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Jüdische Zeitung · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. henden Schranken fallen werden. Das ewige j Band der Nationalität wird alle Juden i kräftig umschlingen und die Idee der Einigkeit wird alle aus der moralischen Knechtschaft befreien. Kozlöw, im Juni 1908. J. Neiger. Der Bankdirektor. „Les affaires sont les affaires! * Ist sein ganzer Ritus; Um *|j Prozentchen mehr, Borgt er auch dem Titus! Torquemada ist sein Mann, Wenn man nur verdienen kann, Verdienen! »Judentum — auch ein Betreff! Besser, gut zu leihen! Bialystok und Kischenew Sind ja Kindereien — Hört mir auf mit Mord und Blut! An den Russen lässt sich gut Verdienen! Was? Lueger hetzt und schürt, Quält die Juden — mög’ er! Wenn sich das Geschäft rentiert, Borg’ ich dem Lueger — Ehre? Was hab’ ich davon? Ich will meine Provision Verdienen! Les affaires, sont les affaires! Einmal nur den Herren So in Homel ungefähr In das Ghetto sperren. Und dann russisch Hausse und [Baisse Dieser Jude würde es Verdienen! Beda. Parteinachrichten. r _ Ausserordentlicher Distriktstag des mährisch-schlesischen Distriktes. Der vom mähr.-schles. D.-K. zwecks Stellungnahme zum westösterreidiisohen Parteitage einbeiruferee ausserordentliche Distrikts-Tag fand am 28. Juni d. J., vormittags, in Brünn statt. Nach 'der Begrüssungsansprache dies Distriktsobmannes Gg. Dr. Robert ‘Licht witz, •welcher ein einiges, geschlossenes Vorgehen der mähr.-schles. Delegierten beim Parteitag wünschte, verlas Gg. Gustav Fänzd (Troppau) seinen neu verfassten Kamprormssentwurf über die zu schaffende Organisation der drei westöstenreächischen Distrikte. Nach reger Debatte, an welcher sich insbesondere die Gg. Siegmund Werner Olglau), Dr. Julius Beer (Brünn), Adalbert (Hofmann ('Brünn), Erwin Gallus (Troppau) und Gg. Adolf Böhm als Mitglied dies grossen A.-K. beteiligten, wurden mehrere stilistische und meritorische Abänderungen des Entwurfes beschlossen und idleir Referent -zur Vorlage des Entwurfes in dieser neuen Fassung beauftragt — Der Kassier und N.-F.- Komnnssär des t).-K- Gg. Dr. Fritz Eckstein richtete an die Delegierten den drängenden Appell, die Schekel- und Parteisteuersammlung in den einzelnen Kreisen auf das Intensivste zu betreiben, hierüber besondere Listen auizusteilen und für die ungekürzte Ablieferung der Gelder an das D.-K. Sorge zu tragen, da nur im Besitze der Parteisteuer dem D.-Kdie Fortsetzung seiner grosszügjgen Agitation ermöglicht sei. Die Parteisteuer soll in gleicher Höhe wie der Schekel und zugleich mit demselben eingehoben werden. Das D.-Kstellt den Knadsen Sammelmitted in unbeschränkter Zahl zur Verfügung und wünscht weiters vorherige Verständigung von allein Veranstaltungen im Kreise. Gg. Dr. Julius Beer verlangt die Ausgabe besonderer Parteisteuerblocks. Gg. Dr. Siegmund Werner verlas hieraux mehrere Resolutionen und bittet um deren Unterstützung durch die Delegierten. — Als Kandidaten für das Z.-K. werden seitens des Distriktes die Gg. Fritz L ö w (Prossnitz), Oberitigenieur Josef Lau (Baden), Dr. Julius B e e r (Brünn) und als Ersatzmann Df. Otto A b e 1 e s (Wien) norm- : liiert. j -! i i Studententag. Anlässlich des zwanzigsemestrigen Stiftungsfestes der Ferklvereänlgung G i s k a 1 a h soll in Prossnätz ein Studententag abgehalten werden. J Wir erwarten von der jüdisöhnationalen Stu- I dentenschaft, dass sie sich am Studententage zahl- I reich beteiligt. Es gilt, dieser Assimilantenstaldt } zu zeigen, dass die jüdische Studentenschaft j Mährens und Schlesiens national gesinnt ist. Zuchriften sind zu richten an den Arbeitsausschuss der mähr.-schles. Ferialverbindungen, Wien, IX/1, Porzellangasse 22, Cafö Jägerhof. J. M. C. Hermann L ö w, Obmann. — Cand. phil. H. R o s e n t h a 1, Sohriitiiihrer. Phil. H. Stern. Med. Hugo Adler. Einladung. Das Exekutivkomitee des Vereines „Achawath-Zion“inPi essburg veranstaltet Sonntag, den 12. Juli im Prachtetablissement „Bellevue“ ein grossangelegtes „B!au-weisses Sommerfest“ zu welcher Veranstaltung die Wiener Zionisten und auch andere Vereine ihren Besuch ankündigten. Das Fest beginnt um 3 Uhr nachmittags und dürfte bei einem Massenbesuche ein Separatdampfer ab Wien, Weissgärber abfahren. Nähere Information" erteilt der Verein „A c h a w a t h - Z i o n“, Pressburg und der „Zionistische Zentralverein“, Wien, IX., Türkenstrasse 0., ♦ *' * Das innerösterreichiscbe Distriktkomitee richtet an alle Wiener Zionisten das Ersuchen, der Einladung unserer Pressburger Gesinnungsgenossen zu folgen. Die gemeinsame Abfahrt findet am 12. Juli, 7 Uhr früh, von Weissgärber ans statt. Die kulturellen Aufgaben in Palästina. Von Dr. Schemarjah-Lewin. (Aus dem Referat, gehalten am Breslauer Deutschen Delegiertentag.) Nach all den Debatten, die hier geführt worden sind, will es mir beinahe scheinen, dass der alte Streit innerhalb - der zionistischen Bewegung, dem längst die Spitze abgebrochen wurde, mit erneuerter Kraft auf beiden Seiten in den Vordergrund * tritt. Wieder haben wir gehört von der verschiedenen Auffassung des Zionismus, von seiner östlichen und westlichen Antithese, von den verschiedenen Gepräge, das ihm gegeben werden soll. Auf der einen Seite wird der Zionismus mehr als Form aufgefasst, in die man den verschiedenen Inhalt noch hineinzudenken hat, auf der anderen Seite wird mehr vom Inhalte des Zionismus gesprochen, von einem bestimmten Inhalte, der dem Gesetze der Undurchdringlichkeit gemäss keinen Nebeninhalt zulässt. Nun dürfen wir aber nicht vergessen, dass der Zionismus nicht nur eine Bewegung darstellt — der Zionismus ist hauptsächlich eine Lehre, und wenn wir ihn sogar von der praktischen Seile aus betrachten, so darf er noch immer seinen Hauptcharakter als Anwendung einer bestimmten Weltanschauung auf die endgültige Lösung der Judenfrage nicht vergessen. Der Streit kann sich nur um praktische Fragen drehen, aber auch in bezug auf solche Fragen ist dem Zionismus als Weltanschauung die Grenze gegeben, die nicht überschritten werden darf. Droht eine bestimmte Taktik den Zionismus zu verdunkeln, . seine innere Kraft und Tiefe abzuschwächen, so ist sie von vornherein nicht annehmbar. Da also der Zionismus in sich eine bestimmte- Lehre enthält, so darf es nicht befremdend erscheinen, geschweige gar empörend wirken, wenn, manche von uns auf unseren Delegiertentagen von Zeit zu Zeit rein theoretische Erörterungen Vorbringen, um auf den Ursprung des Zionismus zurückzukommen und seine ideellen Momente in unserem Gedächtnisse wachzurufen. Eine Lehre, wie die, auf der der Zionismus basiert, ist kein mathematischer Lehrsatz, welcher nicht wiederholt zu werden braucht, wenn er einmal scharf eingeprägt wurde. Die innere Kraft des Zionismus, als eines Bestandteiles der allgemeinen nationalen Fragebestellt in einer Dynamik, in seiner fortwährenden Entwicklung, Erweiterung und Vertiefung. Noch eines dürfen wir nicht ausser acht lassen. Nicht Bewegungen als solche haben die- Welt erobert od&r neue Welten geschaffen, sondern die Ideen, die die Bewegungenhervorriefen, und zwar diejenigen Ideen, die das moralische Bewusstsein in einem« Teile der Menschheit wachriefen. Jede Lehre — wie das Lehen im allgemeinen' — hat zwei Seiten, und diese können nicht treffender bezeichnet werden,, wie mit den alten Namen:. Halacha und Hagada. Heine, der kein Kenner des Judentums, aber ein grosser Ahner desselben, war, schildert meisterhaft in seinem wunderbaren Lied über Rabbi Jehuda Halevy die Halacha« und die Hagada, indem er jene mit einer Fechtschule, wo heiss gekämpft wird, diese mit dem wunderschönen Garten der Semiramis vergleicht.. Und wenn es zu heiss wird im Kampfe auf dem- Schlachtfelde der Halacha, dann begehen wir unsin den schönen Hagada-Garten „Jener seligen Geheimwelt, Jener grossen Offenbarung, Die wir nennen- Poesie“, und wir schöpfen dort neue Kraft zum weiteren- Kampfe. Nur eine solche Bewegung, die auf diesen beiden Momenten der Halacha und der Hagada begründet ist und wo die beiden Momente abwechselnd oder parallel wirken, ist lebens- und entwicklungsfähig, denn jede Bewegung, kann nur als Synthese dieser ,b,'eiden> Momente betrachtet werden. Und nun möchte ich wünschen, dass unsere Gesinnungsgenossen im Westen nicht so einseitig werden, indem sie ihr Augenmerk nur auf die Halacha richten, die Grenzen des Zionismus soweit. erweitern wollen, dass vom eigentlichen- Zionismus nur sehr wenig übrig bleibt. Es liegt, nicht der Gedanke fern, diese Schuld ausschliesslich den westlichen Zionisten zuschieben zu wollen. Denselben Fehler haben wir in den letzten Jahren in Russland begangen. Erwird jetzt auch in Oesterreich gemacht, und ich-, kann nur warnen vor seiner Wiederholung in Deutschland, denn er muss mit logischer Notwendigkeit auf den Zionismusabschwächend und verdünnendeinwirken. Nun hörten Sie vor mir das gediegene Referat unseres verehrten Freundes Professor Warburg, das zwar sich auch mit Gärten und- Pflanzungen beschäftigt, aber doch eher in das Gebiet der zionistischen Halacha gehört. Jetzt aber soll es mir gestattet sein, das Gebiet der Hagadazu betreten. Es muss für jeden Zionisten sonnenklar sein, dass die Befreiung des jüdischen Geistes von seinen Fesseln nur in- Palästina möglich ist. Dass die Emanzipation des Judentums wie auch der- Judenheit im Sinne d e r n a t i on ale n Selb st eirhal t ung in keinem anderen- Laude der Welt geschehen kann. Deshalb muss schon jetzt, ganz unabhängig von unserem Verhalten zum Gharterismus auf dem« Gebiete der kulturellen Eroberung Palästinastüchtig gearbeitet werden. Palästina kann uns nicht als Geschenk gegeben werden, denn die Geschichte kennt keine solchen Geschenke. Palästina muss verdient werden. Der Orient im.- allgemeinen erwacht jetzt zum neuen Leben. Verschiede Nationen wetteifern, um dem Lande ein bestimmtes Gepräge zu verleihen, und wenn wir unB mit der Rolle des Zuschauers zufrieden geben, in der vornehmen Pose des ewigen Abwartens,. so verschwindet;der Boden unter unseren Füssen,. und wenn wir nicht an dem kulturellen Aufschwung Palästinas fleissig mitarbeiten, werden wir auch die Früchte desselben nicht geniessendürfen. Palästina von heute ist schon nicht-mehr das Palästina von gestern. Und wir haben nunmehr keinenAugenblick zu versäumen.-

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