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Jüdische Zeitung · 1908-05-01 · 18 (1.5.1908) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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-Kr, 18 alten Parteien des Landes ia Verbindung zu setzen, bevor man den Statthalter, dessen Machtbefugnisse ihn als Vizekönig erscheinen lassen, 'ernannt hat. Die Verantwortung, die Bobrzyivski auf sich genommen hat, ist sehr gross. Wir hoffen^ dass er trotz seiner politischen Vergangenheit vermöge seiner Intelligenz aus der Geschichte des Landes soviel gelernt hat, um zu wissen, dass nur eine unparteiische und gerechte Verwaltung, die auf die Wünsche aller das Land bewohnenden Nationen Rücksicht nimmt, dem Lande das geben kann, was es am dringendsten bedarf: den Frieden und das gegenseitige Vertrauen. Der Fall Feilbogen. Die angebEche Hostienschändung der F.Ha Zwack, Schwägerin des Prof. Feilbogen, bot den antisemitischen Blättern einen willkommenen Anlass in spaltenlangen Artikeln Remimszenzen aus dem Mittelalter aufzufrischen und eine frischfröhhche Hetze gegen 'die Juden zu inszenieren. In Anbetracht des ffn allen Ländern mit Vehemenz wiederemvachteu Antisemitismus ist es kein Wunder, dass die Affäre Zwack, wie jede wirkliche oder vermeintliche Lumperei eines Juden oder nur nominellen Israeliten, (bis zur Widerlichkeit aufgebanschf wurde. Es wäre aber lächerlich, anzunehmen, dass Ella- Zwack mit Absicht oder bewusst ein ‘Sakrileg begangen habe. Es war daher unangebracht, ihr eine solche zu hnputieren und flammende Proteste dagegen zu erheben, wie es Rabbiner Dr: Güdemann „im Namen der jüdischen Religion" und die österr.-isr. Union getan haben. Ganz deplaciert ist auch die Erklärung des Professorenkollegiums der Exportakademie, das nichts ‘Eiligeres zu tun hatte, als rasch über Feilbogen den Stab zu brechen. Prof. Feilbogen, seine Frau und Schwägerin sind gewiss nicht, ohne Schuld, aber nur insoweit, als sie durch Snobismus, Würdelosigkeit und Zndring'ichkeit sich in eine Situation brachten, die es ermöglichte, dass sie, wie angegeben wird, eine Unigebührlichkeit begingen. Sie wären aber ebenso schuldig, wenn ihnen 'die Ungeschicklichkeit nicht passiert wäre. Das Traurige daran ist, dass das jüdische Volk, dem Feiltoogen wie auch die ganze 'Assimilamtenschiohte, der er angehört, innerlich ganz wesensfremd ist, darunter leiden muss, wenn äusserlich und innerlich schon seit langem. Abgefallene noch immer als Juden betrachtet werden. Dagegen müssen wir Protest einlegen, denn sie sind „Mauschel“, Zerrbilder von Juden. Wir müssen entschieden jede Verantwortung für Personen ablehnen, die in ihrem Wesen alles andere eher als Juden and. Ein echter Jude wäre nie so zudringlich gewesen, an den Zeremonien anderer Kulte teilnebmen zu wollen, er würde, wenn er zur Osterzeit ein Fest feiern wollte, das Freiheitsfest seines' Volkes begehen. Feilbogen hat bekanntlich die Absicht kundgegeben, seine Handlung durch den Uebertritt zum katholischen Glauben zu „sühnen“. Wir wünschen, dass er diese Absicht ausfühire und dass alle ihm Gesinmmgsverwandten seinem Beispiel möglichst rasch folgen. Denn alle Feilbogens und Zwacks ‘bilden eine ständige Gefahr iür uns'.- das Volk hat von ihnen nicht den geringsten Nutzen, sondern trägt bloss die Verantwortung für ihre Unarten. „Israeliten“ Logik. Gegen die vom Budgetausschuss angenommene Resolution Schmid hat auch die „Oesterr.-Israelitische Union“ eine Protestversammlung einberufen. Nach dem Berichte ihrer Monatsschrift schloss der Referent Herr Präsident Sigmund Mayer seine Rede mit folgenden Worten: .Wir waren seit dem Jahre 1848 Parteigenossen der Deutschen von einer Anhänglichkeit, Opferfähigkeit und Nützlichkeit ohnegleichen. Tausende unserer Juden in Böhmen und Mähren, in den Kleinstädten und auf dem flachen Lande haben in dem Streite zwischen Tschechen und Deutschen für letztere ihre Existenz aufs Spiel gesetzt Viele tatsächlich geopfert. Und diese Resolution des Budgetausschusses, welche mir mit Hilfe der Deutschen zustande gekommen ist. gegen welche nur Nichtdeutsche gestimmt haben, ist der Dank, den wir erhalten. (Stürmische Zustimmung.) ‘Ich kann wohl mit dem Obersten Wrangel in „Wallenstein“ sagen: „Solch eine Flucht und Felonie ist unerhört in der Welt¬ JUDISCHE ZEITUNG .Seite 7 geschichte!“ Wir können diese Leute nicht ändern, wir können sie, 'die durch die unsinnige Nationalitätenhetze blind geworden sind, für alles, was Recht und Gerechtigkeit heisst, nicht sehend machen. Aber insolange sie nicht von selbst sehend werden, nicht zur Besinnung kommen spreche ich es aus: Kein ehrlicher Jude in ganz Oesterreich darf für einen Kandidaten einer dieser deutschen Parteien seine Stimme abgeben. Dass ich Jude bin, dass ich, mich vom ersten Momente des Antisemitismus an in Reih und Glied unter die Kämpfenden gestellt habe, um mitzustreiten gegen die niederträchtige Vergewaltigung, welche über uns hereingebrochen ist, hat mich! nie gehindert und wird m ic h au c'h wei t e r ni ch t hindern, deutsch zu denken und zu empfinden. Ich bin ja kein Tscheche, kein 'Pole, kein Mag y a r e. Aber den heutigen deutschen Parteien gegenüber, welche keine gesunde, sondern eine ganz perverse deutsche Politik betreiben, müssen die Juden auihören, weitere Gefolgschaft zu leisten. Lassen Sie mich mit eineir. anderen Worte Schillers schliessen: „Ni ch t swü rd'ig ist die N a ti on, die nicht ihr Alles setzt an ihre Ehre!“ (Stürmischer, langanhaltender Beifall.)“ Fragt sich nur, welche Nation der Herr Mayer mit seinem Schlusssatz apostrophiert Die jüdische? Der will er ja ebensowenig angehören wre sein Söhn, der durch die Taufe der „konfessionellen“ Gdmemschaitt mit seinem Vater entschlossen ein Ende machte. Oder meint er gar die deutsche Nation? Nun, die wird sich darüber, v/as „nationale Ehre“ heisst, von' Herrn Mayer gewiss noch weniger belehren lassen, als die jüdische Nation. Dass Herr Mayer so patetisch beteuert, „kein Magyare“ zu sein, ist ja schliesslich nur dem Zrnalle zu danken, dass er seinerzeit als „Bocher“ van „Preschborg“ nach Wien übersiedelte. Wäre er dort geblieben, würde er heute gewiss nicht mit Aplomb erklären, „ich bin ja kein Magyare!“ .es sei denn, dass er — „Slowake“ geworden wäre. Römische Elegie. O Publikum, vernimm die Trauermäre Und öffne deinen Tränendrüsensack Ob jenem Sakrileg — zu deutsch Newere — So da begung die gute Ella Zwack. Schrumm, schrumm. Es war zur Zeit, da die Hebräerhunde Die Mazzes tauchen in das Christenblut, Da kam nach Rom, dem Haupt der Erdenrunde, Ein akademisch-exportierter Jud. Schrumm, schrumm. ln Rom zu sein und nicht den Papst zu sehen, Das hat bekanntermassen keinen Sinn, Das könnte man in Ischl nie verstehen, So dachte er, die Frau und Schwägerin. Schrumm, schrumm. Wie der Moslem nach Mekka und Medina, Zog die Meschpoche in das Heiligtum, Das Beth Hamidrasch nomine Sixtina, Empfohlen durch das Ministerium. Schrumm, schrumm.! Was dann geschah, bericht’ ich nicht aufs! neue, ( Obwohl es manchen Leser tief verdriesst, | Weil jeder Jud mit altbewährter Treue j Die „Presse* und das „Deutsche Volksblatt* j liest J Schrumm, schrumm. I \ i Nur das verzeichne, werter Zeitungsdrucker, Was meine ganz bescheidene Ansicht ist, Der Herr Professor ist ein armer „Schlucker“ Und keineswegs ein böser Antichrist. Schrumm, schrumm. Beweis hiefür: Wie eben ich erfahre, Kehrt er den Rücken allem Judenpack O. mögen alle Sakrilegatare Wie er erfüllen ihren Lebenszwack! Schrumm, schrumm. Beda. Zur Charakteristik Dr, S. R. Landaus. In der „Zeit“ vom 24. April lesen wir folgendes: — Der Konzipientenverein gegen einen Advokaten. Wie wir erfahren, fand gestern hn Niederösterreichisdhen Konzipientenverein eine Versammlung statt deren Tagesordnung ein merkwürdiger Disziplinanfall war, der geeignet ist die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich zu lenken. Der Referent Dr. Ernst Walter Ulmann teilte folgendes mit: Der Hof- und Gerichtsadtvokat Dr. Saul Rafael Landau hatte seinem Konzipienten, den er nur an Vormittagen beschäftigte und hierfür mit dem Betrage von 40 Kronen monatlich entlöhnte, bei einer Verrechnung seiner Auslagen vorgeworfen, er habe einen Betrag von. 24 Heller an Stempeln doppelt verrechnet Als der Konzipient diese Beleidigung zuriiekwies, kündigte ihm Dr. Landau vierzehntägig, entliess ihn aber schon nach einer Woche, weigerte sich, den restlichen Gehalt zu bezahlen und das verlangte Verwendungszeugnis auszustellen. Die Vorstellungen des Konzipienten beantwortete Dr. Landau mit der Drohung, er werde dem Ausschuss mitieilen, dass der Konzipient bei ihm nur halbtägig beschäftigt war, und; hierdurch bewirken, dass die rn seiner Kanzlei verbrachte Zeit dem Konzipienten nicht in die gesetzliche Praxis eingerechnet werde. Der Redner wies darauf hin, dass Dr. Landau jener Advokat sei, der vor einigen Jahren vom Disziplinarrat der 'Niederösterreichischen Advokatenkammer verurteilt worden ist, weil er einer Kupplerin für das Zuführen ihrer Schützlinge als Klientinnen eine Provision zugesagt und auf Zahlung dieser „Provision“ geklagt, die Einwendung erhoben hatte, der Vertrag sei als gegen d ie Moral verstossend für ihn nicht rechtsverbindlich. Auf Ersuchen des Konzipienten habe sich der Ausschuss des Niederösterreichischen Konzipientenvereines zunächst brieflich an Dr. Landau gewendet, um ihn zur gütlichen Ordnung der Angelegenheit zu veranlassen, und dann, als der Brief unbeantwortet blieb, die Disziplinaran zeige gegen den Advokaten erstattet. Dr. Landau beantwortete diesen Schritt mit einer Anzeige gegen die Verfasser des Briefes. Der Disziplinarrat sprach den angeklagten Advokaten frei. Die Gründe dieses Erkenntnisses seien nicht in die Oenejrtlichkeit gedrungen, da das Disziplinarverfahren bekanntlich geheim ist. Den Vorstandsmitgliedern des Konzipientenvereins jedoch habe dagegen der Ausschuss der Advokatenkammer das Bedauern über den an Dr. Landau gerichteten Brief ausgesprochen. Der Referent Dr. Ulmann beantragte eine Resolution, m der den beiden Ausschussmitgliedern der Dank iür ihr korrektes Verhalten ausgesprochen wird. Die Versammlung nahm diese Resolution, die in der Debatte unter anderen auch von den anwesenden Advokaten Dr. Paul Strassm a n n u"d Dr. Johann Pollitzer eitrigst unterstützt wurde, unter lebhaftem Beifall einhellig an. Die ..Zeit“ vom 29. d. bringt folgende? : Vor einigen Tagen haben wir an dieser Stelle einem Bericht über eine Versammlung des NiederösterrercKischen Konzipientenvereines Raum gegeben, in der das Verhalten des Advokaten Dr. S. R. Landau seinem Konzipienten gegenüber eine einstimmige und sehr, heftige Verurteilung erfuhr. 'Dr. Landau sendet uns nun unter Berufung auf das Pressgesetz folgende Berichtigung, dfe wir. obwohl sie den Voraussetzungen des § 19 nicht entspricht, hier abdrucken: „Es ist nicht wahr, dass ich meinem Konzipienten vc-geworfen habe, er habe einen Betrag ver 24 Heller doppelt verrechnet. Es ist nicht wahr, dass ich mich weigerte, ihm den restlichen Gehalt zu bezahlen und das verlangte Verwendungszeug.ms auszustellen. Unwahr ist es, dass ich die Vorstellungen des Konzipienten mit der Drohung beantwortete, ich werde dem Ausschuss mitteilen, dass der Konzipient nur halbtägig beschäftigt war, und hierdurch bewirken, dass die in meiner Kanzlei verbrachte Zeit dem Konzipienten nicht in die gesetzliche Praxis eingerechnet werde. Unwahr ist es, dass ich einer Kupolerin für das Zuführen ihrer Schützlinge als Klientinnen eine Provision zugesagt und. auf Zahlung dieser Provision geklagt; die Einwendung erhoben hätte, der Vertrag sei als gegen die Moral verstossend für mich nicht rechtsverbindlich. Wahr ist vielmehr, dass sich obige Tatsachen, soweit sie den Dr. E. betreffen, im Disziplinarverfahren als unbegründet und unstichhältig erwiesen haben, weswegen der Disziplinarrat mit dem Freispruch'vörgegan-

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