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Jüdische Zeitung · 1908-07-03 · 27 (3.7.1908) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
27 (3.7.1908)
Date
1908-07-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 27 eg??’ Sr St ijk' Sn' &■ deren Bedürfnissen und Anschauungen des böhmischen Distriktes keine Rechnung tragen. Deswegen hat iar den Zusammenschluss an eilte Reihe Bedingungen geknüpft, die durch keinen Majoritätsbeschluss beseitigt werden können. Er habe ein imperatives Mandat und sei 'an die Beschlüsse des D.-T. gebunden. Die Differenzen seien die folgenden: 1. Das Z.-Kmüsse eine kollegiale Behörde sein, daher üiirfe der Präsident nicht vom Parteitag gewählt werden. 2. Die Mitglieder, welche jeder Distrikt ins Z.-K. wählt, müssen im Distrikte selbst wohnen um die Verhältnisse im Distrikt auch wirklich zu kennen. Anderenfalls würde der Wiener Distrikt ein Uebergewicht über die anderen gewinnen. 3. Rückvergütungen, welche von den an das A.-K. voll abzuTührersden Schekel beansprucht und geleistet werden, sollen niemals fürVerbandszwecke verwendet werden, weil dies dem Prinzipe widersprechen würde, dass das Budget des Verbandes nujr durch Beit ragsMstun gen der einzelnen Distrikte und dicht im Wege der direkten Besteuerung der einzelnen Zionisten gedeckt werde. Daher dürfe eäce derartige Rückvergütung lediglich im Wege des Z. K. durch die Distrikte beansprucht werden. in der Generaldebatte spricht Del. Fritz L ö w, welcher den Entwurf bemängelt, da er von einer Vereinigung der Distrikte und nicht von dem Zusammenschlüsse aller Zionisten vorschlage. Nur; eine Vereinigung aller Zionisten könne eine Macht ergeben. Nur daran, dass eine solche Vereinigung : fehle, liege es, dass dOe zionistische Organisation ' kauen Einfluss auf das öffentliche jüdische Leben , besitze. Einen solchen Einfluss könnte und müsste j man vor allem gegenüber den Kultusgemeinden; zur Geltung bringen. Das böhmische Distriktsj kemätee, das durch seine Haltung auf dem Partei-! tage den Zusammenschluss erschwere, hat wohl zionistische, aber in dem genannten Sinne keine jüdische Arbeit geleistet. Die Fassung des Organisatjonsstatutes hält Redner tfür nebensächlich, ■ _ wenn sich nur che geeigneten tüchtigen Männer : Enden, die arbeiten wollen.. Aus dem Korreferate -dies Dr- Emil Margulies klang ein „Es geht nicht“ heraus. Er warnt vor einem solchen intransigen- : ten Standpunkte. Zur Besprechung (der Dä'ieren- .zen übergehenki, erklärt er, dass 'die Schekelfrage keine DärSerefiz bilden könne, da sich für die Hauptsache, die Abführung des vollen Schekels, alle ednsatzen müssten. In dar zweiten Forderung, dass die zu wählenden Mitglieder des Z. Kin dem betreffenden Distrikte wobneu müssten, sieht Redner einen direkten Eingriff in die Autonomie der ' D. 8C-, die gewöhnlich von Dr. Emil Margufes aufs nachdrücklichste vor jedem Angriff verteidigt werde. Den Obmann vom Z. K. möchte Redner gerne vom P. T. und nicht vom Z. K. gewählt wissen, denn der vom P. T. gewählte Obmann wäre der vom Vertrauen dar Zionisten getragene Führer der Bewegung und acht bloss ein Leiter der Parteigeschäfte. Dr. W e r n e r (Iglau) gabt. dem Wunsche, bald einen engen Zusammenschluss zwischen den westösterreichischen und gaiizisch - bukowinischen Distrikten zu finden, Ausdruck. Der Verband der westösterreichischen Distrikte wird gern die Bruderhand zum Zusammenschlüsse reichen. Er polemisiert dann gegen die Behauptung des Deleg. L ö w, dass die Zionisten ihren Einfluss Lm jüdischen Leben . eingebüsst hätten. Redner wendet sich in entschiedener Weise gegen . die Forderung des Dr. Emil Margulies, dass der . Obmann des Verbandes durch das Z. K. und nicht durch den Parteitag gewählt werde und bedauert, dass das böhmische D. K. seinen Delegierten ein imperatives Mandat mitgegeben habe. Deä. Böhm (Wien) diankt Gg. L ö w zunächst, dass er die Debatte auf ein höheres Niveau gehoben hat Er bespricht dann die Entwicklung der westösterreichischen Organisation, die jetzt den Weg zur Integration aller Kräfte eingeschlagen habe. Die Institution eines gesamtösterreroMschen L. K. bezeichnet er momentan und für die absehbare Zukunft als fiktiv, weshalb das Z. K. . für Westösterreich eine Notwendigkeit ist und ■durch unannehmbare Forderungen dürfte eine Bildung nicht unmöglich gemacht werden. Er spricht gegen die Forderungen des Dr. Emil Margulies, d'3e einen Argwohn enthalten. Dr. Margulies wendet sich offenbar gegen die politische Betätigung. Dies sei ein ungerechtfertigter Standpunkt, denn der Zionismus habe zur Voraussetzung die Erziehung des jüdischen Volkes zur Demokratie und zur Selbsthilfe. Auf dem Wege der politischen Betätigung lässt sich diese Erziehung am raschesten durchführen. Der Obmann des Z. Kmüsse vom P. T. gewählt sein, wenn man ihm ein grösseres Ansehen und einen bedeutenderen Einfluss sichern wolle. Del. Stöckel (Wien) betrachtet den Willen als das treibende Moment zur Gründung des Verbandes und nicht irgendwelchen Zwang. Er fasst den Verband als eine Organisation der Vereine und nicht bloss als einen Zusammenschluss der D. K. auf. Del. Dr. Margulies (Wien) wirft einen historischen Rückblick auf das Wachstum und diie Ausgestaltung der österreichischen Organisation. Zur Zeit als noch nominell ein zentralistisches Landeskomitee -bestand* herrschte tatsächlich eine volle Desorganisation. Seither gehe die Entwicklung ständig aufwärts. Die Autonomie der Distrikte war der erste Schritt, die Zusammenfassung der galizischen ein zweiter, die Vereinigung der wtestöstenreichischen Distrikte sei ein weiterer Schritt zu einer wirklichen, auf realer Grundlage beruhenden Einheit dar gesamten österreichischen Organisation, daher müsse diese Vereinigung unbedingt durchgeführt werden und wann auch Idäe Forderungen des böhmischen Distriktes sachlich zum Teil gegründet seien, so müsse man sich scharf dagegen, wenden, dass sie als förmliche Bedingungen ausgestellt wurden und auf diese Weise nden Zusammenschluss gefährden. Ganz unbegründet sei von diesen Forderungen jedenfalls dies, dass der Präsident nicht vom Parteitag gewählt werden müsse. Es sei vollkommen unrichtig, dass , der Zionismus im öffentlichen Leben keinen Einfluss besitze. Die Ereignisse der letzten Zeit, die Wahlen,, tos Auftreten der jüdischnatio- .nalsn Studenten In Wien, Czernowitz etc., der öemeindetag in Wien,, usf. zeigen, dass dieser Einfluss ständig im Wachsen sei. Dieser Einfluss wird erst ganz zu Tage treten, wenn Wir eine i stänke und einheitliche und angemessen repräsenj tierte Organisation haben werden. Dann Wird j erst geerntet werden, was die zionistische Arbeit der letzten Zeit vorbereitet hat. Schon von diesem Gesichtspunkte aus sei es notwendig, dass der Präsident der westösterrcichlschen Organisation vom Parteitag gewühlt werde, um auch nach aussen eine grössere Autorität zu haben. Dr. Engländer (Wien) wendet sich gegen die radikalen Anschauungen, die der .Entwicklung der zionistischem Bewegung wohl kaum nützen können. Als Ursache der verschiedenen Differenzen bezeichnet er die Neurasthenie urid den krankhaften Eigensinn der Juden. Abg. Dr. Gabel, mit lebhaftem Beifall empfangen, begriisst den Parteitag im Namen, des galizischen Z. K- Er hofft, dass eine Verständigung zwischen dem . Osten und dem Westen eintreten werde, denn tatsächlich bestehe in dem Fühlen und Denken der west- und ostösterraichischen Zionisten nicht der geringste Unterschied. Die zionistische Idee lebt und sucht alles Lebende zu umfassen. Die Organisation richtet sich nie nach Dogmen, sondern nach den tatsächlichen Bedürfnissen des Lebens. Nun sind aber die Lebens- , bedingungen im Osten andere als die. des Westens. ■Galizien hat unter dem Druck der polnischen Mehrheit zu leiden. Die galizischen D. Kmüssten, sich, um ihre Aufgaben lösen zu können, zu einem eigenen Zentrum zu&ammenschliessen. Wenn nun auch Westösterrieich' ein Zentrum schaffe, so ist eine Verständigung in nächster Zeit zu gewärtigen, damit die gemeinsamen AngeJegenlhlditen durch eine vereinigte Organisation besorgt werden kön- . neu. Die galizischen Zionisten seien keineswegs mit einer Zersplitterurig der Kräfte einverstanden. Auch Dr. Braude wünsche den Zusammenschluss auf das lebhafteste, selbstverständlich unter Betonung des .politischen Momentes, das in Galizien : von grosser 'Bedeutung sei. Wjeain es zu Dr. H e r z 1 s Lebzeiten eine jüdischnationaleVertretung gegeben hätte, so hätte sie- Herzl gewiss für seine Zwecke nutzbar gemacht. Die Zeit ist nicht fern, wo mau, sich auch im Westen mit jüdischer Politik befassen wird. Wenn auch die Entwicklung des jüdischen Volkes zur Errichtung eines eigenen Staates führen müsse, so sei eine Vorbereitung des Volkes unbedingt nötig. Dies könne man am besten. durch einei jüdischnationale Politik erreichen. Auch die Juden in Böhmen und Mähren werden an der Zukunft des ganzen jüdischen Volkes mitarbeiten und ihre materiellen Kräfte den galizischen Juden zur Verfügung stellen müssen. Man verlangt von den Zionisten in Böhmen und Mähren nicht bloss den SChekel und Natlmralioncsspenden, sondern ihr ganzes Fühlen und Denken. Zum Schlüsse tritt Dr. Gabel dien Gerüchten, als ob zwischen der Organisation uridi den zionistischen Abgeordneten irgendwelche Konflikte , bestehm sollten, auf das entschiedenste entgegen, bezeichnet sie als offenbare. Verleumdungen und erklärt, dass er keinerlei Kompromisse kenne. Mit den Worten: „Wir bekämpilem alle alten und korrumpierten Elemente, denn nur auf solche Weise kann man Erfolge erzielen“ schkesst er seine glänzenden Ausführungen. DeL L ö wry (Prag) konstatiert, dass die Vereinigung von allen als unbedingt erstrebenswert betrachtet wind. Er viexwahrt sich gegen den Vorwurf, der böhmische Distrikt arbeite nicht entsprechend. Die Frage der Organisation sei zwar wichtig, doch stehe himmelhoch darüber der. Zionismus, das jüdische Volk und die Idee. Er meint schliesslich, Dr. Emil M a r g u l i e s vertrete nicht die Anschauung des ganzen böhmischen Distriktes, da auf dem letzten Prager D. K- 'bloss 5 Delegierte anwesend waren. Del. Dr. S'i n g e r (Kolin) protestiert gegen die Behauptung des Gg. Löwy, dass der Prager D. T. nur von 5 'Delegierten beschickt worden sei. Es seien vielmehr 21 Delegierte erschierien. Es j wurden dort Beschlüsse gefasst, an die sichdie i böhmischen Delegierten unbedingt halten müssten, i Redner bittet schliesslich, ein Kompromiss! zwischen dien Vorschlägen des 'Gg. F i n z i und j Dr. Emil Margulies zu schlossen, damit man arbeiten könne? Dr. Margulies (Trautenau') betont in seinem Schlusswort, dass voraussichtlich durch eine Besprechung der Distriktsvertreter noch eine Einigung Zustandekommen wurde. Die Haltung des böhmischen Distriktes sei nicht durch Eigensinn diktiert; es sei aber besser, dass die Distrikte nicht sofort zu eng aneinander gepresst werden; der Zusammenschluss werde mit der Zeit ven selbst inniger werden. Die Sitzung wird hierauf unterbrochen, damit die Delegierten der einzelnen Distrikte zu den Kompromissvorscihlägen, die strittigen Punkte betreffend, Stellung nehmen. Nach Wiederaufnahme der Sitzung erklärt Dr. Werner, dass die mährisch-schlesischen Delegierten sich mit den böhmischen' auf folgendes Kompromiss geeinigt haben: 1. Der Präsident wrird diesmal vom Z. K-, vom nächsten, Parteitag au vom Parteitag gewählt. 2. Die mährischen Delegierten werden, ohne Iddss diesbezüglich .. ins Statut eine Bestimmung kommt, wenigstens 2 in ihrem Distrikte wohnhafte Zionisten ins D. K. entsendet. 3. In der Sohökelfrage wird der Antrag Dr. Margulies (Trautenau) in folgender, von Dr. Margulies (Wien) modifizierten Fassung ak- -zeptiert: „Der Parteitag spricht sich dafür aus, dass der Kongressbeschluss, betreffend die unverkürzte. Abführung der Schekel an das A. Kgenau eirigehalten werde. Die Schekel sollen nach Distrikten gesondert an das A. K. abgeführt werden. Wenn einzelne Distriktskomitees im Wege des Zentralkomitees Rückvergütungen von Schekelquoten beanspruchen und erhalten, so sind diese nicht für Verbandszwecke zu verwenden, sondern an die betreffenden Distriktskomitees zu leiten.“ . Del. Dr. M air gju Lies (Wien) erklärt namens der Delegierten von Innerösterreich, dass

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