Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 27 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 27 Vermehrung der jüdischen Landwirte in Palästina als Grundlage für ein künftiges grösseres Gemeinwesen erzielt werden könne. Dies habe, schon Herzl erkannt, den man fälschlich einen Gegner der Palästinaarbeit nennt und deshalb war er für die Oppenheimersöhe Sjedlungsgenossenschaft. Prof. Warburg, den man wirklich als den providentiellen Mann für unsere Palästihaarbeit ansdien könne, habe ans denselben Motiven die Palestine 'Land Development Co. gegründet. Es ist klar, dass wir keine Wohltätigkeit treiben können, sondern eine Methode finden müssen, nach welcher die jüdischen Proletarier aus eigener Kraft zu Landbauern aufsteigen können. Redner bespricht ausführlich die Prinzipien der Development Co. welche mit jenen überidinstimmen, welche Oppenheimer aufgestellt. habe. Er empfiehlt, unablässig für die P. L. D. C. zu werben. Ad 3. Organisation der Arbeit begrüsst Redner dre Einsetzung des Palästinaamtes mit Dr. Ruppin und Dr. Thon, die einer Forderung des Bielitzer Zionistentages 1907 entsprächt. Redner, legt dar, wie notwendig und wichtig diese Zentrale in Palästina ist. Wir können unsere Verwaltung nicht anders eitmehten, als es die geordneten Staaten tun, wir brauchen verantwortliche, sachkundige 'Beamte für unsere Arbeit in Palästina. - Ad 4. Die einzelnen Aktionen der Palästinaarbeit. Redner legt dar, dass die jüdische Siedlung in Palästina in den letzten Jahren einen grossen Aufschwung genommen hat. Dies sei verursacht: 1. durch den Aufschwung der allgemeinen Wirtschaft!des Landes. Von 1905—1906 sind sowohl Einals Ausfuhr um 40—42 Prozent gestiegen. Ein gleiches weist kein Land der Welt sonst auf. Neue Bahnen werden gebaut (Hedsahasbahn), die Verkehrswege bessern sich usw. 2. Durch die wachsende Einwanderung. 1907 sind zirka 2000 Familien (nach Abzug der Auswanderer) zugeströmt. Der Charakter der Einwanderung bessert sich auch in bezug auf Altersaufbau und Wohlhabenheit der Einwanderer. 3. Durch die Besserung der Schulverhältrasse. Die Kinder werden jetzt für die Bedürfnisse des Landes und in jungjüdischem Geiste erzogen, wodurch grosse Energien geweckt werden. Redner bespricht die Schulgründungen der Zionisten, insbesondere das Hebräische Gymnasium in Jaffa, sowie jene des Hilfsvereines, vor allem die Kindergärten, die Kamelschule, die Handelsschule, das Lehrerseminar und das geplante J ü d i s c h e Technikum. 4- Durch die praktischen Aktionen der zionistischen Organisation, vor allem durch die Bank, die ganz ausgezeichnet arbeitet und an Landwirte und Kaufleute im letzten Jahre zirka 2 Millionen Franken verliehen habe. Ausgezeichnet bewähren sich (die Kreditgenossenschaften, welche die Bank unter Kolonisten und Handwerkern gegründet hat Nachdem die Bank jetzt schon 3"/< Prozent Dividende zahlt, wird die sehr notwendige Propaganda für den Verkauf ihrer Aktien sehr erleichtert werden. Es sei wünschenswert, dass deT I. C. T. in London einen immer steigenden Teil seiner Gelder in der A. P. C. an- , lege und andere Geschäfte liquidiere. Das wird die beste Schutzwehr gegen einen Missbrauch der Bank für territoriatistisclve Zwecke sein. Redner schlägt eine Resolution in diesem Sinne vor. Zur Förderung der Landwirtschaft habe der erste Kongress die Schaffung einer Agrara b t-e i I u n g bei der A. P. C. beschlossen. Redner bespricht die Wichtigkeit der O e 1 baumspende. Diese sei eine ln mehrfacher Weise produktivie Anlage. Jeder Oelbaum bringe nach Ablauf von 3—5 Jahren M. 2.40, 100.000 Bäume würden M. 240.000 Jahreseinnahme ergeben, welche nach Ansicht Warburgs für Kulturzwecke verwendet werden sollen. Redner spricht über die Bedeutung des Pflanzungsvereins. Zur Hebung der Industrie hat Warburg das Industrie-Syndikat geschaffen. Dieses beschäftigt sich auch mit der für idie städtische Bevölkerung Palästinas so wichtigen Frage der Kleinindustrien. Für diese ist auch dar B e z a 1 e 1 von grosser Wichtigkeit. Dieser wende in dreifacher Beziehung, in nationaler, künstlerischer (kultureller) und 'wirtschaftlicher, ein wichi tiges Agens für unsere nationale Wiedergeburt sein. Ad 5. P al äs tU n a a g i t a t i o n beklagt Redner den Mangel wirklich geeigneten Agitationsmateriales. Es müsse solches besch2Tit werden, besonders eine Agitatibnsbroschüre, ern Lichtbildervortrag etc. Palästinakurse, müssen abgehalten und womöglich ein zionistischer Palästinavenein gegründet werden, dessen reichere Mittel grössere Aktionen wie Palästinareisen fundieren würden. Das Interesse für Palästina wächst auch bei Nichtziomsten, es muss bei Zionisten in viel höherem Grade erweckt werden, als bisher. Machen Sie, schliesst Redner, den „Palästinismus“ zum Mittelpunkt Ihres Zionismus, dann werden Sie ihn fest verankert haben, dann Wird auch Ihr 'Blick sich weiten und Sie werdien dann kleinere Differenzen, die uns oft auseinander bringen, keine übertriebene Bedeutung beilegen. Sie werden die relative Richtigke.t der ganzen Arbeit im Golus erkennen. Und das wird sehr heilsam sein. Dr. Werner sagt, die Liste der verschiedenen zionistischen Palästinagründungen sei schon eine allzugrosse. Was idi'e P. L. D. C. betrifft, so sei er nur dann für sie, wenn Gewähr geboten wird, dass sie ihr Land stets nur in Pacht gebe, nicht aber verkaufe und dadurch Privatgrundbesitz schaffe, wodurch alle Schäden des Kapitalismus nach Palästina getragen würden. Er zitiert einen Leitartikel der „Welt“, worin von der notwendigen Unterstützung des Kleingrundbesitzes gesprochen wird. Er seigegen einen 'Palästina- Verein, das wäre nur eine Art Odessaer Komitee in Wien. Dagegen Würde er die Idee vom Og. Emil Margulies, einen Schulverein f ü r Palästina zu gründen, wärmstens empfehlen. Dr. Emil Mar gu lies ist auch für praktische Arbeit, aber nur insoweit, als sie als politische aufgefasst werden kann. 'Also eine Tätigkeit, wie sie eine .'Regierung zu entfalten habe. Was die P. D. C. betrifft, so schliesst er sich der Resolution Dr. Werijer an. Das <Lani$ dürfe nur in Pacht, oder Erbpacht gegeben werden. . Dieses Prinzip sei beim Nationalfonds iiestgelegt worden und an ihm dürfe nicht gerüttelt werden. Redner warnt davor, die Arbeit des Hilfsvereines in Palästina feierlich anzuerkennen. Dass diese Arbeit augenblicklich in unserem Sinne geleistet wird, ist hur das Verdienst .eines 'Mannes und beruht , nicht auf dem. Programm des Hilfsverefnes. Eine Anerkennung von zionistischer Seite könnte Ida nur schaden. Eine andere Leitung des Hilfsvereines könne den jetzigen Kurs wieder verlassen. Um aber die nationale Erziehung in Palästina von solchen Zufälligkeiten unabhängig zu machen, empfiehlt Redner die .Gründung eines zionistischen * Schul Vereines für Palästina, für die er sich warm einsetzt. 'Für Schulzwecke würde man auch von Nichizlonisten Geldar erlangen. Er schlägt eine Resolution vor, in welcher vom Z.-K. verlangt wird, die Frage einer solchen Gründ. zu studieren. St e i n e r (Teplitz) tritt für die P. L. D. C. ein. Dr. Isidor M a r g u 1 i e s (Wien) sagt, es sei ganz richtig, wenn wir als einzige wahre Vertretung fer G esamtinteressen des jüdischen Volkes den anderen Organisationen Lob, resp. Tadel ausspreche«. Er erklärt sich für die Resolution, betreffend die Palestine Development Company ohne jedes Amendement. Man darf nicht übersehen, dass es sich um eine Erwerbsgesellschaft handelt, die, soweit sie selbst privates Grundeigentum erwirbt, dasselbe auch nur als privaten Grundbesitz veräussern könne. Uebrigens sei die P. L. D. C. mehr vom Standpunkte eines Erziehungsmittels als vom Wirtschaftlichen Gesichtspunkte aufzufassen und daher müsse streng vermieden werden, 'dass man aus dogmatischen Gründen Schranken andrichte, welche den Erfolg dfcises Unternehmens und die Propaganda für dasselbe beeinträchtigen können. Redner spricht sich auch für den Schul verein aus. Referent B ö h m schliesst sich diesen Ausführungen an. 'Was die Resolution betrifft, dass die P. L. D. C. Land nur in Pacht geben dürfe, so .ist er im Prinzipe gewiss als Anhänger Oppenheimers dafür. Es ist aber unrichtig, dass Kleingru'iGbesitz unbedingt kapitalistische Auswüchse zeitige. Die Sozialdemokratie setzt sich selbst wärmstens für den Kleingrundbesitz ein (Dr. David). Niemand von uns will den Kapitalismus nach Palästina verpflanzen, etwa aus besonderer ■Liebe für diese Wirtschaftsweise. (Allgemeinie Zustimmung.) Aber es werde von den ausgehiideten Bauern selbst abhängen, welche Besitz- und Betriebsform gewählt werden kam. Er spreche sich gegen Annahme irgend eines einschränkenden Amendements aus, das die Propaganda nur schädigen 'könne und unnütz der Entwicklung vorgreife. Für den Schulverein sei er gewiss, nur müsse man sich diesbezüglich mit dem Palästina ressort ins Einvernehmen setzen. Die Thesen des Referenten: I. Palästinaarbeit. 1. Der w.-ö. Parteitag spricht dem Leiter des Palästinaressorts Gg. Prof. Dr. Otto W a r - bürg sein unerschütterliches Vertrauen aus und erklärt sich mit dem System seiner Arbeit vollkommen einverstanden. Insbesondere begrüsst der P.-T. die Einsetzung eines Palast 1 n a a m t e s, welches einer Forderung des österreichischen Zionistentages zu Bielitz 1907 entspricht, sowie die Berufung der Gg. Dr. Arthur Ruppin und Doktor Jakob Thon in dieses Amt auis wärmste. 2. Der w.-ö. P.-T. erblickt ferner in der Palestine Land Development Com- P a n y eine der wichtigsten und beideutungsvollsten Aktionen für unser Kolonisationswerk. Er beauftragt das Zentralkomitee, die Agitation zugunsten dieser Gesellschaft bei Zionisten und Nichtzionisten mit allen Kräften zu fördern. 3. Der w.-ö. P.-T. erachtet es für zweckmässig, die Gelder des J. C. T. unter Abwicklung anderer Geschäfte, namentlich der Diskontierungen in Russland, in steigendem Masse bei der A. P. C. zu investieren. Resolution. Der Parteitag spricht seine Genugtuung über die Tätigkeit des Hilisvereins der Deutschen Juden in Palästina aus, welcher die zentrale Bedeutung Palästinas für idias zerstreute jüdische Volk erkannt hat und sein vielversprechendes Erziehungswerk im Gegensätze zu anderen nidhtzionistischen Institutionen 'im Sinne dieser Erkenntnis gestaltet. 'Der P.-T. hofft, dass das Beispiel des Hilisvereins auch auf die anderen in Palästina arbeitenden nichtzionistisoben Institutionen wirken und diese endlich bestimmen wird, ihre antipalästinensische und assimilatorische Politik aufzugeben. . II. Palästina-Agitation. 5. Zwecks Förderung der Agitation -für die Palästinaarbeit wird das Z.-Kbeauftragt: a) Palästina-Lehrkuirse zu veranstalten; . h) eine Broschüre herauszugeben, welche in übersichtlicher Weise über die Verhältnisse in Palästina, namentlich über die für 'die nationale Renaissance der Juden daselbst wichtigen Momente, sowie über die zionistische Palästinaarbeit derart informiert, dass auf Grund dieser Broschüre auch Agitationsvorträge gehalten werden können, c) einen Vortrag mit Lichtbildern über Palästina zu versorgen, welcher sukzessive allen Vereinen zur Verfügung gestellt werden kann. werden sämtlich angenommen. Das Amendement Dr. Emil M a r g u 1 i e s zu Punkt 2: „Der Parteitag erwartet, dass das Land der P. D.-C. niemals in Privateigentum übergehen wird“, wird abgislehnt. Erklärungen des Zentralkomitees. Del. Dr. Margulies (Wien) berichtet über die inzwischen erfolgte Konstituierung des Zentralkomitees und die von-demselben gefassten Beschlüsse: Zum Präsidenten wurde Dr. Isidor Margulies (Wien) gewählt. Zu Leitern des Zentralbureaus ernannte das Zentralkomitee den Präsidenten und Gg. Adoli B ö h m. Das Zentralkomitee beschloss ferner eine Palästinakömmission eiuzusetzen, mit deren Leitung die Herren Adolf