Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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den Boden auszutrocknen, was aber mit grossen, meist unerschwinglichen Kosten verknüpft ist. Bis ietzt sind im ganzen 400.000 Eucalyptusbäume in Chederah angeprlanzt. Infolge der grossen Sümpfe herrschen auch Sn der Kolonie eine Reihe von Krankheiten, denen oft auch Junge, lebenskräftige Kolonisten erliegen. Es ist vorgekommen, dass eine ganze Familie in einigen Tagen ausgestohbeii ist. An medizinischer Hilfe 'besitzt die Kolonie nur einen Feldscher; von Zeit zu Zeit besucht Dr. 3oöe, der Arzt von Sichren Jacob, auch die Kolonie Chederah. Es gibt auch veischiedene Landbesitzer, die anderswo ähren ständigen Wjohnsitz haben und ihr Land in Chederah verpachteten. Die Kolonie besitzt auch eine kleine Volksschule» an der ein Lehrer und eine Hilfslehrerin gegenwärtig 32 Schüler unterrichten. Für die Fortgeschritteneren ist indessen in dieser Schule kein Platz. Es wäre an der Zeit, durch Aufwendung grösserer Hilfsmittel den misslichen Zuständen dieser aussichtsvollen Kolonie erfolgreich entgegenzuarbeiten. Unter besseren Bedingungen könnte gerade die Kolonie Chederah sich zu einer Musterkolonie entwickeln. Makamen. Von Nam-Re-Kuz. Infolge von Schmidts Resolution — veranstaltete die österreichisch - israelitische Union — eine Demonstration — Natürlich eine stille — so ist’s Brauch in der Khille — eine laute wäre schädlich — meint Redlich — denn erstens wäre das eine Brüskierung — der hohen Regierung — und zweitens soll man mit derlei Sachen — kein Aufsehen machen — und drittens sei gegen diesen Vorstoss des Klerikalismus — allein berufen der Verein zur Abwehr des Antisemitismus — gegen diesen Syllogismus — gab’s keine Widerlegung — man dämpfe also die Erregung — und verzapfte diese in Leit — Artikeln der „Presse“ und „Zeit“ — und ging wohlgemut — zum Gut. — Die Gesellschaft war klein — aber fein — man glaubte zu sein — bei einer Premiere — nur die. Leere — des Saales sprach gejgen des Exempel—es war wie zu Cholhamved im Tempel — doch waren auch dort zur höheren. Weihe — vorurteilsfreie — Christen allerdings nur zweie — und davon der eine jüdischen Blutes — aber was tut es? Als erster sprach Herr Mayer — die alte Leier — ein Gemisch von „Bloch“ und „Neuer Freier“ — und als er am Ende — rief alles Bravo! und klatschte die Hände. Dann kam zum Wort der Abgeordnete der Leopöldstadt— der in die Fortschrittspartei aufgenommen werden gewollt hat —und darum gilt als ein vom Ausnahmsgesetz Betroffner — nämlich Doktor Ofiier — er sagte, nach seiner Meinung — sei der Antisemitismus nur eine vorübergehende Erscheinung — doch gegen die Resolution Schmidt — muss sich wehren der Israelit — aber nicht als Jude nur — als Mensch im Namen der Kultur — denn sie spreche Hohn — der Zivilisation — und dem freien Geiste der deutschen Nation — zwar letztere buhle—mit dem päpstlichen Stuhle — — drum kann uns nur reiten die freie Schule — Und als er mit dieser Rede zu Ende — schrie alles Bravo! und klatschte die Hände. Hierauf erhob sich der Vorsitzende — strich mit der Hand über die schwitzende — Glatze und sprach mit süssen — Lächeln ich erlaube mir den Abgeordneten Mahler zu begrüssen — und als er mit dieser Begrüssung zu Ende — rief alles Bravo! und klatschte die Hände. Aber zum Glück war ein Mann da — der Doktor Kuranda — und rief: „Seh dir an da! — Was kam über mich für ein Geist? — Wieheisst?! — Wie kann man begrüssen den Mahler? — der ist ja doch ein Klerikaler — er war mit diesen Worten kaum zu Ende — da zitterten die Wände — die Versammlung kam ausser Rand und Band — rief durcheinander im höehslen Discant — Die einen brüllten „Heil“ — die anderen im Gegenteil — schrien Hedad und zum Schluss — rief alles „Stuss*. Mitten im Gewühle — erkletterten einige Herren die Stühle — und baten fern zu halten jedes politische Fluidium — aber das Präsidium — ging im lärmenden Streite — Pleite — desgleichen einige ältere Herrn — darunter auch Dr. Alfred Stern — die aus ihrer liberalen Vergangenheit — sich bewahrten eine gewisse politische Befangenheit — und daher die neuen Zeiten nicht recht verstanden — machten sich auf und verschwanden. Inzwischen erhob sich ein Studente — und be- J ruhigte die erregten Elemente — indem er sagte, I Kuranda könne zwar nicht lösen Mahlers Schuh- | riem — doch sei seine Rede ein gelungenes Nachspiel von Purim. Diese Ansprache wirkte kalmierend — und Kuranda fuhr fort hoch ein wenig vibrierend — was er sagt sei durchaus keine Fabel — denn das beweise der Antrag Gabel — der die Juden wolle zufügen dem österreichischen Sprachenbabel — hingegen sei der Antrag Schmidt — für die Juden ein Profit — denn wenn sie nur zu fünf Prozenten — studieren könnten — so gebühren ihnen dafür fünf Prozent der gesamten — k. k. Hof- und Staatsbeamten — ferner (das bewies mit Scharfsinn und List er) — 0'6 von einem Minister — und so hätten wir den Rebbach — nebbach — quae erant demonstranda — schloss Doktor Kuranda. Nach ihm sprach Dr. Mahler— die jüdischen Steuerzahler — von denen beide die Ehre hatten gewählt zu werden — hätten auch ein Recht in Oesterreich gezählt zu werden — drum sei der Antrag Gabel — sehr discutabel — hingegen übte er Kritik — an der vorgeschlagenen Schacherpolitik — die das Unrecht wolle kodifizieren — und die Ehre mit Aemterstellen kompensieren. Zum Schlüsse sprachen noch die begeistert begrüssten — anwesenden beiden gemässigten Christen — Herr Engel und Baron Hock — der letztere etwas barock — und durch die tauben Akkorde des Hassers — klang sanft das Rieseln geheiligten Wassers. Hierauf unter schläfrigem Nicken — und allgemeinem Stühlerücken — mehr in der Garderobe als im Saale — beschloss man zum hunderttausendstenmale — eine alte Reolution in zehn Paragraphen — und alles ging befriedigt schlafen. Korrespondenzen. Anerkennung der jüdischen Nationalität. Wien. Das Exekutivkomitee zur Anerkennung der jüdischen Nationalität an den österreichischen Hochschulen hielt Dienstag den 5. d. M. im Parlamente eine gemeinsame Beratung mit dem „Jüdischen Klub“ ah.. Es wurden die weiter zu unternehmenden Schritte eingehend beraten. Die Abgeordneten drückten dem Exekutivkomitee ihre Anerkennung aus und erklärten sich mit den Vorschlägen des Exekutivkomitees einverstanden. Die in der letzten Zeit stattgenmdenen Verhandlungen mit dem' Rektorate der Universität haben ein günstiges Resultat gezeitigt und ist eine Entscheidung in der nächsten Zeit zu gewärtigen. Am Samstag findet im Hotel „f’olonia“ eine allgemein zugängliche Versammlung statt, in der R. R.-Abg. Doz. Dr. Artur Mahler und J. U. C. Felix Winterstein referieren werden. An den akademischen Senat und die jüdischen Hochschulprofessoren sind zu dieser Versammlung besondere Einladungen ergangen. Wie wir nach Redaktionsschluss erfahren, hat das Rektorat der Wiener Universität dem Exekutivkomitee die bindende Zusicherung gegeben, dass das Bekenntnis der jüdischen Nationalität in das Nationale der inskribierenden Studenten aufgenommen wird. Die zionistischen Studenten haben somit dn ihrem mit jugendlichem Eifer, aber zugleich mit Zähigkeit und Besonnenheit geführten Kampf um die Anerkennung ihrer Nationalität einen Erfolg von ausserordentlicher Tragweite errungen. Gg. Ehrlich gestorben. Wien. Das innerösterreichische D.-Kgibt hiemit bekannt, dass der gewesene Kassier des D.-K. Herr Moritz Ehrl i c h, Börsebesucher, ein treuer und1 opferfreudiger Gesinnungsgenosse, am 4. Mai 1908 nach kurzem, schwerem Leiden im 69. Lebensjahre sanft entschlafen ist. Das Leichenbegängnis des Verblichenen fand am 7 d. M. um 740 Uhr vormittags vom Zentralfriedhof (israelitische Abteilung aus statt. Am Grabe sprach das D.-K.-Mitglied Herr Walltuoh, der die Verdienste des Verblichenen um die Partei in empfundenen Worten würdigte. Galizien. Die erste „lvria“-Konferenz in Galizien. (Originalbericht unseres Korrespondenten.) Lemberg. Sonntagen 19. und Montag den 20. April tagte im Lokale des Vereines „Tikwath-, Zion“ in Lemberg die erste Konferenz der in Galizien existierenden hebräischen „Ivria“-Vereine. Beinahe 50 Delegierte nahmen an den Beratungen teil, die ausschliesslich in hebräischer Sprache geführt wurden, Namens der Zentrale der „Ivria“ in Jaffa (Palästina) begrüsste die Erschienenen der Obmann , des Zentralkomitees der zionistischen Partei Dr. Markus B r a u d e. Er eröffnete die erste galizische „Ivria“-Konferenz in Lemberg und hielt den jüngst in Russland verstorbenen hebräischen Literaten Jehuda Steinberg und Jeschaja Berschadski einen tiefempfundenen Nachruf. ■ Nachher wurde das Konferenzpräsidium gewählt : Dr. B r a u d e, als Präsident; die Herren- Bernhard Jahr und E. M. Lifschütz (Lemberg), als Stellvertreter; die Herren Salamon Jawetz (Lemberg) und Raphael Sofermann (Rohatyn), als Sekretäre. Hierauf nahm Herr Moses Kleinmann, Redakteur des„Tagblatt“, zu seinem Referate über den. ersten Punkt, der Tagesordnung: Zweck und Organisation der Ivriavereine in Galizien“ das Wort. In einer längeren, in einem sehr flüssigen und schönen Hebräisch gehaltenen Rede erinnerte er an die grosse Bedeutung, welche eine einheitliche Sprache für die natiunale Entwicklung eines Volkes besitze. Es sei' unrichtig, die hebräische Sprache als tote zu bezeichnen. Sie war es nie. Seitdem wir unsere Heimat verlassen hatten, hörten die Juden nie auf, die hebräische Sprache zu gebrauchen und in dieser Sprache Werke zu schreiben. Doch hörte die hebräische Sprache auf, ' Volksalltagssprache zu sein. Und deshalb ist und muss es die Aufgabe der Ivriavereine in Galbien, als einzelne Glieder im grossen Verbände der Ivria-Weltorganisation sein, unserer alten Nationalsprache’die alte Popularität und Geläufigkeit unter dem Volke zu verleihen. Sie müssen die Büchersprache wieder zur Verkehrssprache machen. Und dies könae nur durch eine zielbewusste und konsequente Benützung dieser Sprache im Alltagsverkehre wenigstens seitens der Ivriamitglieder geschehen. Dazu aber müsse auch eine stramme und einheitliche Organisation geschaffen werden. Diesbezüglich vertritt der Referent die Meinung, dass eine von der allgemeinen zionistischen Partei in Galizien abgesonderte Organisation unnötig sei. Vielmehr solle in der Mitte eines jeden zionistischen Vereines ein Ivriaklub gegründet werden und alle diese Klubs bilden eine autonome Zentrale innerhalb der Gesamtpartei, die durch die Vermittlung ihres Obmannes dem Wellverbande in Jaffa untersteht. Die nachfolgenden Ausführungen des Referenten riefen eine besonders lebhafte Debatte hervor, an welcher die Delegierten Seid mann, Sofermann, Jahr, 'Lifschütz und Siegelbaum beteiligten. Schliesslich wurden folgende diesbezügliche Beschlüsse gefasst: Zur Vermeidung unnützer neuer Vereinsgründungen und der damit verbundenen Mühe und um eine eventuelle Zersplitterung der Kräfte hintanzuhalten, sollen im Schosse einzelner Zionsvereine Ivriaklubs gegründet werden, die unabhängig von der Verwaltung der Vatervereine, unter selbständiger Leitung stehen. Alle Ivriaklubs stehen unter der Leitung einer Landeszentrale, die von der. alljährlichen Konferenz gewählt wird. Die Zentrale selbst müsse sich den Beschlüssen und Anordnungen der Hauptzentrale in Jaffa (Palästina) unterordnen. An der Spitze der Landeszentrale steht einer der Zionistenführer, welcher der „Ivria“ angehören muss. Nachher erstattete Herr Siegelbaum (Stryj) sein Referat über die „Verbreitung der hebräischen Sprache und ihrer Literatur.“ Nach einer eingehenden Diskussion, die sich insbesondere mit dei Frage befasste, auf welche Weise es ermöglicht werden könne, unter den hebräisch Redenden mehr Verständnis nicht nur für die „schöne“ und neueste Literatur in hebräischer Sprache, sondern auch für die älteren und ernsteren Werke zu wecken, wurden folgende Beschlüsse gefasst: I. Ein jeder Ivriaklub wird beauftragt, regelmässige literarische Kurse einzuführen; 2. literarische Vorlesungen und Diskussionen so oft als möglich abzuhalten. II. Die Landeszentrale wird beauftragt, ein reichhaltiges Inventarverzeichnis von Vorlesungen und Vorträgen für alle galizischen Ivriaklubs auszuarbeiten. III. Die Landeszentrale hat die nötigen Bücher für die Referenten und Prälegenten zu besorgen. (Durch eine eventuelle Gründung einer Zentralbibliothek.) Der zweite Konferenztag begann um 10- Uhr vormittags mit der Vorlesung eines Statuts, rekte Reglements, für die Landeszentrale und die ein-