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Jüdische Zeitung · 1908-05-01 · 18 (1.5.1908) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
18 (1.5.1908)
Date
1908-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Jtifilf S C H E ^E I T N G Nr. 18 ii: s Zur Erreichung dieses Zweckes setzen dieselben ein Komitee, bestehend aus 17 Mitgliedern, ein, welches einen Gesetzentwurf unter Beachtung nachstehender Grundsätze zu entwerfen hat: 1. Die unterste Stufe der Organisation müssten die Kultusgemeinden bilden. 2. Soliin müssten Verbände mehrerer Kultusgenteinden geschaffen werden, in welchen diese durch Delegierte vertreten sind. Wie viele Verbände zu bilden sind, wäre Sache der praktischen Ausführung, wobei ins Auge gefasst werden könnte, dass Mähren und Schlesien je einen Verband;. Böhmen, Galizien und Bukowina je zwei Verbände und die Aipenländer samt Niederösterreich, Triest und das Küstenland zusammen einen Verband zu bilden hätten, Wien würde einem Verbände nicht angehören, sondern reichsunmittelbar sein, das heisst, direkt dem Obersten Judenrate unterstehen. 3. Die oberste Stufe in der Organisation soll der „Oberste Judeurat“ in Wien bilden, welcher aus den Delegierten der Verbände zusammengesetzt wird. Die Leitung des Verbandes am Sitze der Landesregierung soll als Beirat für jüdische Angelegenheiten, der Oberste Judenrat als Beirat im k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht fungieren. 5. Die Feststellung der Kompetenz der Verbände und des Obersten Judenrates bleibt dem abzufassendeii Gesetzentwürfe Vorbehalten, doch wäre grundsätzlich auszusprechen, dass von der Wirksamkeit derselben alle Fragen des Ritus ausgeschlossen sind. 6. Die Kosten der Organisation sind von den Kultusgemeinden nach Verhältnis der Steuerleistung za tragen. 111. Das Komitee wird ersucht, den Gesetzentwurf einer im Herbst 1908 von demselben einzuberufenden Versammlung alter Kultusgemeinden Oesterreichs zur Beschlussfassung vorzulegen, sowie jene weiteren Schritte in Vorschlag zu bringen, welche zu unternehmen wären, um die gesetzliche Regelung der angestrebteai Organisation der Jwdenschafi Oesterreichs "zu erreichen. Präsident stellt namens des „Bundes“ ' den famosen Antrag, mit der Einsetzung des Komitees, da ja eine Wahl in dasselbe mit grossen Schwierigkeiten verbunden wäre, den Vorstand des „Bundes“ zu betrauen, worauf durch Kooptierung eine weitere Verstärkung des Komitees stattfind«] könnte. Hierauf wird in die Debatte eingegangen. Del. R e i e h wünscht unter Hinweis auf die grosse Zahl der Juden Galiziens eine besondere Beriicksicliifguiig .ihrer Vertreterzahl im Komitee. Vizepräsident der Wr.-Neustädter Kultusgemeinde mahnt zu einem einheitlichen Vor- Gaese genannt wurde, wird durch die Demolierung der verfallenen Häuser in Fortsetzung des bereits erhöhten Strassenzuges eine Umwandlung erfahren. Dadurch wird die bisher im Hof der ehemaligen Babschen Häuser stehende Pinkassynagoge, welche ihrer Umgebung den Namen gab, fireigelegt werden. Die Gründung dieses Gotteshauses wird der Sage' nach in das 13. Jahrhundert verlegt, es dürfte aber erst um das Jahr 1490 erstanden sein und als sein Erbauer wird Pinkas Horwitz bezeichnet Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Synagoge öfters nmgebant, zuletzt im Jahre 1869. Im Innern findet sich ein altes, herrlich gearbeitetes Gitter aus Schmiedeeisen, davor das Wappen des vom Kaiser Josef II im Jahre 1789 geadelten Joachim Edlen von Popper. Als Reliquie wird auch ein altes Gewand nach dem Babbiner Salomon Molch aufbewahit Molch nahm nämlich die Taufe, trat später wieder zum Judentum über, um endlich in Italien auf dem Scheiterhaufen zu sterben (1439). — Aus der Pinkasgasse, die bis 1817 auch Ueberfuhrgasse genannt wurde, weil sich hier anstelle des jetzigen Kettensteges die Ueberfuhr befand, gelangt man am Kunstgewerbemuseum vorbei zii dem in einer Ecke der Ufergasse gelegenen israelitischen Badhot mit seiner schönen Kanzel und den schattigen Bäumen im Hofe — einem ehemaligen Wirtschaftshofe. Auch die Tage dieses Bahnhofes sind gezählt. In Kfiize wird er niedergelegt und zur StraBsenerWeiterung verwendet werden. geben' unter Ausseradttlasämg aßer Parteienunterschiede. P räs i den t Dt.:Rdsenbache r (Prag) erklärt sich im allgemeinen mit den -Ausführungen des Referenten einverstanden und unterbreitet namens des Piager Kui tusvorstandes eine Resolution. . Eine Kontrolle der Erfüllung jener Verpflichtungen, die den-Gemeinden auferiegt seien, hält Redner für sehr wünschenswert. Diese könne entweder durch die politischen Behörden oder die Vertrauensmänner sämtlicher Gemeinden erfolgen. Letzteres sei "durch die Schaffung der neuen Organisation möglich und entspreche besser den jüdischen Ideen und Anschauungen. (Beifall.) Dr.' Czeszer;(Lemberg) bemerkt, dass gerade mit Rücksicht auf'die galizischen Verhältnisse die Schaffung-eines Zentralor-ganes . eine zwingende, ja unaufschiebbare" Notwendigkeit sei, -da die -weitgehende Autonomie, die den kleinsten, wie den grössten Gemeinden hn gleichen Masse eingeräumt sei, eine Isolierung derselben in kultureller Beziehung herbeiführe. Redner verweise nur auf die tristen Zustände -des Religionsunterrichtes in Galizien, deren Sanierung eine der ersten Aufgaben des zu gründenden Verbandes sein solle. Er bespricht eingehend die Wirksamkeit, welche dieser noch hinsichtlich der rituellen.Eheschliessungen, ferner auf dem Gebiete der Armen- und Krankenpflege, sowie der Wohltätigkeit überhaupt entfalten könnte. Redner empfiehlt den Antrag des Referenten zur Annahme, damit das Judentum in Galizien nicht verknöchere. Moser (Karlsbad) weist daraui bin, dass es auch der Regierung willkommen sein werde, ein Organ zu finden, das berufen ist, die Interessen des Judentums zu vertreten und ihnen autoritativen Ausdruck zu geben und wünscht die Zuziehung eines Vertreters der iküeinem Gemeinden Böhmens in das Komitee. Dr. La mb erg (Mislitz) stellt den Antrag, dass das Komitee aus den hier anwesenden Vertretern der Kultusgemeinden gewühlt werden solle. Rabh. Dr. F eu ch tw.au g (Wien) wünscht, dass auch die Rabbiner zur Mitarbeit herangezogen wenden müssen. Die Juden dürfen nicht auf die Kraft ihrer Lehrer und sittlichen Erzieher verzichten und deshalb sei es notwendig, auch aus ihrer Mitte Vertreter in das Komitee aufzundhmen. Dr. Fr.eimann schliesst sich in seinen Ausführungen dem Wfunsche des Dr. Feuchtwang an. Nun ergreift Gg. Dr. M. Brande das Wort, um als Vertreter einer Reihe galizischer Gemeinden und als Präsident der zionistischen Landes-Organisation den Standpunkt der Zionisten zu präzisieren. Er führt aus: Wir Zionisten sind hierher gekommen, um freudigen Herzens mit Ihnen mitzuarbeiten, gleich Ihnen von bestem Willen beseelt, alles Trennende auszuschalten und einen Boden für gemeinsame Verständigung und Arbeit zu finden. Wenn wir auch eine ganz andere Auffassung von dem inneren Wesen und den Aufgaben der zu gründenden Organisation haben, als die bisherigen Leiter des Bundes, wrollen wir doch nicht unmögliche Forderungen steilem. Wir sind der Ansicht, dass das Schwergewicht dieser Organisation auf den Weinen Gemeinden basieren müsse. Gerade die Tatsache, dass der Gemeindehund sich veranlasst gesehen hat, an alle Gemeinden zu appellieren, beweist, dass es ungenügend ist alle Probleme einzig und allein den grossen Gemeinden zur Lösung "zu überlassen. Wir bestreiten mit aller Entschiedenheit, dass die grossen Gemeinden Galiziens die berufenen Führer der öffentlichen Meinung Gailiziens sind. (Sehr richtig!) So .entspricht — um nur ein Detail hervorzuheben. — die Art und Form der Erteilung dies Religionsunterrichtes in den grossen Gemeinden ganz und gar nicht den Interessen der jüdischen Erziehung. So ist "auch das Theologische Seminar m Lemberg : nicht aus jüdischen, sondern aus antijüdischen Motiven gegründet worden. Wenn die Gründung, dieses Institutes zustande kommen wird, so wird ’ dies nicht aus dem Bedürfnisse nach Regelung des jüdisch«'] Religionsunterrichtes erfolgen, -sondern > um ein Kampfiristitiit gegen das Wiedererwachen . des jüdisch«! Volkes zu schaffen. Redner 'erklärt sich gegen den Abtrag ddS Vorsitzenden,‘'die ^Einsetzung des Komitees' der Leitung des* Bundes zu übertragen, ganz entschieden wenden zu müssen, -da auf diese Weise in das Komitee nur Vertreter der grossen Genieinden gewählt würden. Auf die Ausführungen' Doktor Feuchtwangs zurückkommend, bemerkt Redner, dass die ganze Frage bisher als eine rein öffentlich-rechtliche, als eine politisch-organisatorische aufgefasst worden sei. Vom Standpunkte des jüdischen Lebens ist jedoch diese Frage eine eminent inhaltliche. Es handelt sich darum, das ganze Innen- und Geistesleben des jüdischen Volkes zii leiten und auszubauen. Aus diesem Grunde muss die zu schaffende Organisation hi erster Linie auf die Vertreter des jüdlsch«i Geisteslebens Rücksicht nehmen." Redner schliesst mit der AtSforderiing, dieser Frage ein erhöhtes Augenmerk Zttzuweiiden. (Lebhafter Beifäll.) ' *! ög.'Äbg. Stand bemerkt, eis sei höchste Zeit, dass die'Juden von' “ganz Oesterreich ' Zusammenkommen, um über jüdische 'Fragen -zu beraten. Die Aufgabe des Bundes müsste es sein, m allen das jüdische Volk betreffenden Fragen düe Richtung vörzuzeichuen. Wenn hn Staatsbudget für jüdische Kultuszwecke im Gegensätze zu den änderen ReKigionsgesellschaften der lächerlich geringe Betrag von 12.000 K ausgesetzt ist, so ist der-Gmund darin zu suchen, dass das Judentum seine Interessen in der Oeffentlichikeit nicht mit der erforderlichen Energie vertreten hat Redner bespricht unter Hinweis auf die bevorstehende Volkszählung in eingehender Weise die Frage der Anerkennung der jüdischen Sprache und fordert, dass sie auch in den Offiziellen statistischen Ausweisen Aufnahme finde. Auch auf dem Gebiete der Arbeitsvermittlung. der Regelung der Emigration sowie bezüglich der Sonntagsruhe, des Hausiergewerbes und der jeweiligen akuten Tagesfragen, wie Resolution Schmid. können durch eine starke,; mit Autorität ausgestattete Organisation viel geschehen. Die bisherige Tätigkeit des Bundes könne keineswegs befriedigen. Alles geschehe hinter verschlossenen Türen, als wäre es ein Geheimbuii'-i. Redner polemisiert dann die Haltung galizischer Ku)5tusgenrein<ten gegenüber den hebräischen Schulen, die den Bestand der Schulen. unmöglich mache. Hier Wandel zu schaffen, wird Sache des Verbandes sein, in dem alle Parteien und Strömungen repräsentiert sein sollen und bei dessen Bildung vornehmlich auf die galizische Bevölkerung Rücksicht zu nehmen sei. Redner wünscht, dass der Bund den Namen „Jüdischer“ und nicht „Israelitischer Gemeindebund“ führe. Er schliesst mit dem Wunsche, dass sich der Bund zu einer echten jüdischen Körperschaft im modernsten Sinne entwickeln möge. Dr. K i s c h hebt hervor, dass hier eine Körperschaft gegründet werden soll, die einig für die Juden in deren Namen, sprechen solle. Gegenüber diesem Ziele müssten alle Parteiunterschiede in den Hintergrund treten, nur dann werde eine gedeihliche Arbeit geleistet werden. Gg. Abg. Dr. Straucher dankt zunächst der verehrlichen Leitung, die endlich Gelegenheit gegeben, über jüdische Angelegenheiten zu beraten und erklärt, dass er allerdings den nationalen und zionistischen Standpunkt seiner eigenen Partei vollauf teile, dass er aber hierher gekommen sei, alles Trennende beiseite zu legen, in der Hoffnung, dass die Versammlung, die sich formell zusammengefunden habe auch materiell zum Ziele kommen werde. Mit -Bezugnahme auf die jetzige politische Lage, vor allem die jüngst gefasste Resolution Schmidt, die nur mit Hilfe der Deutschen Zusammenkommen 'konnte, sagte Redner, dass die jüdischnationale Partei hn Gegensatz zu jenen Juden, welche „deutsch“ wählen, nicht die Absicht haben, die ganze Menschheit glücklich zu machen, sondern nur das eine Ziel im Auge haben, ■die berechtigten Interessen des jüdischen Volkes zu - wahren. .Da der „Bund“ in diesen Intentionen gegründet sei, sei es Naturnotwendigkeit, dass er mit der Zeit jüdisch national werde, Was die Missstände in den jüdischen Schulen und namentlich die mangelnde religiöse Erziehung der jüdischen Jugend anbelangt, so erkJäjrt Redner, dass seiner Ansicht nach, nur eine jüdischnatioaial erzogene Jugend jüdisch religiös sein könnte und gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt hiezu gekommen, woselbst

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