Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 24 (12.6.1908)
- Date
- 1908-06-12
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 H.. Aufgaben ■ des Zentral-Komitees. 26. Dem Zentralkomitee obliegt: a) der Verkehr mit dem A.-C. und die Durchführung seiner Anordnungen; b> die Durchführung der Wahlen für den Kongress; c) . dfe Einberufung der . westöster.reichischen Parteitage; d) dfie Erstattung des Rechenschaits- und Kassaberichtes bei demselben; e) die Vorlage des Budgets für das nächste 'Geschäftsjahr; i) die Ueberwachung der Parteipresse; g) die Ueberwachung der Tätigkeit der Distriktskomitees. I. Die D.-K. sind verpflichtet, dem Z.-K. jede gewünschte Auskunft über ihre | Tätigkeit zu geben. i II. Das Z.-K. ist berechtigt, von einem D.-K. die Einberufung eines Distriktstages zu fordern, wenn sich im Z.-K. hierfür die Zweidrittelmajorität ergibt. III. Wenn ein D.-K. binnen drei Wochen dieser Aufforderung' nicht Folge leistet, ‘ so steht dem Z.-Kdie Einberufung eines Distriktstages mit Umgehung des Distriktskcanitees zu. h) die Zentralisierung aller Sammlungen ihr zionistische Zwecke; i) die Einleitung der Schekelsammiung, und zwar übergibt das Z.-Kdem D.-K. die Blocks zum Inkasso; j) die Herausgabe von Broschüren, rlugscnntten und sonstigen Agitationsmitteln; k) die Versorgung von- Rednern zu zionistischen Veranstaltungen. I. Zentralbureau. 27. Das Z.-K errichtet zur Durchführung der reüi adirinistrativen Arbeiten ein Zentralbureau in Wien 28. Das Z.-B. fungiert gleichzeitig als Sammelstelle für den Nationalfonds. _ . 29. Die Kosten des Z.-Kwerden von dKO •D.-K. nach einem von dem Parteitage jeweilig iestzirstellenden Schlüssel aufgebracht. 30. Diese Kosten sind in das Budget des Z.-K. einzubeziehen und werden vom Parteitage festgesetzt. Thesen zum Palästinareferat. (Von Gg. Adolf Böhm, Wien.) 1. Palästinaarbeit. . .1. Der w.-ö. Parteitag spricht' dem Leiten des Palästinaressorts Gg. Profi Dr. Otto Warburg sein unerschütterliches Vertrauen aus und erklärt sich mit dem System seiner Arbeit vollkommen einverstanden. Insbesondere begrüsst der P.-T. die Einsetzung eines P a 1 ä s t ä n a a m t e s, welches einer Forderung des österreichischen Zionistentages zu Bielitz 1907 entspricht, sowie die Berufung der Gg. Dr. Arthur Ru p p i n und Doktor Jakob Thon in dieses Amt aufs wärmste. 2. Der w.-ö. P.-T. erblickt ferner in der Palestine 'Land Development Company eine der wichtigsten und bedeutungsvollsten Aktionen für unser Kolonisationswerk. Er beauftragt das Zentralkomitee, die Agitation zugunsten dieser Gesellschaft bei Zionisten und Nichtzionisten mit allen Kräften zu fördern. 3. Der w.-ö. P.-T. erachtet es für zweckmässig, die Gelder des J. C. T. unter Abwicklung ariderer Geschäfte; namentlich der Diskontierungen in Russland, in steigendem Masse bei der A. P. C. zu investieren. Resolution. Der Parteitag spricht seine Genugtuung über die Tätigkeit des 'Hilfsvereins der Deutschen Juden in Palästina aus, welcher die zentrale Bedeutung Palästinas für dlas zerstreute jüdische Volk erkannt hat und sein vielversprechendes Erziehungswerk im 'Gegensätze zu anderen nrehtzionistischen Institutionen -im Sinne dieser 'Erkenntnis gestaltet. Der P.-T. hofft, dass das Beispiel des Hflfsvereins auch auf die anderen in Palästina arbeitedeh nichtzionistischen Institutionen wirken und diese endlich bestimmen wird, ihre antipalästmensische und assimilatorische Politik aufzugeben. II. Palästina-Agitation. 5. Zwecks Förderung der Agitation für die Palästinaarbeit wird das Z.-Kbeauftragt: a) einen speziellen Palästinareferenten aus seiner Mitte zu bestellen; b) 'Palästina-Lehr kurse zu veranstalten; c) eine 'Broschüre herauszugeben, welche in übersichtlicher W'eise über die Verhältnisse in Palästina, namentlich über die für die nationale Renaissance der Juden daselbst wichtigen Momente, sowie über die zionistische Palästinaarbeit derart informiert, dass auf Grund dieser Broschüre auch Agitationsvorträge gehalten werden können, d) einen Vortrag mit Lichtbildern über Palästina zu versorgen, welcher sukzessive allen Vereine»' zur Verfügung gestellt werden kann. Oer deutsche Zionistentag iu Breslau (Originalbericht der „Jüdischen Zeitung“.) ‘ Am 9. und 10. Juni fand in Breslau der 11. Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland statt, zu welchem sich 99 Delegierte eingefmiden hatten. Aus Oesterreich waren als Ehrengäste des Delegiertentages Dr E. M a rg u 1 i e s (Trautenau) und G. F i n z i (Troppau) als Vertreter des zionistischen Ausschusses der westösterr. Distrikte, ferner Slatner für das mähr.-sehles. Distriktskomitee und Dr. J. M a rg u I i 3 S (Wien) als Vertreter der ,.J ü di s c h e n Zeitung“ anwesend. Zum Präsidenten wurde gewählt Dr. Bo- 'd e n h e i m e r, zu seinen Stellvertretern die Herren Hugo Schachtel (Breslau) und J. S im o n (Mannheim) Ueber das Verhältnis der zionistischen Organisation zu den grossen jüdischen Hilfsorganisationen in Deutschland referierte Dr. Klee, über die Frage der i n n e r p o I i t i s c h e n Betätigung der Z i o n i s t e n in Deutschland Doktor Ascher. Nach längerer, zum Teil bewegter Debatte nahm der Delegiertentag folgende Anträge des Zentralkomitees an: 1. Die zionistische Vereinigung für Deutschland lehnt, ohne die Stellungnahme des Einzelnen zu beschränken, für sich als Organisation jedes Eingreifen in die inneren politischen Kämpfe Deutschlands und daher jede Unterstützung einzelner politischer Parteien ab. 2. Der 11. Delegiertentag begrüsst das Wirken der anderen grossen jüdischen Organisationen, soweit es der Gliederung und Zusammenfassung der gesamten Judenschaft sowie der Steigerung des Jüdischen Selbstgefühls und Volksbewusstseins dient. Er spricht die Hoffnung aus, dass *es gelingen wird, die grossen jüdischen Organisationen zu gemeinsamer Arbeit namentlich in bezug auf Palästina zusammenzufassen. Ein grösseres praktisches Interesse nahm der nächste Punkt der Tagesordnung für sich in Anspruch; welcher die Stellungnahme der Zionisten zum jüdischen Gemeindeleben betraf. Nach einem Reierat des Herrn Dr. K ollen sch er nahm der Delegiertentag die von Dr. Köllen scher vorgeschlagene, durch eine Kommission leicht modifizierten Thesen zur Kenntnis, welche im wesentlichen den von den österreichischen Zionisten bei den Kultuswahlen aufgestellten Postulaten entsprechen und setzte eine Permanenzkommission ein, welche auf Grund dieser Thesen dem nächsten Delegiertentag ein detailliertes Kultusgemeindenprogramm vorzulegen bat. Der zweite Verhandlungstag war vornehmlich Palästina fragen gewidmet. Die Referate Prof. Warburgs über die wirtsctoaftlic'heEntwickl'ung Palästinas und Dr. Sehe mar ja Levins „Ueber das Schulwesen in Palästina" sowie die Redte Dr. Sandlers über die Bedeutung des in Palästina gegründeten jüdischen Technikums iarrclfcn besonders lebhaften Beifall und übten eine nachdrückliche Wirkung, welche sich auch darin äusserte, dass Herr Dr. Friedmann als Resultat einer während der Debatte unter den . Delegierten unternommenen Agitation folgende Zeichnungen 'bekanntgeben konnte; 79 Oelbaum- 1 spenden, 46 Shares der Amglo Palestine, 14 der Land-Deveiopment-Company, 5 der Jüd. Kolonialbank, zusammen 1768 Mark. ln organisatorischer Beziehung fasste der Delegiertentag folgende Beschlüsse; Die Zahl der Mitglieder des Zentralkomitees wird auf 19 erhöht. Dem Zentralkomitee wird zur Pflicht gemacht, einen geschäftsführenden Ausschuss in Berlin einzusetzen. Ferner sprach sich der Deiegiertentag für die Anstellung eines Parteisekretärs aus und beschloss, dass die Ortsgruppen iür alle Schekelzahler ihres Gebietes Landesbeiträge abzufiihren haben. Bei der Neuwahl wurde Herr Dr. Bodenheim, e r zum Präsidenten wiedergewählt, ferner wurden in das Zentralkomitee gewählt: Dr. Friedmann. Dr. Grossmann, Dr. Halpern, ■Dr. Kalmus, Kaufmann (Freiburg), Dr. Jungmami, Kolienscher. Dr. Klee. Schachtel. Jul. Simon,' Fritz Sonthein (Frankfurt). Hans Steinitz. Wollsteiner, Dr. Elias Auerbach. Oer IV. Parteitag der ösierreichischen Poale-Zionisten. (Originalbericht der „Jüdische Zeitung“.) I. T a g. a. k. Lemberg. Ein gemischter Damen- und Männerchor eröifnete am ersten Schebuothtage um 11 Uhr vormittags den IV. Parteitag der iiidischsozfelistischen Arbeiterpartei „Poale-Zion“ in Oesterreich. Der Parteisekretär Gg. Juda Nussbaum (Krakau) begriisste hierauf namens der Pai teiexekutive die erschienenen Delegierten und erklärte den Parteitag iür eröffnet Namens der lokalen Lemberger Organisationen biess der Obmann des Lokalkomitees Gg. Moses A r ji o 1 d den Parteitag herziiehst willkommen und dankte für die grosse Ehre, dass der IV. Parteitag in unserer Stadt abgehalten wird. Gg. K a p I a n s k i - K a p l a n (Wien) stürmisch begrüsst) nahm nun das Wort um. namens des allweltlichen poale-zionistischen Bureaus in Wien. den üruss aller Parteigenossen aus allen Weltteilen dem IV. Parteitage zu entbieten. Red-- ner entwirft dann eine kurze Skizze über den gegenwärtigen Stand der p.-z. Organisationen in anderen Staaten, hi Russland leiden unsere Brüder unter dem Druck der Koiitrerevolutiou, in Amerika hatten unsere Og. unter der bekannten grossen Gefdkrisis viel zu leiden. Redner sei aber ■in der Lage, mitzuteilen, dass sie sich bald von dieser Misere erholen und den für eine kurze Zeit eingestellten „Jüdischen Kämpfer“ bald wieder herausgegeben werden. In England entstand seit dem III. Parteitage eine starke Organisation, und in Buenos Aires sei die p.-z. Organisation die stärkste in der Stadt. Redner teilt mit, dass die westeuropäischen Organisationen darangehen, eine Vereinigung zu gründen. Unsere Bruderpartei in Palästina entfalte eine intensive Tätigkeit aui dem gesellschaftlichen und kulturelle» Gebiete. Eine der besten Organisationen sei die österreichische. Schiiessend. wünschte Redner dem IV. Parteitage besten Erfolg und sagte: Möge die österr. Organisation dazu beitragen, für d a s j ü d. Volk, für das jüd. Proletariat eine Arbeitsgemeinschaft in Palästina zu gründen. (Rauschender Beifall.) Das Präsidium wird wie iolgt gewählt: Vorsitzende: die Gg. Dr. Josef Margultes (Krakau), Samuel Kretz (Lemberg; Beiräte: die Gg. Leib Steinmetz (Czemowitz) und Elias Watte n b e r g (Stanislau). Zu Sekretären wurden einstimmig gewählt: die Gg. Mehler, Frl. Back, Kenner und Meisel. Gg. Juda Nussbaum erstattet den Bericht über die Tätigkeit des Exekutivkomitees. Der Bericht, welcher vollinhaltlich in der Nummer 19 des „Jüdischen Arbeiter" vom 4. Juni 1908 bereits abgedruckt war, erhielt nur gewisse Ergänzungen. Gg. Nussbaum ersuchte nun um Erteilung des Absclutorhims iür das abtretende Exekutivkomitee. An der darauf sich entwickelnden Diskussion beteiligen sich mehrere Delegierte, welche sich hauptsächlich mit d.er Stellung der Partei zu den vorjährigen Reichsrats- und jüngsten Landtagswahien in Galizien befassten. Die meisten Redner kritisierten das Zusammengehen mit der jüdisch-