Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 26 (26.6.1908)
- Date
- 1908-06-26
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE Z EITU Xi! Nr.' 26 falls sich leicht ein geschlossener Kreis bestimmter Vereine bilden könne, der die abgewiesenen Vereine zur Bildung einer Gegenzentrale drängen würde. Es seien grundsätzlich alle jüdischen'Vereine zuzulassen und nur deren nachträgliche Ausschliessung aus bestimmten triftigen Gründen vorzusehen. Ueber Befürwortung des Regierungsrates Schlag, nahm nunmehr die Versammlung das Regulativ mit dem Abänderungsvorschlage Dr. Zipsers an. Die wesentlichen Bestimmungen des Regulativs sind: die Bildung eines bei der Kultusgemeinde in der Seitenstettengasse zu führenden und auf Grund der wöchentlichen Berichte seitens aller Verbandvereine ergänzten Zentralarmenkatast ers,sowie die Errichtung einer Zentralauskunftsstelle, sowohl für die Verbandsvereine und anderweitige Wohltäter, als auch für die Hilfebedürftigen. Schliesslich wurden die Wahlen in das Kuratorium - der Zentralstelle vorgenommen. So sympathisch wir diesem Versuche, im Armenwesen endlich Ordnung zu machen, gegenüberstehen, können wir an einen durchschlagenden Erfolg erst glauben, wenn eine Zentralisierung des Armenrates in den einzelnen Bezirken im An- Schluss an die Bezirkskommissionen erfolgen wird,' deren Befugnisse allerdings vorher durch das Kultusstatut erweitert werden müssten. E. Z. Parteinachrichten. ' Oer IV. österreichische*- Parteitag der Poaie-Zionisten. HL Tag. Vormittagssitzung. Am dritten Tage erstattete der Verbandssekretär den Bericht über die Tätigkeit des Verbandes. Nachher brachte der Vorsitzende K a p - lä«ski folgende von den Kommissionen vorgeschlagenen Resolutionen in bezug auf die Taktik zur Vorlesung und Abstimmung. Resolutionen in bezug auf die Taktik. I. Der IV. Parteitag billigt das Vorgehen - der Parteiexekutive während der Reichrats¬ und Landtagswahlen, das mit den Beschlüssen des I1L Parteitages und den Prinzipien der Partei vollkommen im-Einklang steht. 11. Der Parteitag gibt jedoch seinem Bedauern Ausdruck, dass mehrere. Parteigenossen es unterlassen haben, die grundsätzliche Stellung der Partei im Wahlkampfe zu betoHen und den Wählermassen unsere programmatischen Forderungen und Anschauungen zugänglich zu machen. III. Der Parteitag hält jede taktische Anlehnung an andere politische Parteien für schädlich und hindernd und hebt die Notwendigkeit hervor, den Gegensatz unserer Forderungen und Anschauungen stets mit allem Nachdrucke zu 'betonen, obgleich er sich der 'Eikenntnis nicht verschliesst, dass die politische Zersplitterung der jüdischen Arbeiterschaft den ökonomischen und politischen Klassenkampf des jüdischen Proletariats in Oesterreich hemmt und ein Zusammengehen der jüdisch-politischen Parteien an gemeinsamen nationalen und ökonomischen Fragen erwünscht ist. IV. 'Der Parteitag billigt die von der Partei im Sinne des Beschlusses des III. Parteitages unternommenen Schritte zur Erlangung einer Vertretung für das jüdische Proletariat im internationalen sozialistischen Bureau und erklärt, dass nur die Bildung einer nationalen jüdischen Sektion innerhalb der Internationale, die alle jüdischen proletarischen Parteien umfasst, als eine Anerkennung des Rechtes des jüdischen Proletariats auf eine Vertretung in der internationalen Arbeiterassoziation betrachtet wenden kann. V. ln Erwägung dessen, dass nur das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht den Juden Galiziens und insbesondere: der jüdischen Arbeit erschaff eine Vertretung im -Landtage sichern könne, erklärt der Parteitag: Wir fordern das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Proportional-Wah-Irecht für den Landtag, Eine Wahlreiorm auf Grundlage des nationalen Wahlkatasters ohne Proportionalsyste-m^ macht die Vorteile des' gleichen Wahlrechtes für das jüdische Proletariat illusorisch. 'In der NachmittSgssitzung referiert Gg. K a s sriel an Stelle des^äm Erscheinen verhinderten Dr. Josef Mar Julies über den Punkt: .Partei und Gewerkschaft“. Seine Vorschläge und Resolutionen' sind ein Kompromiss zwischen den zwei Extremen Sokol (Czernowitz), der die vollständige Auflösung verlangte, und Kretz (Lemberg), der für die weitere Behaltung des gewerkschaftlichen Verbandes spricht. Die Resolutionen de| Gg. Kassriel lauten: ■ I. Der Parteitag überlässt der Exekutive nach Anhörung des Lokalkomitees und im Einvernehmen mit der Verbareisleitung von Fall zu Fall zu entscheiden, ob die Arbeiterschalt einer Branche oder Ortschaft in Ortsgruppen des Zentralverbandes oder in denen des allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes zu organisieren sei, woljei für die -Exekutive die Erwägung richtunggebend sein muss, dass die ökonomische Lage des jüdischen Proletariats die Verwirklichung der gewerkschaftlichen Aktion erfordert,, sowie dass das enge Einvernehmen zwischen der politischen und ökonomischen Organisation des Proletariats eftn notwendiges Erfordernis zur Entfaltung beider Organisationen ist. III. Der Parteitag erblickt in der Neutralität der Gewerkschaften eine - Vorbedingung für die Zusammenfassung aller proletarischen Gruppen zu geschlossenem, erfolgreichen 'Massenkampfe und fordert alle Parteigenossen, die in den. Zentralverbäriden organisiert^ sind, auf, energisch für ihre neutrale Haltung einzutreten. III. Der Parteitag spricht sich für!die Aufrechterhaltung des allg. jüd. Arbeiterverbandes aus, -gibt. Jedoch dem Wunsche Ausdruck, dass die V-erbaradsleitung Massnahmen ergreife, um den Uebertritt von Mitgliedern des allgemeinen jüdischen Arbeiterverbandes Oesterreichs zu den Zentralverbärnden ohne materielle Einbusse zu ermöglichen. In der Nachtsitzung erstattet Gg. Feuerm a n n '(Stanislau) das Referat: „Organisation“ und schlägt einen Statutenantwurf zur Annahme vor. 'Derselbewird einer Kommission zur Durchberatung unterbreitet. Wegen vorgerückter Stunde ‘beantragt Gg. Kaplans k i, vorerst die Wahl der Parteileitung vorzunehmen. Es werden gewählt: t In das Exekutivkomitee mit dem Sitze in ■ Wien: Dr Josef Margulies, Max Rosenf e:l d,. Elsas W art tie ir b e ir g, Nathan Gross und Ka p 1 ans ki -Kap 1 an. Als Stellvertreter: Leo Me i s e 1 s und Julius Schüller, alle in Wien wohnhaft. In die Parteileitung werden gewählt: N u s s b a n m,.. Meller, H e i 1 p e r n, Frl. H e r s c h s t e i p lalle Krakau), Dr. D r i mmer und Schussheim XStanislau), Herz Salomon und K r e t z-Samuel (Lemberg), Weissbarst (Tarnopol), Dr. Händel (Jaroslau) und Steinmetz i(Czernowitz). Nachher erstattet ‘Frl. Mayer das Referat über „Frauenörgamsation“. Die Referate übier „Jugendliche Organisation“ urid „Kultur“ entfielen. Ueiber Antrag des Gg. Reisswurden hoch folgende Resolutionen angenommen: I '>; I. Der Parteitag nimmt dankend: zur Kenntnis, dass die' abtretende Exekutive die 'Parteigeschäfte bis längstens Ende September besorgen wird. II. Der Parteitag ermächtigt die Exekutive, das Zentralorgan der Partei, den „Jüdischen Arbeiter“ nach Lemberg zu übertragen. In die Palästina-Kommission werden gewählt: Dr. Feldltb.iumj, Polier und' Meller (Krakau) und in die Kontroll-Kommission: Emil Kafka, Gustav Kohn•'und"' Ernst' Kornberger. Nach dien Schlussreden der Gg. Wattenberg und Kaplanski wurde; der IV. Parteitag um 3 Uhr nachts geschlossen. * * * Ein zionistisches Jahrbuch. Der Verein zonistischer Hochschüler „Theo-: dor Herz!“ lässt im Laufe des nächsten Monats das erste Jahrbuch seines Seminars, erscheinen;, in diesem Werke werden einige der Arbeiten. dieimzionistischen Seminar des Vereines behandelt wurden, vereinigt sein, um ein .‘Bild von der bisher entfalteten Tätigkeit in dieser Institution zu geben. Unter anderem enthält das Sammelbuch folgende Beiträge: Dr. Nathan ‘Birnbaum: Morris Rosenfeld: Artur Felix: 'Palästinakunde; Gustav Kohn: Der Zionismus. Oswald Löbl: Jakob Wassermann; Dr. Josef Meist: Moriz Lazarus; Dr. Ernst Müller: Die Sprache der Juden in Palästina; Dr. Daniel Pasmanik: Grundlagen der jüdischen Nationalität; flschel Rotenstreioh: Die Juden als Steuert, äger in den grösseren galizischen Städten;‘Dr. Ignaz Schipper: Anfänge der Agrarkolonisatipn der Juden in Polen; Siegfried Schmitz: Jüdische Kunst. Elias Tisch: J. Berschatzky. — 'VorausbesteLlungen werden sdhön jetzt entgegengenammen und sind an die Adresse des gefertigten. Vereines, Wien, I., Universität, zu richten. Verein „Theodor HerzI“. Ein jüdisches Studentenheim. Der jüdische Nationalverein hat ein Komitee zur Gründungsvorarbeit eines jüdischen Studentenheims eingesetzt. Ibr Juden, kommt und hört mich an, Es gilt ein Werk zu weben,; JVVia lange Jceines; ward, getan —. rr- :.,- Ein Bild; ein Traum, ein goldner Wahn Erwacht zu blühendem Leben! Ein Heim für unsern jungen Schwarm, Ein Beet für uns’re Blüte, Ein Stolz für Reich, ein Schutz für Arm — Welch’ heller, freudiger Alarm Der alten, jüdischen Güte! Ein Mucker, der von „Wohltun“ spricht, Von „Spenden“ und „Präsenten“! Ein jeder tue seine Pflicht! Sie bitten und sie betteln nicht, Die jüdischen Studenten! Sie -haben sonder Lob und Lohn Sich schlicht und brav geschlagen, Ihr heisses Wollen schlug den Hohn; Sie hatten keinen Deut davon, Vielleicht den hungernden Magen! Wo gibt’s ein Gutes auf der Welt, Dem fern ein Jude bliebe?! Wir ackern manches fremde Feld Mit unsrer Kraft,,mit unserm Geld Und unserer flammenden Liebe. Wohlan! Nun gilt es unser Gut Zu hegen und zu pflegen — Es ist ja unser Fleisch und Blut, Auf dem die Golushoffnuug ruht, Die Hoffnung auf schimmerden Segen, Drum, Judenvolk! In Eintracht vor! Was Zwietracht sät, verdamm’ es! Und bald ragt stolz ein Bau empor, Die Worte leuchten ob dem Tor: . Der Zukunft des jüdischen Stammes! Wien, im Juni 1908. Beda.