Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 27 (3.7.1908)
- Date
- 1908-07-03
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 diese nur. im zweiten und dritten Punkt dem Komi promiss beitreten können. j Del. Löw beantragt die en bloc-Annahnie' des Kompromissvorschlages. Hierauf wird das Statutin ld!er nunmehr von beiden Referenten gemeinschaftlich vorgeschiagenen Fassung gegen die Stiirrmian der innerösterreichischen Delegierten, welche wegen der Bestimmung, die Präsidentenwahl betreffend, dagegen stimmten, en bloc angenommen. Ebenso gelangt die Resolution über die Schekelabnihrung in der obigen Fassung zur Annahme. Hierauf wird) die Resolution Dr. W erner: „Der Parteitag der westösterreichischen Distrikte wünscht das baidige Zusammenarbeiten sämtlicher österreichischer Distrikte in geeigneter Form“ angenommen. Eine Resolution Stöckel, 'die sich für Aufhebung der Autonomie der Distrikte aussprach, wurde abgelehnt. Die Wahl ins Zentralkomitee ergab folgendes Resultat: Für Innerösterreich: Adolf Böhm, Dr. Isidor M a r g u Tics, big. Robert Stricker, Ersatzmann,: Dr. K r a s n y, sämtlich W i e n. Für Böhmen: Emst B e c h e r t (Teplitz), Dr. Emil M a r g u 1 i e s (Trautenau), Dr. Singer (Kölln), Ersatzmann: Ludwig Steiner (Teplitz). Für Mähren-Schlesien: Friedrich Löw (Prossiiitz), Ob.-Ing. Josef Lau (Baden), Doktor Julius Beer (B>riinn), Ersatzmann:- Dr. Otto A b e 1 e s (Wien). Damit schlossen die Verhandlungen des ersten Tages. II. Verhandlungstag. Vorsitzender Dr. W emei eröffnet um 9 Uhr vormittags die Sitzung und stellt den Antrag an den Präsidenten 'des engeren A. K. Herrn AVolifsolhn, an Prof. Warburg und Dr. Badenheimer Begriissungstelegramme abzusendiem. Der Antrag des Vorsitzenden wird mit Akklamation angenommen. Vorsitzender Dr. W erner fordert den ‘Parteitag auf, über die Bedeckung der Bureaukosten des Z. K- Beschlüsse zu fassen. Del. Böhm, '(Wien) schlägt vor, dass sich das Z. K. konstituiere und dann dem P. T. Vorschläge unterbreite. Der Parteitag erkläret sich mit diesem Vorschläge einverstanden. Man schreitet hierauf zur Verhandlung über den nächsten Punkt der Tagesordnung, Nationaliondsdebatte. Der Referent Del. Emil Stein (Wien) erstattet das Reiferat über den Nationalfonds, welches wir in der nächsten Nummer veröffentlichen werden. Er schlägt folgende Thesen vor: I. Dem Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds in Köln wird für seine umsichtige Organisierung des Sammelbetriebes und für seihe lebhafte Agitationsarbeit das Vertrauen des westösterreichischen Parteitages votiert. II. Die westösterreichischen Aktionskomiteemitglieder werden aufgefordert, bei der bevorstehenden Jahreskonferenz und in Zukunft dahin zu wirken, dass Verfügungen über die Verwendung von Nationalfondsgeldern einzig und allein dem Kongresse Vorbehalten bleiben. Nur für dringende Fälle wird dem Aktionskomitee und dem Direktorium des Natlonalionds das gemeinsame Verfügungsrecht über Beträge zuerkannt, die ein vom Kongresse bestimmtes Maximum nicht überschreiten. Ferner schlägt Referent 'eine ausführliche Resolution über kfie Bildung von Nationaffonds-Kominissfonen vor. In der darauf folgenden Debatte ergreift als Erster das Wbrt Del. Finzf, welcher 'der Wiener Sammelstelle uneingeschränktes Lob für ihre aufopfernde und umsichtige Arbeit zollt. Er regt die Nachahmung eines in Troppau geübten Vorganges beim Sammeln au, welcher sich foigendermassen gestaltet: Die 'N. F.-Konrmission halt allwöchentlich Sitzungen ab, um über die verschiedenen Familieitereignisse in der Jüdischen Bevölkerung Bericht zu erstatten. Wenn nun festgestellt ist, dass in der nächsten Woche in irgend einer Familie eine Verlobung, Hochzeit, Brithmilah, Bar-Mizwe etc. stattfindiet, so wird ein Mitglied der Kommission delegiert, in dem betreffenden Hause eine Sammlung vorzunehmen. Hierbei wird! ein schön aiusgestattetes Sanrmefbuch verwendet. Diese seit einem Jahre geübte Praxis hat dem N. F. über 600 Kronen eingebracht. Del. Dr. Emil M a r g u 1 i e s (Trautenau) schlaesst sich den lobenden ‘Aussprüchen über die Tätigkeit der Sammselstelle an und gibt der Meinung Ausdruck, dass es von Nutzen wäre, wenn die „Welt * als das zionistische Zentralorgan im Interesse der Agitat.on in Zwischenräumen von einigen Wochen eine Liste der Namen aller Spender aus den verschiedenen Ländern veröffentlichen würde. Die neuen N. F.-Büohsen bezeichnet er als unpraktisch. Er bittet schüesslich den Referenten, den Antrag bezüglich -der Stabilisierung der Sammlungen als Instruktion auszuarbeiten und ihn am P. T. bloss als Anregung einzubringan. Del. Böhm schlresst sich der .Anerkennung für die N. F.-Rommission rückhaltlos an, um so mehr, als er fortdauernd Gelegenheit habe, deren ausgezeichnete Tätigkeit in der Nähe zu sehen. Er spricht sich besonders iür die Resolution aus, dass die Beschlüsse über die Verwendung der N. F.- Geider dem Kongresse Vorbehalten bleiben müsse, da die Konstituierung des N. F. als englische Genossenschaft ein bloss Juristisch-formaler Akt sei. In diesem Sinne habe er auch sein Mandat im Aktionskomitee ausgeübt, worüber er dem Parteitag ausführliche Rechenschaft gibt. Redner betont, dass er sein Mandat im A. K. stets im Einvernehmen mit der Organisation auszuüben gedenke. Del. Dr. Zweig berichtet über den erfreulichen Aufschwung, den die Sammlungen genommen und gibt seinem Bedauern Ausdruck, dass die früheren Mitarbeiter sich jetzt von der Arbeit fernhalten. Er schlägt schliesslich dem P. T. folgende Resolution vor: „Der westösterreichische P. T. richtet an Herrn Johann Kremenetzky, als einen dar Direktoren des J. N. F., das höffichdringende Ersuchen, seine bewährte Arbeitskraft dem Dienste dos N. F. und seiner österreichischen Sammelstelle wieder zu widmen.“ Del. Stein erklärt hn Schlussworte, dass es dem Sekretär des N.-F. Herrn Kaufmann aus Köln gelungen sei, Herrn Kremenetzky zur Mitarbeit zu bewegen. Die vom Del. Dr. Margulies •geforderte Instruktion werde herausgegeben und an die einzelnem Sammler versendet werden. Er gedenkt der rührigen Mitarbeit des A. ^Mitgliedes Adolf Böhm und Dr. Zweig. In der darauf folgenden Abstimmung werden sowohl die 'Anträge Stein sowie die vom Präsidium eingebraohte Resolution: Das Präsidium des westösterrefchischeti Parteitages beantragt, den Gg., welche in aufopfernder Weise bei der Sammelstelle des N.-F. iür Oesterreich in Wien tätig sind, das vollste Vertrauen, den Dank und die Anerkennung des Parteitages auszusprechen, als auch die Resolution Dr. Zweig (letztere als Anregung) angenommen. Das Wort erhält Reichsratsabgeordneter Dr. Mahler zu seinem Referate über Wirtschaftliche Gegenwartsarbeit Das ausführliche und glänzende Referat des Abg. Dr. Mahler, das mit stürmischem Beifall aufgenommen wurde, sowie ein Korreferat des Gg. Karl Rezek (Prag), das zur Verlesung kam, werden wir in nächster Nummer im Wortlaut veröffentlichen. Palästinadebatte. Referent Gg. Adolf Böhm: Das Thema Palästina, das mir als Referat zugeteilt wurde, erforderte eigentlich eine ganze Anzahl von Referaten. Ich hoffe, dass bis zum nächsten •Parteitag das Interesse iür Palästinafragen in unseren Reihern ein so reges sein wird, dass es möglich sein wird, über ktie verschiedenen einschlägigen Probleme auch gesonderte Referate erstatten zu lassen. Aus dem grossen Umfang meines Themas will ich heute nur fünf Hauptpunkte herausgreifen unkfi möglichst kurz erörtern. Es sind djes: 1. Die Kämpfe um die Palästiiupolitik 2. Die Prinzipien unserer Palästinaarbeit. 3. Die Organisation dieser Arbeit 4. Die einzelnen Aktionen für die praktische Palästinaarbeit. 5. Die Propaganda für Palästina. Ad 1. kann ich mich ganz kurz fassen, da der achte Kongress die endgiltige Entscheidung über die zionistische Palästinapolitik gebracht hat Dieselbe fiel genau so aus, wie sie vom Beelitzer Zionjstentag 1907 postuliert wurde: Dass der Zionismus neben der politischen Tätigkeit auch eine praktische Arbeit für und in Palästina entfalten müsse als Voraussetzung für politische Erfolge, zur Hebung und Stärkung von Wirtschaft und Kultur der Juden m Palästina und zur Vorbereitung efner jüdischen Massensiddifung daselbst. Referent spricht über die Nachteile, die dar Charterismus für unsere Bewegung gebracht habe, und betont besonders, dass dieser verhindert habe,dass das Interesse für Palästina in der Organisation ein genügend starkes wurde. Demgegenüber müsse Jetzt mit allen Mitteln der „Palästinismus" in unseren Reiben befestigt werden. Redner rühmt die Verdienste, die sich Warburg in dieser Richtung erworben hat. Unzutreffend sei der Vorwurf, welcher am letzten Parteitag der Poaie Zion gegen Harzl erhoben wurde, dass eine unrichtige Auffassung über das Wiesen des Staates (als einer Rechtsgemeinschaft) ihn zum Charterismus gebracht habe. Die Poaie Zion akzeptiern gLdoh denn Redner den Standpunkt Oppenheimers, dass Palästina für die Juden zu einem Land „niederen sozialen Druckes“ gemacht werden müsse, dann wird das Hinströmen der Jüdischen Massen mit Naturnotwendigkeit erfolgen. Gerade die Erlangung eines Charters wäre aber eines der wichtigsten Momente dafür gewesen, Palästina zu einem solchen Land niederen sozialen Druckes für die Juden zu machen. Referent betont, dass die politische Arbeit auch heute sehr wichtig sei, was er näher begründet Es ist daher sehr zu begriissen, wenn die Forderung, die er schon am Wiener Distriktstag 1906 erhoben habe, eine Filiale der Bank in Konstantinopel zu begründen, jetzt verwirklicht werde. Dadurch wird eine ständige Vertretung unserer Interessen in der Hauptstadt der Türkei geschallen. Ad 2. bezüglich der Prinzipien unserer Palästinaarbeit betont Referent, dass zwei Dinge notwendig sind: Die Förderung der heute schon vorhandenen jüdischen Siedlung in Palästina und die Vorbereitung iür eine ins Wenk zu setzende Massenkolonisation. Was die Hebung von Wirtschaft und Kultur der Juden in Palästina betrifft, so sei «s Aufgabe der zionistischen Arbeit, Jene fürsargende Tätigkeit zu entfalten, welche in geordneten Staaten die Regierung leistet, also Massnahmen zu treffen, welche der Allgemeinheit und nicht nur dem Einzelnen zugute kommen. Der wichtigste und ausschlaggebende Teil dieser Arbeit muss der Erziehung der Jugend gewidmet sein. Denn wenn die jüdische Jugend in Palästina in nationalem Sinne erzogen wird, dann wird sie den wichtigsten Paktor zur Regenerierung Palästinas bilden, andererseits wird durch nationale Kulturarbeit in Palästina sehr bald ein kulturelles Zentrum iür die Juden der ganzen Welt geschaffen und damit wenigstens eine der Aufgaben des Zionismus in absehbarer Zeit gelöst werden. Referent anerkennt die grossartigle Arbeit, welche der Hilisverein der Deutsch en Juden in bezug auf di» nationale Erziehung der Juden in Palästina leistet und verurteilt in scharfen Worten die Schulpolitik, weiche die assimilatorische» Organisationen in Palästina führen. So erziehe die Alliance in 'Mikweh Israel jüdische Ackerbauer, um sie nach Kanada, Egypten usw. zu exportieren. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die jüdische Siedlung in Palästina heute noch viel zu klein ist, um selbst bei nachhaltigster Förderung in jeder Richtung in absehbarer Zeit eine nennenswerte Bedeutung zu erlangen. Es ist daher notwendig, die Methode zu erproben, wie eine rasche