Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 20 (15.5.1908)
- Date
- 1908-05-15
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 20 von den Referenten und Verleihern mit „Ausschluss der Juden“ interpretiert wird. Für die ärmsten der Studenten haben aber unsere Israeliten kein Herz. Der Pius-Verein, die verschiedenen Schützen- und Kirchenbaukomitees aber finden bei ihnen die bereitwilligste Unterstützung. Es ist die 'höchste Zeit, dass dieseT abscheuliche und widerliche Snobismus unserer Israeliten ein Ende nehme und dass sie auch einmal an ihre ureigenste PSicht denken^ von den Schätzen^ um derentwillen die armen Juden unter dem Antisemitismus zu leiden haben, einen Teil für wohltätige jüdische Zwecke zu verwenden und nicht nur für fremde, die ihnen ihre Wohltätigkeit durch den rüdesten Hass danken werden. Gaii;ien. Schiedsgerichtsverhandlung. Lemberg. Unter dem Vorsitze Dr. Braudes’ tagte vor einigen Tagen in Lemberg ein Schiedsgericht über den Streitfall zwischen dem Schriftsteller Herrn Sch. J. Hurwitz und dem Redakteur des „Hamicpe“ Herrn Lazar. Die Vorgeschichte der Verhandüung ist folgende: Vor einigen Monaten veröffentlichte Herr Hnrwitz im „Haolam“ einai Artikel gegen die romantische Verherrlichung des Chassidismus. Dieser Artikel veramftas&te^ Herrn Lazar zu einem Angriff gegen Herrn Hurwitz und den „Haolam“. Ein Federkrieg entstand und Lazar nannte Herrn Hnrwitz einen' Missionär. Herr Hurwitz verlangt für diesen Ausdruck Satisfaktion und die 'beiden streitenden Parteien einigten sich auf die Einberufung eines Schiedsgerichtes, dessen in hebräischer Sprache geführten Verhandlungen ihrer prinzipiellen Bedeutung für das moderne Judentum wegen, öffentlich erklärt wurden. Unsere galizische Parteipresse nimmt von diesem Prozess eingehende Notiz. Der Schiedsgeriehtssprucii ist noch nicht gefällt Wir behalten uns vor, auf diese Affäre zurückzukonimeii. Russland. Gleichberechtigung der Juden in Russland. London. Emern Vertreter der „Times“ gegenüber äusserte sieb Gutsohkow, der Führer der Oktöbristen in der russischen Duma, foTgendermassen: Es ist wohl nicht zu erwarten, dass man den Juden in Russland die Gleichberechtigung erteilen wird, da sich die Duma diesen Vorschlägen ablehnend verhält. Die Regierung in Russland ist gegen die Juden viel liberaler als die Duma. Was die Ausschßessung vom Militärdienst anfbeüangt, sagte Gutschkow, sind die hohen militärischen Kreise dafür sehr eingenommen, da die Juden die Armee 'revolutionieren. Die Lage der Juden — schloss er — ist heute ärger als vor dem Oktobermanifest — Die Worte Gutschkows belehren, was man von der Zukunft der Juden in Russland zu halten hat. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Hebräischer Konversationsklub.) Samstag den 16. Mai findet wie gewöhnlich um; 7 Uhr abends im Cafe B ramm er, IX., Liechten steins trasse 1, eine hebräische Konversation s z us ammenkunft statt Gäste herzlich willkommen. Wien. Samstag den 23. Mai L J. veranstaltet der akademische Verein .Jüdische Kultur“ im Saale des Niederösterr. Gewerbevereines (L,Eschenbachgasse 11)einen Begrüssungsabend zu Ehren des von seiner Studienreise aus Amerika zurückgekehrten Herrn Doktor Nathan Birnbaum (Matthias Acher). Das Programm ist ein sehr reichhaltiges. Herr Dr. B ir n b a um.wird einen Vortrag über seine Amerikareise halten und ausserdem werden namhafte Kräfte musikalisch und-deklamaforisch mitwirken. Mit Rücksicht auf das hervorragende Interesse, das dieReiseeindrückeüber das jüdischamerikanische Leben eines so hervorragenden Beobachters erregen werden sowie mit Rücksicht auf die Bestimmung des Reinerträgnisses — dasselbe fällt dem „Goldfaden-Preis“ zu — wird ein besonders reger Besuch erwartet Karten ä K 3.—, %—i.— und —.50 sind im Vereinslokale (IL, Flossgasse 0/6) sowie im Cafe Stefanie (IL, Stefaniestrasse), Cafe „Brammer (IX, Liechtensteinstrasse), Cafe Lnstijgr (XX., Matbildenplatz), Cafe National (IL, Taborstrasse) zu haben. Wien. Der „Erste österreichische Rechtschutzverein für Hausierer“ in Wien und der Be th ausverein, Freundschaft und Brüderlichkeit“ veranstalten, wie alljährlich, am 17. Mai 1. J., um 6 Uhr abends, als am Sterbetage nach ihrem Ehrenmitglied und Protektor des Herrn k. k. Kommerzialrat Ignaz Zucker s. A. in ihrem Tempe), IL, Taborstrasse 59, im Hofe, Hochparterre, einen Trauergottesdienst und und laden sowohl alle Mitglieder beider Vereine als auch alle Verwandte und Bekannte des so jäh Dahingeschiedenen zur Teilnahme an dieser .Trauerfeier höflichst eiD. Den Nachruf wird Se. Ehrw. Herr Lektor .Friedmann halten. Der gemeinschaftliche Besuch des Grabes findet am selben Tage, um halb 10 Uhr vormittags statt. Zusammenkunft bis 8 Uhr früh im Tempel, II., Taborsträsse 59, bis halb 10 Uhr beim Tor des ZentralfriedhofeB. Berlin. Die Mitglieder der Deutschen Konferenzgemeinschaft der „A lliarice Israelit U niversell e“ haben ah Stelle des heimgegangenen Charles L. Hallgarten einstimmig Herrn Philipp Schi ff in Frankfurt a. M. zum stellvertretenden Präsidenten der Deutschen Konferenzgemeinschaft gewählt. Brünn. Als Gast der jüd.-akad. Verbindung „Veritaa* sprach.Herr Adolf B ö h m im Gewerbevereinssaale über „Reale Falästinap o 1 i t i k“. Vom Oppenheimerschen c>atz_ ausgehend, dass die Wanderung aus den Gebieten höheren Druckes in die niederen Druckes sich vollzieht, wies er nach, dass Palästina für die Juden, aber nur für die Juden, ein Gebiet niederen Druckes ist. Dann gab er eine klare Uebersicht über die Verhältnisse Palästinas und illustrierte dies mit zahlreichen Daten und Vergleichen. Er sprach so überzeugend und begeisternd von der Fruchtbarkeit und Schönheit des Landes, dass die zahlreiche Zuhörerschaft mit ausserordentlicher Spannung seinen Ausführungen folgte. Er skizzierte dann kurz die Tätigkeit und Pläne unserer Partei mit besonderer Berücksichtigung der P. L. D. C.,. schilderte die Regeneration der jungen palästinensischen Juden und hielt damit bis zum letzten Augenblicke die Zuhörerschaft im Banne seiner Persönlichkeit. :Nach dem Vortrage fand im Pilsnerhof ein gemütlicher Abend statt, bei dem ipg. Ernst Fischer über die Verhältnisse in Brünn sprach. Es fand eine rege Debatte statt, an der sich auch die inzwischen angelangten Mitglieder "'des. mährischen Distriktskomitees beteiligten.' 'In fröhlicher Stimmung blieben die Gesinnungsgenossen bis in später Stunde beisammen; Brtdy. Das Baukomitee d e s j ü d isehen Volkshausee inBrody versendet folgenden Aufruf: Euer Hochwohlgeboren! Das gefertigte Komitee hat beschlossen, hier ein j ü d i s e h!,e s Volkshaus zu bauen, welches ein jüdisches Zentrum für die hiesige Judenheit werden soll. Im „jüdischen Volkshause“ soll eine hebräis c he Schule zur Pflege und Förderung unserer Volkssprache errichtet werden. Ein jüdischerTurnverein soll unserer Jugend, die in derartigen andersnationalen .Vereinen nicht gelitten wird oder gar keine Aufnahme findet, Gelegenheit bieten, ihren Körper auszubilden, ihr Rückgrad zu stählen damit die gebeugte Ghettogestalt des Juden aus unserer Mitte verschwinde. Die bereits bestehende jüdische V olksb_i b 1 i o t h e k soll ausgestaltet und erweitert, für die Verbreitung der Kenntnis jüdischer Sprache und Literatur in ausgiebiger Weise gesorgt und der jüdischen Jugend Liebe und Treue zu unserem Volke durch anfklärende und belehrende Vorträge beigebracht werden. Trotz aller Anstrengung der hiesigen jüdischen Büiger reichen unsere Mittel leider noch immer nicht aus, den Bau auszuführen und wir wenden uns an Euer Hochwohlgeboren mit der Bitte, uns in diesem so wichtigen Werk unterstützen zu wollen. Jede Spende ist willkommen und wird jedem edlen Spender im goldenen Vereinsbuch ein Gedächtnisblatt gewidmet werden. Spender über 100 Kronen werden durch eine Gedenktafel'!m Volkshause geehrt. Geldsendungen bitten wir an Gebrüder Tartakower für „Jüdisches Volks haus“ gefl.-zu übersenden. Mit vorzüglicher Hochachtung Baukomitee des Jüdischen Volkshauses in Brody: Paul Br aff, Präses; Bernhard Balaban, Vizepräses; Moses Tartakower, Kassier; Moritz Tennenbaum, Sekretär. Czemowitz. Bei der ausserordentlichen Generalversammlung des „PrivatlehrerverbandeB“, welche am '18. v. M. staufand, wurden dieselben Funktionäre wir vor sechs Monaten, gewählt. Der Verein zählt bereits mehr als'300 Mitglieder Der Antrag des Herrn M a r g u 1 i e s eine jüdische '„Lehrerzeitung“ Tür die Bukowina zu gründenwurde einstimmig angenommen. Die Vorbereitungen zur Ausführung dieses Beschlusses sind imZuge. - Zur Charakteristik des Dr.S.R. Landau. Es 'ist - uns seit langem kein Geheimnis gewesen, dass Landau wohl nie disziplnierter Zionist war, dafür, aber disziplinierter Advokat ist Und wir lebten in beständiger Sorge, so oit sich Landau zionistisch geberdete und sichan. die Partei heranzudrängem suchte, weil wir immer fürchten mussten, dass eine in die Oenentlichkeit dringende . Sk&ndalaifäre Landaus von uneingeweihter oder feindlicher Seite, trotz jener Disziplinierung, gegen die Partei ausgenützt werden könnte Wir atmeten deshalb immer auf, sobald Landaus wahre Natur wieder zum Durchbruch kam und er stets von neuem die zionistischen Führer öffentlich beschimpfte und verdächtigte, um so den Abstand zwischen diesen und sich selbst zu markierein. Als nun das lang Erwartete eintrat und in einer 'Versammlung des Konzipientenvereines zur Sprache kam, was für einen Ruf Landau bei seinen Standesgenossen; gemiesst, als die Tagesblätter über diese Versammlung berichteten und1 die Angelegenheit SO' in die breite Oeirentlcbkeit kam, hat die „Jüdische Zeitung“ diese Berichte samt der „'Berichtigung“ des Landau ohne jeden Kommentar abgedruckt, um damit nochmals darzutun, dass Landau mit der zionistischen und jüdischnatiunaien Partei nichts gemein habe. Dass diese unsere Vorsicht nicht überflüssig war, hat Landau durch dem kühnen Versuch bewiesen, seine-Bordell-, und anderen1 Affären zu einer Angelegenheit der jüdischen Allgemeinheit zu machen und in seinem Blättchen dem Nationalhelden zu posieren. Diesen Versuch hat die energische, ablehnende Haltung der zionistischen Partei und Presse durchkreuzt. Darauf folgte ein Wutausbruch des Dr. Landau. Auf sein Geschrei, dass die „Jüdische Zeitung“ ün Bunde mit der „Zeit“ und .Anbeitar-Zeitung“ ihm die Ehre abschineide, können wirnur die trockene Antewort gelben : Möge doch Dr. Landau der wiederholten Einladung Öles Konzipientenvereines in den Schwurgerichtssaal Folge leisten. Dort wird sich zeigen, ob die gegen ihn. erhobenen Beschuldigungen, durch deren.Wiedergabe firm die Ehre abgeschnitten worden sem soll,'griinälöS1'sind oder nicht. > Hoffentlich überlegt sich -Landau die Sache niohi wiederum zehn Jahre, wie er es gegenübereinem Artikel Herzls aus .dem Jahre 1898 getan, den er erst, nachdem er in der „Jüdischen Zeitung“ in diesem Jahre wieder abgedruokt wurde, 5mkrimrinierte. Ein Zwischenfall. Anlässlich des Gemeindetages gebrauchte Herr Baurat Manmorek in der Erregung einen verletzenden Ausdruck gegen die Wiener Zionisten. Durch die seinerseits inzwischen brieflich erfolgte, ausdrückliche Erklärung, dass er jenen Ausspruch, den er nur in momentaner Erregung gebraucht habe, mit dem Ausdrucke, des Bedauerns zur Gänze Zurücknahme, erscheint der Vorfall für alle Teile erledigt. , ' ' Dieser Zwischenfall war ab r Wasser auf die Mühle Dr. Landaus. Ist er 'doch seit Monaten redlich,. aber erfolglös bemüht, kleine Differenzen in unserer Partei, wie sie in jeder demokratischen Organisation1 Vorkommen, . dazu auszunützen, unsere Gesinnungsgenossen gegeneinander aufzubetzem, um womöglich Verwirrung in die Partei, •welche ihm .'beharrlich aiblehnt, ' zu bringen. So beutete er auch jenen. Zwischenfall zu den unflätigsten 'BescMmpfumgen der Wiener Zionisten aus. Durch die Erklärung des Herrn Baurates Marmorek hat sich aber auch diesmal die alte Erfahrung bewahrheitet, dass alle Gesinnungsgenossen einig darin sind, mit einem Landau nichts gemein haben zu wollen. Personalnachrichten- HENI LÖWIN, Sadagora ' AHRON PICKER, Wien Verlobte. Im Jjar 5666. Die Trauung unseres Gg. Herrn Adolf D a n z i n g e r, Dzieditz, mit Fräulein A d eie Schenkel, Jaslo, findet am 19; Mai im Tempel in Jaslo statt.