Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 21 (22.5.1908)
- Date
- 1908-05-22
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 - JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 21 häufenden Unterdrückung und Hintansetzung auf allen Gebieten des politischen und kulturellem Lebens auf sich ziehen. Mit aufrichtig'.r Fieude darf an diesen Stelle die erfolgreiche Wirksamkeit dieser Institution in einem konkreten Falle fervorgehoben werden. Bei Gelegenheit der Gemelndematswahlen in der Provinzstadt Podhajoe wurde unser eitriger Gg. Josef PolisSuk, Apotheker, trotz der ihm unzweifelhaft gebührenden Zugehörigkeit zum ersten. Wahlkörper und trotz der diesbezüglich eingeb rächten Reklamation aus Bequemlichkeitsnücksjchteai dem dritten Wahlkörper zugewiesen.. Dieser aus politischen Gründen begangene Missbrauch, stach umsomehr abfc als der hier ebenfalls wohnhafte Magister der Pharmazie (ein Pole) unbeschadet der gleichfalls eängebrächten Reklamation dem 1. Wahlkörper einverleibt wunde. In dieser Angelegenheit riefen wir dre Hälfe «des Rechtsschutzbureaus an urid der Beschluss der hiesigen Behörde wurde über dessen Intrvention durch den Verwaltungsgerichtshai aufgehoben. Nach Schluss des Blattes. Nach Schluss des Blattes erhalten wir folgende Mitteilung: Der Vollzugsausschuss der jüd.-nat. Studentenschaft erschien heute, Donnerstag den 21. d., über Einladung des Rektors in d r Rektoratskänzleä. Der Rektor hielt an die Studenten eine Ansprache, in welcher er sagte: „Ich danke Ihnen für Ihre durchaus korrekte, freiheitlicher Studenten würdige Haltung In diesen bewegten Zeiten an unserer Alma mater. Ich drücke Ihnen mein vollstes Vertrauen aus und hoffe, dass die jüdischnationale Studentenschaft auch in Hinkunft diese würdige Haltung bewahren werde.“ Jn ihrer Erwiderung betonten die Vertreter der jü'düschnationalem Studentenschaft, dass sie grossen Wert darauf legen, nicht mit einer Gruppe verwechselt zu werden, die zum grössten Teil aus Juden bestehend, rieh deutschnational freiheitlich nennt Sie erklärten auch, dass die jüdischnationale Stu ’entenschaft jede Verantwortung für ’as Vorgehen dieser Gruppe ablehnen müsse. Jüdische Kommilitonen! Die bewegten Zeiten an den Hochschulen erfordern ein einiges Vorgehen, welches zu bestimmen, einzig und allein der von der gesamten j&disch-nationalen Studentenschaft eingesetzte Vollzugsausschuss berechtigt ist. Wir appellieren daher dringend an Enere Disziplin und fordern Euch auf, dass IhF Euch strikte nur an die vom Vollzugsausschüsse ausgegebene Parole haltet Der Vollzugsausschuss der permanent ist besteht aus folgenden Kollegen: med. Kohn, techn. Löwenstein, phil. Schindler, iur. Stöckel und iur. Winterstein. Erklärung. ' In der Nummer 19 der von Herrn Dr. S. R. Landau herausgegebenen und redigierten „Neuen Nationalzeitung“ findet sich in einem „Ben Abi“ unterfertigten Artikel folgender, auf die „Jüdische Zeitung“ bezugnehmender Passus: „Nicht jede Zeitung findet Geschmack daran, für einen „geschätzten“ Mitarbeiter Reklame zu machen, der es nur der wiederholten Gnade von Assimilanten zu danken hat, dass er nur so um das graue Haus herumgekommen ist“ Die Unterzeichneten Mitarbeiter der „Jüdischen Zeitung“ fordern hiermit Herrn Dr. Landau auf, unverzüglich zu erklären, gegen .wen diese versteckte Verdächtigung gerichtet ist, widrigens sie als eine feige und niedrige Verleumdung bezeichnet werden müsste. Dr. Natan Birnbaum (Mathias Acher), Adolf Bö hm, Luzian Brunner, Alexander Geller, Meyer Geyer, Natirn Gross, Dr. Hermann Kadisch, Oskar Kessler, Anselm Kleimnann, Moses Kleinmann, Dr. Fritz Löhner (Beda), A. Loubetzky, Dr. Isidor Margulies, Joachim Neiger, Df; Dawid Rothblum, Dr. Marek Sch er lag, Ingenieur Robert Stricker, Moses Waldmann, Dr. Paul Weisergrün, Hugo Zucjcermann, Dr. E. M. Zweig. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Die Not der airmen zugereisten Tarnower Juden hat den „Verein der Tarnower in Wfien“ Ins Leben gerufen, ln der kurzen Zeit seines Bestandes (März 1908) hat der Verein 110 Mitglieder erworben. Noch stehen Hunderte Tarnower in Wien wohnhafter Juden dem Vereine ferne.- Und doch hat jeder jüdisch denkende Tarnower die Pflicht, diesem eminent humanitären Vereine bei dem minimal angesetzten Monatstoeatrage von 50 Heller als Mitglied beizutreten. Der Verein veranstaljet am 27. Mai 1908, 8 Uhr abends, ton Hoitel Guth eine Vollversammlung, bei der wichtige Vereinst ragen zur Diskussion gelangen. Herr Rabbiner Dr. A. *K a m i n k a wird bei dieser Gelegenheit einen interssanten Vortrag „Aus der Geschichte der Juden in Polen“ halten und Herr Luciain Brunner wird über das Zum Präsidenten: Avram Zifrinowitsch: zum Vizepräsidenten: Arpad Hirschberger; zum 1. Schriftführer: Isidor Kohn; zum2.Schriftführer: Noeh Babam; zum Kassier: ErnÖ Deutsch; zum Nationalfondkassier: Alexander Kristianpoller. feseben.. Bei der am 10. d. M. stattgehabten konstituierenden Generalversammlung des Zionistischen Frauen- und Mädchenvereines „Ruth“ worden in den Ansschass gewählt: Frl. Grete Berger, Präsidentin; Else Kuppermann, Vize-Präsidentin. Jettka Strauss, Schriftführerin; Ida Müller, Schriftführerin - Stell Vertreterin; Ella Spitze r, Kassierin; Hilda Spitzer, Biblothekarin; Bertha Brenner und Rosa Rübenstein, — Kassarevi sorinnen: Frl. Dela Liebermann und Rosalia Baumring. Sadagora: Anlässlich des Scheidens der Gründerin und Präsidentin des Vereines „Hadassä“ Firl. Esther Schwarz, wurde dieselbe zur Ehrenpräsidenten ernannt und auf ihren Namen'ein Oelbäüm gespendet Newyork. Der Klnb der jugendlichen österreichisch-ungarischen . Zionisten bat seinen früheren Wohnung, 65 Pitt Street, verändert nnd seinen S1 z in 289 East Third Street, aufgeschlagen. Die Einweihung des neuen Wohnsitzes fand Sonntag, den 17. Mai auf feierlicher Weise statt. Thema: Ist es ein Nacht e i 1 a! s Jude geboren zu sein“ sprechen, ein Thema, das angesichts der vielen Taufen sehr aktuell genannt wenden muss. Der Vorstand des Vereines bittet um recht zahlreiche Beteiligung an diesem Abend. Wien. (Jüdischer Nationalverein für Oesterreich.) Montag, den 24. d. M. 8 Uhr abends, findet im Saale des Cafe Neptun, XX. Mathildenplatz 7 eine allgemein zugängliche Versammlung statt. Tagesordnung; Aktuelle Judenpolitik. Referent Dr. Emil Krasny. Wien. (Verein „Poale Zion“.) Samstag, den 23. d. M. um 8 Uhr abends finden im Cafd Stefanie, H. Stefaniestrasse 2 die Vorbesprechungen sowie die Delegiertenwahlen zum IV. Parteitag statt. — Die Parteigenossen werden dringend ersneht vollzählig zu erscheinen. — Wien. Freitag, den 22. d. M. wird Herr Dr. Hermann Kadisch im Vereinslokale des „Bar Giora“ V1H. Langegasse 5—7 einen Vortrag über „Die südslawische Frage nnd die Juden“ halten Beginn 81/4 Uhr. Gäste willkommen Wien. Samsl^gt den 23..Mai 1. J...veranstaltet der akademische Verein ÄJüdische Kultur“ im Saale des niederösterr. Gewerbevereihes (I- Eschenbachgasse 11) einen ßegrüssungsabend zu Ehren des von seiner Studienreise ans Amerika znrückgekehrten Herrn; Dr. Nathan Birnbanm (Mathias Acher). Das Programm ist ein sehr reichhaltiges. Herr. Dr. Birnbaum wird einen Vortrag über seine Amerikareise halten und ausser- , dem werden namhafte mnsikaljsche und deklamatorische Kräfte' mitwirken. Mit Rücksicht anf das Interesse, das die Reiseeindrücke des jüdisch-amerikanischen Lebens eines so hervorragenden Beobachters erregen werden, Rücksicht auf die Bestimmung des Reinerträgnisses— dasselbe fällt dem Goldfaden- Pieis zu — wird ein besonders reger Besuch erwartet. Karten ä K 3.-, 2.—, 1.— nnd —.50 sind im Vereinslokale (II, Flossgasse 9/6) sowie im Cafö Stefanie (IL Stefaniestrasse) Cafd Brammer (IX. Liechtensteinstrasse) Cafd Lustig (XX. Mathildenplatz), Cafä National. (II. Taborstrasse) zn haben. Ung,-Hradisch. Der jüdische Nationalverein für Oesterreich veranstaltete am 17. d. M. in Ung.- Hradiseh eine Agitation sverSammlung, deren glänzender Verlauf einen Beweis dafür bietet, dass der Boden Oesterreichs für eine grossangelegte Werbearbeit der nationalen Idee vorbereitet ist. Gegen 300 Leute waren in dem Redontensaal versammelt, als der Vorsitzende Dr- Kadisch die Versammlung mit einigen einleitenden, kräft gen Worten eröffnete. Das Referat führte unser Gg. Lucian Brunner. Mit seiner volkstümlichen, schlichten Art, die in leichtfasslicher Form den Gedanken der jüdischen Antoemanzipation den Zuhörern zugänglich machte, fand er stürmischen Beifall bei allen Anwesenden, Besonders die scharfe, aber, gerechte Geisselung des Pseudoliberalismus ’ nnd des schwachmütigen deutschen Freisinns schlagen ein. Nach dem Referenten sprach Gg. Dr. Fritz L ö h n e r, der insbesondere die „Gesterreicbisch-israelitische Union“ nnd ihre wirkungslose, nur auf äussere, scheinbare Erfolge gerichtete Arbeit "unter. allgemeiner Zustimmung beleuchtete. Dr. H. Winter unterstützte in zündender Rede die Bestrebungen des Jüdischen Nationalvereines und der zionistischen Bewegung. Nach einem Schlusswort schloss die Versammlung, die dem National verein zahlreiche Mitglieder zuführte uud für die Agitätionsarbeit in Mähren einen vielversprechenden Anfang bildet: Wien. (Theologischer Verein) Beider in der General versa ndmluhe vom 14. d. M.. vorgenommenen Neuwahl des Ausschusses für das Somniersemester wurdei folgende Herren gewählt: Bücher- und Zeitungsschau. ln den „Sozialistischen Monatsheften“, dem vornehmsten wissenschaftlichen Organ der sozialistischen Bewegung, finden wir ,jm soeben 'erschienenen zweiten Maihefte einen Artikel von Maxim Anin, betitelt „Ist die Assimilation der. Juden möglich?“ — Der Autor des Artikels, der über die sozialen Verhältnisse der Juden sehr gut informiert zu sein scheint, knüpft an die Ausführungen an Otto Bauers in „Nationalitäten unid Sozialdemokratie“ an und kommt auf Grund des Tatsachenmaterials zum Schlüsse, dass die Assimilation der grossen Mehrheit des jüdischen Volkes unmöglich ist und es immer mehr mit dam FortsChreiteui .des Kapitalismus wird. Und zwar aus demselben Grande, aus dem die Juden, sich bis zur Neuzeit als Nation erhälben haben, weil säe stets eine ökonomisch eigenartig organisierte Gruppe darstellten. Der Unterschied zwischen dem Mittelalter und der- Neuzeit besteht lediglich darin, dass die Juden im Mittelalter als eine ökonomisch h ö h e r. stehende Gruppe in der nationalen Umgebung nicht aufgehen konnten, während dies heute aiüs dem; entgegengesetzten Grande, wegen ihrer immer wachsenden ökonomischen Rückständigkeit, nicht möglich ist. Die Wirkungen sind freilich im .wesentlichen (dieselben. Die Erkenntnis bricht sich also doch Bahn, . dass .das Judenproblem eigenartig ist und nicht mit dem allgemein sozialen Problem identifiziert werden ‘darf. Würden nur die Sozialisten vorurteilslos die Judenfrage untersuchen, so müssten sie zu (denselben Resultaten kommen wie wir. Es wäre nur zu wünschen, dass diese wissenschaftlichen Erkenntnisse die Taktik der Sozialdemokraten gegen die jüdisch-natio ale Bewegung beeinflussen sollten. Wer weiss aber, ob die Wahrheit oder die Assimilationspolitik der jüdischen Führer in der Sozialdemokratie, den Sieg davontragen wird? Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Redigiert von Dr. Arthur Ruppin und Dr. Bruno Blau. Heft Nr. 4 (Inhalt: Dr. Arthur Ruppin: Die berufliche Gliederung der Juden in Hessen. — Dr. Jakob Thon: Der Anteil der Juden am landtäflichen Besitz in Galizien. Von 3474 grandtäflichen Gütern waren 562 in jüdischem Besitz. Am schwächsten ist der Anteil am Grossgrundibesitz, und soweit dieser in jüdischen Händen ist. besteht er fast ausschliesslich in Wäldern. Am stärksten ist der jüdische Grundbesitz in der KlaSse von 251—500 ha, wo er 21 Prozent beträgt. Unter 3117 landtäflichen Gutsbesitzern waren 533 Juden. _ Dr. Bruno Blau: Schulbesuch christlicher und j ü d i sch er S chul en in Baden.. — Norbert Weldler: Die Geisteskrankheiten. unter den Juden Oester fei chs in den Jahren 18 8 2—19 0 2. Im Durchschnitt der letzten 5 Jahre waren unter 100.000 Christen 49,35, unter iOO.000' Juden 68,89 geisteskrank, also fast um die Hälfte mehr! Der Anteil der weiblichen Patienten. an der Gesamtzahl ist bei den Juden grösser als bei den Christen. — Ausserdem enthält die Nummer . ein.', reichhaltiges 'S t a i: i s t i - sches Archiv. „Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden“. Heft 5. Inhalt: N. W. Gold stein, New York: | „Die jüdischen Acherbaukolanlen in den Verj einigten Staaten“. — B. Goldiberg, Wilna: i „Die Gebrechlichen unter dem Juden Russlands“.