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Jüdische Zeitung · 1908-06-26 · 26 (26.6.1908) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
26 (26.6.1908)
Date
1908-06-26
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Sfeite 2 Nr. 26 JÜDISCHE ZEITUNG gesamten Judenschaft Oesterreichs zu wahren hat und mit diesen aufs innigste verknüpft ist (wenn auch nicht überall die Juden so zahlreich sind, um bei Wahlen eigene jüdische Abgeordnete durchzubringen), machte sich dennoch nach Eroberung einiger Parlamentsmandate in Galizien eine Strömung geltend, welche die innerpolitische Betätigung als eine rein galizische Angelegenheit, betrachtet wissen wollte., So wurde, nicht ohne Widerstand eines Teiles der galizischen Distrikte am galizischen Landesparteitag, (27.|28. Oktober 1907) ein galizisches Zentralkomitee in Lemberg gewählt und ihm sowohl die Führung der rein zionistischen, als auch der politischen Agenden übertragen. Ein g es amt österreichisches Landeskomitee wurde damit in merito illusorisch gemacht und die überaus heikle Frage des Verhältnisses der zionistischen zur politischen Organisation kurzerhand durch vollständige Identifizierung beider gelöst.. Ob diese improvisierte und autonome Organisationsänderung notwendig war und ob sie sich in den sieben Monaten ihres Bestehens bewährt hat, wollen wir hier nicht untersuchen. Denn darüber wird auf einem nächsten gesamtösterreichischen Parteitag zu sprechen sein, dessen Einberufung schon die Konferenz der westösterreichischen Distrikte vom 10. d. verlangt hat, welcher Forderung der Brünner Zionistentag gewiss mit allem Nacbdnick beitreten wird. Denn die unbedingte Aufrechterhaltung der gesamtösterreichischen Organisation ist ein Postulat, über das in Westösterreich so ziemlich alle Faktoren einig sind. Jedenfalls ergibt sich aber für die westlichen Distrikte als nächste Aufgabe die Schaffung eines engerea Verbandes und einer Oberleitung. Diese wird am Brünner Zionistentag erfolgen, hoffentlich in einer Form, welche än dem Bestände der gesammösterreichischen Organisation nicht rüttelt, . Die Frage der Stellung zur nationalpolitischen Partei .ist dabei vorläufig ausgeschaltet. Dem westlichen Zentralkomitee kann von den Distrikten nur die Leitung rein zionistischer Angelegenheiten überwiesen werden, weil dies einerseits formell nicht anders möglich ist, anderseits aber jede weitergehende Forderung so heftigem Widerspruche 'begegnen würde, dass der Zusammenschluss dadurch unmöglich gemacht würde. Die Führung der nationaljüdischen Politik in Westösterreich wird nach wie vor dem Jüdischen Nationalve’rein überlassen bleiben, dessen Leitung ja in den Händen bewährter Zionisten liegt Mit dieser/ Lösung werden sich wohl auch jene Delegierte einverstanden erklären, welche der Verschmelzung der zionistischen mit der politischen Organisation seit langem mit allem Nachdruck das Wort reden. Sie haben darin recht, dass die Erreichung des zionistischen Zieles eine Erziehung des jüdischen Volkes zur Demokratie, Selbsthilfe und Selbstverwaltung voraussetzt die zionistische Organisation daher die Pflicht hat diese Erziehung auch im Golus praktisch durchzuführen. ,. Dass die nationaljüdische Politik, besonders wenn sie die Erringung der nationalen Autonomie zum Kampfziel macht dasjenige Gebiet ist, auf welchem am raschesten und nachhaltigsten jene Erziehung praktisch durchgeführt werden kann, dass sie. daher ihrer Wirkung nach innen gemäss, eminent zionistische Arbeit ist, kann nicht geleugnet werden. Aber, wie die Erfahrung zeigt könnten durch ausschliessliche Beschäftigung mit den Fragen des Tages in der zionistischen Partei die grossen allgemeinen Gesichtspunkte sowie die Arbeit für das Endziel, namentlich für Palästina, in den Hintergrund gedrängt werden, Differenzen über Fragen der Taktik oder wegen politischer Programmpunkte könnten die Einheit der zionistischen Organisation stören usw. Daher ist es besser, die zionistische Organisation in keine speziell politische oder wirtschaftliche oder kulturelle umzuwandeln, sondern sie als W a h r e r i n des grossen allgemeinen zionistischen Gedankens, als Nährmutter für all die notwendige und fr.uch tb'ar e Tätigkeit für Gegenwart and Zukunft des jüdische n Volkes zu betrachten, welche die Zionisten im Golus und in Palästina auszuführen haben. Wir wünschen dem westösterreichischen Zionistentag eine erfolgreiche Beratung und geben der Hoffnung Ausdruck, dass sich die Debatten des Parteitages inhaltlich und formell auf ansehnlicher Höhe halten werden. Rundschau. Noch einmal der Huldigungsfestzug. In der letzten Nummer dieses Blattes wurde; an gleicher Stelle die brutale Verhöhnung des Judentums; welche sich das Festzugskomitee geleistet hat, besprochen. Es wurde auch eine Bemerkung der „ W iener Allgemeinen Z e i - tung“, nach weicher der Kaiser seinem ganz besonderen' Wohlgefallen an der Z w eir gg e s tal t .des mithump.elnden polnischen Juden offenkundigen Ausdruck gegeben und die kleinen Erzherzoge ganz speziell auf die pöbelhafte Karrikatur aufmerksam gemacht haben soll, gebührend, d. h.. mutmasslich als iftfame Lüge eines deutschfiberalen, chara'kter’osen Zeitungsschmierers. gewürdigt. Die Berechtigung dieser Kritik erscheint nunmehr unzweifelhaft bestätigt Von authentischer Seite wufde der Redaktion der „Jüdischen Zeitung“ mitgeteilt, dassder Kaiser gegenüber dem Ehrenpräsidenten des Festzugskomitees Grafen Wilczek seine, missliebige Verwunderung über diese Takt- und Geschmacklosigkeit der Veranstalter lebhaft betont hat. Die gleiche Quelle bezeichnet den Verfasser der erwähnten Notiz in der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ als getauften Judenstämmling. Wie zu erwarten war. $ $ Hoch der Zar, Hoch Lueger! Kriegsgerichte kosten Geld, Judenmetzeleien kosten Geld, die Maitressen der Grossfürsten und Gefangenentransporte nach Sibirien kosten Geld, so viel Geld! Heilige Mutter von Kasan, half! Und die Gütige half. Sanldte einen aus dem. Stamme der schmutzigen Hebräer,' den Wiener Juden T a u s s i g. Er borgte an allen Ecken und, Enden und1 wart Millionen dem Väterchen Nikolaus, in den Schoss. Und die Kriegsgerichte konnten. Weiterarbeiten, Jiinüenhunde an den Galgen bringen und Pogroirihelden freisprechen, die Hooligans bekamen schöne neue Revolver und Guoimiknüttel, die Grossfürsten waren vor der Not des Ehebettes ‘bewahrt, der Export naoh Sibirien wurde verdoppelt und Väterchen erstand sich einen bombensicheren Panzerwagen, drei Millionen Heiligenbilder und das Steissbein des ‘heiligen Kyrillos als Schutz gegen Intelligenzler und Juden! Ein fixer Kerl, dieser Taussig! Um Gotteshilie und ein halbes Prozent erlöst er tausende von Juden aus. dem irdischen Jammertal und spediert sie in den. Himmel, das heisst der Judennot radikal abhelfen L Stolz können wir auf ihn sein! Die plumpen Tölpel, die von Volksverrat und Schufterei sprechen, soll der Teufel holen! Verstehen es eben nicht, Und wir besitzen einen solchen allen echt jüdischen Ruf: „Aschre“ CHBK), entsprechend Hpm deutschen „Heil“, aber wohlklingender, weil zweisilbig und in einen Vokal auslautend. Von den ältesten Zeiten des Judentums ah bis zum Zeitalter des Talmud ertönt dieser jüdische Ruf in mehrfacher Form. Warum nicht auch jetzt? Möge nun der alte, echt jüdische, ausdrucksvolle, wohlklingende, für alle Anlässe passende Nationalruf „Aschre!“ wieder aufgenommen werden und fort mit dem unjüdischen und auch nicht besonders wohlklingenden „Hedad“. 1 ‘jtiiir fnars — ttci *6 *rrn V. J. H. Der spanische Kronprinz — ein Judenstämmling. WährensJ die überwiegende Mehrzahl aller Herrscherdynastien dem deutschen Volke angehört oder aber von Deutschen abstammt, leitet nur eine ganz geringe Anzahl von Herrscherfamilien ihren Ursprung vom jüdischen Volke ab. Wenn man von den verschiedenen Usurpatoren absieht, die im nördlichen Zehnstämmereich regierten, so gab es im jüdischen Altertum nur zwei Dynastien jüdischen Ursprungs, die Davididen und die Hasmonäer, deren Nachkommen in weiblicher Linie die heroiiandsch-idumäisChen Herrscher waren. Die Herrsoheriamilien von Adiaibene und die Chazarenfürsten können aber hier nicht mdtgezählt werden, da sie nur den mosaischen Glauben annahmen, ohne dem jüdischen Volke anzu'gehören. Von den heute noch regierenden oder doch noch souveränen Familien sind es drei, denen man jüdische Abkunft nachzusagen pflegt, die (Kaiser von Abbessynien, die Bernadettes und die Braganza. Bei ersten ist die jüdische Abkunft sicher,*) bei den Bemadottes wahrscheinlich und bei den Braganzas vorderhand noch unerwießen, doch -keinesfalls unmöglich. Den 'Bonapartes pflegte man zur Zeit des zweiten Kaiserreiches ihre angebliche jüdische Abkunft vorzuwerfen, doch mit Unrecht, denn sie entstammten einer alten italienischen, schon im . 12. Jahrhundert in Florenz erwähnten Familie. Es dürfte aber sicher grosses Interesse erwecken, dass eine noch jetzt blühende, souveräne deutsche Familie eine jüdische Stammutter hat Und Idamit verhält es steh folgendennassen. Als einst die Landgräfin von Hessen der Kaiserin *) Erst vor wenigen Jahren erhielt ein franz. Gelehrter, der den Nachweis führte, dass Negus M-eneiik ein Nachkomme König Salomens und der Königin von Saba ist -einen hohen abessynischen Orden. Katharina II. einen Besuch am Zarenhoie in Petersburg abstattete, da war ihr Reisebegleiter und. Adjutant ein jüdischer Offizier namems Haneke. Br stand bei seiner Fürstin in hoher Gunst und trat aui ihren Wunsch zum Protestantismus über. Sie verheiratete ihn mit einem ihrer Kammerfräulein namens Käthe 1.**) Ein Sohn aus dieser Ehe war der Staatsminister Haucke, der im Jahre 1829 den polnischen Girafenstand erlangte. Er selbst war mit einem Fräulein Schweppenhäuser, der Tochter eines lutherischen Geistlichen, vermählt. Seine, aus dieser Ehe stammenden Töchter waren die Gespielinnen der jungen Prinzen am Darmstätter Fürstenhofe. So traf es sich dann, dass eine von ihnen, J u 1 i a n n e Gräfin v. Haneke, die Gemahlin des Prinzen Alexander von Hessen wurde. Doch trotzdem ihr Vater schon Grai geworden, galt diese eheliche Verbindung als Messalliance und konnte nur morganatisch geschlossen werden. Die Kinder aus. dieser Ehe erhielten Titel und Rang als „Prinzen von Battenberg“. **) Diese Nachricht wurde zur Zeit der Vermählung des spanischen Königs von Ider ,.Frankfurter Zeitung“ und dann von den „Leipziger N. N.“ gebracht. In Wien übernahm diese interessante Notiz nur die. „Mittagszeitung“ und das „Neue Wiener Journal“ vom 18. Februar 1906. Die christlichsoziale Presse schwieg sich gründlich aus. . .

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