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Jüdische Zeitung · 1908-05-08 · 19 (8.5.1908) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
19 (8.5.1908)
Date
1908-05-08
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 19 J QDIS CHE ZEITUNG Seite 7 meinen Ivriaklubs in der Provinz. Anbei wurde der Gedanke angeregt, man solle die Zentrale von Lemberg in eine grössere Pcovinzstadt verlegen. Dagegen opponierte Herr Sofermann, der die Meinung äusserte, dass hierdurch die Zentral- Jeitung in ihrem Ansehen geschädigt werde und dass selbst in der grössten Provinzstadt sich nicht ■die geeigneten Kräfte zur Führung der Geschäfte finden würden. Hingegen spreche er sich für die Zuziehung von vier B eiräten aus den Provinzvereinen aus. Die Delegierten Kleinmann und Tannenbaum beantragen, dass sich die Landeszentrale der „Ivria“ als Filiale des zionistischen .Zent.ralk omitees in Galizien konstituieren solle. Gegen diesen Antrag tritt Herr Lifschütz auf, welcher meint, die „Ivria“ könne doch .nicht zwei Zentralen unterstellt werden. Es wäre schon angezeigter, in direkte Verbindung mit der zionistischen Zentrale in Köln zu treten. Darauf erwiderte Dr. Br au de, die „Ivria“ sei wohl eine selbständige und unabhängige Organij sation. .Sie sei aber organisch mit der galizischen Partei .verbunden. Deshalb sollte sie — gleich anderen .Ressorts —innerhalb des Zentralkomitees •eine autonome Abzweigung des zionistis-c.hen Zentralkomitees bilden. Sonst hätte die „Ivria“-Zentrale von keiner anderen oberen Leitung Direktiven zu erhalten, ausser von der Weltzentrale in Jaffa. Zum Schlüsse wurde das Statut mit gewissen, von der Konferenz akzeptierten Aenderungen angenommen. Ueber Antrag des Delegierten Siegel bäum wurde beschlossen, Vorlesungen zugunsten der .Familie des dahingegangenen Literaten Steinberg zu veranstalten. Delegierter Zell mann (Krakau) beantragt, die Landeszentrale der „Ivria“ möge sich an das .zionistische Zentralkomitee mit dem Ansuchen wenden, dasselbe solle alle zionistischen Vereine in Galizien auffordern, Ivriaklubs in ihrer Mitte zu gründen (angenommen). Noch einige Anträge wurden der Landeszentrale mit dem Aufträge überwiesen, teils in eigener Machtbefugnis auszuführen, teils der nächsten Konferenz zur Beschlussfassung zu unter- .breiten. Hierauf wurden die Wahlen in die Landeszentrale der „Ivria“ vorgenommen. Gewählt wurden: Dr. Markus Braude, Bernhard Jahr, Meschnlim 'Katz, E. M. Lifschütz und Salomon J a w e t z mit dem Sitze in Lemberg, ferner Meier Henisch (Stanislau), Z. Die sendruck (Stryj), Raphael Sofermann (Rohatyn) und Zwi Scharfstein (Brzezany). > Die Konferenz dankt dann den Herrn Doktor Braude für die zweitägige Leitung der Konferenzberatungen und drückt die Hoffnung aus, dass er all seine Energie daransetzen werde, damit alle Beschlüsse der Konferenz ausgeführt werden. Ferner dankt die Konferenz den Herren 4 a r e t z in Lemberg und Diegendruck in Stryj für das Zustandebringen der ersten „Ivria“ - Konferenz in Galizien, deren Bemühungen überhaupt die Entwicklung des Ivriaklubs zu verdanken ist. Der Vorsitzende schliesst hierauf die Konferenz mit einer warmen Mahnung an die Delegierten’ mit aller Kraft die Arbeit fortzusetzen und sich immer das Endziel der „Ivria“ vor den Augen zu halten: „Die hebräische Sprache müsse die lebende Volkssprache des neuauflebenden jüdischen Volkes werdenl“ A. K. jüdischer Turnverein. Krakau. (Orig.-Korr.) Im Oktober v. J. wurde hier, dank der unermüdlichen Arbeit des Herrn Dr. Landau, ein jüdischer Turnverein gegründet. Während der Wintermonate turnten zwei Männer-Riegeu zu je 30—40 Turner und eine Mädchen-Riege mit 25—30 Turnerinnen, jede je 2 Stunden wöchentlich. Nach fünfmonatlichem Bestehen trat der Verein vor das Krakauer Publikum mit dem 1. Schauturnen h rvor, das am 29. März d. J. im Saale des Sokol-Vereines stattiand. Den schön' geschmückten Saal fiihte ein vornehmes Publikum. In seiner Eröffnungsansprache wies Qg. Dr. HilfStein auf die Bedeutung von körperlichen Uebungen für die Juden hin, stellte die Ziele des jüdischen Turnvereines' dar und schloss mit einem warmen Appell an das Publikum um Unterstützung derselben.. Als dann die Turner unter den Klängen einer. Musikkapelle in den Saal stramm einmarschierten, wurden sie vom Publikum mit langanhaltendem Beifall empfangen. Die Begeisterung wuchs mit der glänzenden Ausführung der verschiedenen Punkte des Programmes, das aus Freiübungen, aus Uebungen auf dem Barren, dem Bock und dem Reck der Männef-Riege und Frei- und Barrenübüngen der 'Mädchen-Riege bestand. Das Schauturnen brachte dem Verein einen glänzenden Erfolg in jeder Hinsicht Besonderer Dank gebührt - unserem Turnlehrer Herrn M i c i n s k 4 dessen unermüdlicher und aufopferungsvoller Arbeit wir in erster Reihe den schönen Erfolg zu verdanken 'haben. Für den Sommer plant: der Ausschuss die Einführung von verschiedenen Sports wie Fussball, Tenis etc. Kahalwirtschaft. Brody. Der hiesige ‘Kultusvorstand hat sich zn einem loyalen Schritte auigeraiit: er hat für den 19. April eine Versammlung der Simpelzahler einberufen, um seine Stellung ziu befestigen. Merkwürdig jedoch ist es, dass er zu diesem Schritte sich erst jetzt entschlossen hat, obwohl er hiezu schon seit der Wahl Stands, wo die hiesige jüdische Bevölkerung gegen den Wüllen des Kultusvorstandes sieh iast einmütig .für den zionistischen Kandidaten ausgesprochen hatte, vielfach Veranlassung gehabt hätte, die Vertrauensfrage zu stellen, umsomehr, als ihm. auf mehreren oppositionellen tausendköpfigen Volksversammlungen in 'Anwesenheit von Mitgliedern, des Kultusvorstandes das Misstrauen ausgesprochen wurde. Als Zweck der Versammlung wurde seitens des Herrn Vizepräsidenten der hiesigen Kultusgemeinde zweien Repräsentanten der hiesigen „Techfiah“ eine theoretische Aussprache über die Judenfrage angegeben, was in der Tat natürlich nicht der Fall war. Offiziell sollten bloss Kuliuswähier Zutritt haben, in Wirklichkeit aber liess sich konstatieren, dass recht viele Nichtkultuswähler, auf deren Zuverlässigkeit bei der „Ehrenrettung“ des Kultusvorstandes die Einberuf er rechnen konnten, Einlass fanden; hingegen aber wurde der Antrag, den jüdischen Akademikern Einlass zu gewähren, damit sie an der theoretischen Diskussion sich beteiligen könnten — was ja nach der abgegebenen Erklärung dem Herrn Vizepräsidenten der Kultusgemeinide, der dieser Versammlung präsidierte, lieb und der Sache förderlich wäre — vom Vorsitzenden aus eigener Machtvollkommenheit nicht einmal zur Abstimmung gebracht. Charakteristisch für die überzeugende Argumentation des Kultusvorstandes ist der demagogische Hinweis des Vorsitzenden auf seinen 150 Jahre alten Stammbaum, der allein ihn schon berechtige, die Geschicke der hiesigen Gemeinde zu lenken. Demagogisch war dieser Hinweis deswegen, weil bekanntlich die jüdische Masse leider noch so viel auf „Jichus“ gibt und diese in den zionistischen Reihen nur spärlich vertreten ist. Eine treffende Antwort gab ihm unsererseits Gg. Dr. Glasberg. Kennzeichnend ist ferner, dass als Retter des Kahalsystems unter anderen, vornehmlich Herr Siegmuud Lifschütz ins Treffen geschickt wurde, ein Manu, der seine politische l.auibahn als Präsident des hiesigen Zionveremes begonnen hat, der erst jüngst auf das zionistische Programm in den sultusrat gewählt wurde, der eine Zeit lang hin und her schwankte, bis er glücklich rm Hafen der Assimilation landete, und heute wohlbestelltes Mitglied der „Goldmanowka“ ist, nachdem er vorher wegen seines unqualiiizierbaren Vorgehens bei den letzten Landtagswahlen aus der zionistischen Partei ausgeschlossen wurde. Trotz aller Vorbereitung und Agitation für die Versammlung von seiten der Einberufer scheint es doch, dass diie Herren 'der Kultusgemetnde des so heissersehnten Vertrauensvotums nicht sicher waren, denn der unsererseits gestellte und zweimal urgierte Antrag auf geheime Abstimmung wurde vom Vorsitzenden abgelehnt. Nach den sachlichen Ausführungen unserer Redner ergab die durch Händeerheben vorgenommene Abstimmung ein so merkwürdiges Resultat, dass der Vorsitzende konstatieren musste: „Ich glaube, wir haben die Majorität“ Russland. Jehuda Back. St Petersburg. Jehuda Back, der Herausgeber der „Rjetsch“, ein treuer Jude und grosser Wohltäter seiner Stammesgenossen, hat im Alter von 48 Jahren seinem Leben durch Selbstmord ein Ende gemacht Das Motiv des Selbstmordes ist unbekannt Gg. Rosenbaum im Gefängnis. Minsk. Das Mitglied der zionistischen A. C. und gewesene Abgeordneter der ersten Duma, Dr. Rosenbaum, wurde bekanntlich wegen der Unterfertigung des Wyborger Aufrufes zu drei Monaten Kerker verurteilt Er hat sich nun mit dem ebenfalls verurteilten Jakobsohn nach Sloniir begeben, um seine Strafe abzubüssen. . Eine Anwendung der Judenverordnungen. Kiew. Der Hilisverein der Deutschen Juden erhält folgendes Telegramm: Die städtischen Behörden in Kiew haben , ein städtisches Gebäude für die Opfer der Ueberschwemiming zur Verfügung gestellt Den Juklen, die durch die Ueberschwemmung gelitten haben, wird die Aufnahme ir. dieses Gebäude verweigert, mit der Motivierung, das Gebäude läge in einem Stadtteil, in dem die Juden kein Wohnrecht haben. * * * Wien. Die jüd.-akad. Verbindung „Unitas“ gibt hiemiti ihren E. B. E. B. A. H. A. H. i. a. B. I. a. B. Freunden unkt Gönnern die traurige Nachricht von dem Ableben ihres 1 A. H. Ing. Simon Sonnenschein (XX. F X.L welcher in Krakau nach kurzem schweren Leiden ihr und dem jüdischen Volke allzufrüh entrissen wurde. J. U. C. A. Seelenfried X. M. U. C. A. Heim XXX. Wien. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Massada“ erfüllt hiermit die traurige Pflicht ihren lieben A. H. A. H. i. a. B. I. a. B., Förderern und Freunden geziemend Nachricht zu geben von dem Ableben ihres lieben, unvergesslichen A. B., jur. Karl Fried, welcher im 21. Lebensjahre ihr und dem jüdischen Volke allzufrüh entrissen wurde. Das Leichenbegängnis fand am 6. Mai d. J. vom Zentralfriedhofe aus statt. Fiducit! I. A. d. A. C. cand. ing. Moritz Himmler dz. X stud. jur. Heinrich Mandl dz. XXX An unsere Abonnenten! Wir richten an alle unsere Abonnenten das dringende Ersuchen, rückständige und fällige Pränumerationsbeträge umgehend einzusenden. So erfreulich auch die Verbreitung unseres Blattes vor sich geht, so hemmend wirkt der Umstand, den wir leider konstatieren müssen, dass zahlreiche Abonnenten äusserst schleppend ihrer Verbindlichkeit nachkommen. Die Rückstände machen bereits eine erhebliche Summe aus. Parteigenossen! Wer seinen Abonnementsbetrag nicht rechtzeitig einsendet, gefährdet den Bestand des Blattes! Wir erwarten von euch, dass ihr die von euch übernommenen Verpflichtungen auch gewissenhaft erfüllen und alle Rückstände umgehend einsenden werdet. Mit der nächsten Nummer unterbleibt die weitere Zusendung an alle, welche mit der Zahlung im Rückstand sind. Mit Zionsgruss DIE ADMINISTRATION. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Jüdische Kommilitonen! Der Kampf um die Anerkennung der jüdischen Nationalität ist eine Ehrensache der jüdischen Studentenschaft. Um unserer Forderung und unserer Aktion gelegentlich der letzten Inskription einen energischen. Nachdruck zu verleihen, fordern wir Euch auf, zu der Samstag den 9. Mai 1908, 8 Uhr abends, im Saale des Hotel „Polonia“, II. Rote Sterngasse 7, stattfindenden allgemein zugänglichen Versammlung in Massen zu erscheinen. Tagesordnung: Die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den österreichischen Hochschulen. Das Exekutivkomitee der jüdisch-nationalen Studentenschaft.

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