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Jüdische Zeitung · 1908-05-15 · 20 (15.5.1908) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 20 Seite 7 JÜDISCHE ZEITUNG Ausgrabungen in Palästina. Zwei deutsche. Archäologen habenkürzlich die Erlaubnis zu Ausgrabungen an verschiedenen Stellen erhalten und! haben nun in ider Umgegend von HäiSa damit begonnen. Die Grabungen finden auf einem Platze statt, auf dem vor Zeiten eine Synagoge stand. Juden als türkische Sachverständige. ■Für die Expedition zur Untersuchung - des Toten Meeres wurde durch die Jrade des Sultans neben Professor Blanckenhorn noch folgende Juden ernannt: Treidel, Anaronsobn, Ahroni (Raswjet). Unseren Lesern Sind diese als alte Mitarbeiter unldl bekannte Vorkämpfer für unsere Ziele bekannt. Wie wir aus Palästina -hören, war Herr Treibel leider verhindert, an der Exepdition teilzunehmen. Eisenbahn Hailfa—Jerusalem. Die projektierte Bahnvon Haina nach Nabulu-s und Jerusalem wird nunmehr definitiv in Angriff .genommen und soll innerhalb zweier Jahre vollendet 'sein.' Wiewohl Haiffa eine von der Natur bevorzugte Lage geniesst, so dürfte sich doch der Bau eines Hafens als notwendig erweisen. Es steht zu befürchten, dass die neue Bahn, deren Länge 100 bis 120 -englische Meilen betragen wird, Jaffa mindestens eines Teiles seines Pilger- und Passagier Verkehrs berauben dürfte, um so mehr, als -die türkische Regierung alles tun wird, was in ihrer Macht steht, um Haiffa auf Kosten Jaffas, schon -im Interesse der dem Staate gehörenden HedsChas-Bahn zu bevorzugen. Seine Bedeutung als Hafenplatz für Jerusalem und Umgebung dürfte jedoch Jaffa schwerlich jemals verlieren. Pfianzungsverein „Palästina“. Ausweis der Mitgliederbeiträge vom 15. Februar bis 1. Mai 1908. 1. Ordentliche Mitglieder. Je 1 Dun am. Nr. 79. Albert Eckersdorff, Brieg. 70. Louis Bruck, Paris ....... 71. Samuel Schornstein, Bochum . . . 72. Lippmann Bloch, Breslau. 73. Frau Dr. Rahel Straus, München . . 74. Ehepaar Schutzmann, Boryslaw (eingetragen durch Hochzeitsgäste) . . 75. Reichsratsabg. Adolf Stand, Wien . . 76. Dr. Hillel Sussmann, Stanislau (eingetragen durch d. Verein „Erez-Israel) 77. Dr. Leon Silbermann, Neusandetz . . 78. Bezalel Jaffe, Grodno 79. Verein „Jeschurün", Troppau . . . 80. Dr. L. Landesberg, Cremenetz . . . 81. Frl. Hedwig Lübke. Hamburg (eingetr. durch die zion. Ortsgruppe Hamburg) 82. Emil Wehle, Prag ....... 83. Moses Szereszewski. Wola-Krysztoporsk 84. Julius Simon, Mannheim. 55. Gustav Schwab, Varel (Oldenbung) 56. Frau Gustav Schwabe, geh. Barlewin . Mark SO.— 80.- 80.— SO.— S0.- 85.— S4.75 81.10 80.— SO.— SO.— SO.— 80.- 81.70 SO.— SO.— SO.— 80.- Summe Mk. . . 1452.55 2. Ausserordentliche Mitglieder. ~ Je 1 Dunam. Nr. . Mark 23. Mr. J. Cohen, Sunderland .... 20.— Hugo Schachtel, Breslau, 3. Teilzahlung 15.— 24. Julius Sachs, Breslau.20.— 25. Ing. Ch. Laschtschinsky, Lausanne . 30.— Dr. Arthur Hantke, Berlin, 2. Teilzhlg. 10.— Moses Davids, Amsterdam (eingetragen durch Herrn S. Hoofien, Amsterdam, 2. Teilzahlung ..- . 20.— Summe Mk. . . 115.— 3. Ratenzahlungen. Mark Redakteur Sal. Gottschalk, Breslau (1. Teilzahlung auf den 2. Dunam . . . 20.— Indem wir den Ausweis der jüngsten Eingänge veröffentlichen, erlauben wir uns, unsere Freunde darauf aufmerksam zu machen, dass die Gesamteinnahmen unseres Vereines per dato.Mk. 10.193.70 betragen, während unsere erste Vereinspflanzung in der Kolonie Reehoboth.. „ . 11.S12.30 gekostet hat. Die Ausgaben unseres Vereines übersteigen somit vorläufig seine Einnahme um . . „ 1.618.60, so dass zur Tilgung dieses Rückstandes noch 20 ordentliche Mitglieder fehlen. Unsere zahlreichen ausserordentlichen Mitglieder kommen für den Garten in Reehoboth nicht in Betracht, da nur ordentliche Mitglieder als nominelle Besitzer von bepflanzten Parzellen gelten. Nach Erledigung des ersten Kaufs und nach Ansammlung weiterer Gelder besteht die Absicht, eine zweite Pflanzung in grösserem Umfange in der Kolonie Chedera in Galiläa anzulegen, die bekanntlich aus klimatischen Gründen in der ersten Zeit sehr viel zu leiden hatte, die aber Dank ihrem ausserordentlich fruchtbaren Boden und ihrer günstigen geographischen Lage zu den zukunftsreichsten Kolonien in Palästina gehört. Wir hoffen, dass unsere Freunde durch zahlreichen Beitritt als ordentliche Mitglieder uns die Möglichkeit geben werden, unser Vorhaben betreffs der Anlage ein<*r zweiten Vereinpflanzung in Chedera noch in diesem Jahre zu verwirklichen. Pflanzungsverein „Palästina“. Der Vorsitzende: O. Warburg. Zionisten! Es ist unbedingte Pflicht jedes Gesinnungsgenossen, die »Jüdische Zeitung« zu abonnieren und für sie unablässig Werbearbeit zu leisten. Neues aus dem Paschalik Stern. Am letzten Judentag haben wir Zionisten genugsam bewiesen, dass wir den Kampf mit Stammes- und Glaubensbrüdemnicht um des Kampfes willen suchen, und dass wir freudig einträchtigen Frieden halten, wenn wir zu sehen glauben, dass *man uns ehrlich entgegenkommt Doch „Frieden“ ist der Güter Höchstes nicht; drum sind wir bereit, ihn jederzeit als lästigen Ballast von uns zu werfen, wenn unser Höchstes, des jüdischen Volkes Ehre und Wohlfahrt am Spiel steht. Merkt Euch dies wohl, Ihr Herren vom Kahal, die Ihr in Euerer Hexenküche in der Seitenstettengasse au der Statutenänderung brauet! Seit Jahren schreien die Kultuswächter aller Arten nach einer menschenwürdigen Verbesserung und Modernisierung der Gemeindestatuten im allgemeinen und der Wahlordnung insbesondere, sie schreien nach Ausdehnung des Wahlrechtes, nach Vermehrung der Zahl von Wählern und Vorstandsmandaten der allgemeinen Kurie, nach bezirksweiser Wahl, nach Ausgestaltung des Wirkungskreises der Bezirkskommissionen und anderen Postulaten. Der starre Sinn des edehveisen Kahal aber lässt sich durch dies Geschrei des Pöbels nicht erweichen. Sie wollen ja gar keine Verbesserung des Wahlrechtes, all ihr Streben geht vielmehr dahin, das Volk mundtot zu machen. Ihre Parole ist: „Die Konstitution für Russland, die Autokratie für die Seitenstettengasse! “ Schon anlässlich der letzten Budgetdebatte hat man den Schleier des Geheimnisses jener Statutenänderung gelüftet. Darnach soll künftig nicht mehr alle zwei Jahre ein Drittel der Mandate durch Wahl erneut werden, sondern die Aussprache mit den Wählern und deren Votum soll auf jedes dritte Jahr verschoben werden. Da der Herr Vorsteher sich schämte, den wahren Grund dieses „Reformprojektes“ einzugestehen: dass es sich in dreijährigen Pausen geruhsamer schlummert, als in zweijährigen, wurde vorgeschützt, dass die Kultusgemeinde mit ihrem Millionenbudget jährlich ein paar lumpige Kronen ersparen werden. Die Herren Parnassim sind so begeistert von ihrer illustern Idee, dass sie deren Vorteile gleich anticipando gemessen möchten. So hat Herr Dr. Stern kürzlich geukast, dass die für Ende dieses Jahres fälligen Neuwahlen zu entfallen haben. Pardon! Wie wollen die Henen Schrift- und Rechtsgelehrten des Kahals ihren feinen Plan rechtfertigen? Welche Götterkraft, ausser dem Willen der Wählerschaft, soll den Lebensfaden 'der ablaufenden Vorstandsmandate um ein weiteres Jahr hinausspinnen? Wir können, wollen und werden es nicht dulden, dass Herr Dr. Stern der ehrsamen Parze Klotho so schnöde ins Handwerk pfuscht. Die Kultuswahlen 190S werden stattfinden, trotz aller selbstherrlichen Ukase unseres Trepow und hoffentlich wird der Wahlkampf nicht bloss über die neuzubesetzenden, sondern auch um die 1906 fällig gewordenen Mandate zu entscheiden haben, da bis dahin unsere gegen die Legalität und Giltigkeit der letzten Kultuswahlen gerichtete Beschwerde vom Verwaltungsgerichtshofe entschieden sein dürfte. Jedenfalls wird es sich empfehlen, dass die Zionisten mit gespanntester Aufmerksamkeit die Machenschaften in der Wiener Kultusstube beobachten und ihr Pulver trocken halten. E. Z. Ein Anerbieten der Prager Volks vorschusskassa. Von Direktor Karl R e z e k erhalten wir folgende Zuschrift zur Veröffentlichung. Es wird Sache unserer galizischen Gesinnungsgenossen sein, das dankenswerte Anerbieten der Prager Volksvorschusskassa für die betreffenden Interessenten zu nutzen: Wenn ich in einer früheren Nummer für die Gründung von Vorschusskassen in Galizien das Wort ergriffen habe, so will ich diesmal dieselben auf einen segenbringenden Tätigkeitszweig aufmerksam machen. Ans Galizien werden viele Produkte ausgeführt, die den Erwerb der Juden bilden. Ich greife den mir bekanntenHandel mit Vieh, Schweinen und Eiern auf. Es gibt wohl in Galizien einige weniger vermögende Händler dieser Branche, welche jeder finanzieller Hilfe entbehren können, die meisten sind jedoch arm, den Reichen ausgeliefert, weil es ihnen an Kapital fehlt, grössere Mengen zu kaufen und die Absatzmärkte aufzusuchen. Der Verdienst dieser kleinen Leute ist kaum der eines Taglöhners. Relativ besser bestellt sind die Händler, die das Vertrauen des Wiener, Pester oder Prager Kommissionärs gemessen, welcher ihnen Geld zum Einkäufen schickt, aber auch sie bringen es auf keinen grünen Zweig, denn der Kommissionär übernimmt den Verkauf nur in Kommission, deckt seine Regie, behält sich seine Provision und. eventuell noch mehr, ohne Rücksichtnahme darauf, ob der Wareneiusender seine Rechnung findet oder nicht. Dass die Kommissionäre ihre Rechnung finden, beweist der Umstand, dass die meisten von ihnen reich werden. Hier ist für Vorschusskassen ein sehr grosses Feld. Sie könnten dem kleinen Manne zum Einkäufe Vorschüsse leisten, sie hätten kein Risiko, weil sie die Waren zum Verkaufe unter ihrer Firma aufgeben, somit die Deckung in der Hand haben könnten. D i e Vo lks vorschuss kassa in Prag ist gerne bereit durch ihre V ertrauensmänuer die Waren (Vieh, Schweine, Eier etc.) auf dem Prager Markte zu verkaufen und den Erlös mit dem galizischen Geldinstitute zu verrechnen. Bevor Vorschusskassen gegründet sind, die diesen Betrieb aufnehmen, ist die Volksvorschusskassa in Prag bereit, den kommissionsweisen Verkauf für die galizischen Einsender zu übernehmen, wobei sie sich zur Pflicht macht, die Interessen der letzteren bestmöglichst zu wahren. Korrespondenzen. Deutsches Studentenheim. Wien. Anlässlich des 60jährigen Regierungsjubiläums des Kaisers wird in Wien ein deutsches Studentenheim gegründet. Es ist fast selbstverständlich, dass die meisten und grössten Beträge fiir diesen Zweck von Juden gespendet werden. Es ist aber auch seibstverstämllich, dass in diesem Studentenheim, in welches Deutsche ohne Unterschied der Konfession aufgenommen werden sollen, sehr wenige oder gar keine Juden Platz finden werden. Wenn unsere Israditen Wohltat üben wollen, so sei ihre Aufmerksamkeit aui das Projekt eines jüdischen Studentenheimes gelenkt. Unsere jüdischen Studenten leiden entsetzliche Not. Stipendien bekommen sie in den seltensten Fällen. Die meisten Stfftungsbriefe schliessen die Juden aus, oder wenn Stipendien von Juden gestiftet sind, werden sie für Studierende „ohne Unterschied der Konfession“ bestimmt, was in den meisten FäJen

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