereinslokalitäten -geleitet worden. Die warmen Worte der BegrüssuDg seitens des Vereins-Präsidenten Herrn Samuel Bettelheim wurden-von Dr. Zweig als'dem Vizeobmann des ioneröst. D.-K., sowie von den Vertretern des I. Wiener Jüdischen Turnvereines, dessen Damenriege, der Studenten und. der „Poale Zion“ in brüderlicher Herzlichkeit erwidert. Das „blauweisse Sommerfest“ hielt in den schattigen Gartenanlagen des Hotels Bellevne die Pressburger und ihre Wiener Gäste hei Musik und -Chorgesang bis zum späten Abend beisammen. Der regen Propaganda der Wiener jüdischen Turner scheint als: dauernder Erfolg die Gründung eines - Pressburger Jüdischen Turnvereines zu winken, für den sich bereits eine ganze Anzahl männlicher und weiblicher Mitglieder gemeldet haben. Prag. (Jüdiscbnationale akad.-techn, Verbindung „Barissia“). In die FeriaUeitnng wurden die B. B. J. U. G. Jaro Stein und jur. Otto Stern gewählt Die Ferjaladresse, an welche alle Zuschriften etc. zu richten sind, ist: J. U. C. Jaro Stein, Prag, V., Zigeunergasse 13. Berlin. Die Alliance Jsraelite Universelle hat für die Fenerbescbädigten in Wolkowisk (Gouvern. Grodno) eine Unterstütznog von 2000 Frcs. bewilligt. wurde über j.iaucztei«t,y wamatagi des. hier bestehenden Anregung jüd. Frauen- und' Mädchen Vereines: „Rath“ eine . Trauerfeier für Dr. Theodor Herzl abgehaUen., Be- , -such und .Verlauf Hessen nichts zu wünschen.übrig. Die Trauerrede hielt das Mitglied der,' akad. Verbindung „Hasmonea“ (Czernowitz) Herr A ir j e. Ein gntgeschulter Chor Unter Leitung des Kantors Lern er saiig das „El mole rachrniri.“. l:i . Wir werden um Veröffentlichung folgender Erklärung^ ersüclit: Sehr geehrter Herr Redakteur! Ich erkläre hiermit, dass ich in meinen Vorträgen über meine amerikanische’ Reise bezüglich des dortigen Judentums, keinen anderen Standpunkt eingenommen habe, als in jenen Yorträgenj, die ieli iii Amerika selbst hielt. AVas ich dort am amerikanischen Judentum lobte, lobte ich hier und was ich liier tadelte, fürchtete ich dort nicht zu -tadeln. Die Behauptung des Gegenteils, die nun in manchen amerikanisch jüdisclienBlättern auftaucht, beruht entwederaut Unfähigkeit der Urheber, zu verstehen, was ich sagte, oder auf bösem AVillen. oder auf beidem. Mit vorzüglicher Hocliachtung Dr. Nathan Birnbaum.^ Bücher- und Zeitungsschau. Spinoza. Sein Leben und seine' Philosophie, von Dr. Ludwig Sehrihg. (Verlag Henmann Seemanns Nachfolger, Berlin und Leipzig. Preis 1 Mark.) Klar. einfach und übersichtlich wird uns in diesem Buche das Leben und Wirken dieses „ethisefhen Genies unter den Juden“ — wie der Verfasser Spinoza nennt — dargestellt. Wir lernen den grossen Philosophen aus dieser ruhigen, sachlichen und streng objektiven Biographie viel besser kennen, als aus dem umfangreichen Werke Freudenthals oder gar aus den Romanen von 'Auerbach und Otto Hauser. War lernen ihn kennen und, mag uns sein philosophisches System befriedigen oder nicht, lieben und bewundern. Die vollständige Harmonie zwischen seinem Denken und seinem Leben ergreiit uns und wir müssen uns in Ehrfurcht vor diesem Manne beugen,- dessen Wesen so ruhig, stolz, vornehm und — es sei ausdrücklich hervorgehoben — so j ü d i s c h war. Seit Maimonides. .und Halevy hatten wir Juden überhaupt nur zwei Persönlichkeiten, deren. .Bild Jahrhunderte überragen wird: Spinoza und. Herzl.. Merkwürdig ist es, dass beide bloss 4L Jahre und ungefähr zwei Monate alt’wurden. Wie' hoch Spinoza über .seinen, Zeitgenossen und vielen anderen Philosophen aller Zeiten stand, wird uns erst bewusst, wenn wir ihn, dem die Einfachheit und Wahrheit mehr als alles galten, seinem Zeitgenossen Le.hnitz gegenübergestellt - sehen, der aus Furcht, sich durch das Zugeständnis näheren Beziehungen zu dem Juden und. Atheisten zu kompromittieren, mit vornehmer Miene erklärt. diesen „fameux j u i f“ nur vorübergehend „eijimäi .nach Tische“ kennen gelernt zu haben. Aber nicht nur Leibnitz lernen wir kennen, die ganze Zeit ersteht bei der Lektüre dieser besten Schrift über Spinoza leibhaftig vor uns, überragt von dem ungeheuren Bilde des armen jüdischen Brillenschleifers, unter dessen Gemälde ein pöbelhafter Duckmäuser die Worte des M enagius „Er trägt den Charakter der Verworfenheit an der Stirne“ zu setzen sich erfrechte. Was Sehring über Spinozas Philosophie sagt, ist vortrefflich. Doch würde es den Rahmen einer Besprechung beiweitem überschreiten, wollte man viel darüber schreiben. Es sei wiederholt: Sehrings .Monographie ist das beste neuere Buch über Spinoza. - W. Berthold Auerbach, Ein Lebensbild von Dr. Eugen Kolbe. (Verlag von N e u f et d & H e- •n i u s, Berlin SW.) Ein leichtfasslich geschriebenes Buch, in welchem der Lebensweg Berthold Auerbachs liebevoll geschildert wird. Von unserem Standpunkte aus können wir es begrüssen. dass der Antor das Jüdische in Auerbach gebührend würdigt. Wenn er auch den Dichter der Schwarzwaldgeschichten als Vollblutdeutschen behandelt, so können wir dagegen nicht viel einwenden, denn seinem Empfinden, nach war ' Auerbach .ein Deutscher, bemühte sich wenigstens redlich, einer zu sein. Am Ende seines Lebens erst war er nahe daran, ein Jude nach unserem Sinne zu werden. Als Lektüre für die deutsche Jugend ist das Büchlein sehr zu empfehlen — für die jüdische müsste man es erst umarbeiten. Der Autor' hat aber für die deutsche Jugend geschrieben und ihn ein schönes Geschenk geboten. Druck und Ausstattung.— darauf kömmt es bei Büchern für die Jugend besonders an — sind sehr zu-loben. W. Aphorismen von E. K a 1 i s c h e r. (Verlag Kairl- Georgi, Bonn. Preis 1 Mark.) Geistvolle Einfälle sind .es. Scheinbar die. Ernte vieler Erlebnisse. Durch Studium hat der Verfasser diese Gedanken. nicht erworben« Er hat gelebt und gelitten und ist schliesslich zum. grossen Verzeihen gekommen;. Die meisten Aphorismene zeugen von Abgeklärtheit. Manche aber lassen das Temperament ahnen