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Jüdische Zeitung · 1908-05-01 · 18 (1.5.1908) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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JUDI S,C*H BL: ZE;I T; TJ N G Nr. .18 geh rst Wahr ist weiters, dass ich lediglich im-Jahre' 1904 von einem Sollizi^itör beim Bezirksgericht Innere Stadt II, Abteilung -IV. . geklagt wurde, weil mir derselbe Lm Jahre 71900 einen Hausbesitzer in Meädlhig empfohlen hat Wahr ist schliesslich, dass der Richter von Amts wegen die Klage als unstatthaft abgewiesen hat, da selbst, wenn ich eine Provision versprach, und ich habe überhaupt jedes Versprechen bestritten, ein derartiger Vertrag ungültig sei. Achtungsvoll Dr. S. R. Landa u.“ Der Obmann des Konzipientenveretns Dr. Siegfried Qeye rh ahn, übermittelt uns nach Einsichtnahme in diese Berichtigung die nachfolgende RLditigitellung dieser „Berichtigung“. Dr. öeyerhahm schreibt uns: „Verefcrliche Redaktion! Die Berichtigung des Herrn Dr. S. R. Landau stellt die Verurteilung durch den Disziplinärrat wegen der Bordellaffäre n i c h t' in Abrede. Gleich- , gültig ist wohl, dass ein Sollizitator und nicht die Bordellwirtin selbst die Klage auf Zahlung einer Provision für die „Empfehlung eines Hausbesitzers“ eingebracht'hat; jedenfalls hat der Diszipiinarrat der Advakatenkammer Herrn Dr. Landau wegen, dieser Affäre verurteilt weil er den wa h re n Charakter der Provisionsvereinbarung erkannt hat. Unverständlich äst die Bemerkung der Berichtigung, dass der Richter die Klage „von Amis wegen“ abwies. Eine „amtwegige Abweisung" ist wie jeder juristische Laie weiss. nur möglich, wenn die Sache nicht vor die ordentlichen Zivilgerichte gehört Will Herr Dr. Landau damit sagen, dass schon der Zivilriditer die Angelegenheit vor ein anderes Forum verweisen wollte? ... Was schliesslich den -Freispruch des Herrn. Dr. Landau in der Sache seines Konzipienten Dr. E. betrifft so soll bloss hervorgehofoen werden, dass die Gründe des Urteils, da sie geheim sind, dem Konzipientenverein nicht bekannt geworden sind. Wenn Herr Dr. Landau sein angeblich korrektes Verhalten nachweisen will, so steht ihm der Weg in den Gerichtssaal jederzeit offen. Der Hinweis auf die geschlossenen Türen des Disziplinarrates wird der Oeffehtlichkeit nicht genügen. Der Referent Dr. Ulmann hat übrigens in der Versammlung dies Konzipientenverei-nes noch eine andere erbauliche Affäre mitgeteilt Dr. Landau hat vor einiger Zeit eine Klage auf Zahlung einiger hundert Kronen für eine Marktfrau eingebracht. In erster Instanz wurde der Prozess verloren. Die Frau zahlte nach dem Urteil erster Instanz Dr. Landau hundert Kronen Kosten, und dieser erklärte nun seiner Klientin, sie brauche sich um die Angelegenheit nicht mehr zu kümmern. In zweiter undi dritter Instanz g e - w a n n Dr. Landau den Prozess, worauf der gegnerische Vertreter, Dr. Alexander Pupov a c. Kapital samt Zinsen und Gerichtskosten an Dr. Landau bezahlte. Wie sich nun Dr. Landau einem Kollegen gegenüber rühmte, hat diese F rau von ihm auch nicht einen Heller erhalten. Den Wiener Advokaten äst die Moral des. Herrn Dr. Landau kein Geheimnis; sie kennen diesen Kollegen, wie ein Scherzwort sagt allerdings nur vom „W e.g sehe n“. Die Konzipienten würden es mit Befriedigung begriissen, wenn Dr. Landau statt eines Missbrauches des Berichtigungsparagraphen die Rieinwaschung seiner Eine im Qerichtssaal versuchen wollte. Für die Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend, zeichne ich ergebenst Dr. Siegfried Geyerliatin, derzeit Obmann des Nrederösterreichischen Konzipientenvereines.“ hin verbessern die Zipnisten, die gegenüber den anwesenden Anhängern, lies »Abhängem*, Redlich s -in der Minorität 'waren, demonstrativ den Saab So kam denn das „einstimmige* Vertrauensvotum zustande.; ..* J; ■ Man -sieht daraus, . dass die Versammlung wirklich einen-„würdigen“ Verlauf nahm, nämlich einen desRenegatenpolitikers Redlich würdigen. Wiegen der ausführlichen Berichterstattung über den Bundestalg mussten zahlreiche Notizen und Berichte zurückbieibea. Jüdische.Kommiliton er. Um die jüdische ' Studentenschaft von einem Zwange zu befreien, dessen Konsequenzen eine ^entwürdigende Lüge bedeuten, hat das Unterzeichnete Exekutiv- Komitee die .Aktion zur Anerkennung der j ü di sehen Nation ä 1 i tat an den österreichischen Hochschulen w-iede r auf genommen. Wir werden genötigt, uns Nationalitäten zuweisen zu lassen,‘zu denen wir uns innerlich nicht bekennen und die uns beleidigend zurückweisen, selbst wenn wir uns zu ihnen zählen wollten. -Nicht D e-u t s c h o, Tschechen, Polen elc. wollen wir sein, sondern, einfach Juden, welche--gar kei n en Grund haben, die Rolle von Schutzjuden zu spielen. Es liegt nicht in unserer Absicht, den Frieden^ an den Hochschulen zu stören oder ihren: nationalen Charakter zu leugnen, doch wollen, und dürfen wir uns in unseren primitivsten- Rechten nicht verkürzen lassen! Kommilitonen! Jeder von Euch wird s; das Empfinden haben, dass es sich um eine wahrhafte Tund stolze Tat handelt, w’enn die Anerkennung der jüdischen Nationa- 1 i tät an, dein ös terr eich is ch e n Hochschulen durchgesetzt werden soll und wir bitten Euch uns ohne Saum Seligkeit und k r äftig z u u n terstützen! Wir haben folgendes Aktionsprogramm beschlossen: Da. uns durch die Eliminierung der Rubrik „Nationalität“ die Ablegung eines nationalen Bekenntnisses unmöglich gemacht . wird, soll jeder jüdische Student zum Zeichen des energischen Protestes gegen die bisher geübte Praxis die Rubrik „Muttersprache“ mit „jüdisch* au sz ufül len! Das Exekutivkomitee ist in Permanenz und es ergeht an Euch die Aufforderung bei eventuellen Anständen bei der Inskription Euch unverzüglich an dieses zu wenden. Kommilitonen! Es gilt eine Ehrenpflicht! Komiteelokal: IX., Porzellangasse 22, Cafe Jägerhof. Das Exekutivkomitee, der jüdischnationalen Studentenschaft. Korrespondenzen. Konferenz der westösterreichische i Distriktskomitees. Sonntag, den 10. Mai findet in Brünn eine Konferenz der 3 west österreichischen Distriktskomitees statt, welche sich mit Organisationsfragen beschäftigen wird. Abg. Redlich vor seinen Wählern. Ung. Brod. Die „Arbeiter-Zeitung“ berichtet,, dass dem Abgeordneten Redlich bei der von ihm am 22. abgehaltenen Wählerversammlung.' auch von den Zionisten das Vertrauen ausgesprochen wurde. Demgegenüber ist festzustellen, dass die anwesenden „Wähler“ den zionisti-, sehen Redner jur. Felix Winterstein nieder-: brüllten und Abgeordneter Redlich ihm gegenüber von „jüdischer Chuzpe“ sprach. Darauf-5 Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. 4 K. Anmeldungen nimmt Herr Gelb, IL, Grosse Mohrengasse 5, entgegen. ... . Wien. /Hebräischer Kon versationsklub.) Nach den Osterfeiertagen .tritt der He.bräische Konversationsklub im Klublokale, Cafä Brammer, IX., Liechtenstainst'rasse. 1 zusammen -und hält seine erste Sitzung am 2. Mai. um 7 Uhr abends,, ab. Gäste herzlich'willkommen. - , Wien. Die mährischen Ferialverbindungen erklären, dass sin als Korporationen dem -mit „Bin mährischer Ferialverbindungsatudent“ gezeichneten Artikel in' der’ „'Jüdischen Volks- Stimme“ vollkommen-ferne stehen. Voranzeigen. Wien. (Verein „Poale Zion“.) Samstag den 2. Mai, um 8 Uhr abends, spricht Gg. Blumenfeld, im Cafe Stefanie. II., Stefaniestrasse 2, über: „Die Poale Zion und ihr Anteil an dem Autonomisierungsprozess in Palästina“. Gäste willkommen. : Wien. (Hebräischer Sprachkurs.) Anfangs Mai beginnt unter Leitung des Herrn S. Gelb ein hebräischer Kurs tür Erwachsene (Anfänger) nach der bewährten Iwris b’lwris Methode. Alle Damen und Herreo, die ah demselben teilnehmen wollen, mögen am Sonntag den 3. Mai, 11 Uhr früh, zu einer Besprechung zwecks Regelung der Unterrichtszeit, im Lokale-IL. Flossgasse 9/6, erscheinen. Honorar monatlich 6 K, Studenten Eingesen^et. Streif Hehler auf die Verhältnisse im Wiener jüdischen Studentenlager, v . Unter diesem Titel wurden in der.letzten Nummer der „Jüdische. Volksstimme“*) Vorgänge der .letzten Zeit derart besprochen,' dass , ich mich gezwungen . sehe, im Einverständnisse mit den anderen unmittelbar Beteiligten, diese tendenziös entstellte Darstellung entsprechend richtigzustellen'. Wir hätten zwar eine Diskussion dieser Vorfälle in der zionistischen Presse schon aus Gründen des guten Geschmackes gerne vermieden, weil hier sehr viele unerquickliche Dinge mit im Spiele waren, aber der Herr „mährische Ferialverbindungsstudeni“ will es anders. Eine geniale Idep, dieses Pseudonym, das bei Uneingeweihten den Eindruck erwecken soll, als -ob ' das zitierte Geschreibsel die Ansicht der mährischen Ferialverbindungsstudenten. wäre, die als arbeitsame und verlässliche Gesinnungsgenossen bekannt sind. Dass dieser Herr dabei auch der Notwendigkeit enthoben ist, seinen Namen zu uenuen, wie es ein anständiger Mensch ’ tun müsste, um gegebenenfalls Rede und Antwort zu stehen, ist natürlich ein angenehmes Zusammentreffen. Aber nun zur Säuhe. Die „uibanonia“, der sich der Artikelschreiber so warm annimmt, gehört seit zwei Jahren nicht mehr der zionistischen Organisation an und hat in dieser Zeit Handlungen unternommen, welche eine jüdischnationale Korporation, wie wir uns sie vorstelien, nie und nimmer uotei nehmen darf. Einiges zur Illustration: Es besteht an der Aula eine deutsch-akademische Verbindung „Fidel itäs“, deren deutsche Mitglieder, fast ausschliesslich getauft* und ungetaufte Juden es unter ihrer deutschen Würde finden, mit jüdischnationalen Couleurstudenten ihre stammdeütsche1 Klibge^ku kreuzen, weil diese verworfenen Subjekte.es wagen, „die deutsche Zucht und Öitte (lies: die jüdischdeutschen Assimilanten) ander alma mater zu verunglimpfen.“ Diese famose und wohlhönorige Verbindung, die den jüdischnationalen Couleurstudenten die Ehre abgesprochen und sie für satiBfaktionsunfähig erklärt hat, feierte vor zirka zwei Jahren ihr Stiftungsfest. Wir brachten Ihnen bei diesem Anlass unsere Hochachtung, die sie in so reichem Masse verdienen, entsprechend zum Ausdrucke. Um über den Grund unserer Handlungsweise keine Unklarheiten aufkommen zu lassen, Hessen wir auch eine entsprechende Erklärung in den jüdischen Zeitungen einrücken. Was tat nun die „Libanonia“? Sie ging zum Rektor und sagte dort, sie erkläre sich mit diesem Vorgeden der Jüdischnationalen nicht solidarisch und missbillige es; ausserdem marschierte sie mit einer Gegenerklärung auf, in der es hiess, ein derartiges Vorgehen gegen jubilierende Studienkollegen (!) sei eines Akademikers unwürdig. Man mag über unser damaliges Vorgehen denkeD, wie man will. Wenn man uns aber in dieser Situation und in dieser Weise in den Rücken fällt und Liberale, von diesem Kaliber, gegen Jüdischnationale in der Weise in Schutz nimmt, so ist das eine Handlung, die umso strenger zu verurteilen ist, als auch Mitglieder der „Libanonia“ an diesen Vorgängen aktiven Anteil genommen hatten und auch weiterhin MitgUeder dieser Korporation blieben. Das allein wäre genügend, um jede Gemeinschaft zwischen jüdischnationalen Studenten einerseits und der „Li b an o ni a“ andererseits aufzuheben. Aber noch mehr! Es kam zu wiedei holten Malen vor, dass jüdischnationale Studenten von einzelnen Libanonen angerempelt wurden. Es ereignete sich auch, dass ein Mitglied der „Libanonia“ anlässlich einer Ehrenaffäre aus der Verbindung austrat, auf die Waffen einer liberalen Couleur stieg und sich von liberalen Couleurstudenten sekundieren liess. Das bildete jedoch für die „Libanonia* Keinen Grund, seine Wiederaufnahme abzulehnen. Um aber allem die . Krone aufzusetzen, erklärten sie nach den bewährten Muster der deutschnationalen Radauantisemiten und der sauberen „Fidelitas“ sämtliche gegenwärtigen und zukünftigen Mitglieder der vier zionistischen Verbindungen Wiens für. satisfakti onsunfähig, *) Die „Jüd. Volksstimme“ war so kulant die Aufnahme der Erwiderung abzülehneh.

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