Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Zün d h ö 1 z c h-eiian ge 1 e gen h ei t wurde mit der Land er bank ein Abkommen getroffen, wonach diese gegen eine bestimmte Provision für den N.-F. Zion-Zünder erzeugen und in Umlauf bringen lässt Es wurden von der Wiener Sammelstelie 23.000 Zirkulare versandt ferner über 2000 Broschüren verausgabt, wobei das Prinzip verfolgt wurde, Broschüren und Agitationsmaterial überhaupt, wenn möglich gratis zu verabfolgen. 1390 Stück Briete . und 542 Postpakete, also-im ganzen 1942 Poststücke wurden versandt. Zur Ausgabe gelangten Sammelbüchsen 2214, alte Sammelbögen 521, neue Sammelbüchel 379, also an Sammelmaterialien insgesamt 3114 Stück. Verkauft wurden: 61.100 Nationlfondsmarken im Betrage von 1220 K, 2500 Telegrammblankette 1250 K, zusammen 2470 K. Die Einkünfte aus Westösterreich im schwächsten Monate, im Dezember 1907, 1223.53 Kronen, im stärksten, Februar 1908, 9727.22 K- Der Durchschnitt der Einläufe in 10 Monaten ergibt 3129.44 K gegen 1001.49 K in der Vorperiode d. s. 233 Prozent, gegenüber der vorigen Verwaltungsperiode. .. Die Sammlungen für den N.-F. wurden bisher nur dilettantisch betrieben. Diesem Zustande muss unbedingt ein Ende bereitet, die Sammlungen müssen stabilisiert und die Arbeiten derart organisiert werden, dass man von dem Wollen oder Nichtwollen Einzelner unabhängig bleibt. Die Sammlungen sollen von nun ab distriktsweise organisiert werden. Dabei soll aber womöglich jeder Zwang den Spendern gegenüber vermieden werden. Es sind lokale Kommissionen einzusetzen und an allen Orten ältere und vertrauenswürdige Gg. zu N.-F.Kommissären zu designieren. Zum Zv'ecke der Agitation stellen sich diese Kommissäre im Orte selbst Kommissionen zusammen, und zwar vorwiegend aus jüngeren und arbeitsfreudigen Leuten. Diese hätten bei allen Anlässen, z. B. Verlobungen, Trauungen, Brith-milahs, Sterbefällen etc. für den N.-F. zu intervenieren und füir die Popularisierung und Untrbringung der Sammelmaterialien und den Absatz von Marken und Telegramm-Bl.anketten zu sorgen, ferner Selbstbesteuerungsgruppen zusammenzustellen. Meine Herren! Ich kann nidtt schliessen, ohne eine wichtige Frage zu berühren. Das Vermögen des N.-F. ist vom Volke zusammemgetragen worden, ausschliesslich den ärmsten und mittleren Schichten ist sein Zustandekommen zu verdanken. Aus diesem Grande muss dem Volke, Tesp. seinen Vertretern, das Verfügungsrecht Vorbehalten bleiben. Und wenn ich auch mit unserem Direktor Dr. Bodeinheimer eines Sinnes darin birt, dass das N.-F.-Vermögen möglichst fruchtbringend in unserem Heimatlande angelegt werde, so bin ich dafür, dass wohl dem Direktor die Pflicht auferlegt werde, sich für eine vernünftige Kapitalsanlage einzusetzen, die endgiltige Entscheidung aber einzig und allein dem Kosgresse, resp. seiner legalen Vertretung, der Jahreskonferenz, Vorbehalten bleiben müffe. Wenn ich auch beim engeren A.-C, und 'dem N.-F.-Direktorium optima ödes voraussetze, möchte ich es doch unmöglich gemacht wissen, dass zur Erlangung eines temporären Erfolges die Interessen des N.-F. — optima fide — tangiert werden könnten. Ich stelle daher den Antrag: Die westösterreicbischen A.-K.-Mitglieder werden aufgefordert, bei der bevorstehenden Jabreskonferenz und in Zukunft dabin zu wirken, dass Verfügungen über die Verwendung von N.-F.- Qeldem einzig und allein dem Kongresse Vorbehalten'bleiben; mir in dringenden Fällen wird dem A.-K. und dem Direktorium des N.-F. gemeinsam das Verfügungsrecht über Beträge, die ein bestimmtes Maximum nicht überschreiten, zuerkannt.“ Wiener Gesinnungsgenosse der sich für eine bestimmte leichte Arbeit freiwillig in den Dienst des Nationaifonds stellen möchte, wird ersucht, seine Bereitwilligkeit und die ihm passende Arbeitszeit der Sammelstelle das Jüdischen Naiionäffoeds, IX., Türkensträsse .9, bekäimtzugehen. Parteinachrichten. Ausflug nach Pressburg. Sonntag, den 12. Juli findet in -Pressbürg, Prachtetablissement „Bellevue“ ein vom zionistischen Vereine „Achawath Zion* veranstaltetes „Blau-weisses Sommerfest“ statt. Die Wiener Gesinnungsgenossen werden aufgefordert, sich an dieser Veranstaltung recht zahlreich zu beteiligen. Die gemeinsame Abfahrtper Schiff findet Sonntag, 7 Uhr früh von Weissgärber, III. Bezirk, aus statt Die Rückfahrt von Pressburg wird um 9 Uhr abends per Bahn angetreten. Die Fahrt kostet tour-retour K 4.—. Nähere Auskünfte erteilt der „Zionistische Zentralverband“, Wien, IX., Türkenstrasse 9. An die mährisch-schlesischen Ferialverbindungen! Der Arbeitsausschuss der mähir.-schles- Ferialverbindungen hat beschlossen, dass im Läufe der Ferien von den einzelnen Verbindungen -in allen Städten- Mährens und Schlesiens Versammlungen für den „Jüdischen Nationalverein“ veranstaltet werden sollen. Es ist besonders auf die kleineren Orte Rücksicht zu nehmen, da dort enahrungsgemäss die grössten Erfolge zu erwarten sind. Wegen Bestellung von Rednern wende man sich 2 bis 3 Wochen vorher an den Arbeitsausschuss. Eventuelle Wünsche werden nach' Tunlichkeit berücksichtigt. Bei Anfragen ist Retourmarke beizulegen: Gleichzeitig mit der Tätigkeit für den Nationalverein, ist auch eine umfassende Agitationsarbeit für unser Organ „Jüdische Zeitung“ aufzunehmen. Agitationsmaterial ist von der „Jüdischen Zeitung, Wien, IX., Türkenstrasse 9, zu beziehen. _ . ' Es wird allen Ferialverbindungen zur Pfilcht gemacht, für den Ünterstützungsverein für jüdiscfoe Hochschüler .aus Mähren und Schlesien“ unablässig zu werben. Material ist vom Unterstützungsverein, Wien, IX., Porzellangasse 22, zu beziehen. . Mit Zionsgrass Der Arbeitsausschuss: Löw, Roscnthal, Steirn, Adler. Der Jüdische Nationalfonds. Von Dr. M. J. Bodenlieimer, Köln. Man sollte glauben, es wäre heute bereits überflüssig, auf den Nationalfonds besonders aufmerksam zu machen' und für ihn Stimmung zu schaffen, zumal in einer zionistischen Zeitung. Ist ja der Nationalfonds die populärste und beliebteste Institution des Zionismus, wenn nicht des jüdischen Volkes überhaupt. Und doch müssen wir sagen, dass seine Bedeutung, trotz der erreichten grossen Popularität, nicht genügend erkannt wird. Wir sagen trotz, wir könnten auch sagen: Zufolge seiner Popularität. Denn viele unserer Gesinnungsgenossen lassen sich gerade in Anbetracht der Popularität des J. N.-F. zur irrigen Ansicht verleiten, es werde für ihn genug getan. Bedenkt man aber, dass sich nicht einmal 1 Prozent der Juden an den Sammlungen für den J. N.-F. beteiligt, dass ferner der J. N.-F. nach 6jährigem Bestehen nur ca. l’/s Millionen Mark besitzt, dann muss man sagen, dass wir unsere Pflicht dem J. N.-F. gegenüber nicht ausreichend erfüllen. Der Grund ist wohl in der ungenügenden Propaganda zu suchen! Mag es auch den Anschein haben, dass für den Nationaifonds eine grosse Agitation entfaltet wird, so erweist-sie sich als durchaus ungenügend und unbefriedigend, wenn seine grossen Entwieklungsmoglichkeiten ins Auge gefasst werden. Der Jüdische Nationalfonds muss ein Volksinstitut im vollen Sinne des Wortes werden. Das will sagen: Die Agitationsarbeit darf sich, nicht auf zionistische Kreise allein beschränken, vielmehr sollte man über dieGrenzen der zionistischen Parteiorganisation hinaus Freunde und Förderer werben. Es wäre das nicht lediglich Arbeit im finanziellen Interesse des J. N.-F., sondern auch allgemeine, zionistische Agitationsarbeit par excellence. Nr.. 23 - Während die zionistische Organisation, wie ja eine jede Partei, ein genau formuliertes Bekenntnis fordert, gibt der Nationaifonds auch den Nichtzionisten oder unbewussten Zionisten die Möglichkeit, sich' an zionistischen Organisationen, an zionistischer Arbeit zu beteiligen. - Wir wissen bereits, dass die zionistische Bewegung nicht so sehr durch die Gegnerschaft, als vielmehr durch den Indifferentismus in ihrem Fortschreiten gehindert.wird. Das negative Verhältniszum Zionismus kann bei vielen einen. Uebergang zum Positiven bilden. Ist nur einmal das Interesse, mag es auch ein negatives sein,, für den Zionismus erwacht, so können wir mit Zuversicht auf die Ueberzeugungskraft des zionistischen Gedankens rechnen. In einer viel ungünstigeren Lage sind wir aber, wenn diese Ueberzeugungskraft nicht einsetzen kann, weil die Ueberzeugenden nicht zu erreichen sind. Da erweist sich der J. N.-F. als sehr geeignet, die Indifferenten mit dem Zionismus in Berührung zu bringen und somit der zionistischen Einflusssphäre zuzuführen. Neben seiner Bedeutung ' als ein' Hauptmittel zur Erreichung des zionistischen Endzieles, bewährt sich auf diese Weise der J. N.-F. gleichzeitig als ein Propagandamittel für die Popularisation des zionistischen Gedankens. Wenn man dies erwägt, sieht man auch bald ein, welch grossen Segen eine Ausdehnung der Agitationsarbeit des J. N.-F. über den Rahmen der Partei hinaus bringen muss. Jeder Jude soll zur Arbeit für den J. N.-F. herangezogen werden. Die Notwendigkeit einer Erweiterung der Propaganda ist jetzt umsomehr geboten, als der J. N.-F. sich in der letzten Zeit vor die Aufgabe gestellt sah, einen Teil seines Vermögens in verschiedenen, seinen Zwecken entsprechenden Unternehmungen anzulegen. So hat er mehrere Ländereien in Palästina erworben. Die wichtigsten seien hier erwähnt: 1. Hattin: In der Nähe von Tiberias, ein wasserreiches und für erfolgreichste Bewirtschaftung geeignetes Gebiet. Hattin erstreckt sich über ca. 4290 Dunam und wurde unter der Bedingung gekauft, dass weitere 4000 Dunam von den dortigen Bewohnern erworben und dem J. N.-F. überwiesen werden. 2. Umeldschune und Dalaika. Diese Gebiete befinden sich in Unter-Galiläa, in der Nähe der Stadt Tiberias, etwa eine Viertelstunde von der Bahnstation Gemakh, der Bahnlinie Damaskus und haben einen Umfang von ca. 6500 Dunam. , 3. H a d i d bei L y d d a. Drei Viertelstunden Wegs von der Hafenstadt Jaffa, ca. 3800 Dunam. Ausserdem hat der Nationaifonds neulich 2 Häuser in Jerusalem erworben. Sie liegen auf einer Anhöhe, welche die ganze Stadt beherrscht und zählen zufolge dieser Lage und ihrer künstlerischen Architektur zu unseren schönsten Besitzungen in Palästina. Auch hat der Nationalfonds mehrfach Darlehen gewährt, welche vor allem den Zweck haben, palästinensische Unternehmungen, die mit dem Landerwerb Zusammenhängen, zu fordern. - So hat er zum Zwecke des Landkaufes von Fedsche (in der Nähe von Petach-Tikwah, für Orangenbau vorzüglich geeignet) gegen Verpfandung des betreffenden Grundbesitzes der Odessaer Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Syrien und Palästina ein Darlehen von 20.000 Frcs. gewährt, unter der Bedingung, dass das Odessaer Komitee seinerseits ebenfalls 20.000 Frcs. aufbringt. Dieses Darlehen fordert ganz eminent die Sesshaftmachung nach Palästina eingewanderter jüdischer Ackerbauer und Arbeiter. Der Endzweck des J. N.-F., dem Volke eigenen Boden zu schaffen, wird dadurch nicht beeinträchtigt. Die Nationalfondsvenvaltung hat das Prinzip aufgestellt: Solange die Verwirklichung des eigentlichen Zweckes nicht möglich ist, wird ein Teil der verfügbaren Mittel auf genügender Kreditbasis zur Hebung des jüdischen Volkswohlstandes in Palästina verwendet. Von diesem Gesichtspunkte aus hat sie es als Pflicht erachtet, die Kunstgewerbeschul Bezalel durch die Gewährung des bereits erwähnten Schulgrundstückes existenzfähig zu machen. Auch wurde aus dem J. N.-F. der A. P. C. für die Häuserbaugesellschaft „Achuzath Baith“ ein Darlehen von 300.000 Frs. gewährt Es wird damit die Errichtung eines neuen jüdischen Stadtviertels für jüdische Einwanderer in Jaffa bezweckt. Es gibt eine Reihe von Städte, welche auf diese Art in jüdischen Besitz gebracht Werden könnten. So Haifa, Gaza, Akko, Saida, Sur, Tripolis, Beyruth an der Küste; Nabulas (Sichern) Es Salt,