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Jüdische Zeitung · 1908-05-22 · 21 (22.5.1908) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
21 (22.5.1908)
Date
1908-05-22
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 21 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 liehe Leihkasse begründet, die etwa 100 Mitglieder zählt. Das Verhältnis der Kolonie zur Regierung ist ein sehr gutes. Da. die Kolonisten bloss amerikanische Gärten besitzen,' brauchen sie für die Gärten den Zelhnten nioht zu entrichten, \Veil die Regierung für diese Anlagen aui die Dauer von1 zehn Jahren den Zehnten erlassen hat. Vom Getreidebau beläuit sich der Zehnte mit allen Nebenabgaben auf etwa 13 Prozent. Die Schule der Kolonie zählt Jetzt etwa 200 Schüler. Zeitschrift „Palästina“. Seit kurzem erscheint Jahrgang 5 der bisher von' der Berlmen Pafüstina-Kommisspon herausgegebenen Zeitschrift „Palästina“ im München (Verlag „Palästina“, Pettenkoferstrasse 25) unter der Redaktion von Gg. Dr. Felix Teilhaber. Aus dem Teichen Inhalt der bis nun erschienenen ersten1 zwei Hefte heben wir hervor die Artikel „Die Entwicklung der Industrie“, „Wert und’ Wertsteigerung des Bodens im Orient“ (von Pastor Eberardi), „Jüdische Kunst in Palästina“ (von Dr. Adolf Friedmann.), „Die hebräische Sprache in Palästina“ (von Dr. Leo Metmann) etc„ sowie die reichhaltigen Original-Korrespondenzen aus Palästina. Die Zeitschrift kostet für Oesterreich M. 2.50 pro Jahr; das Abonnement ist allen Gesinnungsgenössen bestens zu empfehlen. Jakob Schiff über Palästina. Der;,Jewish Chronicle“ veröffentlicht ein Interview eines Mitarbeiters mit Herrn Jakob Schiff aus Newyork, der auf der Rückreise naoh Palästina begriffen ist. Herr Schiff äusserte sich über den Einfluss der Ghadukah auf die Juden Jerusalems sehr abfällig. Das Schulwesen in Palästina erscheint ihm als nicht .entsprechend, weil die einzelnen Schulen französisch, englisch oder deutsch sind und den Bedürfnissen des Landes keine Rechnung tragen. Seiner Meinung nach sollte man nur hehräiisoh und arabisch unterrichten. Der Stand und die Entwicklung der Kolonien befriedigten ihn vollauf. Dieselben Ansichten äusserte auch Herr Dr. Paul N'atan nach seiner Rückkehr aus Palästina. Die Uebereinstimmung in den- Urteilen der beiden' Herren, die Nichtzionisten sind, ist ein Beweis, dass nur der Zionismus imstande ist, das Land zu heben und zu einem Zentrum für das jüdische Volk zu machen. Eine interessante Schiedsgerichtsverhandlung. (Von unserem Korrespondenten.) Wie wir bereits gemeldet haben, iand dieser Tage unter dem Vorsitze des Obmannes des zionistischen Zentralkomitees Dr. Braude eine Schiedsgerichtsverhandtung im Streitfälle Hurwitz- Lazars in Lemberg statt. Als Schiedsrichter in dem viertägigen Prozess fungierten neben Dr. Brande: Dr. Samuel Rappaport, Rabb. Dr. Sam. Gutmann, Salomon S. Philipp und Bernhard J a h r, als Schriftführer Redakteur Moses Kleinmann. Die.Verhandlungen, denen auch Abg. Stand und R a b 'b. D r. Ehrenpreis (Sofia) beiwohnten, wurden fast ausschliesslich in hebräischer Sprache geführt. Das Substrat der Klage, des Herrn Hurwltz war, dass Herr Lazar in mehreren Artikeln im Hamicpe Hunwitz beschuldigte, bezahlter Missionär zu sein, weil er in allen Artikeln, die er veröffentlichte, das Christentum verherrlichte undl sehr pessimistisch über das Judentum schriebt Ein Artikel von Hunwitz im „Haolam“ war die unmittelbare Veranlassung des publizistischen Streites. Als Kronzeuge wurde Dr. B e r n f e 1 d vernommen, der eigens aus Berlin nach Lemberg gekommen war, um auszusagen. Er war aber nicht in der Lage, die Behauptung, Hurwitz wäre ein Missionär, die er in Briefen an> Lazar ausgesprochen hatte, aufrechtzuerhalten. Freitag, den 15. d., nachmittags, fällte das Schiedsgericht naoh zweistündiger Beratung das Urteil. Dieses lautet wie folgt: „Das vom Z.-K. der zionistischen Organisation in Galizien eingesetzte Parteigaricht in der Ehrensache des Herrn Schaje J. Hu r w i t z in Berlin gegen Herrn Simon Menachem Lazarin Krakau hat nadh der in der Zeit vom 9. bis 14. Mai 1908 durebgeführten eingehenden Verhandlung in seiner Sitzung vom 15. Mar 1908 folgendes Urteil gefällt: „Herr Lazar bat in dem von 'hm redigierten Wochenblatte .Hamicpe“ in den Nummern 7 vom 14. Februar, 11 vom 13. März, 12. vom 20. März, 13. vom 27. März und 14. vom 5. April, alle 1908, sowie in dem Londoner „Haiehudd“ Nr. 2 vom 19. März 1908 mehrfach und wiederholt die für einen Juden überhaupt und insbesondere für ehren, «m Rahmen des Judentums wirkenden hebräischen Schriftsteller höchst diffamierende Beschuldigung erhoben1, dass er im Dienste der Mission oder in Verbindung mit derselben bewusst iür den Abfall der Juden zum Christentum tätig sei. Das Genaht hat nicht nur die •Ueberzeugung gewonnen, dass Herr Lazar für diese seine Beschuldigung keinerlei Beweis erbracht hat, sondern dass im Gegenteil Herr Hurwitz von einer derartigen Beschuldigung völlig freizusprechen sei. „Das Gericht hat es als ausserhalb dies. Rahmens seiner Kompetenz erachtet zu beurteilen, ob und inwieweit die literarische Tätigkeit des Herrn Hurwitz 'in ihrer Gesamtheit oder in ihren einzelnen Erscheinungen für das jüdische Leiben und iür die Erhaltung des jüdischen Bewusstseins förderlich oder schädlich 'ist. Das Gericht hat jedoch anerkannt, dass Herr Lazar als Herausgeber einer konservativ-zionistischen, hebräischen Zeitschrift sich 'verpflichtet fühlen konnte, gegen die Artikel des Herrn Hurwitz ‘in energischer Weise auizutreten, i n sh esomde re d ageg e n Protest zu erheben, dass der Artikel des HerrnHur wdtz unter dem Ti t e Lnbasrnn nnonm in das offizielle1 Parteiorgan „Häolam“ Aufnahme gefunden hat. Dies konnte jedoch iür Herrn Lazar keine Veranlassung sein, gegenüber Herrn Hurwitz persönliche Beschuldigungen von solch schwerer Tragweite zu erheben.“ „Das Gericht erkennt somit die von H. Lazar gegen H. Hurwitz 'in den zitierten Nummern des „Hamicpe“ und „Hajehudi“ erhobenen oberwähnten öffentlichen Beschuldigungen als eine durch nichts begründete und grundlose Verleumdung. Zur Sühne dieses schweren Verschuldens beschiiesst das Gericht, Herrn Lazar folgende Strafe aufzuerlegen: 1. Herr Lazar hat Herrn Hurwitz vor dem versammelten Gerichte persönlich um Verzeihung zu bitten. 2. Herr 'Lazar hat zugunsten des Naticnalfonds den Betrag von 200 K zu erlegen. 3. Herr Lazar hat in der nächsten Nummer des „Hamicpe“ dieses Urteil an leitender Stelle in hebräischer 'Ausfertigung zu veröffentlichen sowie Herrn Hurwitz die Kosten für die einmalige Einschaltung des Urteils in den Zeitschriften „Haolam“, „Hajehudli“ und „Tagblatt“ binnen 14 Tagen zur Verfügung zu stellen. 4. Herr Lazar hat die gesamten Kosten des Verfahrens, sowie die Spesen des Herrn H u r w it z im Betrage von 300 K zu tragen.“ 'Hierauf 'gab Dr. B e r n f e 1 d' Herrn Hurwitz eine Ehrenerklärung. Herr Hurwitz erklärte sodann, dass er die 300 K, die Herr Lazar zu erlegen hat, dem Gerichte zur Verfügung stellt, mit dem Wunsche, dass 100 K der zu gründenden hebräischen Monatsschrift „Rewiwim“ zu überweisen sind. Er selbst spendete für diese Zeitschrift 100 K. Herr 'Lazar leistete hierauf dem Herrn Hurwitz öffentlich Abbitte. Es ist ausserordentlich begrüssenswert, dass dieser Streit zwischen jüdischen Journalisten nicht vor einem öffentlichen Gerichte, sondern vor einem ireigeiwählten Schiedsgerichte aus Parteikreisen ausgetragen wurde., Freilich hätte die Natur des Streites die Austragung vor einem öffentlichen Gerichte Schwierigkeiten gemacht Immerhin gereicht es beiden Teilen, zur Ehre, dass sie diesen Weg eingeschlagen und sich dem Schiedsgerichte bedingungslos unterworfen hüben. Das Schiedsgericht seihst hat 'die Verhandlungen streng objektiv geleitet und ein Urteil gefällt, das allgemein als gerecht empfunden wurde. Korrespondenzen. Täuflingsschmerzen. Wien. Kürzlich starb in einem Ungar. Dorfes eine Kantorswitwe namens Singer. Der pietätvolle Sohn bat die Wiener Zeitungen, keine Notiz davon zu nehmen, w^il er, der längst getauft ist und seinen Namen geändert bat, sich schämtet, jüdischen Ursprungs zu sein. Und merkwürdig, selbst die christlichsozialen Blätter hatten, dem Herrn. Sektionschef S i e g ’h a r t gegenüber, der seit zehn Jahren Oesterreichs Geschicke leitet, soviel! Delikatesse, zu schweigen. Herr Sieghard verzeihe, aber wir glauben, dass das Judentum mehr Grund hat, sich seiner zu schämen, als umgekehrt. Ern Jude, der Glauben und Namen wechselt, um es zu hohen Ehren zu bringen, ist an sich schon eine sehr traurige Figur; leider aber keine seltene. Zu solch ethischer Höhe jedoch, wie Herr Siegbarl; der, um seine Herkunft zu verdecken, seine Mutter verleugnet, schwingt ' sich doch nicht jeder Ueberläufer auf. Es kostet trotzdem Mühe, die Sache nicht von der heiteren Seite zu nehmen. Der getaufte Staatslenker als Bittsteller bei der christlichsozialen Presse, sie mögen seine Abstammung nicht verraten; die gesinnungsfesten Antisemiten, die dem mächtigen Mann zuliebe, der die „kaiserlichen Rats-Titel“ zu vergeben hat, ihre Ueberzeugung aussohalten, das ist ein Staff, der nur bekannt werden muss, um von flinken Federn zu einer Groteske verarbeitet zu werden! Dass die liberalen Blätter nicht erst gebeten werden mussten, zu schweigen, ist wohl sicher. Denn was ein echter Assfmilant ist, hat ein mitfühlend Herz für solche Schmerzen. Für die „Arbeiter-Zeitung“ gilt das in erhöhtem Masse. Sie repräsentiert ja schon einen höheren Typus der Assimilationspresse: Einer solchen, in der getaufte Juden in Antisemtrismus machen, um nur ja als arisch zu gelten. Galizien. Gegen die Resolution Schmid. Krakau. Samstag den 9. d. M. fand hier eure van der national-jüdischen Jugend einbenriene Studentenversammlung statt, welche zu der Resolution Schmid Stellung nehmen sollte. Seitens des Universitätssenats erschien Professor Dr. EStreicher. Die Versammlung eröifnete Gg. stud. jur. Bienenzucht Er wies darauf hm, dass die Annahme der Resolution mit der Verletzung der Staatsgrundgesetze und der Lemfreiheit gleichbedeutend sei. Der Kampf um die Eroberung der faktischen Gleichberechtigung der Juden müsse vor allem ausgefochten werden. Darum hat sich auch an der Krakauer Universität die jüdischnationale Jugend als selbständige Gruppe organisiert. Die polnische Jugend möge unseren Bestrebungen Sympathie entgegenbringen. Das Referat erstattete stud. jur. Schreiber. Er schilderte die gegenwärtige politische Situation in. Oesterreich, wo auf allen Gebieten die Klerikalen Oberhand gewinner, wies auf ihre letzten Vorstösse bin und bat um Annahme einer Resolution, in der in kräftiger Weise gegen die Angriffe auf unsere Rechte protestiert wird. An der Diskussion beteiligten sich die Vertreter aller polnischen und jüdischen Studentenvereme. Alle erklärten einstimmig, dass sie prinzipiell die Schmidsche Resolution verurteilen müssen. Nur die Nationaktemobraten (Al'jpolen) erachteten es für zweckmässig, bei dieser Gelegenheit den Zionisten Lehren zu erteilen und Vorwürfe werfen ihrer angeblich polenfeindlichen Stellung zu machen. Ihnen antworteten die Gg. Fink und Bienenzucht Die Zionisten werden sich keinesfalls auf Gnade/und Ungnade den Polen ergeben. Mit den fortschrittlichen Parteien werden sie immer Zusammengehen, die reaktionären und antisemitischen Elemente wenden sie immer bekämpfen. Es wurde schliesslich eine Resolution angenommen, in welcher die Krakauer Studentenschaft ihrer Entrüstung über die Annahme der Scbmidschen Resolution Ausdruck verleiht. a b. Von der Tätigkeit des Rechtsschutzbureaus. Podfaajce. Die vor kurzem von der „Jüdischen Nationalpartei“ ins Leben gerufene Institution „Rechtsschutzbureau“ dürfte insbesondere von seiten des nationalen Judentums mehr Aufmerksamkeit angesichts der mit jedem Tage sich

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