Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 25 (19.6.1908)
- Date
- 1908-06-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 (Wiznitz) und Herz (Lemriel, Locker toerg). ln der darauf folgenden Abstimmung werden die vom Gg. Kenner vorgelegten Resolutionen angenommen. , Nachmittagssitzung. .; In der Nachmittagssitzung hält Og. Kaplan s k i seine Schlussrede. Zunächst wiederlegt er die Kontra-Ausführungen des Gg. K a s s r i e 1 und versucht, seine Bedenken gegen die Land Developement Comp, zu begründen. In der Abstimmung wurden schliesslich die Resolutionen des Referenten, nachdem sie von eintim hierzu eingesetztem Ausschüsse redigiert worden sind, fast einstimmig angenommen. Nun gelangt der 5. Punkt der Tagesordnung: „Unser Gern einde p rog ramm“ zur Verhandlung. Referent ist Gg. Max Rosenield (Drohobycz). Er führt folgendes aus: •Die sozialistischen Parteien haben in bezug auf das Gemeindewesen bis nun ein unzureichendes Programm, weil sie den Staat allein als dien mächtigsten Faktor betrachten. Es' ist aber die Pflicht einer jüdisch-politischen Partei, ihr Verhältnis zu den bestehenden Kultusgemeinden klarzustellen, weil sie die einzige rechtlich anerkannte jüdische Venwaltungskörperschaft bilden. Redner schildert dann die Entstehung und Geschichte der Kultusgemeinden. An der Hand von Daten weist er nach, welch elende Zustände in den Rultusgemeinden herrschen. Eine durchgreifende Reform sei notwendig. Vor allem das allgemeine, geheime und direkte Wahlrecht, Reform des :Steuersystems und eine Reihe von Massnahmen auf dem Gebiete der Sozialpolitik, der Volksbildung und Volkshygiene. Es sei ein Zusammenschluss notwendig. Die Gemeinden sollen in einen Provinzbezw. Reichsverband mit einer Nationalkammer an der Spitze veFetnigt werden. Der Referent legt seine diesbezüglichen Resolutionen, welche einer Kommission zur Redaktion übergeben werden, vor. : Hierauf erhält das-Wort Gg; M'e 11 e r (Krakau) zum Referate über „Taktik und unsere .Stellung zu den politischen Partei« n“. Nach seinem Reierate wurde die, Nachmitiagssitzung um 8 Uhr geschlossen und eine N a c h t s i t z u n g für 12 Uhr anberaumt. In der ‘Nachtsitzung wurde über das Referat und die Resolutionen des Gg. Mieller diskutiert. Schliesslich werden zwei Generalredner, Gg. Kassriel und Gg. Buchbinder gewählt. K a s s r i e 1 plaidiert für unbedingtes Zusammengehen mit der Sozialdemokratie, da diese die einzige revolutionäre Partei'sei. Gg. Buchbinder meint, dass die P. Z. den Sozialdemokraten nicht immer ihr Vertrauen schenken dürfe. Doch sei es opportun, in gewissen ‘Fällen sie zu unterstützen. Er. meint, dass der jüdische ‘Klub allzu ‘heftig angegriffen werde. Man müsse doch •bedenken, dass auch der sozialdemokratische Verband im.Parlamente bis jetzt nichts Positives geleistet habe, ■Es wird sodann ehre Kommission zur Beratung über idie ‘Fragen der Taktik und zur Vorlegung von Resolutionen, bestehend aus Kap- Jansky, Nussbaum, Wattenberg, Locker, Herz, Feuermann und Rosenf e 1 d eingesetzt. Konlerenz der galizischen Nationalfonds- Kommissäre. Sonntag den 14. d. M., um 3 Uhr nachmittags, fand über Einladung des Herrn Dr. B o d e tili ei me r eine Konferenz in Sachen des N.-F. statt. Anwesend waren ausser ‘ dem Einberufer, der Ghef der Wiener N.-F.-Sammelsteüe, Gg. Dr. Egon Zweig, eine Anzahl neuer N.-F .-Kommissäre aus Galizien, die Mitglieder des Z.-K. mit ihren Präsidenten Dr. Marcus Brau de und die Mitglieder des Lemberger D.-Kmit ihrem Obmanne David Schreiber. Die Konferenzhatte einmütig ■> folgende Bestimmungen getroffen: 1. Die in den Distriktskreisen gesammelten -N.-F.-Gelder müssen von den Spendern oder den örtlichen N.-F.-Sammlem an die zuständigen .. Distriktskommissäre abgerührt werden. 2. Die vier Distriktskommissäre (die Gg. J..S. Philipp-Lemberg, Dr. Ch. Hilfstein- Krakau, Meier H e n i s c h-Stanislau und Dr. Israel W a 1 d m a n n - Tarnopol) müssen die bei ihnen eingelaufenen Gelder allwöchentlich jeden Sonntag an die „Sammelstelle des N.-F. für Oesterreich“ in Wien, IX., Türkenstrasse 9, abführen. 3. Die Wiener Sammelstelle stellt alle aus Galizien eingelaufenen N.-F.-Spenden in einem geordneten Ausweis zusammen und sendet denselben gleichzeitig an die Redaktionen des „Tagblatt“ und „Wischod“ in Lemberg und der „Jüdische Zeitung" in Wien zur Veröffentlichung. 4. Die Einzelverteilung der Sammelmaterialien (Büchsen, Bögen, Marken, Telegrannnblankette), das Einziehen der mit Hilfe derselben eingebrachten Spenden, wie überhaupt die Generalleitung der Agitation für den N.-F. in den entsprechenden Distrikten besorgen die Distriktskomitees, welche alle Materialien aus Wien, als ihrer oberen Aufsichtsstelle, zugesandt bekommen. 5. Jeder Distriktskommissär muss sich unverzüglich ein selbständiges Postsparkassen- Konto eröffnen, damit die Einziehung der gesammelten Spenden vermittels der Postsparkassenchecks leichter und rascher vor sich gehen könne. Das Postsparkassertkonto solle lauten: „Nationalfonds-Kommission Lemberg“, respektive Krakau, Stanislau, Tarnopol. WSr geben unserer Hoffnung Ausdruck, dass mit Hilfe dieser Vereinbarung die innere Organisation der N.-F.-Sammlungen in .Galizien, wie auch ihr Verhältnis zur Wiener Sammelstelle auf befriedigender Weise geregelt worden ist und wir fordern hiermit ‘alle Zionisten in Galizien auf, mit noch grösserer Energie für den N.-F. zu arbeiten. Lemberg, den 14. Juni 1908. Gezeichnet": Dr. Max B o d e n>h e i me r, Präsident des Jüdisehen N.-F. in Köln; D r._ Michael - Egon Zweig, Chef der Wiener N.-F.-Sammelstehe; Dr. Marcus B r a u d e, Präsident des galizischen C.-K.; Jakob Salomon Philipp, N.-F.-Kommissär des D.-K. in Lemberg; Wilhelm L a nd a u, Vertreter des N.-F.-Kommissärs für das D.-K. in Tarnopol. . Die Zustimmung zu diesen Vereinbarungen der am. Erscheinen verhindert gewesenen N.-F.- Kommissäre aus Stanislau und Krakau, Herrisch und Dr. Hilfstein, wird nachträglich eingeholt werden. * . * , Ussischkin. Es gibt hierfür einen mildernden | Umstand: die westeuropäischen Zionisten \ lesen fast gar nicht die Literatur und die Presse der osteuropäischen Zionisten, da diese Presse in rassischer Sprache und im Jargon geschrieben wird. Aus Pietät interessiert man sich nur für die hebräische Presse, repräsentiert durch „Haschiloach“, der eben von Herrn Ussischkin geleitet wird. Und so glaubt man in Westeuropa, der »Haschiloach*, respektive Herr Ussischkin sei die Verkörperung des osteuropäischenZionismus.*) Der Leser könnte nach dem Briefe Warburgs meinen, die unzivilisierten osteuropäischen Zionisten allein seien nicht imstande die Bedeutung der Land Development Company zu begreifen, weil Herr Ussischkin und seine engeren Anhänger dagegen seien. Wir könnten ja darauf hinweisen, dass das Zentralkomitee der russischen Zionisten die Garantie für 2000 Aktien übernommen hat, dass in Lodz allein während der kurzen Zeit für 1000 Rubel Aktien verkauft worden sind, dass im offiziellen Organ der rassischen Zionisten sehr sympathische Artikel des Herrn B. Goldberg, Mitglied des Zentralkomitees, veröffentlicht wurden, was ja am besten beweist, dass Herr Ussischkin noch lange nicht, die Durchschnittsmeinung der rassischen Zionisten ausdrückt. Aber für mich handelt es sich gar nicht darum, speziell die Grenzen der Ein-, flusssphäre des Herrn Ussischkin hier zu zeigen Da kann ich nur einen Rat geben; lesen Sie genauer die Presse der russischen Zionisten — den „Rasswiet* (russisch) und das „Jüdische Volk* (im Jargon). Mir handelt es sich hier um ganz was anderes: ich will die Gründe aufdecken, die Herrn Ussischkin veranlassen gegen die Land Development Company anfzutreten. Dass diese Gegnerschaft nicht speziell osteuropäisch ist, beweist uns am besten die Tatsache, dass die Gegner der Land Development Company auch in. England zu finden sind, und zwar unter d^n_ nicht einge^anderten Zionisten. Diese Gegnerschaft.ist, gar, nicht, geographischer Natur, sondern * hat viel tiefere Ursachen. - Auf den. ersteir. .Blick möchte man meinen, es handle sich da um den Gegensatz zwischen staatlicher und privater Kolonisation, respektive zwischen Kolonisation ft Statt jeder besonderen Anzeige. Die jüdisch - akademische Verbindung „Ivria“ erlaubt sich allen ihren E. B. E. B., A. H. A. H., i. a. B. L a. B., Freunden und Förderern -Kunde. zu -geben von dem schweren Verluste, den sie durch den Tod ihres lieben A. H., des Herrn Ingenieur Julius Hahn erlitten hat Fiducit! J. A. d. A. C. J. U. C. Hermann Löw dz. X J. U. C. Robert Beer, dz. XXX ■".'S -:- . Verschobene Begriffe. Von Dr. D. Pasmanik (Genf). Ich habe die zwischen den Herrn Professor Warburg und Ussischkin ausgetauschten und in der Nummer 21 der „Welt* veröffentlichten Briefe sehr aufmerksam gelesen. Ich bin in allen Punkten mit dem verehrten Vorsitzenden der Palästinakommission einverstanden, mit Ausnahme eines einzigen. Diesen halte ich für wichtig genug, um näher auf ihn einzugehen, weU dadurch eine prinzipielle Frage geklärt wird. Herr Professor Warburg scheint Herrn Ussischkin für den typischen Vertreter des Ostjudentums zu halten. Herr Prof, Warburg verkennt beide. Das Ostjudentum und Herrn von „oben herunter* und von „unten her* auf*. Ja es scheint so, denn Herr Ussischkin beruft sich eben auf die „Initiative von unten*, als ob Herr Warburg den Protektor „von oben* spielen wollte. Wäre es so, könnte man mit prinzipiellen Waffen kämpfen : man könnte sich auf die Erfahrungen der anderen Völker berufen, auf unsere eigenen, am zu sehen, oh wirklich die staatliche, oder die private Kolonisation die besten Resultate geliefert hat. Vielleicht käme da heraus, dass unter den gegebenen Umständen weder di» eine noch die andere die richtige Kolonisationsmethode darstellt, sondern dass nur die kombinierte Methode die.richtige Ist, d. i.. diejenige, bei ..der. der Staat nicht kolonisiert, sondern nur die Rolle des technischen Instruktors, des Leiters der gesellschaftlichen Tätigkeit, <Jes,Initiators der neuen Kulturmethoden und des Unternehmers der öffentlichen Arbeiten übernimmt, während die Kolonisation als solche Sache der privaten Initiative ist. Aber wer genauer die Meinungen des Herrn Ussischkin kennt, weiss, dass er selbst sehr weit davon entfernt ist, alles von der Privatinitiative za erwarten. Er verlangt ja selber, dass der Staat, resp. die zionistische Organisation eine *) Wie unrichtig diese Meinung ist. beweist am besten folgende Tatsache: Als ich in dem russischen Organ der Zionisten, im „Rasswiet“ einen Artikel über die Grundlosigkeit der gegen die Land Development Company gerichteten Attacke veröffentlichen wollte, antwortete man mir, es sei nicht der Mühe wert, dem „Haschiloach“ zu antworten, da sich in Russland niemand mit den in diesem Blatte darüber vertretenen Ansichten solidarisch erklärt.